Die neusten Parfumbewertungen!

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Habit Rouge Eau de Toilette Guerlain von Lady Smellalot 2017-01-22

Das Reitgewand ist kein reiner Herrenduft. Den können Frauen genauso gut tragen. Ein Guerlain der warm ist, weich, leicht würzig und ein etwas Süße hat. Schwer zu beschreiben. Er wirkt gepflegt und nicht aufdringlich. Das Leder rieche ich eigentlich gar nicht.

Hypnotic Poison Christian Dior von Lady Smellalot 2017-01-22

Hypnotic Poison ist die volle süße Dröhnung. Süße Vanille, süße Kokosnuss, kandierte Mandeln, süße Früchte und dann noch süßliche Blumen obendrauf. Schon wirklich sehr süß. Ich finde den nicht soo schlecht, aber die meisten Mädels die ihn tragen, baden gleich darin und ziehen eine KO Duftspur hintersichher, die einem den Atem raubt. Ich hatte eine kleine Flasche davon und habe sie auch aufgebraucht, aber ich kann nicht sagen das das so ein Männermagnet ist wie alle sagen.

Vanilla The Body Shop von Lady Smellalot 2017-01-22

Das war DER Vanilleduft für mich, bevor er verändert wurde. Einfache schlichte Vanille ohne Firlefanz. Süß und cremig hat er mich immer an Vanillekekse und Vanillepudding erinnnert und ich wurde im Büro oft gefragt, ob ich Kekse gebacken hätte. Der Duft hielt auch sehr gut. Leider wurde er irgendwann verändert.

Shea The Body Shop von Lady Smellalot 2017-01-22

Der Shea Duft soll eigentlich die Pflegelinie ergänzen, aber mir riecht der Duft zu maskulin. Komisch herb, holzig und er kratzt auch irgendwie. Die Pflegeprodukte riechen angenehmer, weicher und cremiger.

White Musk The Body Shop von Lady Smellalot 2017-01-22

White Musk war der erste Duft vom Body Shop den ich mir gekauft habe. Das ist schon viele Jahre her, aber ich bin immer wieder zu diesem Duft zurückgekommen. Das Bodyspray ist toll im Sommer, einfach in den Kühlschrank stellen und dann hat man immer eine super Erfrischung parat. Im Winter kann man es toll mit dem Eau de Toilette/Eau de Parfum kombinieren. Die Pflegelinie ist auch schön vor allem das Deo.
White Musk riecht sauber pudrig, weich und ein bisschen würzig fast etwas erdig. Mir wurde er als Duft der an frische Wäsche erinnert empfohlen. Mich erinnert er aber nicht an frische Wäsche, aber schon an Sauberkeit und Irisseife.

Noble Néroli Comptoir Cologne von NebelGeîst 2017-01-21

Eigentlich, ja eigentlich bin ich ja kein Zitrusbäumchen. Das müsste mittlerweile den meisten bekannt sein, die auch nur ab und an etwas von mir lesen.

Trotzdem habe ich diesen Duft gekauft. Warum?
Ich stimme mit Phoenix überein, er ist recht schnell beschrieben.
Für mich ist es ein sehr klassisches Eau de Cologne, allerdings trotz der recht üblichen Zutaten, eher maskulin ausgeprägt.
Ich rieche mehr, als hier aufgelistet ist (und glaube, auf dem Karton wäre auch noch etwas anderes gestanden).
Fast dominanter als die namesgebende Blüte erscheint mir nämlich die spritzige Bergamotte, doch Neroli folgt auf dem Fuß. Beides wirkt überraschend natürlich (obgleich ich eigentlich davon ausgehe, dass sie nur so wirken, es aber nicht sind).
Es würde mich weiter nicht wundern, stünde da etwas von grünem Tee in der Liste. Nicht weil ich ihn deutlich rieche, eher weil es sich ein wenig so anfühlt, wie bei vielen Teedüften. Ich kann es nicht besser in Worte fassen, es hat mehr etwas mit der Textur des Duftes zu tun, als mit seinem tatsächlichen Geruch.
Dazu gesellt sich auch etwas Petitgrain, schwach, aber mit typischer grüner Herbe.
Weit dahinter tummeln sich noch ein paar namenlose Hölzer. Müsste ich einem davon einen Namen geben, würd ich es wohl Zeder nennen, aber auch hier gilt, wirklich olfaktorisch greifbar ist das nicht.
Das ganze ist gebettet auf einen etwas cremig anmutenden weißen Moschus. Ich sage cremig, aber es ist nicht die Cremigkeit von Sandelholz. Abermals eher als Ahnung in der Textur und Wirkung, als deutlich zu erschnuppern.
Ich merke, das klingt vager, als beabsichtigt. Denn trotz allem Schein bin ich mir recht sicher bei dem was ich rieche und nicht rieche.

Das Ergebnis ist ein klassischer, frischer Sauberduft, der mich irgendwie an die 20er Jahre denken lässt. Vielleicht einer der Kaufgründe? Bin ich doch ein Art-Nouveau- und Art-Deco-Fan. Noble
Néroli ist außerdem eine Abwechslung zu Eau Aimable, dem anderen Neroli/Orangenblütenduft in meiner Sammlung, grüner, frischer, weniger gourmandig, maskuliner.
Einer der gewichtigsten Gründe dürften aber die 4,50€ gewesen sein, die ich für diesen Kollegen hab bezahlen dürfen.

SIllage und Ausdauer waren es jedenfalls nicht, denn die sind, wie bei einem solchen Eau de Cologne typisch, nicht wirklich hoch. Übertreffen aber zumindest die von 4711. Als schwacher Hautduft hält er sich sogar noch eine Weile. Aber ich habe nicht mit mehr gerechnet, wollte nur einen Erfrischungsduft mit einem gewissen Vintagefeeling, bei dem ich nicht gleich Unsummen in den Sand setze, weil meine alte Aversion sich doch wieder durchsetzt und ich ihn vielleicht fast nie trage.

Leider ist er bereits wieder verschwunden, zusammen mit allen anderen Düften dieser Marke. Es war nur ein kurzes Gastspiel beim Pferdemann.
Vielleicht findet man ihn ja hie und da mal wieder, ich würde jedenfalls eine Kaufempfehlung aussprechen, zumindest für diejenigen, die mit den üblichen Mängeln einer solchen Komposition leben können.

A*Men Les Parfums de Cuir Thierry Mugler von NebelGeîst 2017-01-21

A*men Les Parfums de Cuir, oder eigentlich ja Pure Leather, ist ... ein unerwarteter Lederduft, sowohl, wenn man die hier aufgeführte Noten anschaut, als auch, wenn man die A*men-Familie allgemein anschaut.

Man erwartet hier einen Leder-Orientalen auf Steroiden, warm und mit ein wenig Sonnenbrand von der radiaktiven Sillage. Einen synthetischen Gpurmand-Duft, dick eingepackt in weiches (oder auch kratziges) Leder. Eben einen Mugler, wie man ihn kennt und liebt (oder abgrundtief hasst).

Da es den Flanker nirgends zu kaufen oder auch nur zum testen gab, orderte ich eine Abfüllung über eines der Foren. Da der Flanker recht günstig zu bekommen war, wohl weil er nicht ganz so gut ankam, war auch die Abfüllung im 10ml Stiftzerstäuber (jeder kennt sie, die Zerstäuber, die als 12ml verkauft werden, aber tatsächlich nur 10ml fassen) recht günstig zu haben.
Ich war auch schon sehr gespannt, als er wenig später im Briefkasten war.
Doch was ich roch, gab mir erst mal einen gehörigen Dämpfer...

Eröffnen tut das ganze tatsächlich in typischer Manier, synthetisch und laut! Allerdings auch etwas konfus. Nun gut, sagen wir reichlich konfus.
Vieles von der A*men-DNA ist schon zu riechen: kratzig-verbranntes Karamel, Plutonium-Patchouli und die üblichen Verdächtigen, die man vom Original eben kennt. Nur finden die Noten nicht zueinander.
Zudem wirkt das ganze viel kühler, grüner.
Nach einiger Zeit ordnet sich das Chaos etwas und es kristallisieren sich die Protagonisten dieses olfaktorischen Ensembles heraus, das namensgebende Leder und, für den kühlen, so gar nicht orientalischen Eindruck verantwortlich, die Minze.
Nun riechen ja viele Menschen bereits im Original viel von letzterem. Ich gehöre nicht dazu, glücklicherweise.
Die Minze hier ist grün und aromatisch, auch frisch oder besser gesagt kühl, wie man es von einer Minze erwartet. Aber ich rieche hier weniger die wohlbekannte, mentholschwangere Pfefferminze (die mag vielleicht auch da sein, aber nicht dominant), sondern eher krause Minze (auch Nana-Minze oder Spearmint genannt). Immerhin die bessere Variante.
Im weieren Verlauf tut sich nur wenig. Es bleibt bei einem Leder, nicht warm und anschmiegsam, eher wirkt auch dieses kalt, fast steril, Minze, die zwar an Intensität abnimmt, aber überaus lange bleibt (was mich vermuten lässt, dass auch diese Note überwiegend synthetisch realisiert wurde) und im Hintergrund schwingt neben ein bisschen aromatischem Lavendel die DNA des Urvaters mit.

Nach der ersten halben Stunde benimmt sich dieser Pure Leather einigermaßen zivilisiert. Zwar ist er sicher kein Hautduft, aber auch kein raumgreifendes Monstrum. Das, sowie der unerwartet kühle Charakter machen diesen A*men übrigens durchaus sommertauglich. Um ehrlich zu sein, im kalten Winter kann ich ihn mir sogar nicht mal vorstellen.
Die Haltbarkeit ist gut, aber es ist trotzdem nicht einer der ausdauerndsten seiner stetig wachsenden Familie.

Um den Duft mit einem Bild kurz und knackig zu umschreiben, für mich riecht er etwa wie ein neues, schwarzes Ledersofa, auf dem kürzlich jemand saß und sich mit A*men einsprühte, danach eine Packung Wrigley's Spermint in den Mund steckte, ein wenig durchkaute und hernach auf das Leder klebte.

Irgendwie mag ich ihn trotzdem, leider hat es nicht gereicht, mich für eine volle Flasche zu entscheiden, als es sie noch für unter 40€ gab. Mittlerweile ist der Zug abgefahren und mehr würde ich dann doch nicht investieren wollen.

Dafür wird der neue Flanker, der dieses Jahr erscheint, eine Minzkreation. Ich ahne Schlimmes. Aber sicher für Liebhaber dieser Note interessant, denn obgleich sie eher flüchtiger Natur ist, eben eine typische Kopfnote, wird sie bei Mugler sicher noch nach 10 Stunden riechbar sein :D

Morsure d'Amour Lolita Lempicka von PhoenixNoctulus 2017-01-21

Vorweg: Morsure d'Amour soll eine erwachsenere, weniger süße Variante des Premier Parfum von Lolita Lempicka sein. Allerdings stimmt das für meine Nase interessanterweise nur teilweise: Zwar sind die pralinigen Noten aus dem Original hier nicht wahrzunehmen, auch wurde die marzipanige Tonkabohne durch eine eher sanfte, milchige, weniger süße Mandelnote ersetzt. Dafür empfinde ich hier die Kirschnote als weitaus deutlicher ausgeprägt als beim Original. Ebenso hat Morsure d'Amour auch noch eine sanfte, fruchtige Pfirsichnote mit eingebunden. Ich würde daher sagen: Morsure d'Amour ist weniger zuckerig-marzipanig, dafür aber fruchtiger. Als insgesamt weniger süß würde ich den Duft aber nicht bezeichnen wollen. Als erwachsener auch nicht unbedingt (zumal ich Le Premier Parfum, trotz märchenhafter Aufmachung des Flacons, allein vom Duft her auch nicht unbedingt kindlich fand).

Aber was riecht man bei Morsure d'Amour nun? Ich würde sagen, prägend sind, wie beim Original, noch immer irgendwie kühle, leichte, puderig-zartblumige Noten (in diesem Fall sehr viel Schwertlilie und Veilchenblatt), vermengt mit einer Mandelnote (im Original mandelig-marzipanige, etwas süßere Tonkabohne) und - und das ist wohl das Auffälligste und Individuellste an allen(!) Premier-Parfum-Varianten von Lolita Lempicka: eine sehr ausgeprägte, eigenwillige Lakritz-Note. Als Kopfnote ist außerdem etwas Zitrus vorhanden. Dazu kommen, ein kleines Stück weiter im Hintergrund, leicht dosierte fruchtige Noten: vor allen Dingen Kirsche, aber auch ein wenig Pfirsich. Dazu harmoniert gut eine süßliche Jasmin-Note. Als Basis fungiert eine Mischung aus zart-süßer, unaufdringlicher, Vanille und leicht puderigem Moschus. Eine kleine, kühle Nuance von Weihrauch ist ebenso vorhanden.

Als fruchtig-süßen Duft darf man sich Morsure d'Amour allerdings auch nicht vorstellen. Ja, man riecht Kirschen (und Pfirsiche), aber das wirklich markante ist die Kombination aus zarten, leicht puderigen Blüten, Mandeltönen und Lakritze. Le Premier Parfum und Flanker sind für mich DIE Lakritz-Düfte schlechthin, und das ist auch bei Morsure d'Amour nicht anders.

Haltbarkeit und Sillage sind moderat. Für große Fans vom Premier Parfum könnte Morsure d'Amour eine schöne Erweiterung der Sammlung sein; wer noch keinen der Vorgänger hat, den Duftcharakter an sich mag, und Fruchtigkeit gegenüber praliniger Süße vorzieht, könnte hier eine schöne Alternative zu Le Premier Parfum finden. Wem allerdings ein Duft dieser Richtung reicht, dem sei gesagt: Le Premier Parfum und Morsure d'Amour sind sich, bis auf kleinste Nuancen, sehr sehr ähnlich. In dem Fall würde der Kauf sich wohl, wenn Le Premier Parfum schon im Regal steht, weniger lohnen.

Mechant Loup L`Artisan Parfumeur von NebelGeîst 2017-01-20

Mechant Loup, der böse Wolf.
Heute habe ich einen anderen Duft des Hauses L'Artisan Parfumeur beschrieben, Dzongkha. Dort fand ich den Titel und die olfaktorische Illusion sehr stimmig. Das ist oft so, bei L'Artisan Parfumeur, Zielsetzung und Ergebnis passen.
Naja. Oft. Hier nicht.

Es gibt nichts Böses hier, nicht mal etwas Wildes. Alles ist ungemein zahm. So zahm, dass man es kaum erschnuppern kann.
Bereits die Auflistung der Noten erscheint einem suspekt. Praliné? Honig? Haselnüsse?

Beim Aufsprühen fängt es bereits an. Kaum etwas, mal vom Alkohol abgesehen, erreicht die Nase, sofern man diese nicht ganz nah an die besprühte Stelle führt.
Wenn man dies tut, riecht es leicht anisig, leicht nach Süßholz, das geruchlich oft einen überraschend wässrigen Eindruck erweckt (und tatsächlich sind natürliche Süßholzextrakt nicht alkohollöslich, nur wasserlöslich, zumindest kommerziell erhältliche, auch wenn das wohl wenig mit diesem Aspekt des Geruchs zu tun hat). Das tut es auch hier.
Soweit könnte das sogar noch gefallen. Ich mag Süßholz und Lakritz.
Es gesellt sich eine leichte, kaum zu erahnende Holzigkeit dazu. Und ja, ganz vage kommt auch der Gourmandcharakter hervor, mehr in Form einer kaum vorhandenen Nuss, aber mit ein klein wenig Süße, ob letzteres vom Honig oder dem anderen Naschwerk kommt, lässt sich schwer sagen.
Das alles spielt sich aber weiterhin nur ganz nah an der Haut ab.
Bleibt auch leider ungemein flach, bevor es in eine gewisse Muffigkeit wechselt.
Nach nicht mal einer Stunde hat sich dieses Kaisers neue Kleid auch schon praktisch ganz verabschiedet.
Ich kann recht sicher sagen, dass es hier nicht an meiner Nase liegt, denn ich habe diesen Duft mehrere andere Personen testen lassen, keiner nahm ihn stark wahr, einige rochen noch weniger als ich.

Für den eigentlichen Verkaufspreis wäre das eine Katastrophe. Genau genommen fühle ich mich sogar bei den 25€ für 50ml bestohlen.
Dies war mein erster L'Artisan-Blindkauf, der schief gegangen ist.
Geruch, naja, Haltbarkeit unterirdisch, Sillage grottig. Wenn schief, dann wohl gleich richtig.

Hier muss ich eindringlich davor warnen, den Duft blind zu kaufen, er muss auf jeden Fall getestet werden und das auf der eigenen Haut!
Es scheint Liebhaber zu geben, sonst würde man ihn nicht seit 20 Jahren herstellen und hätte ihn nicht beim Umstellen der Verpackungen weiter im Sortiment behalten.
Bei mir stößt es auf Unverständnis. Andererseits hätte ich mir bei anderen ausgefallenen Düften gewünscht, die Hersteller hätten genug Mut gehabt, sie weiter zu produzieren, daher möchte ich nicht all zu viel meckern.
Glücklicherweise bekam ich ihn ja zumindest eingetauscht (wenngleich er dem Empfänger ebenfalls nicht gefallen hat).

Hypnôse Homme Lancome von NebelGeîst 2017-01-20

Hier ist er, der Duft dank dem ich weiß, dass ich gegenüber Cardamom in Parfum wohl weitestgehend ansomisch bin.

Lange Zeit war es einer meiner Lieblingsdüfte, wenn ich das Erscheinungsjahr betrachte, muss ich ihn bald nach Veröffentlichung kennen gelernt haben.
Der einzige verbliebene Herrenduft des Hauses Lancôme. Dabei war er relativ gut versteckt, in einem Regal bei einem ganz schmalen Durchgang, und zwar auf der innenliegenden Seite, abgewand von den vorbeiziehenden Kunden.
Der gedrehte Flakon war es, der meine Aufmerksamkeit erregte.

Für mich ist Hypnôse Homme ein Amberduft, süß, balsamisch, aber trotzdem maskulin. Es ist keine sehr animalische Ambernote. Heute würde ich sagen, sie ist eher synthetischer Natur. Darauf deutet auch die ganz leichte Zedernnote hin, die vielen Ambermolekülen eigen ist. Auch leichte, eher balsamische Patchoulianklänge sind zu vernehmen.
Der Duftverlauf ist kaum vorhanden, das könnte das ganze eindimensional und langweilig machen, doch dem ist nicht so. Die frischen Aspekte bewahren Hypnôse davor Auch wenn ich diese früher nie hätte heraus riechen können, kann ich heute sehr wohl sagen, dass dafür die Minze und der aromatische Lavendel verantwortlich sind. Beides hält sich, wenn auch sehr unterschwellig, relativ lange.
Darüber hinaus wird Hypnôse Homme immer wieder als wahre Cardamombombe bezeichnet. Auch die Wertung der Duftnoten hier legt dies nahe. Doch, obwohl ich mit dem Gesschmack und dem Geruch dieses Gewürz gut vertraut bin, kann ich davon nicht wirklich etwas hier wahrnehmen. Auch in anderen von Cardamom dominierten Parfums meist nicht. Nur in wenigen Ausnahmen kann ich dieses Gewürz riechen, dabei aber nie dominant.

Zu jener Zeit war das ich glaube der teuerste Duft, den ich trug. Ich konnte ihn mir daher nicht immer leisten. Die große Flasche misst nämlich nicht 100, sondern gerade mal 75ml, kostete aber zumindest früher soviel, wie die üblichen Designerdüfte (Armani, Boss, etc) auf 100ml, oder gar mehr.
Allerdings ist der 50ml-Flakon immer mal wieder im Angebot. Daher bin ich auf diese Größe umgestiegen. Der Preis per ml ist dabei geringer, als bei der großen Flasche.

Die Sillage ist stärker, als man sie selbst wahrnimmt. Zumindest wurde ich öfter auf ihn angesprochen, auch von Menschen, die nicht direkt neben mir standen.
Die Haltbarkeit war ebenfalls überdurchschnittlich, aber entweder hat sie nachgelassen, oder es liegt an meiner Haut. Ich würde ihn aber immer noch moderat bis langanhaltend einstufen.

Heute habe ich unglaublich viele Parfums in meiner Sammlung. Das hätte ich früher nie gedacht. Ich trage Hypnôse Homme daher nicht mehr wirklich oft. Eigentlich kaum noch. Dennoch, wohl der Nostalgie wegen, möchte ich ihn nicht mehr in meiner Sammlung missen.

Dzongkha L`Artisan Parfumeur von NebelGeîst 2017-01-20

Im Hause L'Artisan Parfumeur stellt man gerne Örtlichkeiten in den Mittelpunkt der Inspiration. Ob das eine sagenumwobene Stadt ist, wie bei Timbuktu oder einfach eine Zirkusmanege, keine andere mir bekannte Marke versteht es so gut, Bilder und Geschichten statt in Worten in olfaktorischen Eindrücken wiederzugeben.

So ist das auch bei Dzongkha.
Der Name mutet etwas eigentümlich an, uneingeweihte mögen an ein Kunstwort denken, das einfach nur exotisch anmuten soll. Doch dem ist nicht so, Dzongkha ist die Amtssprache eines kleinen, unabhängigen Königreiches im Himalaya. Der größte Teil des Landes liegt dabei in mehr als 2000 Metern Höhe. Von der spirituellen Seite her überwiegt der tantrische Mahayana-Bhuddismus. Neben reichlich Gebirgslandschaften verfügt Bhutan über unberührte Wälder, die zwischen subtropischem und gemäßigtem Klima, je nach Lage, schwanken, während im Hochgebirge der Winter Extremen annehmen kann.
Nationalgetränk ist der von Phoenix schon angesprochene Buttertee.

Doch wie vereint man das alles in einem Duft?

Bertrand Duchaufour startet hierzu mit einer dominanten, aber dennoch irgendwie leichtfüßigen, transparenten Zedernnote. Dabei wirkt die Zeder aber weniger wie eine Himalayazeder, die man hier erwarten würde, sondern eher wie eine Mischung aus der fast ausgestorbenen Libanonzeder und einer neuweltlichen Zeder, die gar nicht zur Gattung der Zedern gehört, sondern zur Gattung der Wacholder, die zu den Zypressengewächsen gehören (wohingegeben die echten Zedern den Kieferngewächsen untergeordnet sind), Etwa Virginia- oder Texaszeder.
Das mag fehl am Platz wirken, aber im Gegensatz zum Baum aus dem Himalaya, der leicht dumpf und muffig wirken kann, ist diese Interpretation tatsächlich schön, und wirkt trotzdem passend zum Thema, etwa wie ein aus Holz gebauter kleiner Tempel.
Dazu gesellt sich eine ebenfalls leichte, denoch gut wahrnehmbare Teenote. Ich habe nie Butter-Tee gekostet, aber für mich riecht es einfach wie ein etwas herberer, weniger grasiger Grüntee. Vielleicht vom doch sehr nahe gelegenen Darjeeling stammend?
Wenn das Herz zu schlagen beginnt, kommen schließlich die hier als Kopfnote aufgeführten Bestandteile zum Tragen. Eine wässrig-frisch-fruchtige Litchi, die Frucht, die mir den Rundholz-Weihrauchduft verleidet hatte. Hier wirkt sie aber überaus passend und trägt sehr zum gewünschten Bild bei. Dazu gesellt sich eine florale Note, deutlich weniger greifbar, aber es muss wohl die Pfingstrose sein.
Trotzdem wirkt der Duft nicht feminin, er bleibt unisex, getragen von der zwar schwächeren, aber nach wie vor vorhandenen Zeder.
Anfänglich konnte man ihn kaum erkennen. Dabei bildet er letztlich den Dreh und Angelpunkt von Dzongkha. Ja, er war schon in der Kopfnote da, aber dabei so ätherisch, dass er fast unterging.
Doch im weiteren Verlauf nimmt er Fahrt auf. Der transparenteste, luftigste, eben ätherischte Weihrauchakkord, den ich je geruchen habe, etwas, das vermutlich nur einem Monsieur Duchaufour gelingen konnte.
Und dieser Akkord schmiegt sich an einen ebenso transparenten Lederakkord, wobei ich hier eher an Velourleder denken muss.
Und zuletzt durchzieht den Verlauf auch eine gewisse Pudrigkeit, und wenn er der Basisnote entgegen strebt, wird immer deutlicher, dass es sich hier um Iris handelt. Im Zusammenspiel mit dem Zedernholz entsteht der mittlerweile bekannte 'Lippenstift-Akkord', allerdings viel transparenter als beispielsweise bei den Vertretern der Dior-Homme-Reihe.

Wie bei einem Alchimisten kommt man sich vor bei Duchaufour. Denn auch wenn der Duft an sich leicht und transparent wirkt (ich überstrapaziere dieses Wort gerade, ich weiß, aber es ist halt das passendste, das mir einfällt), dabei aber dennoch ungemein plastisch und greifbar wirkt. Eigentlich paradox, aber doch treffen diese Gegensetzlichkeiten hier zu.
Sehr zu meiner Überraschung hält Dzongkha auch noch unerwartet lange, eine Besonderheit bei diesem Ur-Nischenhaus. Die Sillage ist moderat, kratzt aber am Rande zum intensiv.
Eigentlich ist es ein Ganzjahresduft, aber ich mag ihn besonders bei milden bis warmen Temperaturen.
Ein Meisterwerk, ein kleines Juwel, wovon ich mir eine Backup-Flasche zugelegt habe (solange er noch so günstig zu haben war).

Bright Crystal Versace von philo 2017-01-20

Düfte, die Granatapfel enthalten, empfinde ich immer als erdbeerig, so auch diesen. BC erinnert mich sofort an meine Kindheit, als es noch Bleistifte, Radiergummis etc. mit Erdbeerduft gab. Mir gefällt der Duft von CB, bis auf die aquatische Note, die mich hier leider Rasierwasser assoziieren lässt. Als Duschgel fände ich den Duft ziemlich gut, aber als Parfum nicht unbedingt.

Fille en Aiguilles Serge Lutens von NebelGeîst 2017-01-20

Serge Lutens mag Wortspiele und Doppeldeutigkeiten. Das wird bei Fille en Aiguilles mal wieder deutlich. Übersetzen könnte man den Titel nämlich sowohl als 'Mädchen aus Nadeln / nadeliges Mädchen' als auch 'Mädchen aus Aiguilles (einem kleinen Dörfchen in der französischen Region Provence-Alpes-Côte d'Azure)'.
Und beides würde passen, wenn man die Komposition so anschaut.

Nadeln finden wir in der Pyramide ja in Form von Koniferen, namentlich der Kiefer und der Balsamtanne.
Auf die meisten hat der Duft zudem einen winterlichen Eindruck, und im Naturpark Queryas, in dem Aiguielles gelegen ist, herrschen in den höheren Lagen die meiste Zeit des Jahres winterliche Bedingungen, und das Örtchen erstreckt sich bis in diese höheren Lagen.

Aber kommen wir zurück zu den Nadeln. Oder dazu, dass ich anfangs davon nicht viel roch.
Schon vor einigen Jahren wurde mir Fille en Aiguilles bei meiner Suche nach einem adäquaten Weihrauchduft vorgeschlagen. Wald und Weihrauch wurde das dann genannt.
Doch leider roch meine Nase damals nur sirupartige Süße und Fruchtigkeit. Ein bisschen Holz dazu und andere, eher disharmonische Noten. Ich verwarf das ganze und sagte dankend, das dies nicht sei, was ich suchte.
SL, respektive die Mitarbeiter des Hauses SL bzw. Shiseido hielten regelmäßige 'Duftlesungen', ob meiner Begeisterung für ausgefallene Düfte, wurde auch ich hierzu vor ich glaube 3 Jahren das erste Mal eingeladen.
Zu dieser Lesung schweife ich nicht ab, keine Sorge, allerdings gab es ein kleines Tütchen mit Duftproben, einer Miniatur von L'Orpheline (der zu dem Zeitpunkt ich glaube noch gar nicht im Regal stand) und einem Glasteelicht mit Glasnuggets darin, die eben mit Fille en Aiguilles besprüht waren.
Und dieser Duft auf dem Glas war nun doch sehr waldig-nadelig, weniger fruchtig, dezent rauchig.
Und hielt überraschend lange an.
Man hatte mich erfolgreich mit einem Duft angefixt, den ich eigentlich schon abgehakt hatte. Solche Schlingel!
Abermals auf Papier getestet kam aber wieder dieses Fruchtsirup schwer zum Tragen. Ich schob es, auch des Preises wegen, erst mal wieder auf, mich intensiv mit dem Nadelmädchen zu beschäftigen.
Doch es kam der Tag, da hatte ich abends nach der Arbeit das dringende Bedürfnis, mich mit einem Duft zu belohnen. Und ich hatte schon eine Idee, welcher das sein könnte.
Also wieder in den Breuninger, wieder Fille en Aiguilles auf Papier aufgesprüht, und siehe da, die Fruchtbombe fiel deutlich weniger bombig aus an diesem kühlen Abend.
Auch wenn mir bewusst war, dass ich ihn online mittlerweile günstiger bekommen hätte, ich wollte ihn gleich haben, also hab ich ihn auch gleich gekauft.

Ich weiß nicht, ob das batchabhängig, reformulierungsbedingt oder einfach meiner Nase geschuldet war, aber auch auf der Haut empfing mich letzt lich nicht mehr gar so viel Sirup.
Dieses Parfum eröffnet zwar immer noch fruchtig, eher an Trockenfrüchte erinnernd, was ja wieder zur Winterthematik passt, und ja, eine gewisse sirupartige Konsistenz im Duft ist immer noch da, aber vor allem sind da gleich recht früh Nadeln. Viele Nadeln. Ein ganzer Wald voll, um genau zu sein.
Dabei stellt die terpenartige Frische der Kiefern- und Tannennadeln durchaus einen Kontrast dar zur Süße der Trockenfrücht. Und auch zum Weihrauch, der bereits früh durchschimmert.
Quasi ein kleines Verwirrspiel zwischen Licht und Schatten, Kühle und Wärme, dabei aber nicht die Ballance verlierend.
Die in Sirup eingelegten Trockenfrüchte haben glücklicher Weise auch keine all zu große Ausdauer (Zucker wird halt schnell verbrannt), bleiben nur als Ahnung im Hintergrund, gut versteckt im dunklen Walde. Dafür bleiben die waldigen Koniferen überraschend lange und deutlich erhalten, während sich der balsamische Weihrauch intensiviert.
Übrigens rieche ich keinen Weihrauch, und auch nicht wirklich groß was an Gewürzen, das Vetiver kann ich ebenfalls höchstens erahnen und würde vom Vetiverylacetat, nicht vom ätherischen Öl ober Absolue ausgehen.
Der Eindruck, den ich von Fille en Aiguilles habe, schwankt zwischen dunklem Rotbraun (wohl Suggestion durch die Farbe der Flüssigkeit?) und tiefem Dunkelgrün. Eben ein Wechsel- oder Zusammenspiel zwischen Wärme und Kühle.

Auf der Haut gibt es leider Abzüge in der B-Note, denn hier hält sich der Duft deutlich weniger lange, auch die Sillage würde ich mir bei einer solchen Duftkomposition etwas raumgreifender wünschen. Beides ordne ich als 'moderat' ein. Das kann aber auch einer Reformulierung geschuldet sein (der ich vielleicht dann auch die Reduzierung der Sirupfrüchte verdanke). Bei knappen 100€/50ml nichts desto trotz ein wenig mau.

Bereut hab ich den Kauf jedenfalls nicht, ich mag das Mädchen aus Nadeln, auch wenn ich es selten trage. Hoffentlich rasiert man ihm nicht bald entgültig die stoppeligen Beine. Was die letzten paar Jahre so von Serge Lutens lanciuert wird lässt jedenfalls Schlimmes befürchten.

Oh wow, das Eau Premiere aus 2007 hat mir schon gefallen, aber diese Version aus 2015 ist noch viel mehr mein Ding. Ein beinahe maßgeschneideter Duft für mich.
Diese Reformulierung verfügt über dieselben weichen, zart-cremigen und warmen Töne des Eau Premiere, wie ich es bisher kannte, es wirkt auf mich aber noch pudriger, luftiger und zärtlicher, auch ein bisschen frischer. Ich kann den Unterschied nicht an etwas Bestimmtem festmachen, er scheint nur in feinsten Nuancen zu liegen, kann nur sagen, dass ich das „alte“ Eau Premiere nur in der kälteren Jahreszeit trug, für den Sommer war es mir etwas zu süß und irgend etwas darin auch zu „orientalisch“. Die neue Version werde ich auch im Sommer mit Genuss tragen.
Ich sehe selbst, es sind dieselben Duftnoten in den jeweiligen Pyramiden angegeben, dennoch wirkt diese Version „moderner“ und frischer; wahrscheinlich wurden die Inhaltsstoffe anders gewichtet. Mir erscheinen die blumigen und vor allem die zitrischen Noten mehr betont, während die warmen, cremig-pudrigen Anteile nur „hingehaucht“ wirken.
Dieses Eau Premiere scheint sich insgesamt noch wesentlich näher am originalen Chanel 5 zu orientieren. Wer Chanel 5 liebt, wird mit ziemlicher Sicherheit auch dieses Eau Premiere lieben. Und wer Chanel 5 nicht mag, sollte diesem Duft hier trotzdem eine Testchance einräumen.
Der Auftakt und die ersten 1-2 Stunden sind ebenso prickelnd zitrisch-blumig und mit seifigen Aldehyden unterlegt wie der Originalduft, allerdings wirken hier die Aldehyde nicht nur insgesamt in der Intensität reduziert, sondern auch weicher und milder in der Aussage.
Der schöne No. 5 Charakter hält sich sehr lange, verschmilzt aber nach und nach mit einer überaus zarten Pudrigkeit und Weichheit. Ich rieche hier Ylang-Ylang in wunderschöner Harmonie mit samtigem Sandelholz, beides äußerst zart dosiert. Ein hellgelbes, warmes Leuchten, das sich hinter das frischere Zitrus-Blumengemisch aus sauberer, leicht seifiger Rose, Jasmin und Neroli legt und dem Duft eine sehr charmante Ruhe und Zartheit verleiht. Das Vetiver merke ich nicht extra, bin aber sicher, dass es den frisch-zitrischen Eindruck unterstreicht und mit dafür verantwortlich zeichnet, dass dieser während des gesamten Verlaufs wahrnehmbar bleibt. Die Vanille merke ich nur als Mitspieler in der allgemein hell-pudrigen, transparent leuchtenden Wolke.
Für mich ein sehr weiblicher Duft, der mich mit seiner unglaublichen Weichheit und stillen Eleganz überrascht hat. Er trägt sich federleicht, um einiges leichter als das frühere Eau Premiere, er verfügt aber trotzdem über Tiefe. Stille Wasser sind tief. Ich liebe ihn.
Die Haltbarkeit ist schwer anzugeben. Nach einer Stunde ist der Duft extrem hautnah, aber er bleibt trotzdem an die 6-8 Stunden. Auch nach längerer Tragedauer kriege ich noch ab und zu seinen sanften Dufthauch in die Nase. An Kleidung haftet er dafür sehr gut. Ein damit eingesprühter Schal duftet gut und gerne noch bis zwei Tage danach.
Allerdings könnte die Sillage für meinen Geschmack kräftiger sein; die enttäuscht mich. Mir wird der Duft zu schnell hautnah. Andererseits würde er sicher einiges an Charme verlieren, wäre er kräftiger...
An stillen Nachmittagen hüllt der Duft aufs Schönste ein, im Alltag geht er unter. Dieses Eau Premiere trägt man für sich alleine und auch für Menschen, die einem sehr nahe kommen dürfen.

Amour Nocturne L`Artisan Parfumeur von aquaria 2017-01-20

Der Duft wurde unten von phoenix bereits ausführlich beschrieben. Meine Dufterfahrung deckt sich zum größten Teil mit dieser Beschreibung, also werde ich nicht noch mal alles wiederholen.
Die Assoziationen, die sich mir bei „Amour Nocturne“ vor allem aufdrängten, waren „Werther’s Echte“. Der warme, milchig-karamellige Duft riecht für mich wie ein langsam im Mund schmelzendes Karamellzuckerl.
Daneben zieht sich allerdings eine zunächst rauchige, später würzige und frische Komponente durch den Duft, die mich an den Duft gerade abgebrannter Spritzkerzen erinnert. Ich glaube, in Deutschland nennt ihr die „Wunderkerzen“. Ich habe keine Ahnung, wie Schießpulver eigentlich riecht, ich kann nur sagen, ich mag diese Schießpulvernote hier sehr gerne. Sie wirkt dunkel, beinahe „schwarz“, aromatisch/würzig und rauchig, eine Mischung aus Spritzkerzen und intensiven Räucherstäbchen.
Der Duft könnte mir gefallen, würde sich das warm-Karamellige mit dem frischeren und dunkleren Würzig-Rauchigen harmonisch verbinden. Auch eine sehr schöne, cremige Orchidee nehme ich zwischendurch ab und zu wahr, die sich allerdings gegen das Milchkaramell und die würzig-rauchige Note kaum durchsetzen kann.
Es könnte ein sehr anschmiegsamer, gourmandiger Karamellduft mit leicht floralem Einschlag sein, luftig aufgepeppt durch die durch die frische, kühle Würzigkeit und Energie der dunkel-rauchigen Töne, die ihm das gewisse Etwas verleihen könnten. Allerdings mache ich dieselbe Erfahrung wie phoenix und rieche die beiden Duftstränge, gourmandig süß und würzig-frisch-rauchig, während des gesamten Verlaufs getrennt, was nach einer gewissen Tragedauer bei jedem Test den Eindruck von etwas kokeligem Karamell mit einem manchmal ziemlich bitteren, angebrannten Ton erzeugte.

Pasadena Guy Bouchara von aquaria 2017-01-20

Blind getestet und schon beim Aufsprühen einen deutlich maskulinen Dufteindruck gekriegt, wobei mir der Duft auch für mich gefallen würde (beinahe).
„Pasadena“ schlägt eine Richtung ein, die mich an die kräuterigen Düfte von Carthusia erinnert.
Aromatisch dunkelgrüne Vegetation mit saftig grünen, fleischig dicken Blättern, mit einer minzig frischen Brise, die durch diesen Blätterwald fegt, mit trockenen Holznoten, einerseits pudrig nach knorriger, alter Baumrinde riechend, andererseits mit einer dunkleren und rauchigeren, aber unaufdringlichen und relativ luftigen, atmungsaktiven Holzigkeit, und schließlich noch mit einer bis zum Schluss anhaltenden, wenn auch gedämpften, zitrischen Frische aus Kumquat und einer „trockenen“, leicht herben Bergamotte. Der Duft ist genau wie die Kategorisierung, die oben in Stichworten angegeben ist: Aromatisch, grün, zitrisch, frisch-würzig und holzig.
Am deutlichsten rieche ich ab dem Mittelteil den Muskatellersalbei heraus, der von dunkelgrünen, sehr frischen, aromatischen (manchmal scharf aromatischen) Kräutern umgeben ist, mit schwach rauchigem Vetiver unterlegt und mit diesem wirklich wunderschön maßvoll dosierten minzigen Unterton, der in Zusammenspiel mit den Zitrusnoten, die weder prickelnd noch saftig, aber dafür wundervoll kühl-frisch und aufhellend wirken, Frische und viel Energie in den Duft bringt.
Die holzigen Basisnoten, von denen ich vor allem das Feigenholz herausrieche, erzeugen eine trockene und ätherisch luftige Aura.

Fazit: Ein sehr frischer, leicht minzig brisiger, leicht rauchiger Kräuterduft mit deutlicher Zitrusbegleitung, umhüllt von trockenen, dunkleren, aber auch für mich gut tragbaren Holznoten.
Einerseits lässt mich der Duft an dichten Dschungel denken, vor allem durch das intensiv Dunkelgrüne, die Umgebungsluft erinnert mich dagegen aber an trockene Wüstenhölzer und Kakteen. Ein nicht ganz stimmiges Duftbild in meinem Kopf, aber im Duft passt das hervorragend zusammen.
Was ihn mir ein paar Ticken zu maskulin macht: Das blättrig Grüne und Kräuterige ist etwas dunkler, als ich es gerne mag. Das Vetiver ist zwar grün und frisch, zeigt aber auch etwas rauchigere und dunklere Facetten, als ich es aus Damendüften kenne. Und die holzigen Noten wirken hier ebenfalls dunkel, allerdings nicht bitter zedrig oder beißend, sondern sehr gediegen und ruhig, wie edle, dunkle Tropenhölzer.
Zur Abwechslung wieder mal vielen Dank an summertime für die Probe. :-)

Ombre Rose L'Original Jean Charles Brosseau von PhoenixNoctulus 2017-01-20

Üppiger, süßlicher Rosenpuder (mit leicht seifigem Hintergrund), traditionell, klassisch - genau so würde ich Ombre Rose in aller Kürze beschreiben - genau so, wie die anderen Rezensentinnen es schon getan haben ;) Ich persönlich empfände Ombre Rose aber durchaus aus tollen Ausgeh-Abendduft, wenn die Sillage nicht leider etwas schwach wäre. Und mädchenhaft? Nee, für mich (persönlich!) hat der Duft schon etwas Erwachsen-Feminines an sich.

Neben der wunderschönen, voll-puderigen Mischung von Rose, Iris(wurzel) und Moschus rieche ich im Auftakt nämlich noch ein sehr elegant-klassisches Aldehyd-Wölkchen, das vom Charakter her deutlich an die großen Damendüfte wie Chanel No 5 erinnert. Später rieche ich zwischen den traumhaften Pudernoten auch noch einen eleganten Akkord aus verschiedenen Hölzern (cremiges, helles Sandelholz, aber auch Rosenholz und Zeder). Außerdem exotisch-würzige Ylang-Blüte, einzelne Anklänge von Geranie und Zimt, ein paar Honigtröpfchen, Vanille und etwas Vetiver, die, zusammen mit einer ganz zart marzipanigen Tonka-Note, einen Eindruck von Pfirsichhaut umspielen; auch eher sinnlich-erwachsen als kindlich. Bisschen Frische schenkt dann auch noch das grün-elegante Maiglöckchen, dadurch wird der Duft auch nicht zu warm.

Insgesamt ist der Duft sehr dicht gewebt und doch sehr facettenreich. Vielleicht assoziiere ich deswegen einen "großen", klassischen Damenduft damit, und weniger ein mädchenhaftes, verspieltes Wässerchen für die jüngeren unter den Damen ;) Aber das ist ja auch immer Auffassungssache, ich möchte den anderen Rezensentinnen definitiv nicht ihr Urteil schlechtreden! Duftinterpretationen sind immer subjektiv, wir alle definieren solche Begriffe wie Eleganz, Kindlichkeit, Unschuld, etc., je nach unseren Erfahrungen unterschiedlich :)

Die Sillage ist, wie schon beschrieben, auch bei meinen Tests leider eher schwach gewesen. Die Haltbarkeit ist moderat und liegt bei 5-6 Stunden. Ich muss dazu sagen, dass ich eine ältere Version testen konnte, Ombre Rose noch ohne den Zusatz "L'Original". Ob der Duft über die Jahre reformuliert wurde, kann ich nicht sagen.

Heritage Eau de Toilette Guerlain von NebelGeîst 2017-01-20

Héritage verwirrt mich, oder sagen wir besser, die Duftpyramide dazu.
Denn ich rieche hier einen sehr klassischen Patchouli-Vanilleduft für den Herrn. Nur listet keine mir bekannte Pyramide Vanille als Note. Aber beginnen wir von vorne...

Aufmerksam wurde ich auf diesen Guerlain, weil die Verpackung seiner Zeit noch an Maserholz oder Leder erinnernd, in einem warmen Braunorange, gehalten wurde. Was auf eben einen warmen, altmodischen Holz-Lederduft schließen ließ. Und auf so etwas hatte ich Lust, genau das wollte ich riechen. Dann noch der Name eines altehrwürdigen Parfumhauses. Was sollte schief gehen.
Allerdings hatte mich mein erster Test auf Papier gleich ernüchtert. Zu jener Zeit hatte ich noch eine extreme Aversion gegen jegliches Zitrusgewächs und alles Frische, so nahm ich diese Noten auch besonders stark wahr. Auf Papier halten sich die Kopfnoten ja zudem länger, da die Wärme der Haut fehlt, die sie noch schneller evaporieren lassen. Und darob roch ich auf dem Papierstreifen vor allem eben die Hesperidien, teils etwas grün angelaufen, und eine altmodisch seifig-frische Note, von der ich heute denke, dass es wohl die Aldehyde gewesen sein werden, eventuell im Zusammenspiel mit Lavendel und Muskatellersalbei.

Ich warf den Streifen weg und ignorierte forthin die Herrendüfte des Hauses, da mir auch die beiden Vetiverbrüder viel zu zitrisch waren und es nur wenig mehr in den üblichen Regalen der Kaufhäuser gab.

Einige Zeit später versuchte ich es nochmals mit diesem hübsch verpackten Guerlain. Die Box hatte sich, zumidnest meiner Erinnerung nach, ganz leicht verändert, strahlte aber immernoch die Wärme eine klassischen Holz- und/oder Lederduftes aus. Bei Guerlain konnte man doch unmöglich eine so unpassende Verpackung wählen, da musste doch was Warmes versteckt sein?
Also aufgesprüht und siehe da, der Eindruck von damals war verschwunden. Meine Nase nahm ein klassisches Wässerchen wahr, das einem Gentleman gut stünde, nicht frisch, nicht seifig und noch während ich zu identifizieren versuchte, was ich denn roch, ließ das Patchouli die Ellbogen sprechen und drängte sich in den Vordergrund.
Ja, das war doch schon deutlich mehr nach meinem Geschmack. Wirkte aber ein wenig schwach auf dem Papierstreifen. Zudem hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon einiges in meiner Sammlung und der Preis war ja schon im gehobenen Mittelfeld.
Ich behielt ihn im Hinterkopf, gab aber immer anderen Düften den Vorzug, wenn ich mir etwas Neues anschaffte.
Bis ich ihn bei Douglas im Regal stehen sah. Um etwa ein Drittel reduziert, beim Ausverkauf. Im regulären Regal war er nicht mehr zu finden. Sollte er etwa eingestellt werden?
Nochmal auf Papier gesprüht (denn leider gehe ich nie ohne Parfum aus dem Haus und da ich es nicht mag, wenn sich verschiedene Düfte um mich herum mischen, teste ich im Laden fast nie auf der Haut), ja, der ist zu schön, um ihn ungenutzt versiegen zu lassen.
Also kurzer Hand eine Flasche mitgenommen.

Doch beim Tragen auf der Haut offenbarte sich eine andere Seite, die mir auf Papier gänzlich verborgen blieb.
Hier lässt sich, glücklicherweise, noch weniger von den typischen Kopfnoten erarnen. Dafür entpuppte sich alsbald die Vanille als dominanteste Note, noch vorm Patchouli.
Nur das, wie schon erwähnt, keine Duftpyramide Vanille listete.
Und anfangs ging sie mir auch auf die Nerven, vor allem weil sie so dominant war und ich sie vormals gar nicht derart stark wahrgenommen hatte. Vanille hatte ich zudem gefühlt bereits genug in der Sammlung.
Manchmal ist ein Amberakkord derart vanillingeschwängert, dass man eher von einem ambrierten Vanilleakkord sprechen mag. Aber so wirklich viel Amber roch ich eben auch nicht, das konnte nicht der Grund sein. Eine andere Duftnote, die Vanilleaspekte mit sich brachte, fehlte ebenfalls.
Aber es war schließlich ein Guerlain, wurde gar von einem Guerlain kreiert. Vielleicht musste man gar nicht groß rätselraten und einfach das Offensichtliche erkennen und annehmen. Schließlich geht doch auch heute noch der Mythos der Guerlinade um, eines Akkords, der in allen, zumindest klassischen, Guerlains enthalten gewesen sein soll. Und dieser umfasste unter anderem eben nun mal Vanille, Tonkabohne (die ebenfalls Vanillin enthält) und (vanillinhaltige) Harze/Balsame. Sollte ich mich da wirklich noch wundern?
Und wie ich eben bei der Recherche zur Guerlinade und den enthaltenen Noten bei Monsieur Guerlain lesen konnte, wurde eben dieser Akkord auch explizit bei der Bewerbung von Héritage anfang der 1990er verwendet. Na, nun ist es wohl endgültig klar, dass mich meine Nase nicht trügt.
Wenig mehr als Vanille und Patchouli kann ich da klar heraus riechen. Ein wenig klingt noch die Cremigkeit des Sandelholzes an. Ein wenig staubiges Puder gesellt sich dazu, zudem weitere, nicht fassbare Holznoten, eine hintergründige Würzigkeit, die ich keinem Gewürz explizit zuordnen könnte.
Bis auf die dominanten Noten ist alles viel zu fein verwoben, als dass man da viel heraus picken könnte.
Echtes Eichenmoss ist übrigens in meiner Flasche vom Januar 2016 nicht mehr enthalten.

Der Gesamteindruck ist elegant, maskulin, klassisch. Und nicht annähernd so schwach, wie es auf Papier den Anschein hatte. Zum Glück. Der Trend des all zu intimen Duftes, den man nur riechen kann, wenn man die Nase tief in der Haut vegräbt, geht mir nämlich gehörig auf den Keks, wenn ich das mal offen ansprechen darf.
Die Sillage ist also eher von der starken Sorte. Auch die Haltbarkeit ist gut, könnte aber besser sein. Ich mutmaße, bei einer älteren Abfüllung war sie das wohl auch.

Mittlerweile kenne ich den Grund für den Ausverkauf, der mir diesen Duft unverhofft in die Sammlung brachte.
Das Verpackungsdesign wurde verändert, modernisiert, nicht etwa die Produktion eingestellt. Ich habe mich bisher noch nicht durchgerungen, dieses Erbe im neuen Gewand zu testen, es würde mich aber nicht wundern, wenn auch gleich die Formel 'modernisiert' wurde.

Perfectly Marvelous Diana Vreeland von noa69 2017-01-20

Auf dem Foto sieht der rote Flakon einfach genial aus!
Ohne den Namen der Firma zu kennen, dachte ich gleich, es muesste Nische sein, der Name klingt nicht sooo bescheiden - Perfectly Marvelous, letztens habe ich naemlich paar Nischenparfuems getestet, die auch ziemlich ausgefallene vielverprechende Namen trugen.
Aber zum Duft!
Pefectly Marvelous riecht schon bei der Aufmachung nach starkem animalischem Jasminduft. Wobei animalisch bei Perfectly Marvelous mit...hm...tja, mit was anderem zu assozieren sein koennte, naemlich mit z.B. ..."Stinki". Entschuldige die Direktheit, aber so empfindet es meine Nase und will nicht anders...Es ist nur ein "Hauch" wenn ich es so ausdruecken kann, aber es weht doch vom Hintergrund um.
Jasmin ist in diesem Falle ziemlich realistisch, honigartig, schwer und schwulstig. Jedoch erscheint mir das Ganze nicht erdrueckend und ich musste auf die Duftpyramide schauen, um festzustellen: es koennte am Piment liegen, wobei ich selber drauf nicht kommen wuerde, aber es gibt hier eine gewisse Prise vom etwas prickelndem.
Ja, wen jemand die "stinckende" Seite des wahren Jasmins nicht stoert, der kanns ruhig probieren. Ich bin in dieser Hinsicht nicht ueberempfindlich, mag sogar disen animalischen wilden Naturgestank im Zusammenspiel mit narkotischen Jasminblueten, doch hier stoert es mich irgendwie, es ist dumpf, flach...
Perfectly Marvelous hat mich sofort an einen anderen Duft erinnert, und zwar an Gelsomino Indiano von L'Erbolario, wobei der geafaellt mir wesentlich besser, bei ihm spuert man ausser animalischen Jasmin auch warme etwas kratzige Hoelzer, Perfectly Marvelous geht eher Richtung gepresster animalischer Jasmin duft :/
Nicht mein Fall, da bevorzuge ich Jasmin von L'Erbolario.
Den roten Flakon wuerde ich aber sehr gerne mit dem Fotoapparat ablichten/
Langlebigkeit und Sillage ganz ok, aber nicht perfectly marvelous ;)

Vanilla The Body Shop von PhoenixNoctulus 2017-01-19

Vanilla von The Body Shop ist ein süß-gourmandiger, aber gleichzeitig auch leicht würziger Vanilleduft. Er ist durchaus ein wenig puddingartig, hat aber auch das authentische Aroma frisch zermahlener Vanilleschoten, also auch etwas leicht Herbes und Würziges, an sich - und wirkt dadurch auch nicht unbedingt kindlich, ist daher also auch von erwachsenen Damen, die Gourmand-Düfte mögen, gut tragbar.

Insgesamt würde ich den Duft als süß, aber nicht zuckerig bezeichnen, dafür aber etwas cremig und sogar leicht karamellig. Insgesamt empfinde ich die Süße als genau richtig dosiert; Vanilla wirkt nicht übertrieben süß, aber dennoch lecker, trotz seiner unsüßen Nuancen aber auch nicht zu herb oder würzig (geschweige denn dunkel oder holzig - insgesamt ist es schon ein heller, für Vanille-Verhältnisse leichterer Duft).

Auffällig finde ich persönlich die hintergründig vorhandene Zuckerrohrnote, die auch bei einigen anderen der Düfte von The Body Shop mehr oder weniger deutlich wahrnehmbar ist (relativ gut zu erkennen z.B. bei Mango). Das liegt tatsächlich daran, dass The Body Shop in den Düften Zuckerrohrextrakt verarbeitet. Im Falle von Mango und Vanilla empfinde ich die Zuckerrohrnote eigentlich als sehr harmonisch in Bezug auf den restlichen Dufteindruck.

Die Sillage von Vanilla ist moderat. Einen Pluspunkt gibt es für die ausgeprägte Haltbarkeit: Schon das Bodyspray (100ml für 11 Euro) hält bis zu 6 Stunden, das Eau de Toilette (30ml für 15 Euro) hält sogar 7-8 Stunden durch. Das ist für einen Duft dieser Preisklasse wirklich positiv bemerkenswert.

Insgesamt empfinde ich Vanilla als sehr angenehmen gourmandigen Wohlfühl-Vanilleduft, der zwar relativ statisch und auch nicht so sonderlich facettenreich ist, was mich allerdings bei diesem Duft keineswegs stört. Unter den Mono-Vanille-Düften gehört The Body Shop Vanilla auf jeden Fall zu meinen Favoriten!

Moringa The Body Shop von PhoenixNoctulus 2017-01-19

Moringa ist ein üppig-süßer Weißblüherduft. Er wirkt auf mich strahlend hell, intensiv, süß, ein wenig honigartig, aber auch nuancenweise säuerlich, minimal grün und frisch, daher insgesamt auch nicht zu schwer; sehr leicht indolisch, sehr cremig, mit Noten verschiedenster heller Blüten.

Wie Moringa - die Pflanze - genau duftet, weiß ich nicht. Aber vielleicht hilft ein kleiner Vergleich, um den Duft des Parfüms genauer zu beschreiben? Es scheint mir, als wären da deutliche Noten von Gardenie, Tuberose und Jasmin (Jasminum officinale), dazu moderat Freesie, und letzlich kleinere Akzente von Frangipani, Champaka-Magnolie und Wildwasserjasmin (Dok Mok, eine in Thailand sehr geläufige Tempelpflanze). Und eine minimalste Menge Maiglöckchen, für den leicht frischen, grünen Touch. Insgesamt bietet sich mir hier also ein Bouquet verschiedener heller (meist Baum-)Blüten, die dabei auch alle sehr natürlich wirken. Kurzgefasst: Ein intensiv blumig-cremiges tropisches Dufterlebnis.

Die Sillage von Moringa (als Eau de Toilette) würde ich als überdurchschnittlich bezeichnen - der üppig-süße Duft ist zwar nicht aufdringlich, aber auch nicht zu unauffällig. Für die Intensität des Duftes ist allerdings die Haltbarkeit mit etwa 3-4 Stunden nicht allzu stark ausgeprägt.

In der Bodyspray-Variante wirkt Moringa insgesamt etwas zarter, weicher und auch einen Deut cremiger, weshalb ich diese Version gegenüber dem EdT vorziehe. Die Sillage ist hier moderat, die Haltbarkeit nicht viel geringer als beim EdT, mit etwa bis zu 3 Stunden.

Preislich werden für das EdT 15 Euro (für 30ml) fällig. Das Bodyspray kostet 11 Euro bei 100ml Inhalt.

The Essentials Scent 79 Man Jil Sander von NebelGeîst 2017-01-19

Ein wenig ist es schade. Ich habe diesen Duft nie im regulären Einzelhandel gesehen, wobwohl es beispielsweise im hiesigen Karstadt sehr wohl einen Jil-Sander-Counter gibt. Und nun steigen die ehemals niedrigen Onlinepreise, es scheint, als wäre der Duft eingestellt worden?
Vielleicht, weil es eine Fehlproduktion war? Denn so steht auf dem Karton, The Essentials Scent 79 Man sei der alte Man Pure im neuen Gewand.
Doch, ohne die Vintage-Düfte zu kennen, es gab einen Scent 79 aus dem Jahre 1981 und bei der The Essentials-Reihe gibt es einen Pure Man. Es macht also keinen Sinn, dass die 2012 erschienene Neuauflage nicht die des gleichnamigen Vintageduftes ist, sondern eines anderen Herrenparfums von Jil Sander. Übrigens passen auch die Noten besser. I alias Man Pure geht in eine ganz andere Richtung, der Pyramide nach.
Also zumindest die Verpackung war wohl ein Fehldruck. Das kann einer der Gründe sein, warum er nicht am Counter erschien.

Jedenfalls kam ich zu meinem Flakon demnach blind, beim Tausch mit einem Fragranticaner aus den Niederlande (grüß dich, Deefit, falls du hier heimlich mit liest :D), ihm war er zu düster.
Und auch, wenn ich ihn jetzt gar nicht als überaus dunkel empfinde, verstehe ich, was er meint. Der Duft hat eine gewisse Melancholie inne, da blitzt nur wenig Licht durch.
Glücklicherweise gefällt er mir.

Doch was ich rieche, lässt sich jetzt nicht gar so leicht umschreiben.
Zunächst mal eröffnet der Duft recht grün. Aber eben eher dunkelgrün. Für meine Nase ist da deutlich Salbei dabei, und nicht wie in den Noten zu lesen, Muskatellersalbei, der für mich deutlich trockener und weniger Grün erscheint.
Was zu diesem Dunkelgrün wohl beiträgt, aber ohne dabei so dominant zu werden, dass man es fassen könnte, ist wohl das Veilchenblatt. Zudem klingen bereits subtil trockene Holznoten an, fast ein wenig an Treibholz erinnernd, aber ganz ohne dabei an einen Tag am Baggersee oder sonstigen Strand zu erinnern. Eben dunkel. melancholisch.
Mit abnehmendem Salbeigrün kommt zudem ein Gefühl von Leder auf. Und ich wähle das Wort Gefühl bewusst, denn es ist mehr, als würde man das Leder mit der Nase fühlen, denn einen Tatsächlichen Ledergeruch wie bei einer neuen Handtasche oder einem neuen Mantel, den nehme ich nicht wahr.
Dafür ist dieses Leder minimal puderbestäubt - wobei das kein Irispuder ist, aber auch die floralen Veilchenaspekte fehlen für mich.
Auch der Weihrauch tritt zu Tage, aber auch hier sehr subtil und ohne all zu viel Rauch.

Leider entschwindet das ganze dann auch alsbald. Und da kommen wir zu den Schattenseiten und vielleicht zu den Gründen, warum ich den die Neuauflage von Scent 79 Man schon länger nicht getragen und auch nicht wie anfangs geplant eine zweite Flasche geordert habe (zu dem Zeitpunkt sagenhafte 15€/50ml zzgl Porto). Schon nach etwa 2 Stunden überkommt mich das Verlangen, die Flasche aus meinem Rucksack zu holen und nach zu sprühen.
Wobei ich jedes Mal mehrere Sprühstöße verwende, denn besonders intensiv und weitreichend empfinde ich ihn ebenfalls nicht.
Eigentlich ein schöner Duft, gerade für regnerische Tage. Aber ich möchte eben meine Düfte auch selbst riechen. Und da schneidet die Performance leider etwas arg schwach ab.

Encre Noire A L`Extreme Lalique von NebelGeîst 2017-01-19

Da ist sie nun, die orientalische Interpretation der schwarzen Tinte.

Bereits das Original hatte über die Jahre hinweg merklich an Wummms verloren. Ich las vorab, dieser neueste Flanker rieche wieder wie das Original, andere schrieben, er hätte zumindest wieder deutlich mehr Power.
Und ich wunderte mich nur, was die Leute an der Nase haben, dass sie sowas riechen...

Ja, ein bisschen was vom Herbstwaldboden des Encre Noire klingt auch hier an. Ein wenig kommt das trockene Grün der Zypresse durch (die aber eine andere Zypresse zu sein scheint, im Original muss es das blaue Zypressenöl gewesen sein, hier eher das Öl der Mittelmeerzypresse). Doch fast eher hintergründig.
Im Vordergrund steht der orientalische Charakter, getragen von den Harzen und dem Weihrauchakkord. Daher verstehe ich nicht, wie man darauf kommen könnte, dieser Flanker rieche wie das Original, bevor die Formel geändert und abgeschwächt wurde. Ein Blick auf die Noten verrät doch bereits, dass dies nahezu unmöglich ist.
Allerdings sind die orientalischen Noten wunderbar mit den Vetiver- und Zypressenaspekten, die à l'Extrême als zugehörig zur Encre Noire-Familie ausweisen, verflochten worden. Da das Original einen feucht-erdigen, vetiver-rauchigen Charakter zeigte, und olfaktorisch an verwesendes Herbstlaub am Waldboden erinnerte, gar nicht mal eine Selbstverständlichkeit, hier eher warme Noten mit diesem Prinzip in Einklang zu bringen.

In der Kopfnote ist bereits viel von Herz und Basis zu erkennen, nachdem sich der Alkohol verflüchtigt hat, kommt zunächst eine schwache Pudernote, die ich jetzt nicht als Iris hätte identifizieren können, zum Vorschein, auf die kurze Zeit später ein Abstecher ins Grüne folgt, wenn die Zypresse sich ein wenig wichtigtuerisch aufplustert. Sie ist ein recht deutlicher Kontrast zum Rest der Komposition, wirkt aber dennoch überraschend nicht fehl am Platz.
Nachdem diese wieder den Rückzug antritt intensivieren sich Vetiver, Weihrauch und die Harze.
Elemi nehme ich nicht als solches, eher als leichte Pfeffrigkeit wahr. Die Benzoe erinnert mich sehr an Papier d'Arménie (armenisches Papier, mit u.a. Benzoe getränkt und dann zur Raumbeduftung angezündet) weniger an das Harz oder dessen Absolue an sich.
Das Vetiver ist deutlich sauberer als beim großen Bruder, ich nehme an, dass der Anteil an ätherischem Öl noch weiter gesunken ist und statt dessen (fast) ausschließlich Vetiverylacetat zum Einsatz kam.
Der Weihrauchakkord ist nicht all zu rauchig, vergleicht man mal mit anderen Düften. Es handelt sich auch um einen abstrakten Akkord, es wurde also nicht etwas die Olibanum-Thematik aufgegriffen.
Zudem schlägt sehr deutlich eine neuweltliche Zeder durch, die entfernt an frisch angespitzte Bleistifte erinnert. Entweder rieche ich sie, weil tatsächlich Zedernöl enthalten ist, oder aber, es wurden Ambermoleküle verwendet, die oft, eigentlich sogar meist, auch einen Zedernholzaspekt haben (auch wenn der bisweilen erst beim kombinieren mit anderen Substanzen greifbar wird, zumindest für meine untrainierte Nase).
Dafür lässt sich Patchouli nur erahnen und vom Sandelholz merke ich gar nichts.

Diese Erweiterung der Linie zeigt zudem nicht die massive Überdosierung an Iso E Super (beim Original 45% des Parfümöls ausmachend), und auch Casheran kommt hier nicht wirklich durch, zumindest nicht bis zu meiner Nase.

Der Urvater war eine Besonderheit. Nicht nur von der Konzeption, die nun wirklich nicht massentauglich war. Sondern auch, weil der Name unglaublich passen gewählt war. Encre Noire heißt schwarze Tinte, und tatsächlich wurde u.a. auch dieser Eindruck erweckt, der Geruch schwarzer Tinte.
Bereits der erste Flanker, Encre Noire Sport, hatte geruchlich mit diesem Thema aber gar nichts mehr gemein (und dieser logische Widersprich in sich! Sportliche schwarze Tinte! Grauenhaft...), und so gilt leider auch beim à l'Extrême, man riecht die Zugehörigkeit respektive Verwandschaft, aber der Name passt einfach so gar nicht mehr.
Zudem ist die extreme Variante auch deutlich weniger extrem als die Urfassung, vor der Reformulierung.
So ist die Sillage als eher moderat zu bezeichnen, wobei die Intensität innerhalb des 'Dunstkreises' auch überraschend schwach ist, man kann also fast von einer gewissen Transparenz sprechen (allerdings nicht so stark ausgeprägt wie bei vielen Duchaufour-Kreationen).
Ich hatte das Original gerne zum Layern benutzt, aber auch verschiedene Noten mit rein gemischt. Besonders gut hat mir dabei die Mischung mit Myrrhenöl und -tinktur gefallen. Daher hätte ich es sehr bevorzugt, wenn man, beispielsweise beim Weihrauchakkord, oder aber anstatt des Elemis, eine gute Portion Myrrhe mit rein gepackt hätte.
Die Haltbarkeit ist wiederum ziemlich gut. Am Abend aufgesprüht, kann ich à l'Extrême noch am nächsten Vormittag nach dem Aufstehen riechen (wenn auch natürlich nur mehr hautnah).

Ein netter Duft, durchaus testenswert, aber wirklich umgehauen hat er mich nicht (bisher). Für meine erste Flasche Encre Noire hatte ich den offiziellen Preis bezahlt, bei Sahling. Damals kannte ich die Graumarkthändler noch nicht. Für diesen Flanker hätte ich das nicht getan. Den Graumarktpreis ist er aber durchaus wert und ich bin froh gewartet zu haben, bis er eben dort zu günstigerem Preis zu haben war, bevor ich ihn blind bestellt hatte.

Tresor Midnight Rose Lancome von philo 2017-01-19

Midnight Rose ist likörhaft süß und bleibt süß. Rosenduft nehme ich die ganze Zeit über sehr stark wahr. Die Kombination Himbeer und schwarze Johannisbeere mit Rose ist wahrhaft süchtig machend, ich muss ständig meine besprühte Hand an der Nase vorbeiführen. Meiner Meinung nach hält der Duft sehr lange und ist lange intensiv. Vor allem nach ein paar Stunden gefällt er mir gut: es überwiegt die Rose und in der Kleidung bleibt ein würzig-rosiger Duft über mehrere Tage erhalten. Nachteil: Ich bemerke leider leider einen stechend seifigen Geruch in der Nase (wie wenn man von Nahem an Waschmittel riecht) und manchmal auch im Hals, der erst nach Längerem abnimmt. Man sollte nicht viel davon aufsprühen.

Ganz am Anfang: fuer Liebhaber von Himbeeren!
Also fuer mich...
Aber Moment mal, der Anfang ist eher grausam...Chemie, pure Synthetik, die ein Aroma nachahmt, naemlich: Himbeeren!
Doch nach kurzer Zeit eine angenehme Ueberraschung: das Aroma wird natuerlicher und erinnert tatsaechlich an frische rote suesslich saure rote Beeren, die ich schon seit meiner Kindheit sehr mag vor allem in Form von suessem Konfekt ;)
Die Basis besteht aus leichtem bonbonartigem Himebeergeschmack, eee, Duft plus ein delikater kratziger saftig holziger Unterton. Das Ganze macht EssenceScent Blushing Ruspberry zu einem ganz ertragbarem und sogar tragbarem Dufterlebnis, was ich mit positiver Ueberraschung feststellen muss. Ich habe naemlich eine kuenstlich billige Katastrophe erwartet, des Schreibens nicht wert...Ok, es ist immer noch nur Avon, aber es erinnert mich an Yves Rochers Himbeerchen in den kleinen Flakoenchen fuer paar Euros ;).
Bitte hier keine Nische erwarten, aber es ist gar nicht so schlecht! Langlebigkeit und Sillage, na ja...aehnelt einem guten Deo. Zumindest an mir.
Fuer Sommer oder Fruehling - perfekt, aber auch jetzt im Winter erinnere ich mich gerne an eins meiner Lieblings Aromen...naemlich Himbeeren...:)

L`Air de Rien Miller Harris von aquaria 2017-01-18

Der Auftakt ist mein Traumauftakt. Saubere und moosig abgemilderte zitrische Noten. Der Duft von warmer Haut nach einer Dusche mit einer weichen, weißen Moschusseife, die schwach mit Zitrus parfümiert wurde.
Nach ca. 15 Minuten verändert sich das Duftbild. ‚L’Air de Rien führt mich an einen Teich an einem warmen Sommertag. Nicht weit von hier gibt es zwei Naturteiche, einer davon liegt mitten im Wald, das Ufer ist überwuchert mit allen möglichen Gräsern, mit Schilf, Farnen, Büschen und anderen Waldpflanzen. Um einen Zugang ins Wasser zu schaffen, haben sich die Badenden über Jahre eine Art Trampelpfad durch Schilf und hohes Gras geschaffen. Man geht also über nasse Walderde, Baumwurzeln und nasses, niedergetretenes Gras Richtung Wasser, während sich von Schritt zu Schritt die Walderde immer mehr in schmatzenden, schlammigen Untergrund verwandelt.
Und dieses Bild vermitteln mir die Herznoten. Ich rieche Schlamm, Erde, feuchtes, leicht herbes, dunkelgrünes Gras, aber auch süße Gräser, die am Ufer wachsen, ich rieche den Duft der aromatischen Kräuterpflanzen im Wald, sehr frisch, einige von ihnen mit einem rauchig.aromatischen, beinahe minzigen Unterton.
Über lange Strecken riecht „L’Air de Rien“ wie meine feuchte Haut, wenn ich nach einer Runde Schwimmen schließlich aus dem Wasser komme und mich am Ufer, inmitten all der Gräser und dunkelgrünen Pflanzen auf die Erde setze. Ich rieche in diesem Duft die erfrischende Kühle, ich rieche den Schatten, den der Wald über das Teichufer wirft, und ich rieche auch das nicht ganz frische Teichwasser auf meiner Haut und den Schlamm bzw. die Erde an meinen Füßen. Ein vertrauter und angenehmer Dufteindruck, für mich ein grüner und erdiger Akkord. der urtümlich nach unberührter Natur, eben nach dieser verwachsenen Uferregion, riecht.
Je näher Richtung Basis, desto deutlicher treten sehr warme Töne in Form von süßem Ambra mit einem Hauch Vanille hervor, die an meiner Haut nach ca. 3 Stunden die Vorreiterrollen übernehmen und gemeinsam mit den aromatischen Noten den Eindruck von sich langsam in der Sonne erwärmender Haut erzeugen.

Ich hab den Duft blind getestet. Wenn ich meine Eindrücke nun mit der Duftpyramide vergleiche, dann rieche ich anfangs vor allem das weiche Moos mit Moschus und Neroli; das ist auch meine liebste Phase im Duft. Zart, luftig, zitrisch und gleichzeitig weich und sehr sauber. Im Mittelteil entsteht durch das Patchouli nicht nur eine ausgeprägte, sehr natürlich wirkende Erdigkeit, es entsteht, direkt an der Haut geschnuppert, auch eine sehr feine Rauchigkeit, eine kühle und sehr frische Rauchigkeit, die auf mich ab und zu beinahe minzig rüberkommt. Es muss um einiges mehr enthalten sein, als die Duftpyramide angibt, denn dieser ausgeprägt „schlammige“, leicht feuchte Ton und auch der Eindruck nach dunkler, frischer, leicht feuchter Erde und nach aromatischen Kräutern, ist für mich aus der Duftpyramide nicht herleitbar. Manchmal scheint mir dieser braune, torfige, fast moorige Erdton so verdichtet, dass er auf mich ledrig wirkt, genauer gesagt, wie rauchiges Leder. Da spreche ich aber nicht von der Duftprojektion, sondern vom Dufteindruck, der sich direkt an der Haut ergibt. Diese leicht „unsaubere“ Note, die Comfy als Kopfhautnote bezeichnet, vernehme ich ebenfalls. Für mich riecht sie nach feuchtem Badeanzug.
Das anschließende, süß-warme Sonnenbad ist mit Ambra und Vanille ja gut erklärbar. Der gesamte verwilderte Naturteich-Charakter bleibt daneben aber noch sehr lange bestehen, bis er sich im letzten Drittel des Drydowns verliert und „L’Air de Rien“ als weicher und heller Ambra-Vanille-Schmeichler ausläuft.
Vielen Dank für die Probe, Comfy! Der Duft ist ein Erlebnis. Ich weiß, unsere Duftbilder unterscheiden sich da gewaltig, aber das sind die Assoziationen und Bilder, die sich bei mir bei jedem Test unweigerlich einstellen.

French Vanilla Dana von aquaria 2017-01-18

Nein, der Duft tut leider nichts für mich. Der Auftakt beschert mir viel Alkohol mit einer zunächst sehr süßen, kräftigen Vanillenote, die sich aber rasch wässriger und dünner entwickelt.
Zitrusnoten nehme ich am Rande wahr, sie schaffen es nicht, den Duft mit etwas Energie aufzufrischen. Was ich nach ca. einer Viertelstunde trage, ist ein sehr synthetisch anmutender, verwässerter und erstaunlich unsüß wirkender Vanilleduft mit schwachen floralen Akzenten, die für meine Nase Orangenblüten sein könnten, da ich auch einen winzigen Hauch Fruchtigkeit wahrnehme.
Allerdings bleibt an mir die synthetisch alkoholische Note sehr lange bestehen, und zusammen mit synthetischen, dadurch leicht bitteren und kratzigen Holznoten und der wässrigen Vanille ergibt der Duft für mich eine Art „gepantschtes“ und verdünntes „Casmir“, eine Ahnung von Vanille, vor allem aber viel feuchtes Holz.

Incense Norma Kamali von NebelGeîst 2017-01-17

Der Mythos.
Der Inbegriff von brennendem Weihrauch, evoziert durch ein Eau de Toilette.
Meilenstein, und doch gescheitert und vergessen.
Viel gesucht, kaum gefunden, Preise astronimischer als bei vielen anderen, eingestellten Kultdüften.
Mahnmal für die Designer und Parfumeure von heute.
Und doch, kaum einer kennt ihn.

Es begab sich zu einer Zeit, da ward mein Herz voll Düsternis. Doch war dies keine Düsternis der beklemmenden Art, noch war sie sonderlich trübselig oder gar furchtgeschwängert. Sie war keck, kokett und okkult, auf ihre ganz eigene Art fast heimelig.
Und so geschah es, dass meine Nase nach einem Duftwasser verlangte, die der Düsternis in meinem Herzen gleich kam.
Doch wusste ich mir nicht zu helfen, kannte ich doch nichts, was dies zu tun vermochte. Alsbald jedoch mischte sich mein Hirn ein und rief, "Weihrauch! Wir brauchen Weihrauch, aber ganz einen düsteren, nur Schatten, ohne Licht!"
In meiner Not befragte ich den Rat der Weisen, verlangte zu wissen, welches der dunkelste, der düsterste Weihrauch sei, und gar mannigfaltig sprudelten mir die Vorschläge entgegen.
Zu meinem Verdruss verstand mich kaum einer und so versuchte ich es mit Verbildlichungen...
Die Weisen sollten sich vorstellen eine verlassene Kirche im dunkelsten Fleckchen des Schwarzwaldes (als es noch dunkle FLeckchen gab), klein, alt, halb verfallen. Sie sollten sich desweiteren vorstellen die Katakomben, wie sie darunter verborgen lägen, feucht, uralt und in Mutter Erdes Leib wohl versteckt. Keiner Sonnen Strahl mag diesen Ort seit Urzeiten getroffen haben. Missbraucht für gar manches okkulte Ritual zur dunkelsten Neumondstunde stehe dort ein Altar.
Ich forderte die Weisen auf, sich vor ihrem inneren Auge vor jenem Altar stehen zu sehen und fragte, ob sie nun die Dunkelheit verstünden, nach welcher, gefangen in einem Weihrauchduft, es mich verlangte?

Ich gab ihrem Verstand auf, eine weitere Reise zu einer andere Szenerie zu wagen.
Nun sollten sie sich den Fürsten der Finsternis vorstellen, attraktiv, jung, voller Charisma, doch im selben Maße umgeben von einer Aura des Bösen, der Gefahr.
"Sehet, wie er wandelt baren Fußes über der Schlachten Feld," rief ich,"angefüllt mit den verottenden Leibern der Toten und der gefallenen Engel! Du bist dort, auf diesem Feld! Versuchst dich voller Verzweiflung zu verstecken, doch er wird dich finden! Er wird kommen! Und nun, da du dich unter einem alten, aber abgestorbenen Eichenbaum, vor Jahr und Tag von einem Blitz getötet, danieder kauerst, nun streckt er dir seine Hand endgegen, wie um dir aufzuhelfen! Wie wird er riechen, welchen Duft trägt er?"
Leider ist es mit der Imagination gar manchen Weisens nicht weit hergeholt, so wurden mir weiter Blumen angeboten, Balsame angepriesen und Früchte aufgeschwatzt.
Doch ein paar wenige schienen zu verstehen und machten Vorschläge, die mich passend deuchten.
Leider waren dies gar rare Tröpfchen und schwer bis gar nicht zu finden.
Das Herz voll Gram wendete ich mich anderen Questen zu.

Nach einiger Zeit suchte ich wieder einen Rat der Weisen auf, mit einem ähnlichen Anliegen. Einer der Vorschläge, der beide Male meine Gier weckte, war ein Elixir einer Alchimistin Namens Norma Kamali. Der schlichte Titel ihres Werke war Incense.
Doch diesmal erbot sich ein Edelmann, mir ein kleines Pröbchen dieses sagenumwobenen Gebräus zu schicken.
Zunächst zögerte ich. Sollte ich dies Angebot annehmen? Konnte ich es denn überhaupt ausschlagen? Was, wenn es der Gral war, der heilige (oder unheilige)? Und mein Leid sich mehren sollte, nun, da ich um seine Existenz wusste, er aber immer unerreicht bliebe?
Doch ich willigte ein und ein Bote überreichte mir wenige Tage später die kostbare Fracht (nicht wissend, welch Nektar er eben noch in Händen hielt und doch nicht kosten durfte!).
Außer mir vor Erwartung und Verlangen brach ich das Siegel und ließ die kleine Phiole in meine linke Hand gleiten. Sodann applizierte ich ein wenig des kostbaren Nasses auf den Rücken meiner rechten Hand.
Seltsam roch das. Sehr seltsam. Konfus geradezu.
Darob brach meine Erregung, meine Vorfreude in sich zusammen und ließ mich gebrochen zurück...

Naja, wär das Ganze jetzt ein Trauerspiel, müsste meine Duftbeschreibung hier enden. Und würde wohl nichts zum Duft aussagen. Glücklicherweise tut sie es nicht.
Ich kam also auf dem Boden der Tatsachen an und setzte mich wieder an den Computer (oh, Pardon, an das Orakel natürlich ^^).
Ich weiß nicht mehr was ich da tat, welche Seiten ich besuchte oder welches Spiel ich spielte. Jedenfalls stieg mir urplötzlich der äußerst authetische Geruch brennender Räucherharze in die Nase. Kannte ich gut, räucherte ich doch schon seit jahren gern die unterschiedlichsten reinen Harze, Hölzer, aber auch Mischungen.
Ich hatte in dem Moment vergessen, was ich mir auf den Handrücken gesprüht hatte, daher ging meine Gedankenkette wie folgt:
Oh Gott, ich hab Weihrauch angezündet und völlig vergessen! Oh Gott, jetzt brennt die Wohnung ab! Dabei blickte ich mich panisch umher, auf der Suche nach der Räucherschale.
Das ist keine Übertreibung, genau das ging in mir vor; ich muss allerdings dazu sagen, dass das aber sicher nur ein oder zwei Sekunden waren, zwischen Wahrnehmen des Geruchs und der Schlussfolgerung die ich daraus zog. Oder eher mein unterbewusstsein.
Überflüssig zu erwähnen, dass ich nichts verräuchert hatte, demnach stand auch nicht die WOhnung in Flammen.
Auf diesen Schreckmoment kam dann einen Augenblick später die Erleichterung, der Erkenntnis folgte, die daraufhin von (leicht getrübter) Begeisterung abgelöst wurde.
Ja, DAS war ein authetischer Weihrauchduft! Und ja, er war alles, was ich suchte! Am liebsten hätte ich mich in diesem Moment voll Wolllust auf den Altar in den Katakomben unter jener verfallenen Kirche geworfen, um mich, umgeben von Weihrauchschwaden, die gar nicht da sind, selbst zu lieben!

Als Noten werden Weihrauch als Akkord, Olibanumharz und Myrrhe genannt. Olibanum nehme ich dabei nicht groß war, haben doch die meisten Sorten zumindest schwache Anklänke von Zitrusnoten und Terpentin, derartige Lichtgestalten sucht man bei Incense allerdings (glücklicherweise) vergeblich. Dass der Weihrauchakkord vorhanden ist, ist denke ich mittlerweile mehr als offensichtlich. Aber auch die Myrrhe rieche ich, und zwar die Art von Myrrhe, die ich mag und die zu oben umschriebenem Bild passt, wie kein anderes Harz es könnte.
Denn das Myrrhenharz, das ich gerne verräuchere, hat bereits kalt neben den balsamischen, warmen Noten eine gewisse Kellernote, erdig, feucht, kalt, fast ein bisschen muffig, wie ein alter Gewölbekeller eben. Etwas mineralisch. Und genau diese Aspekte klingen leicht auch in Incense an. Sie stehen im Kontrast dum kokelden Harz und evonzieren damit genau diese Art von Düsternis, die ich gesucht hatte. Hier treffen balsamisch-harziger Rauch, Glut und orientalische Wärme auf die Kühle von feuchtem Stein, der dem Rauch die Hitze nimmt. Doch Rauch bleibt Rauch.
Und wie nach einem Feuer so hält sich dieser Rauch, er haftet an, projiziert dabei aber in einem großen Radius seine olfaktorische Aussage.
Ich habe lange getüftelt und versucht, diesen Effekt, diese starke balsamische Rauchnote hin zu bekommen. Doch zumeist erreiche ich nicht die Intensität wie bei Incense, und vor allem flacht die Rauchigkeit immer viel schneller wieder ab.
Ich hab herum gefragt, ob jemand wisse, was denn verwendet worden sein könnte. Und überraschender Weise konnte man mir nicht nur helfen, sondern lieferte auch eine Anekdote hinzu.
So heißt es, dass Norma Kamali höchst selbst mit den Parfumeuren zusammen arbeitete, und rund heraus sagte, was sie haben wolle und was nicht.
Bei Incense soll eine Substanz schon in der ersten Probe vorhanden gewesen sein, die man ihr zu riechen gab, Hydrocarboresine. Und sie wollte mehr davon drin haben. Die Konzentration wurde angehoben, aber immer wieder sagte Frau Kamali, man solle doch mehr davon rein machen, mehr.
Und so endete dieser Duft als hoffnungslose Überdosierung einer Substanz, die aus Labdanum gewonnen wird. Und tatsächlich, das reine, feste Labdanumresinoid, das ich habe, zeigt eine ähnliche Rauchnote. Nur bleibt die bei einer 25%igen Lösung in Ethanol nicht erhalten, besonders nicht in dieser Intensität.
Sicher wäre dies nie zustande gekommen, wenn lediglich ausgebildete Parfumeure am Duft gearbeitet hätten, die im Hinderkopf immer nur Höchstgrenzen von diesem und jenem im Kopf haben, nicht weil ein Mehr schlecht für die Haut wäre, sondern weil ein Mehr als unpassend, unschicklich galt.
Viel öfter sollten kreative, aber fachfremde Köpfe mit Parfumeueren zusammen arbeiten. Viel öfter sollten Designer ihr Duftprogramm selbst betreuen, nicht alles nur ihrer FInanzabteilung überlassen.
Aber welche echten Designer gibt es denn heute schon noch...

Eine Flasche dieses umwerfenden Dufterlebnisses werde ich wohl nie besitzen.
Aber nun, da ich etwas mehr über die Entstehung des Meilensteins in Sachen Weihrauch weiß, ist eine Portion des ominösen Hydrocarboresines von Biolandes unterwegs zu mir.
Mir fehlt es freilich am Können, einen Ersatz zusammen zu brauen, aber vielleicht bekomm ich ja trotzdem etwas schönes zustande :D

Egal ob es dein Metier ist oder nicht. Wann immer du die Chance bekommen solltest, diesen seit langem vom Markt verschwundenen Duft zu testen, nutze sie! Und sei es nur um zu wissen, was alles möglich ist.. Oder zumindest war.

L'Antimatiere Les Nez von aquaria 2017-01-17

„Wenn Physiker Antimaterie produzieren, dann sollte es den Malern, die schon Spezialisten für Engel sind, erlaubt sein, sie zu malen. (…).“ Salvador Dali
Und ich ergänze: Warum sollen Parfümeure, nachdem es bereits einige „Engel-Düfte“ gibt, nicht auch mal versuchen, Antimaterie riechbar zu machen? ;-)

Dieser Duft ist äußerst schwer in Worte zu fassen. Er ist leicht wie eine Feder, ungreifbar, unsichtbar, aber er hat an meiner Haut eine enorme Präsenz. Im Wesentlichen ist es „nur“ eine Mischung aus Ambra und Moschus, wie auch oben in der Duftpyramide zu sehen. Aber da sind noch so einige weitere Facetten, die den Duft „anders“ und sehr interessant machen.
In den ersten paar Minuten begrüßt mich eine sehr helle, leicht fruchtige, zitrisch angehauchte, frische und kristallklare Art von Moschus. Ein weißer Moschusduft, okay, noch nicht so außergewöhnlich. Das Außergewöhnliche folgt allerdings kurz darauf. In einer für meine Nase kurzfristig unangenehmen Übergangsphase mischt sich animalisches Ambra dazu. Dauert ein paar Minuten, in denen der Duft mir ein bisschen zu animalisch und unsauber erscheint, bevor sich die zwei Inhaltsstoffe vermischen und zu einer harmonischen Einheit verschmelzen.
Was ich dann über Stunden rieche, ist eine Kombination aus weißem, kühlem Moschus und etwas bauschigerem, wärmerem Moschus mit einer Textur, die sich wie streichelweiches Fell anfühlt, die feinsten Fellhärchen, die man sich vorstellen kann. Gleichzeitig sorgt das Ambra für tiefgehende Frische. Über lange Strecken habe ich den Eindruck, echten Grauamber zu riechen. Da ist eine anfangs leicht metallische, später wunderschön frische, leicht brisige und salzige Begleitnote. Ich denke dabei aber nicht an Salz-/Meerwasser, dazu ist die Note zu trocken und ätherisch. Woran sie mich am ehesten erinnert, ist die Aura um eine Salzkristalllampe, die kaum wahrnehmbaren salzigen Ionen, die sie bei Erwärmung an die Luft abgibt, trocken, warm und ein bisschen mineralisch.
In Zusammenspiel mit den verschiedenen Schichten an Moschus ergibt sich für mich ein süchtig machender Dufteindruck; warm, pudrig, mineralisch - oder soll ich das als annähernd würzig bezeichnen? -, frisch und salzig, und dabei warm, weich und flauschig wie ein Kaninchenfell.
Für mich ein Moschusduft, der zu keinem Zeitpunkt „fad“ oder „Schon tausend Mal gerochen“ schreit, sondern einer, dem durch den animalisch anmutenden Amber im wahrsten Sinne des Wortes Leben eingehaucht wird.
Der Duft ist zwar nicht laut, täuscht einen Skinduft mit enger Sillage vor, ist aber in Wirklichkeit ein atmosphärischer Duft mit einer nicht zu unterschätzenden Duftstreuung. Ein bisschen zu stark dosiert, und man füllt einen Raum damit.
An mir merke ich den Duft nur schwach; bei Bewegungen steigt mir immer wieder mal ein Dufthauch angenehm in die Nase. Der Umgebung ist er allerdings jedesmal, wenn ich ihn trug, sehr deutlich aufgefallen und ich wurde überraschend oft auf ihn angesprochen. Die Reaktionen waren durchwegs positiv, teils erstaunt, teils schnüffelnd näherrückend, teils neugierig fragend, was hier so gut duftet. An ein Parfüm dachte im ersten Moment übrigens niemand; nur, dass "etwas" in der Nähe verdammt gut duftet.
Vielen Dank für die Bekanntschaft mit der Antimaterie, Comfy!

Louve Serge Lutens von aquaria 2017-01-17

Einer der schönsten Mandeldüfte, die ich kenne, und einer meiner liebsten Herbst- und Winterbegleiter.
Am meisten fasziniert mich das Duett zwischen der Bittermandel und den süßen Mandeln. Auch wenn sich der Duft ab dem Mittelteil in einen süßen, weichen, sehr plüschigen Vanille-Moschus-Harz-Mandel-Schmeichler verwandelt, rieche ich noch immer genug Bittermandel, um den Duft als aromatisch zu empfinden.
Trockenfrüchte nehme ich zum Glück während des gesamten Duftverlaufs keine wahr. In der längeren Anfangsphase macht sich neben der schlaraffigen Mandelherrlichkeit ein dunkel-aromatischer, saftiger Ton bemerkbar, der von dunklen, saftigen Kirschen stammen könnte. Amaretto trifft das ganz gut; ist aber nur ein Touch davon.
Im Vordergrund steht in der ersten Stunde eine kräftige, wunderschön cremige Bittermandelnote, die im Verlauf zwar schwächer wird, aber bis zum Schluss zumindest als aromatischer Akzent bestehen bleibt, während der Duft sich verdichtet und sukzessive süßer und cremiger entwickelt. Da ist viel harziges Ambra, viel cremiger Moschus, süße Vanille und ein Hauch von pudrigem Rosenstaub. Den Duft der Rose kann ich nicht heraus riechen, aber ein ganz zart blumiges, leicht rosiges Schimmern rundet die Basis ab.
„Louve“ entwickelt sich zwar sehr süß, bleibt aber stets im angenehm süß-warmen, durch behagliche, helle Harze aufgepeppten und, wahrscheinlich durch die ganz zart vernehmliche Rose, auch „sauberen“ Bereich.

Noa Cacharel von PhoenixNoctulus 2017-01-17

Ein weiterer weißer Flacon - ein weiterer weißer Duft. Auch dieser hier geht in Richtung Creme, und zeigt Ähnlichkeiten nicht nur zu Nivea oder Betty Barclays Pure Style, sondern auch zur Cloud 9 von Roads. Alle haben sie eines gemeinsam: Sie sind blumig-cremige Sauberdüfte.

Die blumig-cremige Formel im Herzen ist sogar bei allen (gut, Cloud 9 mal ausgenommen) recht gleich: Kühler, cremig-puderiger Moschus, cremig-blumige Freesie, ein zart grünes, frisches Maiglöckchen, ein luftiger Anflug von Jasmin, Anklänge von Pfirsichhaut und eine winzige Dosierung kühles Zedernholz. Das Ergebnis: Der zartfrische, blumige, unauffällige, aber doch irgendwie auch einhüllend-wohltuende, Hauch von Lotion. Wer weiß, wie Nivea-Creme duftet, kann sich den Charakter ziemlich genau vorstellen.

Was hebt Noa ein wenig davon ab? Die Blumigkeit wird hier zusätzlich ziemlich deutlich durch eine fluffig-puderige Pfingstrose (mit einer kleinen Menge fruchtig-marmeladiger Rose) geprägt. Dazu noch ein wenig süßliche, leicht würzige Blumigkeit durch tropische Ylang-Blüten und eine kleine Nuance Lilie. Insgesamt ist Noa auch in der Basis ein wenig süßer und fruchtiger, man riecht subtile Gourmandnoten von cremiger, leichter Vanille, etwas ganz zart marzipanige Tonkabohne, ein wenig fruchtige Pflaume. Zu einem Gourmandduft macht das Noa, für meine Nase, noch lange nicht, aber diese Süße weicht eben doch von den anderen genannten Cremedüften ein wenig ab, und verändert den Gesamtdufteindruck ganz subtil (wobei die Süße auch nicht Überhand nimmt; Noa besitzt auch ein paar grüne Noten mehr - neben Maiglöckchen auch Nuancen von Gras und Tau, die den Eindruck dann doch wieder ein wenig in die frische, unsüße Richtung zurück lenken).

Insgesamt ist Noa auch ein wenig würziger als die anderen Cremedüfte, im Auftakt bemerkt man Koriander, vielleicht auch ein wenig Pfeffer. Und - hier kommt jetzt wohl das deutlichste Unterscheidungsmerkmal: Noa hat, hintergründig, eine gewisse herbe Kaffeenote. Sie kommt, zartwürzig, manchmal ein kleines Bisschen aus der cremigen Masse hervor, sie ist nicht zu auffällig, keineswegs laut, aber man bemerkt sie eben doch ein wenig zwischen all den anderen Noten. Sie dient als kleines "Eckchen" (wobei ich nicht sagen würde, dass Noa unbedingt Ecken und Kanten hätte), das ein wenig Aufmerksamkeit hervorruft, in der ansonsten sehr sanften, fließenden, einfach gefälligen, cremigen Masse. Wobei ich Noa auch ohne die würzigen Noten sehr gelungen fände.

De Sillage von Noa ist eher sanft. Insgesamt ist der Duft sehr zart, angenehm subtil, auch im Büro kann man ihn mit Sicherheit tragen, ohne dass irgendjemand daran Anstoß nimmt. Dennoch ist er keinesfalls langweilig. Was die Haltbarkeit betrifft, empfinde ich Noa ebenfalls als sehr in Ordnung: Bis zu 5 Stunden hält der Duft definitiv durch. Eine wirklich gelungene Kreation, zu einem auch gar nicht mal so hohen Preis: 30ml sind für etwa 20 Euro zu haben.

Pure Style Betty Barclay von PhoenixNoctulus 2017-01-17

Cremig weiß. So sieht der Flacon von Pure Style aus, so nehme ich den Duft passenderweise auch wahr: Verschiedene Noten, hauptsächlich Blüten, spielen so ineinander, dass sich der Eindruck einer sauberen, frischen, zartblumigen Körperpflegecreme ergibt.

Prägend finde ich vor allen Dingen eine zartgrüne Maiglöckchen-Note, die sich mit cremiger, blumiger Freesie vermengt. Es sind zarte Pudernoten von Moschus und Magnolie vorhanden, sehr sauber, sehr sanft, sehr klassisch anmutend. Außerdem ist da noch eine kleine Menge sanften, eher teeartigen Jasmins.

Zu diesen Blumennoten gesellt sich im Auftakt noch eine frisch-zitrische Bergamotte-Note, außerdem ist da etwas kühles, aber nicht allzu maskulin wirkendes, Zedernholz. Um diese eher kühlen, frischen Aspekte (und auch das Grüne des Maiglöckchens) etwas abzumildern, den Duft also nicht ins Überfrische abdriften zu lassen, ist Pure Style zudem mit ein wenig warmem Ambra unterfüttert, sodass sich insgesamt eine relativ neutrale (d.h. nur leicht ins Frische gehende, weder überfrische, noch sonderlich warme) Temperatur ergibt.

Zudem ist da noch eine sanfte, süßlich-fruchtige Pfirsichnote, die in die Richtung "Your skin but better" geht, und die natürlich sehr gut zu diesem sauberen "Körperpflegecreme"-Duft passt.

Insgesamt erinnert mich Pure Style ein wenig an den typischen Nivea-Creme-Duft. Beide Düfte sind NICHT identisch, aber der Charakter ist sehr ähnlich. Meines Wissen sind auch für den Nivea-Duft Freesie, Maiglöckchen und Bergamotte sehr prägend (neben verschiedenen anderen Noten, die Nivea und Pure Style allerdings nicht teilen), daher vielleicht die Ähnlichkeit.

Der Sillage von Pure Style ist eher hautnah, die Haltbarkeit moderat. Der Duft an sich wirkt auf mich relativ statisch, aber das empfinde ich nicht als störend. Ein schöner sauberer, sanft blumiger Cremeduft ist er auf jeden Fall, am Besten geeignet für Frühlings- und Sommertage. Preislich ist Pure Style eher günstig, der kleine 20ml-Flacon ist für unter 10 Euro zu haben, beispielsweise bei der Drogerie DM.

Fleur d`Iris Solinotes von PhoenixNoctulus 2017-01-17

Fleur d'Iris ist ein sehr luftig-leichter, frühlingshafter, blumiger Iris-Duft. Puderigkeit findet sich hier absolut keine. Der Duft erzeugt ziemlich deutlich die Assoziation eines Blumenbeets, in dem Schwertlilien wachsen, an einem Frühlingsmorgen.

Die Lilien verströmen eine sanfte, edle, iristypische Blumigkeit, dazu riecht man die frische, noch kühle (aber nicht zu kalte) Frühlingsluft und taubedeckte Wiesen, eine authentische Morgenstimmung. Die grünen und luftigen Noten sind deutlich wahrnehmbar, allerdings auch nicht zu stark dosiert. Sie überdecken die Irisnote auch nicht. Für mich passt alles harmonisch zusammen.

Insgesamt ist Fleur d'Iris ein relativ frischer, aber sanfter Duft. Die Sillage ist also auch eher körpernah, die Haltbarkeit nicht allzu ausgeprägt. Nach etwa 3 Stunden ist nur noch ein winziger Hauch direkt auf der Haut wahrnehmbar. Allerdings ist der Duft mit unter 10 Euro für 50 ml auch relativ kostengünstig. Wer einen luftig-frischen, tauigen, frühlingshaften Irisduft sucht, sollte Solinotes Fleur d'Iris testen.

Scent Trend Avon von noa69 2017-01-16

Auf der Suche nach einem limitierten Duft von Avon bin ich auf dieses Bild gestossen! DEN habe ich total vergessen! Dass es den hier gibt! Super fragrantica!
Ich hatte dieses ziemlich haessliche Flaeschen Ende 90 ziger...Es war eins meiner ersten Avon Produkte. Damals, Ende 90 ziger...Ja, da war alles neu in Polen, man konnte endlich dem "Westen" Europa so nah werden, einfach schoen verpackte Sachen kaufen, ausssuchen und nicht das kaufen, was gerade in den Laden kam und jeder schmiss sich danach.
Scent Trend roch gleich wie andere Parfuems dieser Zeit: naemlich nach Gurke. Gruene frische Salatgurke. Es gab auch suesse etwas kuenstliche Bluemchen, da ist das Bild auf dem Flakon sehr entsprechend, Maigloeckchen konnten es sein, lieblich, suesslich bluemelig, maedchenhaft, doch die Gurke gab den modischen und erwachsenen Touch.
Eigentlich mochte ich diesen Scent Trend, aber doch die billige Verpackung sogar der Name waren mir etwas zu kommunistisch angehaucht...
Ich glaube es war ein Duft fuer die Teenager Abteilung von Avon.
Langlebigkeit und Sillage? Keine Ahnung, es war halt ein Dueftchen, so wie es auf dem Bild zu sehen war, das Besondere daran war, dass es dem heissen Trend entsprach und Avonkataloge so bunt und voll schoener Produkte Traeume vieler jungen Frauen erfuellten, die als Teenager nicht mal von einem anstaendigen Deo traeumen konnten.
Ich habe deshalb eine gewisse Nostalgie was Scent Trend aber auch Avon angeht :)

Pure eVe The Different Company von Comfycat 2017-01-16

Ein sauberer Gourmand, oder ein gourmandiger Sauberduft- Pure eVe, ehemals Pure Virgin, riecht wie ein wattiges Mandelbäuschchen mit zartem metallenen Ton, der hier bereits passend als "Keksdose" identifiziert wurde. Pure eVe wirkt etwas getreidig, keksig, aber relativ unsüß: Mandelkekse, aber ohne Zucker. Und auch der weiche Moschus ist in seiner Wattigkeit nicht erstickend, sondern klar und luftig.

Ein schöner Kuschelduft der sehr gut hält und seines sauber-gourmandigen Themas zum Trotz nicht banal wirkt.

Lippenstift, pastellig gewaschene Baumwollwäsche und Kosmetikpuder mit Weichnzeichner und Lensflares. Wunderschön.
Eine Lippenstiftnote die mich an Lipstickrose erinnert wirkt hier wie weichgezeichnet und luftig mit Baumwolle verpackt. Je länger der Duft auf der Haut ist, umso schöner wird er und ja, er fängt meiner Meinung nach gekonnt den Geruch eines Mädchenzimmers ein. Unbestimmbar jugendlich, leicht pudrig, die kleine unschuldige Schwester von Lipstickrose im zarten Baumwollkleidchen.

Haltbarkeit: sehr gut
Sillage: moderat

Dark Horse Dame Perfumery von Comfycat 2017-01-16

Dark Horse erinnert mich dank der prominenten Nelkennote sehr an die Nelken gespickten Orangen, die ich im vergangenen Jahr als natürliche Raumbeduftung zu Weihnachten verwendet habe.
Nelke und Zimt dominieren Dark Horse auf angenehme Weise, würzige Geranie, zwischen Rose und Nelke spielen ebenfalls im Gewürzreigen mit, während die Zitrusfrüchte für mich tatsächlich auch mehr an Orangenschalen erinnern.
Ein wunderschöner Duft, würzig und warm, aber sehr unaufdringlich. Ebenfalls wie die anderen Düfte von Dame Perfumery sehr ausdauernd und ergiebig.
Dark Horse ist zwar unisex und ich habe ihn selbst getragen, aber ich stelle ihn mir als Winterduft an einem Mann, Stichwort Wollpulli, noch schöner vor.

Black Flower Mexican Vanilla ist ein warmer, komplexer Vanilleduft mit schokoladigem Patschuli. Eine leichte, kühle Würze mit dezenter Holznote ist wahrnehmbar und hält den Duft davon ab zu süß, oder zu feminin zu werden. Eine Unisexvanille, die eher dunkel ausfällt. Die blumigen Aspekte nehme ich nur als cremiges Beiwerk wahr.
Die Haltbarkeit ist, wie bei den anderen Düften von Dame Perfumery, sehr gut.

Desert Rose Dame Perfumery von Comfycat 2017-01-16

Ein üppiger Rosenstrauß dunkelrosa Rosen mit einer Garnitur aus sauberem Moschus und süßlichem, leicht harzigen Ambra. Desert Rose lässt sich anfänglich mit Stella vergleichen, verwandelt sich aber nach etwa 2 Stunden cremiger und geht mehr in die Richtung der Chloe Rose, dabei behält sich der Duft aber seine Natürlichkeit bei. Die Haltbarkeit ist sehr gut, man darf sich nicht verführen lassen zu viel aufzutragen, denn das Öl scheint erst sehr dezent zu duften, erwärmt es sich aber auf der Haut, wird Desert Rose auch präsenter.

Ein schöner, authentischer Rosenduft der nicht an Rosenseife o.ä. sondern wirklich einen Rosenstrauß erinnert.

So Sweet Lolita Lempicka von PhoenixNoctulus 2017-01-16

Nachdem mir Sweet ganz gut gefällt, habe ich heute auch mal den Flanker "So Sweet" getestet (größere Filialen der Drogerie DM haben ihn, samt Tester, im Regal stehen). Der 1. Eindruck: So Sweet fällt um ein Vielfaches süßer aus als das Original, die Lippenstift-Note ist deutlich abgemindert, der herbe Schokoladen-Aspekt fehlt komplett.

Dafür ist So Sweet deutlich fruchtiger, dabei auch etwas säuerlich: Süße Kirsche ist zwar immernoch die Hauptnote, aber es ist auch ein wenig saftige Orange und eine deutlich wahrnehmbare Note säuerlicher Waldfrüchte (Himbeere - ich hätte außerdem rote Johannisbeeren vermutet) vorhanden. Dazu kommt bei So Sweet eine deutliche Blumigkeit, die das Original so gar nicht besitzt. Rose hätte ich dabei nur in geringem Umfang bemerkt, ich hätte eher auf ein Bouquet aus Kirschblüten, intensivem Jasmin und, allerdings in etwas geringerer Dosierung, diversen anderen Weißblühern getippt. Im Hintergrund befindet sich noch eine leichte ambratisch-holzig-warme Note (eindeutig zu erkennen: Cashmeran) mit einem Hauch von Puder, allerdings dringen diese Noten durch die enorme Fruchtigkeit und Blumigkeit kaum hindurch.

Während Sweet Cocktail-Kirsche mit deutlichem Anklang von Lippenstift und schöner, herber Schokolade war, ist So Sweet ein extrem fruchtig-blumiger Kirschduft. Mir persönlich gefällt das Original besser, So Sweet ist mir dann doch etwas zu süß und ein wenig zu eindimensional.

Die Sillage von So Sweet ist intensiv, die Haltbarkeit liegt bei etwa 5-6 Stunden.

Ultimate Baldessarini von NebelGeîst 2017-01-15

Geza Schön hat es geschafft. Ultimate ist der erste Duft des Hauses Baldessarini, der mich überzeugt. Nicht nur das, er gefällt mir sogar außerordentlich gut!

Als ich zum ersten mal über Ultimate auf Fragrantica las, und vor allem, wer die Nase dahinter war, wusste ich, den muss ich probieren! Die Noten sprachen mich auch weitestgehend an, ich hoffte lediglich, das die zitrischen Kopfnoten und das florale Herz nicht all zu dominant wären.
So suchte ich, wie bei allen interessanten Neuerscheinungen, einige Wochen die örtlichen Parfümerien auf und ging den Verkäuferinnen mächtig auf die Nerven, in dem ich, mal wieder, fragte und fragte, ob es denn schon etwas Neues gäbe oder man sogar wisse, wann er in den Regalen stünde.
Da er von Mäurer & Wirtz, also in Deutschland, produziert wurde, musste ich glücklicherweise nicht all zu lange warten.

Und gleich der erste Test auf Papier triggerte meinen Haben-muss-Reflex. Zwar war auf Papier zum Start hin doch eine ganz schöne Portion Zitrusnoten zu riechen, aber diese waren gut mit dem Rest der Formel verwoben, stellten also nicht, wie für mich meistens, ein störendes Element dar. Auch die Blumen waren deutlich zu riechen, aber sie strahlten eher eine maskuline Eleganz aus und passten gut zur ledrigen Rauchigkeit, die ebenfalls bereits im Kopf anklang.
Mit Abklingen der Hesperidien intensivierte sich das florale Herz und auch die balsamischen Aspekte kamen deutlicher hervor.
Bis zum Ende blieben die Blumen, von denen die Magnolie am deutlichsten hervorzustechen schien, vernehmbar, was auch die Basis interessant machte, da sie sich somit vom balsamischen Einerlei am Markt abhob.

Ich kaufte es dann als Geschenkset, als es überaus günstig im örtlichen Karstadt angeboten wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich es noch nie auf der Haut getragen, und konnte nur hoffen...
Doch Befürchtungen waren unbegründet. Auf der Haut gefällt er mir nämlich noch um einiges besser!
Es kommen dabei die pfeffrigen Aspekte deutlich zum Tragen. Ich habe bei 'rosa Pfeffer' die Gewichtung 'intensiv' gewählt, aber eigentlich ist dem nicht so, denn was ich da gewichtet habe, ist nicht alleine rosa Pfeffer (der bekanntlich gar nicht mit dem eigentlichen Pfeffer verwandt ist), sondern auch schwarzer und/oder weißer.
Es kommt weiters mehr der Weihrauch als das Leder auf der Haut durch, daneben weitere Harze und Balsame. Zudem zieht sich eine gewisse Pfeffrigkeit durch den kompletten Duftverlauf, was die Vermutung nahe legt, es könnte auch Elemi enthalten sein (oder ein aromatisches Molekül, das mehr Ausdauer besitzt als natürliches Pfefferöl).

Schon beim Test auf Papier fiel mir auf, dass mich die Komposition an etwas erinnerte. Ein Parfüm aus meiner Kindheit oder Jugend. Mit diesem Pfefferkick erhärtet sich der 'verdacht'. Leider kann ich nicht ausmachen, an welche Erinnerung dieser Duft geknüpft ist, daher auch nicht, an welches Parfum (sachdienliche Hinweise nehme ich gerne per PN oder im Forum entgegen).
Das führt dazu, dass ich in Ultimate auch einen Duft sehe, der etwas in die klassische Richtung geht. Aber Geza Schön hat diesen klassischen Aspekt in ein durchaus modernes Gewand gesteckt. So kommt dieser Baldessarini elegant und extravagent daher, aber ohne in irgendeiner Weise altmodisch zu wirken.

Der Duft ist nicht wirklich zurückhaltend, was man heut zu Tage ja leider von einem eleganten Duft erwartet, ich würde ihn als moderat bis intensiv in der Sillage einstufen. Selbiges gilt für die Ausdauer.

Ich war ein wenig aufgeregt, als ich las, Geza Schön wäre für den neuesten Baldessarini verantwortlich (und nur deshalb testete ich ihn), fast war ich mir sicher, dass er mir gefällt und ich kann nur sagen,
ich bin froh mich nicht getäuscht zu haben.

Meine Empfehlung lautet daher ganz eindeutig:
Wer bisher mit den Veröffentlichungen dieses hauses nichts anfangen konnte, sollte sich diesmal nicht voreingenommen zeigen und Ultimate eine Chance geben und einen Test wagen!

A*Men Pure Tonka Thierry Mugler von NebelGeîst 2017-01-15

Pure Tonka wandelt jetzt nicht unbedingt auf ganz neuen Pfaden, was die A*men-Reihe angeht. Manchmal ist man im Hause Mugler eben mutiger, manchmal weniger.
Nachdem scheinbar Pure Wood (2014) und Ultra Zest (2015) nicht so großen Anklang gefunden, wie erhofft, scheint man 2016 auf altbekanntere Kniffe zurück zu greifen.

2008 kam der Pure Coffee raus, der mit Pure Havane und Pure Malt zu den beliebtesten Flankern zählt. Bei Pure Tonka greift man nun wieder tief in den Kaffeebohnensack. Das koffeinhaltige Böhnchen ist hier sogar fast präsenter als im eigentlichen Kaffeeflanker.
Dennoch gibt es Unterschiede.
Die Kopfnote ist etwas unstimmig, aber vielleicht besinnt man sich da einfach auf seine Wurzeln, denn beim ursprünglichen A*men war die Kopfnote auch ausgenommen gewöhnungsbedürftig.
Die ganze Komposition wirkt deutlich wärmer, voller. Das ist überraschend, denn ich hatte vorher angenommen, dass es genau anders herum sein müsse. Für mich hat Coumarin, welches ja hauptsächlich für den olfaktorischen Eindruck der Tonkabohne verantwortlich ist, nämlich durchaus eine kühle Seite. Und ein bisschen hab ich die wärme im Pure Coffee vermisst, den ich ebenfalls besitze.
Der Kaffeeakkord ist zudem beim Pure Tonka irgendwie schöner ausgefallen. Man könnte also durchaus sagen, Pure Tonka ist das bessere Pure Coffee.
Natürlich tritt hier auch deutlich das Kernthema der Reihe zu Tage, passend verwoben mit der Komposition.
Die namensgebende Tonkabohne tritt mal mehr, mal weniger zu Tage. Leider fehlt mir etwas, ich rieche nämlich leider in erster Linie Coumarin. Tonka hat aber darüber hinaus viele andere, zumeist balsamische und vanillige Nuancen. Man erwartet bei einem Mugler zwar ohnehin nicht viel Natur, aber die Tonkanote ist recht sicher synthetisch. Wenn nicht wirklich einfach nur Coumarin (oder besser ein nicht reglementierter Ersatzstoff) verwendet wurde.
Dafür ist eine weitere, sahnige Gourmandnote zu riechen. Ich kam nicht gleich drauf, was ich das sein könnte. Nun weiß ich es.
Ich habe schon Düfte gesehen und gerochen, in deren Pyramide Meringue (Baiser) vorkommt, was ich überhaupt nicht verstehen konnte. Würde dies in der Pyramide von A*men Pure Tonka stehen, ich würde es sofort glauben und der Note keine all zu geringe Gewichtung geben.

In a nutshell, wie man im angelsächsischen Sprachraum so schön sagt: Pure Tonka riecht für mich, als säße jemand in einem Wiener Kaffeehaus, tunke mit Tonkabohnen aromatisierte Meringue in seinen Kaffee Crema und trüge dabei einen Hauch von A*men.

Pure Coffee und Pure Tonka mögen in ähnlichen Gefilden spielen, haben viel gemein, aber auch einige sich unterscheidende Aspekte. Sillage und Haltbarkeit sind ähnlich, und befinden sich im moderaten bis intensiven Bereich. Ob man wirklich beide braucht, muss jeder selbst entscheiden. Ich hab Coumarin bei Experimenten vor ein paar Jahren öfter mal zu stark dosiert, daher kann ich es heute nicht mehr all zu oft dominant riechen. Ich möchte also auch nicht jedesmal, wenn ich Lust auf einen Kaffeeduft habe, selbiges mitriechen müssen. Daher haben beide ihre Berechtigung.
Ich muss aber gestehen, so selten wie ich mittlerweile zu einem Parfum dieser Reihe greife, weiß ich nicht, ob ich wirklich beide behalten werde.

In jedem Fall einer der gelungeneren Flanker, aber nicht nur für Koffeinjunkys. :)

Sweet Lolita Lempicka von PhoenixNoctulus 2017-01-15

Ein Duft, der "Sweet" heißt und als Duftnoten Kirschen und Zucker beinhalten soll? Das klingt schreiend süß - aber so extrem übersüß ist Sweet dann glücklicherweise doch nicht.

Ja, es ist ein süßer Duft. Ein Fruchtduft, der auch an Cocktail-Kirschen oder gewisse Kirschschnaps-Pralinen erinnert. Aber: Durch Angelika und puderige Noten von Iris, Kaschmir und Moschus hat diese Cocktail-Kirschen-Note darüber hinaus auch deutlich wahrnehmbare Anklänge von klassischem Lippenstift. Etwas Elegantes, Feminines also, nicht einfach nur schreiende Süße; der Duft wirkt dadurch auch eher erwachsen denn fröhlich-fruchtig-kindlich.

Und dann wäre da noch die Kakaonote: Sehr schöner, herber, trockener Kakao. An Edelbitterschokolade erinnernd und die Süße der gezuckerten Kirschen deutlich abmildernd (allerdings ergibt sich nicht der von mir ursprünglich vermutete "Schwarzwälder-Kirschtorten-Eindruck" - dazu fehlt das Vanillige, Sahnige). In seiner Herbheit auch wieder eher erwachsen, obwohl dem Duft insgesamt mit seiner zuckerigen Kirschnote schon noch etwas Verspieltes, oder eher Kokettes, anhaftet. Insgesamt ist der Duft eine Mischung aus verführerischen Gourmandnoten und Lippenstift, aus süßen, puderigen und herben, bitterschokoladigen Noten gleichermaßen.

Ich würde sagen: Die Formel mag simpel erscheinen, aber das Konzept geht absolut auf. Der Duft funktioniert zu allen Jahres- und Tageszeiten. Sillage und Haltbarkeit sind moderat.

Für Fans von erwachseneren Kirschdüften ist Sweet definitiv einen Test wert - bei Leuten, die klassische Kosmetikdüfte lieben, würde ich einen Blindkauf allerdings nicht empfehlen, da der Duft doch deutlich fruchtiger, süßer und gourmandiger ausfällt, als übliche Lippenstift-, Creme- oder Puderdüfte. Insgesamt aber ein sehr interessanter Duft - und irgendwie ist es verwunderlich, dass es einen solchen bislang (meines Wissens) noch nicht gab.

Funeral Home Demeter Fragrance von PhoenixNoctulus 2017-01-15

Der Duft könnte so schön sein (Ich bin mir durchaus darüber bewusst, dass das bei einem Duft, der übersetzt "Bestattungsinstitut" heißt und auch so riechen soll, etwas merkwürdig klingen könnte)! Leider scheint er mit mir einfach nicht zu harmonieren.

Ich kenne sie gut, von meinen Friedhofsspaziergängen: Die üppig-puderigen Liliensträuße, die auf frischen Gräbern stehen. Diese Mischung aus lauer Abendluft, frischer Erde und diesem süßlichen Lilien-Blütenstaub, den ich an manchen Sommerabenden dort gerochen habe, empfand ich immer als wunderschön. Diese Atmosphäre: Zwischen den alten, moosbewachsenen Steinen, im Sommer blühende Linden, Koniferen, das sanfte Abendlicht, singende Vögel, laue Luft, Liliensträuße, alte, feinst gearbeitete, gusseiserne Zäune und Hecken voller Rosen... Es mag makaber klingen, aber man kann doch nicht leugnen, dass dem eine gewisse Schönheit innewohnt?!

Und so hoffte ich, diese Liliennote hier wiederzufinden. Gerne mit frischer Erde. Oder mit geschnittenem Gras. Gern auch mit anderen typischen Trauerstrauß-Blumen: Ja, auch hier sind dafür Gladiolen und Chrysanthemen durchaus üblich. Und Nelken, rote und weiße. Dass der Duft darüber hinaus auch an altes Möbelholz erinnern könnte - kein Problem! Er heißt ja schließlich nicht "Friedhof", sondern "Bestattungsinstitut".

Aber wenn es das nur wäre! Ich rieche bei Demeters Funeral Home leider, neben einer tatsächlich lebensechten, würzigen Nelkennote, nur sehr wässerige, grüne Lilien (keineswegs üppig, puderig oder gar indolisch, was für mich aber auch noch gepasst hätte), und - und das ruiniert es mir entgültig - moderiges Holz und ranzige alte Teppiche. Der ganze Duft hat etwas an sich, was an gammeligen, schlecht im Keller gelagerten, Stoff erinnert. Ich weiß nicht, was es genau ist, was diesen Eindruck erzeugt (vielleicht harmonieren Blumen, Holz, Gras und die ominösen "orientalischen Noten" nicht miteinander?), aber angenehm ist der Duft für mich definitiv nicht. Ich glaube übrigens auch nicht, dass es beim Bestatter wirklich so riecht. Oder in der Trauerhalle. Oder auf dem Friedhof (wobei ich das wirklich definitiv ausschließen kann).

So muss ich dann wohl weiterhin einfach spazieren gehen ;) Oder ich lege LUSHs Death & Decay auf, der Duft geht nämlich exakt in dieselbe Richtung bzw. soll ein sehr ähnliches Bild erzeugen, was diesem Duft aber auch tatsächlich gelingt.

Haltbarkeit und Sillage sind (in diesem Fall für mich: leider) überdurchschnittlich.

Si Lolita Lolita Lempicka von PhoenixNoctulus 2017-01-15

Si Lolita (als Eau de Parfum, das Eau de Toilette duftet anders) hat für mich etwas Nostalgisches - aber das liegt eher an persönlichen Gründen. Ich bin nämlich der Meinung, dass meine Mutter irgendwann Anfang der 90er Jahre einen ziemlich ähnlichen Duft trug - nur welchen, weiß ich leider bis heute nicht (Si Lolita selbst kann es nicht gewesen sein, der erschien erst gut 2 Jahrzehnte später). So ist dieser Duft aber einer der Düfte, die ich als "Düfte meiner Kindheit" beschreiben würde: Der Duft von zartwürziger Duftwicke, ein wenig elegantes Patchouli dahinter, dazu sanfte orangige Töne, Elemi und ein winziger, nicht einmal für meine empfindliche Nase unangenehmer, Hauch Pfeffer.

Diese Mischung aus zart zitrisch-vanilligem, aber gleichzeitig balsamischem Elemiharz und der Duftwicke, vermengt mit warmen, ambratischen und harzigen Noten von Patschuli und Ambra, mit mandeliger Tonkabohne, einem Hauch fruchtiger Orangen, ein wenig Zitrus... irgendwie ist das für mich der olfaktorische Wollpullover für kühlere Herbst- oder sanftere Wintertage. Der Duft ist zwar nicht extrem komplex, aber doch dicht gewebt, warm, wohlig, einhüllend, leicht gourmandig durch Orange und Tonka, vanillige Heliotrop-Noten spielen auch noch mit hinein. Der durchaus ambratische Duft ist aber auch nicht zu warm, die sanfte Pfeffernote sorgt für eine die Nase etwas kitzelnde Würzigkeit und schenkt dem Duft damit eine weitere Facette.

Ein schöner, leicht nostalgischer Herbstduft, auch an mäßig temperierten Winter- oder Frühlingstagen sicher gut tragbar, mit moderater Haltbarkeit und Sillage, mittlerweile auch gar nicht mal mehr so teuer (30ml sind schon ab etwa 20 Euro zu haben, 50ml ab 25; darüber hinaus gibt es noch eine 80ml-Variante für etwa 35 Euro).

Wer den Duft der Gartenwicke oder einfach sanft-ambratische, aber gleichzeitig auch ein wenig würzige, Düfte mag, könnte Si Lolita mal testen.

Bois Farine L`Artisan Parfumeur von PhoenixNoctulus 2017-01-15

Bois Farine ist der staubigste, mehligste Duft, den ich jemals testen konnte - und er ist toll! Was im 1. Moment einfach nur nach knochentrockenem Mehl riecht, entwickelt sich mit der Zeit nämlich zu einem wunderbarem Mix aus elegantem Körperpuder, zarten Hölzern und - vanillig-mandeligem Keksteig.

Den Puderaspekt finde ich in der Iris wieder, die allerdings bei aller Puderigkeit auch zarte karottige Untertöne hat, außerdem ist da eine leicht würzige Nuance von Moschus im Hintergrund.

Das Sandelholz erinnert, neben seiner natürlichen Holzigkeit, wirklich ein wenig an Milch oder Sahne. Dazu kommt leicht zitrisch-vanilliges Benzoeharz, ein Hauch süße Blumigkeit ist durch Jasmin ebenso vorhanden. Außerdem würde ich schwören, in der teigigen Mischung auch noch Vanille, Mandeln oder Tonkabohnen zu riechen! Der Duft erinnert so stark an Plätzchenteig (für mich weniger an Brot o.ä.), dass daran gar kein Zweifel bestehen kann! ;)

Zur "Parfümisierung" des leckeren Keksteigs taugen hintergründige Holznoten, die moderat temperiert wirken, also nicht besonders warm, aber auch keineswegs kalt oder waldig. Offiziell genannt werden dafür Zeder und Guajakholz, ehrlich gesagt kann ich bei diesem Duft beides nicht exakt identifizieren; es ist eher eine allgemeine zarte Holznote - vielleicht mit einem Hauch Eiche? - aber das könnte täuschen.

Insgesamt ist der Duft also zart holzig, üppig puderig, mandelig-vanillig, an Mehl und Keksteig erinnernd. Ein sehr außergewöhnlicher Duft, auch unter den zahlreichen vanilligen Düften, die so auf dem Markt sind. Besonders die "Staubigkeit" und enorme Trockenheit des Duftes (die sicher nicht jedem gefallen dürften) sind für mich bemerkenswert - was den Duft für LiebhaberInnen außergewöhnlicher Düfte sicher testenswert macht.

Sillage und Haltbarkeit empfinde ich als moderat.

Panama Millesime Panama 1924 von NebelGeîst 2017-01-15

Das erste, an das ich dachte, als ich diesen Duft bei einem Ausverkauf einer schließenden Parfumerie testete, war: das kenn ich doch!
Einige Augenblicke später dann: ah, ja der kommt dem Déclaration von Cartier sehr nahe.

Die Ähnlichkeit kommt für mich vom Koriander, meiner Nase nach unter den dominantesten Noten hier, gepaart mit einer holzigen Zedernnote, Vetiver und einem ähnlichen Moschus (wenngleich letzterer beim Cartier-Duft nicht gelistet ist).
Aber ist es eine überflüssige und auch noch überteuerte Kopie eines Designerduftes?
Nein, ist es nicht. Vor allem nicht überflüssig.
Und ich werde hier schreiben, warum ich so empfinde.

Wie geschrieben, testete ich Panama 1924 Millésimé von Boellis bei einem Räumungsverkauf. Nur auf Papier.
Da er sehr stark reduziert war, nahm ich ihn auch ein paar Tage später dann mit, obwohl ich mir gar nicht so sicher war, dass ich ihn haben wollen würde. Déclaration kannte ich ja schon und war auch von dem nicht sooo überzeugt (und auf Graumarktseiten bekommt man ihn sogar für weniger, als ich für den Boellis-Duft beim Ausverkauf bezahlt hatte), aber wirklich schlecht fand ich ihn auch nicht unbedingt. Aber es war zu diesem zeitpunkt nun mal nur die eine Flasche noch da und ich dachte, im Zweifel wäre es kein all zu großer Verlust (ein Drittel der UVP), oder ich könnte ihn zumindest gut tauschen, wenn er mir doch nicht gefallen sollte.
Mein Jagdtrieb ließ nicht zu, dass ich ihn einsam im Laden stehen ließ.

Allerdings blieb sie dafür dann monatelang nahezu unberührt in meiner Sammlung. Von Zeit zu Zeit roch ich am Flakon, getragen hatte ich ihn allerdings nicht. Irgendwie war ich nie in der Stimmung dazu und ohnehin hatte ich jedesmal Déclaration im Kopf, wenn ich die Flasche in Händen hielt. So fiel meine Wahl bezüglich meines Dufts des Tages immer auf einen anderen.

Doch der Tag kam, an dem ich wieder mal grübelte, was ich denn auflegen sollte und letztlich dachte, ach komm, jetzt trag ihn halt mal!
Da er damals beim Test auf Papier ähnlich schwachbrüstig, oder sagen wir lieber transparent, erschien wie sein Vetter von Cartier, hielt ich mich nicht besonders zurück und verteilte großzügig Sprühstöße auf Haut und Kleidung.
Und man, hatte mich mein Eindruck getäuscht!
Panama 1924 Millésimé ist vieles, aber sicher nicht schwach! So war es mir fast ein wenig peinlich, als ich 20 Minuten später in die Straßenbahn einstieg, denn obgleich mich meine Hautchemie auch viele Kracher großzügig dosieren lässt, nahm ich diesmal tatsächlich eine dicke Wolke von holziger, pudriger Würzigkeit um mich wahr, so dick, dass dieser Geruch fast mit Händen greifbar schien.
Ich empfinde selten so, auch nach mehr als fünf Sprühstößen mit einem Amouageduft im Sommer, aber hier war klar, ich hatte es hoffnungslos übertrieben und mich völlig verschätzt.
Nicht nur dass der Millésimé sher intensiv roch und mich mit einer weitreichenden Sillage umgab, nein, er hielt sich darüber hinaus auch noch länger, als es beispielsweise mein Interlude Man (alte Formulierung) tat! Was meinen Fauxpas mit der Überdosierung noch peinlicher machte, denn ich hatte ihn auch während der Arbeit stundenlang in voller Dröhnung in der Nase.

Das hätte nun wirklich fatal gewesen sein können, wenn er sich nur in diesen Punkten vom Vetter aus dem bekannten Goldschmiedehaus unterschieden hätte.
Aber glücklicherweise war dem nicht so. Denn ich mochte ihn überraschenderweise, obwohl er mir regelrecht penetrant in der Nase hing. Bei Déclaration wäre ich wohl genervt gewesen und hätte ihn irgendwie von mir entfernen müssen.

Aber kommen wir zur Duftbeschreibung.
Nach dem Aufsprühen bemerke ich eine gewisse Frische, wenn auch nur minimal vorhanden. Herz- und Basisnoten sind gleich zu beginn riechbar, diese Frische kann ich jedoch nur schwer einordnen, vielleicht die Zitrone oder der Tee, oder gar beides?
Tee in Parfum riecht ja oft frischer, als es echter Grüntee tut. Und das liegt wohl auch daran, wie der Dufteindruck erweckt wird. Beim beliebten Eau Parfumée au Thé Vert von Bvlgari war beispielsweise kein Tee enthalten, Jean-Claude Ellena hatte angeblich beim mischen verschiedener Aromachemicalien eher zufällig heraus gefunden, dass Hedione mit seinem ätherischen, strahlend-floralen Jasminduft und Ionon, das für Veilchenakkorde benutzt wurde, in einem bestimmten Verhältnis den olfaktorischen Eindruck von Tee erweckten. Dieses Konzept, welches anfangs kein Haus haben wollte, sollte später oft kopiert werden. Und dieses Konzept bringt eben deutlich mehr subtile Frische mit sich, als ein Absolue aus Teeblätter täte.
Um nicht noch weiter abzuschweifen, darum glaube ich, dieser Teeakkord, gepaart mit der Frische der Amalfizitrone, könnte für diesen Eindruck in der Kopfnote verantwortlich sein.
Doch eigentlich habe ich dem Punkt viel zu viel AUfmerksamkeit geschenkt, denn diese Frische verfliegt doch recht schnell.
Wie geschrieben, sind die dominanten Herz- und Basisnoten auch zu beginn präsent. Hauptakteur ist dabei klar Koriander, und zwar als Frucht, nicht als Kraut. Dazu gesellt sich eine neuweltliche Zeder (Virginia, Texas, o.ä.) und ein Gefühl von Pudrigkeit, wie sie eigentlich von Iris herrühren würde. Jedoch zeigt keine mir bekannte Pyramide Iris auf. Trotzdem glaube ich, dass hier eine Iris-Basis verwendet worden ist, vielleicht olfaktorisch verstärkt durch einen Teeakkord im Stile von Ellena, denn die verschiedenen Ionone werden nicht nur für Veilchen, sondern auch für die olfaktorisch nahe verwandte Iris verwendet.
Daher kann ich mir sehr gut vorstellen, dass die Eigenheiten eines eigentlich sparsam verwendeten Irisakkords durch die Überschneidung mit einem Ellena-Teeakkord, deutlich verstärkt werden könnten.
Das nun auch als Erklärung für die Abschweifung bei der Kopfnote, obwohl scheinbar für den Duftverlauf irrelevant.
Hinzu gesellen sich leichte Anklänge von Kardamom und Saffran, untermalt von einem eher warmen, kuscheligen Moschus.
Der Duft bleibt eher linear, aber weit im Drydown kommt noch eine erdige Note hinzu, die aber letsamerweise eher die Wärme des Duftes betont und kein kühles Element hinzufügt.

Millésimé hat sich auch als deutlich vielseitiger gezeigt, als zunächst gedacht. Es passt wunderbar zu Jeans und Pulli, aber mindestens genauso gut zu Anzug und Krawatte. Ob man es zum Shoppen trägt, oder während man sich in einer ausgefallenen 'Nischen'-Bar einen teuren Whiskey gönnt, bleibt sich gleich. Hier treffen sich Gemütlichkeit und formelle Eleganz auf Augenhöhe, und wie das ganze nun rüberkommt, bestimmst allein du als Träger.

Der Duft von Boellis ist wärmer, dicker, sowie ausbalancierter als der von Cartier. Nein, es handelt sich nicht um eine überflüssige und überteuerte Kopie. Und falls Boellis sich wirklich von einem doch eher unbekannten Designerduft 'inspirieren' lassen hat, so ist das Resulat um Welten besser gelungen als dessen 'Inspiration'.
Aber um ehrlich zu sein bin ich mir nicht sicher, ob hier wirklich versucht wurde abzukupfern. Ganz ehrlich, welcher Parfumeur riecht sich denn durch die Werke aller Kollegen? Und man kann auch ohne abzukupfern auf ähnlichen Pfaden wandeln.

Dieser Herrenduft verdient es, als eigenständiges Werk breiter bekannt und nicht nur als Kopie abgestempelt zu werden.

Indian Night Jasmine The Body Shop von PhoenixNoctulus 2017-01-15

Indian Night Jasmine ist ein wunderbarer Tropennacht-Duft. Die ausgeprägte Nachtjasmin-Note wird untermalt durch milchiges, cremiges weißes Sandelholz. In der Nachtluft, die irgendwie etwas Schwüles (aber nicht Unangenehmes) an sich hat, riecht man noch einige andere zarte Blüten, vor Allem Orangenblüte. Außerdem ist im Hintergrund eine angenehme puderige Veilchenblatt-Note vorhanden.

Insgesamt würde ich den Duft als tropisch-blumig bezeichnen, er hat eine gewisse Süße, ist aber trotz der üppigen Jasminnote auch nicht zu schwer, da Puder und die Luftigkeit der Orangenblüte die Schwere etwas auffangen. Es ist ein nicht allzu komplexer Duft, der aber wirklich angenehm ist und auch die genannte Tropennacht-Stimmung sehr gut abbildet.

Der Duft ist eher hautnah, die Haltbarkeit liegt bei etwa 3-4 Stunden. 50 ml kosten 25 Euro.

English Dawn White Gardenia The Body Shop von PhoenixNoctulus 2017-01-15

English Dawn Gardenia ist für meine Nase ein authentischer frühsommerlicher Park-Duft. Er ist luftig, aber nicht zu frisch, neben weißen Baumblüten liegt noch ein Hauch Morgentau in der Luft. Es ist sonnig, noch nicht allzu heiß, ein angenehmer sommerlicher Morgen.

Die Hauptduftnote ist Gardenie, aber man kann auch etwas Tuberose wahrnehmen. Ein Anflug luftiger Frische wird durch zartherbe Bergamotte gespendet. Hintergründig bemerkt man noch ein wenig milchig-cremiges Sandelholz.

Der Duft an sich ist eher statisch, aber angenehm atmosphärisch. Insgesamt empfinde ich ihn als sehr gut gelungen. Er ist eher zart, hat also auch nur eine hautnahe Sillage, die Haltbarkeit hingegen würde ich als moderat bezeichnen.

Patchouli Precieux Les Nereides von PhoenixNoctulus 2017-01-15

Patchouli Precieux (früher noch Patchouli Antique genannt) von Les Nereides ist ein gourmandiger, balsamischer und nur ansatzweise erdiger Patchouli-Duft, der deutlich durch Vanille, Sandelholz und Moschus abgerundet ist.

Die ersten Momente sind noch ein wenig waldig: Man riecht dunkles Zedernholz, authentisch waldig-frische Baumnadeln, etwas Gurjanbalsam, sogar eine leichte, grüne Wiesenkräuternote.

Danach jedoch wird der Duft schnell deutlich wärmer: Balsamisch-ambratisch anmutendes Patschuli mischt sich mit gourmandig-süßer Vanille, mit cremig-milchigem Sandelholz und etwas fruchtiger Orange. Dazu kommt eine gut wahrnehmbare Menge an puderigem Moschus.

Insgesamt ist der Duft (bis auf den waldigen Auftakt) harzig-warm-ambratisch und gourmandig-vanillig, mit leichten fruchtigen, cremigen, puderigen und holzigen Akzenten. Ein schöner, qualitativ hochwertig riechender Herbst- und Winterduft. Die Sillage ist überdurchschnittlich, die Haltbarkeit - patschulitypisch - nahezu endlos. Mit 65 Euro für 100ml gehört Patchouli Precieux zu den kostengünstigeren Nischendüften. Wer Patchouli der ambratisch-warmen Art mag, sollte Patchouli Precieux bei Gelegenheit testen.

Hermessence Vanille Galante Hermes von PhoenixNoctulus 2017-01-15

Auch ich empfinde Vanille Galante als ziemlich luftig und frisch und eher unsüß. Die Vanille geht für mich nicht ins Grüne, aber schon etwas ins Aquatische. Im Auftakt merke ich auch noch eine leicht alkoholische Note, genau genommen Cognac. Auch eine leichte, undefinierbare Blumigkeit (frühlingshafte Weißblüher?) ist ganz zart im Hintergrund zu bemerken.

Später tauchen im Hintergrund winzigste Akzente von würzigem Pfeffer, herbem Kakao, Tabakblüte, etwas Holz, ein wenig würziger Moschus auf. Es ist tatsächlich alles mal ansatzweise durchzuriechen, aber wirklich nur minimalst. Hauptsächlich ist da aber diese ganz sanfte, frische Vanillenote, die kaum gourmandig, kaum süß wirkt, eher fast schon blütenartig-frisch.

Es ist ein sehr zarter Duft, der schon einen eigenen Reiz hat, allerdings nur bei warmen Temperaturen wirken dürfte. Bei Kälte geht er vermutlich sehr schnell unter. Qualitativ wirkt er hochwertig, auf seine Art ist er durchaus gelungen.

Die Sillage ist wirklich sanft, die Haltbarkeit liegt aber doch bei gut 3-5 Stunden. Der Originalgrößenflacon kostet 216 Euro bei 100ml, es gibt allerdings auch 15ml-Taschenzerstäuber im frei aus allen Düften der Hermessence-Kollektion wählbaren 4er-Set (zusammen 136 Euro, also 34 Euro pro Stück).

Vaniglia e Zenzero del Madagascar ist ein herber, auch für meine Nase schon eher maskuliner, Vanilleduft.

Die Vanille ist würzig und dunkel, bekommt zwar auf der einen Seite auch etwas warmes Ambra hinzu und etwas Sandelholz der milchigen Sorte, auf der anderen Seite rieche ich aber, neben einer ausgeprägten Ingwer-Note und herber Bergamotte, sehr viel dunkles, kaltes, maskulines Holz: Zeder und vor allen Dingen Palisander. Diese prägen den Duft so ziemlich, da macht auch bisschen Puderigkeit aus Moschus und Kashmirholz und sanfte blumige Noten (Ylang - tropisch, leicht würzig; Orchidee - cremig-zart) den Duft insgesamt nicht sehr viel femininer.

Als Vanille-Holz-Herrenduft (natürlich auch von Frauen tragbar, die Herrendüfte nicht scheuen) hingegen finde ich Vaniglia e Zenzero eigentlich ganz gut gelungen. Haltbarkeit und Sillage sind moderat, der Preis liegt bei rund 5 Euro für 100ml, in Italien bekommt man den Duft in Drogerien sogar noch günstiger.

Übrigens finde ich das Flacondesign leider auch nicht so elegant, in diesem Fall ist das aufgedruckte Motiv aber wirklich hübsch und auch sehr stimmig. Ich persönlich habe mir den Duft gekauft, als ich das letzte Mal in der Toscana war, und trage ihn auch heute ab und zu noch ganz gerne.

Iris Prima Penhaligon`s von PhoenixNoctulus 2017-01-15

In Iris Prima sehe ich einen verlassenen, alten Theatersaal. Keine richtige Ruine, aber leer von Menschen und schon eine Weile nicht mehr genutzt. Vielleicht etwas "verwunschen" anmutend. Durch eines der Fenster fällt etwas Licht in den Saal; es ist nicht dunkel, aber auch nicht wirklich lichtdurchflutet. Vielleicht ist es ein kühler Frühwintertag, da ist die Leuchtkraft dort draußen ohnehin nicht so stark ausgeprägt. Vielleicht verhängen auch noch einige letzte braune Blätter vor dem Fenster die Sonne.

Man riecht alte Holzdielen, helles Holz, keineswegs zerfallen, eigentlich noch gut in Schuss. Theoretisch könnte jederzeit wieder jemand darauf auftreten. Man nimmt auch noch altes Leder wahr; kommt der Geruch aus der Requisiten-Kammer oder sind es die Bezüge der Sitze des Publikums? Auch eine etwas heuige Note ist da, etwas Würzigkeit. Und ein Hauch Zitrone - ein letzter olfaktorischer Überrest von der letzten Reinigung des Saales? Dazu noch etwas Harziges, Ambra, ein wenig Vanille, Überbleibsel eines intensiven, edlen Parfüms, das hier wohl jemand trug. Auch ein wenig Blumigkeit, Jasmin, frühlingshaft.

Und dann ist da Puder! Nein, eigentlich Theaterschminke verschiedener Arten, sowohl staubtrockenes Puder als auch wächserne und cremige Substanzen - aber doch hauptsächlich Puder. Die Pudernote ist leicht und zart wirkend, aber doch sehr langanhaltend, auf ihre Weise von einer gewissen Intensität. Elegant, nur ein wenig süßlich, eher erwachsen und damenhaft. Dieses Staubig-Puderige hat etwas Melancholisches an sich, wie auch der verlassene (vergessene?) Saal an sich. Der ganze Duft wird davon geprägt - vom Puder und von der Melancholie.

Danke, Comfycat, für diesen tollen Duft! Die Haltbarkeit und die Sillage sind moderat.

Eternal Voyage Auphorie von PhoenixNoctulus 2017-01-15

Eternal Voyage ist ein wirklich sehr ungewöhnlicher und auch wieder sehr dicht gewebter Duft - wie ich es von Auphorie bislang kenne.

In der 1. Phase rieche ich nur hintergründig Harze. Im Vordergrund steht eine merkwürdige Mischung aus waldmeisterartigem, waldig-frischem Coumarin, kühlen und gleichermaßen warmen Gewürzen, einer frischen, wild anmutenden Rose und etwas süßlich-karamelligem, aber auch leicht herbem Rohrzucker. Das fühlt sich für meine Nase etwas turbulent an, ist aber nicht unangenehm, sondern - im Gegenteil - ziemlich spannend.

Mit der Zeit nimmt die Frische ab, ich rieche immer mehr warm-balsamisches Ambra hindurch, dazu verschiedene durchaus dominante animalische Noten (Zibet, Castoreum). Dazu nun aber auch leicht marzipanige Aspekte von Tonka, und weitere süßlich-besänftigende, dem Ganzen zumindest eine leichte konventionelle Wohligkeit schenkende Gourmandnoten von Vanille und milchartigem Sandelholz. Ein klassischer Wohlfühlduft ist Eternal Voyage dadurch aber noch lange nicht. Da ist immer eine hintergründige Note von Wildtier, außerdem deutliche Rauchnoten, wie von Feuern irgendwo in der Ferne.

"Eternal Voyage" - die ewige Reise - symbolisiert laut Auphorie unter Anderem auch die Reise des Lebens, mit all seinen Geheimnissen, seinen Umwegen, seinen Überraschungen. Tatsächlich kommt der Duft mir vor wie eine Reise durch ein wildes, unbekanntes Gebiet, bei dem man nicht weiß, was um die nächste Ecke auf einen lauern wird - oder was man finden, erfahren und erleben wird. Da ist eine gewisse Spannung, ein Überraschungsmoment - wie wird der Duft wohl als nächstes wirken, welche Athmosphäre wird sich mir eröffnen? Und tatsächlich begegnet mir immer wieder Unerwartetes. Danke, Auphorie, für dieses Dufterlebnis!

Wie man sicher herauslesen kann, empfinde ich Eternal Voyage als wirklich faszinierend. Ist der Duft auch tragbar? Sicher, allerdings nur von Individualisten (gleich welchen Geschlechts), und vielleicht nicht unbedingt bei jedem Anlass. Dafür denke ich, ist er für alle Jahreszeiten tauglich, und für alle Tageszeiten. Hier kann man ohnehin nicht in üblichen Schubladen denken.

Haltbarkeit und Sillage sind stark ausgeprägt.

Gloria Cacharel von PhoenixNoctulus 2017-01-15

Gloria... eine dichte Mischung aus balsamischen und gourmandigen Noten. Intensiv nimmt man gourmandige Vanille, saftige Kirschen und marzipanige Mandeln und Tonkabohnen wahr - aber es ist nicht einfach irgendein schreiend süßer Frucht-Duft. Amaretto sorgt dafür, dass alles etwas likörig, etwas herb und vor allen Dingen deutlich erwachsener erscheint; daneben sind da noch einige "parfümige" blumige Noten: eine üppige dunkle Rose, ein Hauch Jasmin, etwas blumig-fruchtiger Hibiskus, insgesamt feminin und elegant. Dazu als Kopfnote noch eine winzige Menge Pfeffer, relativ sanft, nicht sonderlich auffällig.

Am Prägendsten dürften aber wohl noch die Basisnoten sein, die hier das entscheidende Gegengewicht zu all dem Süßen und Fruchtigen darstellen: dunkles Zedernholz, Ambra (ich würde behaupten wollen: auch Weihrauch und weitere Harze) und eine große Menge Styrax mit seinem charakteristischen Aroma. So gewinnt der Duft deutlich an Tiefe, wird dunkler, schwerer, verliert an Süße. Für mich persönlich ist er perfekt ausbalanciert, allein die Mischung aus Styrax, Holz, Kirschlikör und Tonkabohne trifft schon komplett meinen Geschmack.

Gloria ist einer der wenigen Düfte, die es zu meinem Signaturduft hätten schaffen können - wäre er, ja, wäre er bloß nicht schon vor Jahren eingestellt worden. Die paar ml, die ich noch besitze, hüte ich wie einen Schatz. Glücklicherweise ist Gloria aber auch recht ergiebig; die Sillage liegt bei 1-2 Metern, die Haltbarkeit ist deutlich überdurchschnittlich.

Trotzdem wäre es natürlich toll, wenn Cacharel Gloria wieder produzieren würde - und so, wie das Stimmungsbild im Internet aussieht, dürfte da nicht nur meinerseits großes Interesse vorhanden sein.

Caresse Fragonard von PhoenixNoctulus 2017-01-15

Erstaunlicherweise (und leider!) rieche ich bei Caresse von Fragonard kaum die eigentlich als so prägend beschriebenen Pfirsich- und Aprikosen-Noten heraus. Ein wenig sind sie schon vorhanden, ja, aber hauptsächlich nehme ich einen zarten, leider ziemlich gewöhnlichen, Mix aus Jasmin und Orangenblüten wahr. Immerhin: Er duftet schön natürlich, zart, luftig. Aber eben auch nicht sehr originell. Zu Jasmin und Orangenblüte gesellt sich noch etwas säuerliche, zarte Rose und etwas fruchtig-süße Orange. Und irgendwo ganz weit dahinter noch ein Minimum Aprikose. Richtig gelesen, selbst die Orangennote fällt für mich stärker aus.

Wirklich schade. Aber auch so bleibt Caresse ein gut gemachter, hochwertig und natürlich riechender Duft für wärmere Frühlings- und Sommertage.

Die Sillage ist eher sanft, die Haltbarkeit liegt bei etwa 4 Stunden.

Classique Essence de Parfum Jean Paul Gaultier von PhoenixNoctulus 2017-01-15

Classique Essence de Parfum: Wie das Original, nur intensiver dosiert, aber dafür auch weniger tief, weniger komplex und ordentlich gezuckert. Auch die zumindest halbwegs natürlich anmutende, frische Anisnote vom Original fehlt.

Hauptsächlich rieche ich heftige Weißblüher mit süßer Vanille: Orangenblüte ohne viel Luftigkeit (gut, davon gibt es auch ein wenig, allerdings nicht natürlich wirkend, sondern deutlich aldehydig), sehr(!) kräftigen, fast schon indolischen, Jasmin. Darauf Ingwer - ich würde behaupten, kandierter Ingwer - und ziemlich viel süße Sahne. In diese süße Vanille-Blumen-Mischung (+Aldehyde) schwappt dann noch ein ordentlicher Schuss Mandarinensaft. Als Unterstützung: Ebenfalls in Zitrisch-Mandarinige gehendes Benzoe-Harz. Darunter noch etwas unauffälliges Holz und der heute wohl obligatorische Cashmeran-Fluff.

Im Gedächtnis hängen bleibt letztendlich ein intensiver, irgendwie störend synthetisch anmutender, Jasmin-Mandarinen-Exzess mit Ingwer, Schlagsahne, Vanille und Cashmeran. Mir persönlich gefällt er nicht. Aber das ist ja auch immer Geschmackssache.

Sillage und Haltbarkeit sind überdurchschnittlich.

Acqua di Gioia Essenza Giorgio Armani von PhoenixNoctulus 2017-01-15

Sorry, aber dieser Duft erscheint mir (persönlich!) etwas uninspiriert. Intensiv blumiger Jasmin, deutlich durchgezuckert, auf einer riesigen Basis Cashmeran. Für das Sommer-Feeling (und um die luftig-wässerig-leichte Signatur von Acqua di Gioia beizubehalten) noch bisschen Zitrone und Minze on top (einen alkoholfreien Mojito gefällig?), für ein paar Sekunden Nasenkitzel noch etwas Pfeffer oben drauf, und damit das Ganze bisschen abgerundet ist, zur Cashmeran-Basis noch ein wenig kühles Zedernholz dazu.

Klingt komplexer, als es riecht. Die Nase nimmt hauptsächlich "wässeriger Zitrus-Minz-Mix mit knallig gezuckertem Jasmin oben drauf und einer Lastwagenladung Cashmeran drunter" wahr. Cashmeran scheint irgendwie langsam zum neuen Oud zu werden ;) Siehe auch Thierry Muglers Alien, Calvin Kleins Reveal,... - wobei dagegen aber auch nichts spricht, solange die Düfte dennoch gut gemacht sind.

Sillage und Haltbarkeit sind moderat.

Essence de Patchouli Alyssa Ashley von PhoenixNoctulus 2017-01-15

Essence de Patchouli klingt eigentlich nach einem sehr kraftvollen, eigenwilligen Patschuli-Duft. Allerdings ist hier (ohne dass das heißen würde, der Duft wäre schlecht!) eher das Gegenteil der Fall: Die Patschuli-Note ist nur im 1. Moment ein wenig erdig - in Kombination mit der Nelke und der säuerlich-hellen Rose fast sogar ein wenig stechend - danach wird es aber sehr sanft und balsamisch und geht in den anderen Noten, die hauptsächlich puderig sind, fast unter.

Mal abgesehen von Patschuli rieche ich nämlich hauptsächlich Moschus (Unmengen davon!) und Iriswurzel. Zwar sind auch noch holzige Aspekte vorhanden (Zedernholz, Zistrose, Guajak), "in die andere Richtung" auch noch etwas Süße durch eine sehr zaghafte, aber durchaus gourmandige Vanillenote und etwas marzipanige Tonkabohne. Aber hauptsächlich riecht man schon puderigen, aber auch leicht würzigen Moschus (mit drei Ausrufezeichen dahinter) mit etwas balsamischem Patschuli.

Insgesamt also ein sehr zahmer, gefälliger, alltagstauglicher Patchouli-Duft. Immerhin ist er aber patschulitypisch sehr langanhaltend, bei moderater Sillage.

Wer Moschus-Patschuli-Düfte mag, kann hier bedenkenlos zugreifen. 30 ml Eau de Parfum kosten 27 Euro, 100 ml Cologne bekommt man schon für rund 20 Euro. In dem Fall ist die Haltbarkeit ein wenig geringer, allerdings kann man zu dem Preis wirklich üppig nachsprühen.

Musk Extreme Alyssa Ashley von PhoenixNoctulus 2017-01-15

Musk Extreme hält das, was der Name verspricht: Das hier ist kein fluffiges Puderwölkchen, kein Sauberduft, sondern das Gegenteil davon (allerdings durchaus noch im angenehmen Rahmen). Der Duft ist zwar schon etwas puderig, aber auch warm, würzig, irgendwie menschlich. Abgesehen davon sind auch Haltbarkeit und Sillage überdurchschnittlich stark ausgeprägt.

Die Moschusbasis erhält ihre Wärme hauptsächlich durch eine üppige Menge balsamischen Ambras, Würzigkeit verleihen Nelke und Tonkabohne. Letztere steuert auch etwas Süße, etwas Marzipanigkeit mit bei, so auch die ebenfalls vorhandene Vanillenote. Daneben ist noch ein winziges Bisschen Blumigkeit vorhanden, leicht animalischer Jasmin, ein wenig scheue Rose. In der Kopfnote noch etwas erfrischende Bergamotte, aber die hält wirklich nur wenige Momente, um den Auftakt zu bilden.

Insgesamt ist der Duft ambratisch, warm, würzig, moschusartig. Er ist relativ statisch, aber das stört mich in diesem Fall nicht. Man bekommt hier auf jeden Fall, was angekündigt war.

Wer das Konzept interessant findet, aber den Blindkauf der Originalgröße scheut: Neben dem 30ml-Flacon für rund 30 Euro gibt es auch noch Taschenzerstäuber mit 10ml Inhalt zum Preis von etwa 13 Euro.

Pop Exotic Yves Rocher von PhoenixNoctulus 2017-01-15

Von diesem Sommerduft bin ich, ehrlich gesagt, positiv überrascht gewesen (ich schreibe jetzt noch über ihn, da es ihn noch immer im Ausverkauf gibt). Die vorherigen Yves-Rocher-Sommereditionen hatten immer irgendetwas Nichtssagendes, waren einfach wässerig-zitrisch oder wässerig-und-"irgendwas mit Jasmin".

Pop Exotic hingegen tischt uns einen wahren saftigen Fruchtkorb auf. Besonders deutlich ist die sehr naturgetreue Ananas-Note, die den Duft auch eindeutig prägt. Im Hintergrund meine ich aber, auch noch etwas Maracuja und Mango wahrzunehmen. Der Duft ist auch nicht einfach nur fruchtig und schreiend süß, sondern hat auch eine gewisse herbe Note im Hintergrund, die ich in der Gesamtmischung ziemlich gelungen finde, da sie die Fruchtigkeit der anderen Noten etwas abrundet.

Insgesamt ein schöner sommerlicher Frucht-Duft, keineswegs kindlich, zartherb, im Ausverkauf auch recht kostengünstig. Wer Ananas- oder sonstige tropische "Obstkorb"-Düfte mag, kann - würde ich behaupten wollen - ruhig einen Blindkauf wagen. Sillage und Haltbarkeit sind moderat.

Noix de Coco Yves Rocher von PhoenixNoctulus 2017-01-15

Dieser Duft ersetzt den älteren Kokosduft aus der "Les Plaisirs Nature"-Reihe von Yves Rocher, die zu seinem erscheinen auf einen Schlag eingestellt wurde. Komplett verschwunden sind dabei leider die alten Düfte Gelber Pfirsich, Brombeere, Erdbeere und Himbeere; Vanille und Kokos wurden ersetzt, d.h. tauchen in der neuen Reihe erneut auf.

Qualitativ muss man sagen, kann Noix de Coco mit dem alten Duft mithalten. Ich weiß nicht, ob ich mich täusche, aber er kommt mir etwas milchiger vor, als die vorherige Variante; es ist ein Mix aus Kokosraspeln und Kokosmilch. Ziemlich natürlich duftet Noix de Coco noch immer, die Haltbarkeit liegt erneut bei etwa 3-4 Stunden, die Sillage ist moderat. Einen Duftwandel gibt es nicht, dies hier ist einfach ein statischer, naturgetreuer Kokos-Duft ohne viele Facetten. Wer so einen Duft sucht, kann hier bedenkenlos zugreifen. Der Preis ist recht günstig, mit 3,95 EUR für 20 ml.

Mandarine Citron Cèdre Yves Rocher von PhoenixNoctulus 2017-01-15

Ich muss zugeben, Mandarine Citron Cedre enttäuscht mich ein wenig. Ja, der Duft wirkt natürlich, er ist frisch, sommerlich, sportlich. Allerdings sind das viele der neueren Yves-Rocher-Düfte (entweder diese Richtung - oder es sind die üblichen Rosendüfte); für die wirklich fruchtigen Monodüfte aus dem Sortiment, die alle mit einem Schlag eingestellt wurden, gab es bisher hingegen keinerlei Ersatz. Zwar existieren in der komplett überarbeiteten Plaisirs-Nature-Reihe (aus der die Düfte Pfirsich, Himbeere, Erdbeere, Brombeere verschwunden sind) jetzt auch wieder Varianten wie Himbeer-Pfefferminze oder Mango-Koriander - diese werden jedoch nur noch als Lotion oder Duschgel angeboten und nicht mehr als Parfüms. Dabei empfände ich gerade diese als Eau de Toilettes als deutlich spannender, als den x-ten Zitrus-und-Holz-Duft.

Genau so kommt mir Mandarine - Citron - Cedre nämlich vor. Die Zitrone ist säuerlich-herb, dazu rieche ich noch viel dunkles Zedernholz. Die Mandarine ist auch eher sauer, wirklich viel Fruchtigkeit oder Süße steuert sie nicht bei. So bleibt es hier also bei einem bitter-sauer-holzigen Duft, den ich persönlich etwas charakterlos finde. Außerdem gibt es auch in der Kategorie zitrisch-herber Düfte weitaus interessantere, da facettenreichere.

Haltbarkeit und Sillage sind leicht unterdurchschnittlich, der Preis liegt bei 3,95 für 20 ml.

Fleur d'Oranger Lavande Petit Grain Yves Rocher von PhoenixNoctulus 2017-01-15

Fleur d'Oranger - Lavande - Petit Grain wird hauptsächlich von einer säuerlich-herb-frischen Zitrusnote geprägt. Die Orangenblüte fällt auch eher säuerlich aus, die bei manchen Orangenblüten-Düften wahrnehmbare zarte, luftige Süße erkenne ich hier weniger. Lavendel taucht nur im Hintergrund auf und gibt dem Duft etwas leicht Krautiges, Kühles.

Insgesamt ist der Duft zitrisch-herb, sogar leicht holzig kommt er mir vor, mit einem leicht krautigen Unterton. Sehr frisch, definitiv ein Sommerduft, die Zutaten duften natürlich/naturgetreu, aber etwas unspiriert finde ich ihn leider doch. Eben mal wieder herb-saure Zitrusnoten mit Holz und (das ist die einzige Abweichung zu Mandarine - Citron - Cedre) eben noch einer minimalen Krautigkeit durch eine geringe hintergründige Menge an Lavendel. Ich hätte mir etwas mehr Variantenreichtum gewünscht.

Wobei man eines dem Duft lassen muss: Seine Funktion als erfrischender Duft für warme bis heiße Tage erfüllt er schon. Und mit 3,95 EUR für 20ml ist er dabei auch relativ kostengünstig. Die Sillage ist eher sanft, die Haltbarkeit liegt auch nur bei 2-3 Stunden, aber der kleine Flacon passt gut in jede Tasche und bei dem Preis kann man auch häufiger nachsprühen, sobald man das Gefühl hat, mal wieder etwas Erfrischung zu brauchen.

Cyprès et Pamplemousse Yves Rocher von PhoenixNoctulus 2017-01-15

Zitrus und Holz - Moment, hatten wir das nicht schon einmal? ;) Hier nun also die maskuline Variante, die interessanterweise ein wenig facettenreicher (aber insgesamt noch immer eher statisch und eindimensional) gestaltet ist, als die Varianten für Damen.

Ich rieche viel dunkles Nadelholz, danach kommt eine ebenfalls ausgeprägte Note saurer (und leicht fruchtiger) Grapefruit. Im Auftakt ist da noch Zypressengrün, außerdem eine Ingwernote. Beides spielt ganz gut in die anderen Noten hinein - Grapefruit vermengt sich angenehm mit Ingwer, Zypressen-Holz und -Grün passen auch gut zusammen, allerdings schwinden Ingwer und Zypressenblätter recht schnell. Übrig bleibt - man ahnt es schon - Zitrus-mit-Holz. Und so bleibt es dann auch, allerdings nicht allzu lange, da der Duft (bei seiner körpernahen Sillage) in gut 1-2 Stunden auch schon wieder verschwunden ist. Das finde ich doch etwas schwach.

Insgesamt ist der Duft durchaus angenehm zu riechen, in Sachen Haltbarkeit allerdings enttäuschend und irgendwie auch ziemlich unspektakulär. Ich will es mal nett ausdrücken: An sich ist er nicht schlecht, aber er füllt keine Lücke (im Sinne von: so einen Duft hat es dringend noch gebraucht). Als Erfrischungsduft für den Sommer mag er aber eine Weile funktionieren, auch, wenn man oft nachsprühen müsste. 75ml sind für gewöhnlich für 12,50 EUR zu haben.

Mimosa Fragonard von PhoenixNoctulus 2017-01-15

Mimosa von Fragonard gehört für mich zu den schönsten Mimosen-Düften, die ich bislang testen konnte. Die Mimose tritt hier ziemlich natürlich und sehr unverschnörkelt auf - sommerlich, fröhlich, verspielt. Es sind "supporting notes" vorhanden, die Mimose steht aber deutlich im Vordergrund und bekommt von keiner anderen Note die Aufmerksamkeit gestohlen.

Es ist der charakteristische blumig-süß-puderige Geruch, sonnig, freundlich, etwas tröstend. Dieser Aspekt wird zusätzlich noch ein wenig von Heliotrop untermalt. Etwas zarte Frische spendet ein Hauch Bergamotte. Orangenblüte und Gardenie erzeugen eine Erinnerung an sanfte Frühsommerluft. Und die Puderigkeit wird noch ein wenig durch Veilchen und Moschus gestützt. Vor allen Dingen riecht man hier aber tatsächlich: Mimose!

Ein wirklich sehr schöner Duft, nicht zu sanft, aber auch keineswegs aufdringlich. Haltbarkeit und Sillage sind moderat. Wer einen gelungenen Mimosenduft sucht, kommt an diesem eigentlich nicht vorbei!

Scentini Nights Emerald Sparkle Avon von PhoenixNoctulus 2017-01-15

Scentini Nights Emerald Sparkle von Avon war für mich ein klassischer Blindkauf - bei unter 10 Euro pro Flacon hätte ich es aber auch zu verschmerzen gefunden, wenn er mir doch nicht zusagen würde. Ich war auf der Suche nach einem Guavenduft; auch fand ich das Konzept der "Scentini Nights"-Reihe eigentlich ganz lustig: Die Düfte bestehen aus mehreren Komponenten, die sich erst durch Schütteln mischen. Man sieht es auch auf dem Bild: Nicht etwa der Flacon ist teilweise grün getönt - der ist komplett farblos -, sondern ein Teil der Flüssigkeit ist dunkelgrün, ein anderer durchsichtig. Nach dem Schütteln ergibt sich insgesamt ein hellerer Grünton.

Emerald Sparkle riecht tatsächlich nach dem, was versprochen wird: Champagner mit grünen Früchten. Grüner Apfel, hauptsächlich, Guave kann man durchaus auch wahrnehmen, liegt aber schon deutlich hinter dem Apfel zurück. Die Champagner-Note wirkt recht überzeugend. Im Hintergrund findet man noch einige Blumen, am deutlichsten Jasmin (blumig und leider etwas indolisch), aber auch etwas würzige Wicke, Flieder nur minimal. Und unten drunter liegt eine ziemlich übliche, gefällige Basis aus etwas Vanille, leicht cremigem hellem Sandelholz und diversen anderen Hölzern.

Klingt nicht schlecht? Nun, der Duft hat leider einen Haken: Insbesondere die Fruchtnoten duften dermaßen synthetisch! Der grüne Apfel erinnert an Kindershampoo, die Guave hat auch irgendwie etwas Kratziges. Die Blumennoten wirken auch nicht wie draußen im Garten erschnuppert, sondern nach Duftkonserve. Mir ist klar, dass in der Parfümerie heute massenhaft synthetische Duftstoffe verwendet werden, aber auch solche Düfte können zumindest naturnah riechen (auch sehr kostengünstige Düfte haben das schon geschafft). Die Künstlichkeit kann man bei diesem Avon-Duft aber leider eben nicht überriechen. Es ist wirklich schade drum, denn das Konzept an sich hat einen gewissen Reiz.

Haltbarkeit und Sillage sind moderat.

Love Generation Leopard Jeanne Arthes von PhoenixNoctulus 2017-01-15

Love Generation Leopard war mir ursprünglich mal bei Rossmann ins Auge gefallen (wie auch nicht bei dieser Optik?!) und ich habe ihn mir einfach mal zum Spaß (und mit der Frage im Hinterkopf, wie ein Duft wohl ausfällt, dessen Flacon von einem neon-artig regenbogenfarbenen Leopardenmuster bedeckt ist - leider ist es übrigens nur Folie, aber davon sieht man nur von ganz Nahem etwas) getestet.

Ich war fast etwas enttäuscht, als der Duft sich als deutlich weniger "individuell" entpuppte, als das Design der Flasche: Hier hatte ich es mal wieder mit einem Duft der Richtung Flowerbomb oder La Vie Est Belle zu tun. Balsamisches Patschuli mit puderigem Moschus, fruchtiger Orange, üppiger Freesie und leicht marmeladiger Rose. Dazu ein Auftakt aus frischeren Noten wie Grüntee, Bergamotte und Orangenblüte. Etwas Jasmin darf natürlich auch nicht fehlen. So weit, so flowerbomb.

Leopard entwickelt sich dann aber irgendwie doch ein wenig anders: Er wird mit der Zeit schön herb, leicht holzig, irgendetwas bricht da aus diesem LVEB-Einerlei aus. Etwas, was - ich wage es kaum, es bei einem Duft aus dem absoluten Billigsegment zu schreiben - diesen Duft für mich sogar deutlich interessanter und angenehmer macht, als die teuren High-End-Vorbilder. Und so kam es dann auch, dass ich mir den Duft sogar zulegte (damals hatte ich von dieser Duftrichtung noch nicht so ganz die Nase voll - im Moment, befürchte ich, habe ich solche Düfte schon ein paar Male zu oft in der Nase gehabt, man riecht sie ja überall in der Stadt); er gefiel mir besser, als die Originale (die Duftart an sich empfand ich ja schon als angenehm), er war ziemlich kostengünstig (gut 4 Euro für 60ml), und manchmal mag ich einfach skurrile Flacons (das irritierte "Was ist das?!" meines Freundes konnte ich mir beim Anblick des Fläschchens schon lebhaft vorstellen).

Abschließend lässt sich sagen: Wer Flowerbomb und Konsorten an sich angenehm findet, aber es gerne etwas herber hätte, sollte sich mal nach Love Generation Leopard umschauen. Ebenso die, die einen sehr kostengünstigen Dupe suchen, und gegen etwas Herbheit und Holzigkeit nichts einzuwenden haben. Qualitativ empfinde ich diesen Duft nämlich als wirklich gelungen, er riecht keineswegs(!) billig, auch in Sachen Sillage (moderat) und Haltbarkeit (überdurchschnittlich) kann er definitiv mit seinen großen Vorbildern mithalten.

Bentley For Men Absolute Bentley von NebelGeîst 2017-01-14

"Ich habe dich vermisst. Schrecklich vermisst sogar. So sehr, dass ich kaum an deiner zurück gelassenen Kleidung riechen mochte, aus Angst, die Aura, der Schatten deiner Präsenz könnte verfliegen, die Erinnerung für immer aus meiner Nase weichen.
Ich stürzte mich in Abenteuer, begann Erfahrungen mit anderen zu häufen, derart viele, dass ich fast ein schlechtes Gewissen bekam, vor allem aber den Überblick zu verlieren drohte.
Aber kaum etwas konnte deinen Platz einnehmen. Manches füllte die Leere, die du hinterlassen hast, zumindest teilweise aus. Anderes füllte Leeren an anderen Stellen, von denen ich noch gar nicht bemerkt hatte, dass es diese Leeren gab.
Du bliebst aber verschwunden, verschollen, weg.
Es gab Gelegenheiten, da hätte ich ein Ticket zu dir kaufen können, für teuer Geld. Hie und da tauchte es auf, am großen Fluss, oder in der Bucht. Aber ich zögerte. Würde es so sein wie früher? Wäre die Liebe wirklich noch, oder besser wieder da? Die Gelegenheiten verstrichen, ungenutzt.
Doch dann tauchtest du wieder auf, mein geliebter Gucci pour Homme, du Meisterwerk geschrieben von Michel Almairac.
Verändert hast du dich. Aber nun ja, wer hat das nicht? Auch ich bin nicht mehr der Alte. Aber erkannt habe ich dich trotzdem sofort wieder. Und ich sehe, deine alte Lederjacke in gereiftem Braun trägst du immer noch. Und sie steht dir wie eh und je.
Das Leder mag mehr Patina bekommen haben, ist dunkler geworden aber sie ist es unverkennbar.
Deine übrige Kleidung hast du aber eingetauscht. Weniger kantig, ein wenig weicher und du gehst in schwarz. Dabei steht dir Trauer gar nicht gut zu Gesicht. Einen Hauch von Melancholie hattest du ja aber schon immer in dir getragen. Vielleicht machte sogar gerade dies einen Teil deiner Anziehungskraft aus.
Sogar deinen Namen musstest du ändern. Aber Namen sind nur Schall und Rauch, wie mein Physiklehrer immer zu sagen pflegte. Für mich bleibst du immer Gucci pour Homme.
Du bist es, unverkennbar, ja.
In einem schwachen Moment lege ich meinen Kopf an deine Schulter und schluchze leise. Doch du gibst mir Halt, gibst mir Stärke, spendest eine Wärme, deren Intimität fast verrucht erscheint. Die Vertrautheit, mit der deine Umarmung mich umschmeichelt, lässt mich unvermittelt aufseufzen.
Doch es bleibt zunächst nur eine kurze Liaison mit uns beiden, die alte, begrabene Gefühle wieder aufwirbelt, unterdrückte Sehnsüchte wieder wachrüttelt.
Aber der Abschied schmerzt diesmal nicht so sehr, weiß ich doch, wo ich dich finden könnte, wenn es mich nach dir verzehrt. Diese Gewissheit spendet überraschend Trost.
Bräuchte ich dich doch bloß in London aufzusuchen...

Ganz unerwartet hast du dich aber dann wieder hier im tristen Deutschland blicken lassen, hast mich damit überrumpelt. Ich musste die Chance nutzen, konnte nicht anders und nun bist du endgültig wieder in mein Leben getreten.
Die Liebe ist wieder da und ich bin glücklich.
Wir haben uns für eine offene Beziehung entschieden, und ja, ich mache davon viel Gebrauch. Aber an erster Stelle kommst immer du. Deiner werde ich nie überdrüssig und ich weiß, du gehst wirklich immer, welcher Anlass auch gegeben sei. Oder um einfach ein wenig mit dir in Nostalgie zu schwelgen.
Ich habe dich vermisst. Schön dass du wieder da bist.
Ach ja, ich liebe dich!"

Ich musste mit einem abstrakten Liebesbrief beginnen, bitte verzeiht mir. Er ist wohl zu metaphorisch und nur eingeweihte werden ihn interpretieren können. Daher hier nochmal ein bischen weniger abstrakt und verklärt.

Ich hatte mich verliebt in einen Duft aus dem Hause Gucci. Bis dahin hatte ich dieser Marke keine Beachtung geschänkt, aber GPH, komponiert von Michel Almairac und 2003 lanciert, hatte mich gefangen genommen.
Ich ging recht verschwenderisch damit um, auch wenn es hin und wieder Gerüchte gab, er wäre eingestellt worden, denn er tauchte doch immer mal wieder im Karstadt auf.
Doch das sollte sich ändern.
Zu meinem Bedauern, denn kein Parfum habe ich seither mehr vermisst, obgleich ich mit so einigen emotional verbunden war. GPH war so zu sagen meine große Liebe, wenn es um Parfum ging. Hätte mein Signature-Duft werden sollen.

Gerüchten zu folge gingen einige Zeit, nach dem er vom Markt genommen wurde, die Rechte an der Formel zurück an Monsieur Almairac. Und die Gerüchte besagten weiter, dass dieser die Formel in modernisiertem Gewand an Bentley verkaufte, die diese nutzen, um einen Exklusiv-Duft bei Harrod's zu lancieren. Natürlich zu einem beachtlichen Preis und ohne die Möglichkeit, ihn bei Harrod's online zu bestellen. Ob er wirklich noch so fabelhaft roch? Die meisten 'Modernisierungen' (alias Reformulierungen) altbekannter Düfte gingen ja eher schief, besonders in den vergangenen 8 bis 10 Jahren.
Über ein Parfumforum hatte ich eine Abfüllung erworben. Und war beeindruckt. Ja, das war wirklich GPH, etwas weniger Komplex, etwas weniger intensiv und mit leichten Einbußen in Sillage und Haltbarkeit.
Aber eindeutig erkennbar.
Aufgrund der sehr eingeschränkten Verfügbarkeit musste ich aber erst einmal ohne einen vollen Flakon leben.
Ich las aber erfreut, dass es nicht nur die Harrod's-Version gab, sondern auch im Mittleren Osten eine Variante angeboten wurde, die ein wenig intensiver sein sollte. Weniger exklusiv verpackt, dafür etwas günstiger. Auf ebay wurde ich auch fündig.
Mit Zoll/Einfuhrumsatzsteuer und Porto blieb der Preis aber nicht wirklich arg viel unter dem in London. Hinzu kam die lange Transportzeit.
Doch ich beochbachtete weiter Angebote aus dem arabischen Raum.
Völlig unverhofft habe ich dann bei den Wochenangeboten von notino/iparfumerie besagte arabische Edition gefunden (unterscheidet sich vom Flakon her dadurch, dass auch die Metalleinfassungen und der Deckel in schwarz gehalten wurden), zu einem fantastischen Preis.
Ich musste zuschlagen.
Und tatsächlich, diese Variante erscheint mir intensiver, würziger und noch näher am Original.
Doch wie ist der Geruch denn nun?
Ja, komplex, auch wenn es Einbußen gegenüber GPH gab. Balsamisch, ohne dass ich bestimmte Harze all du deutlich heraus riechen könnte. Holzig, viele meinen vor allem nach Zeder, aber auch wenn ich das durchaus nachvollziehen kann, sind auch die Holzakkorde so verwoben, dass nichts all zu dominant hervorsticht. Würzig, mit einer gewissen Nelken- oder Pimentnote. Ich muss hier immer an braunes Leder denken, nicht neu, sondern Vintage, auch wenn der Duft nicht explizit ledrig riecht. Und Weihrauch, auch wenn dieser für mich nicht von der explizit rauchigen Sorte ist.
Das ganze hat ein sowohl sehr klassisches, aber auch ein durchaus modernes Feeling. Man denke an moderne Kleidung und Möbel, die Vintage-Themen aufgreifen.
Meiner Meinung nach zur Jeans und Lederjacke genauso passend, wie zum Anzug nebst Kravatte.
Es gibt wie geschrieben ein paar leichte Unterschiede zum GPH (für mich ist der letztere immer noch besser), aber man könnte Bentley for Men Absolute problemlos in den altbekannten Gucci-Flakon füllen und viele hielten es für eine Reformulierung des Klassikers, jedoch eine, die gerade im Vergleich zu vielen anderen des letzten Jahrzehnts, gelungen ist.

Haltbarkeit und Sillage sind für mich im moderaten Bereich.

Ich werde hier auf jeden fall die ein oder andere Backup-Flasche ordern. Ich möchte meine Liebe nicht noch einmal so schmerzlich vermissen.

Zara Black Amber Zara von noa69 2017-01-10

Zara Black Amber soll man mit Vorsicht testen. Wenn jemand bei diesem Modehaus einen richtigen schwarzen ambrierten Duft sucht, kann eine fiese Enttaeuschung erleben. Nix von nischenhaften oder ambitionierteren mainstreamigen Dueften. Zara ist halt Zara, die Parfums von dieser riesigen Klammottenmarke sind meistens ganz gute Kopien von bekannten Parfumerie Hits ( genau wie die Klammotten Kopien von bekannten Designers) oder halt "Arbeitsunfaelle" wie z.B. Black Amber.
Der Duft ist eigentlich ganz angenehm, es beginnt zwar mit einer stechenden kuenstlichen bonbonartigen Note, doch
in der Basis wird Black Amber weicher, etwas dunkler und erwachsener, auch vanilliger aber Richtung Vanillepudding vom Kuehlregal.
Die Langlebigkeit und Sillage...ca. 1-2 Stunden.
Fuer das kleine Geld ist es nicht wert, es gibt wirklich bessere Parfums von Zara, ich bin mir unschluessig, eigentlich mag ich die Basis, aber ich mag es, wie man einen Vanillepudding vom Aldi oder Lidl mag...
Na ja genug der Reklame...
Einen Test ist es, meiner Meinung nach nicht wert, es sei denn, man sucht einen unkomplizierten billigen Duft fuer eine Teenagerin...aber auch da gibt es viel bessere Alternativen.
Bei Black Amber geht mein Daumen doch nach unten.

Musk Jovan von noa69 2017-01-10

Auch in der tiefsten deutschen Provinz kann man in einer einfachen Kettendrogerie ein schoenes sehr gutes Parfuemchen finden.
Musk Oil ist naemlich kein Knaller, vielleicht war er freuher etwas lauter, jetzt ist es ein schoener, ruhiger Moschusduft, der einen gepflegten zugleich eleganten Ausdruck verleiht.
Es ist ein ziemlich lineares unkompliziertes Parfum, das man am besten am Tage tragen kann, sei es zur Arbeit, das Kind in den Kindi bringen oder einfach fuer gemuetliches Zuhause sein.
Musk Oil hat aber, meiner Ansicht nach, einen grossen "Plus", ich finde den naemlich recht originell, fast nischenhaft, wenn man ihn mit heutigen moschusartigen Dueften in ueblichen Mainstraemparfuemerien vergleicht: diese Art pudriger Duefte gibt es in deren Regalen nicht...Das ist schon ein Plus, dazu noch der guenstige Preis!
Fuer mich ist Musk Oil eine leichte und subtile Version von Soavissima Profumum Roma, oder sogar Iris von L'Erbolario, die ich auch sehr schoen finde, sind mir aber doch zu schwer und knallig, Musk Oil ist so was wie Soavissima L'Eau oder Voile de Soavissima.
An mir sind die Langlebigkeit und die Sillage moderat, besonders im Winter finde ich den Duft passend. Ich ueberlege, ob ich mir diese leichte unsuesse talkartige umhuellende doch etwas distanzierende Puderwolke nicht zulegen soll?
Es ist wirklich ein guter angenehmer Duft!

Must II Cartier von noa69 2017-01-09

Must II. Ein Name, der nichts sagt, nicht aber mir, denn der Duft hat mich mein ganzes Studium begleitet dank einer meiner Studienfreundinnen, die Must II reichlich benutzte.
Es ist nicht einfach fuer mich, dieses Parfum kurz und buendig zu beschreiben, es ist naemlich einer jener Duefte, mit dem ich besondere Erinnerungen verbinde. Bei mir ist es die Zeit des Studiums, des Erwerbens eines Berufes, des Reifens, des Kennelernens von alten guten Parfums der 90 - ziger Jahre.
Aber ad rem, wie ist denn dieses Must II?
Fuer mich ein eher pudriger Duft, blumig, gruen, mit holzigen Untertoenen.
Bestimmt lockt mich hier die Hyazinthe an, umgeben von rauhem Moos, Iriswurzel und trockenem Sandalholz. Zusammen mit weicher Basis aus Moschus, Maigloeckchen und Pfirsich bilden sie eine exklusive unheimlich weibliche und vorneheme Komposition, von exzellenter Qualitaet.
Ein pudrig gruen blumig holziger Duft, ein Zusammenspiel von weich und rauh, frisch und pudrig, naturgebunden aber doch sehr elegant und salontauglich.
Bei Must II haben die vielen vielen Jahre nix ausgemacht, ich bin begeistert von dem Duft genau so wie vor hmm...XX Jahren, ich spuere auch nicht, dass der Duft altmodisch ist, nein, im Gegenteil: Klasse und unvergaenglicher Stil.
Morgen schicke ich eine kleine Probe von diesem Parfum meiner "alten" Studienfreundin. Neulich haben wir uns an die "alten guten Zeiten" erinnert, auch an unsere Parfuemerie Eskapaden von damals.
Ich bin gespannt, was sie dazu sagt...
Die Langlebigkeit und die Sillage: exquisit: ca. 10 Stunden.
Jetzt fehlt nur noch der Spruch: freuher war alles doch besser oder ? ;)

Concerto Fragonard von PhoenixNoctulus 2017-01-09

Concerto schlägt in die Kerbe von modernen, frisch-zitrischen Sportdüften wie beispielsweise cK One, erfreulicherweise jedoch, ohne dabei synthetisch zu riechen, wie leider viele andere Düfte in dieser Kategorie. Der Duft an sich bleibt dann natürlich trotzdem wieder Geschmackssache - mein Geschmack sind sie eher nicht, die enorm frisch-spritzigen Düfte auf Basis von (hauptsächlich) Zitrusfrucht und Grüntee.

Grüntee ist es auch, was Concerto am deutlichsten prägt. Daneben frisch-spritzig-saure, etwas herbe, Bergamotte. Außerdem finde ich süßlichen, etwas indolischen Jasmin deutlich wieder. Ebenfalls, zumindest in der Anfangsphase sehr gut herauszuriechen (später hin deutlich abnehmend), existiert eine fruchtige Note aus Honigmelone und etwas Orange, süß-fruchtig. Im Hintergrund ist noch etwas Ambra vorhanden, um den Duft ein wenig aufzuwärmen, wobei er insgesamt dennoch ein frischer, kühler Sommer-Duft (mit Unisex-Tauglichkeit; Damen, die ck One tragen, könnten problemlos auch Concerto tragen) bleibt.

Die Haltbarkeit empfinde ich als moderat, die Sillage ist leicht überdurchschnittlich.

Rosarium Angela Ciampagna von PhoenixNoctulus 2017-01-08

"Wanderungen durch das Madonnenländchen". Das war die erste Assoziation, die mir kam, als ich Rosarium zum 1. Mal testen konnte.

Das "Madonnenländchen" habe ich vor mittlerweile gut 10 Jahren aus familiären Gründen kennenlernen dürfen, eine Landschaft an der Grenze zwischen Baden Württemberg und Bayern, in der auffällig viele Heiligenbilder aller Arten zu finden sind: Reliefs an Hausfassaden, winzige Kapellen, Mariengrotten, Statuen am Straßenrand. Für mich als norddeutscher Flachlandmensch aus einer gänzlich atheistischen Gegend war das eine faszinierende Erfahrung, salopp gesagt, an jeder Straßenkreuzung eine Heiligenstatue o.ä. zu sehen (und völlig intakt und sauber - da staunte das Großstadtkind in mir).

Besonders interessant fand ich aber die zahlreichen winzigen Mariengrotten, in denen neben Heiligenstatuen meist auch noch Kerzen und Blumen abgestellt waren. Je nach Pflegezustand waren die Kerzen schon lange abgebrannt und die Blumen welk, und so roch es darin eben nach getrockneten Pflanzen, altem Kerzenwachs, manchmal auch leicht nach altem Blumenwasser. Manchmal standen diese kleinen Kapellen oder Grotten mitten in der Landschaft, weit entfernt vom nächsten Dörfchen, umgeben nur von Feldern, sei es voller Sonnenblumen, voller Raps oder voll von Getreide - und von diversen Wäldern, die es dort in der Gegend ja zahlreich gibt (der größte Wald in der Gegend dürfte der Odenwald sein).

Rosarium gibt für mich diesen Mariengrotten-Duft zwar nicht exakt wieder, aber die Stimmung, die der Duft von Angela Ciampagna erzeugt, passt für mich sehr gut dazu: Da ist etwas eindeutig Sakrales, Weihrauch, Myrrhe, das Holz eines alten Altars, einer Kanzel oder alter Kirchenbänke. Gleichzeitig der wächserne Aspekt von Kerzen, Bienenwachs, Honig. Ich rieche getrocknete Blumen (vor Allem Veilchen), ein Bisschen Waldluft aus der Ferne (Wacholder, dunkles Holz), aber auch Getreide und Heu von umliegenden Feldern (der Eindruck wird vermutlich erzeugt durch die Mischung aus Karottensamen, Vetiver und Selleriesamen). Ein wenig Vanille ist da noch, eher zurückhaltend, nur zart süß, luftig, zurückhaltend. Insgesamt fällt der Duft erstaunlich unsüß aus (trotz Honignote), kurzgefasst würde ich ihn wohl als zartherben, heuig-vanilligen Weihrauchduft beschreiben, der gleichzeitig mild und zurückhaltend wirkt, aber doch immer präsent bleibt (bei moderater Sillage - aber dafür nahezu endloser Haltbarkeit).

Insgesamt ein interessantes, sehr atmosphärisches, Dufterlebnis, das sich von vielen anderen Weihrauch-Düften, die ich bisher testen konnte, deutlich unterscheidet.

Forbidden Affair Anna Sui von PhoenixNoctulus 2017-01-08

Forbidden Affair gibt meiner Meinung nach einen tollen Winterduft ab.

Im Sommer entwickelt er sich schon okay, wirkt aber sehr gefällig und nicht besonders spannend: Ein einfacher fruchtig-spritziger Himbeer-Johannisbeer-Rosen-Duft mit bisschen Holz und Moschus im Hintergrund. Einfach spritzig, fruchtig, blumig.

Im Winter hingegen kann ich Sarekes Eindruck exakt bestätigen: Durchaus noch ein eindeutiger Cassisduft, aber gleichzeitig sauber, herb, holzig, krautig. Dunkle Waldbeeren inklusive mindestens genauso dunklem Wald. Kühl, moosig, ein paar wilde Veilchen, sehr dunkle Rose. Das Zedernholz wirkt ziemlich kühl und fast etwas maskulin, der Granatapfel frisch-säuerlich. In dem Zustand hat Forbidden Affair etwas Außergewöhnliches an sich, was mir persönlich sehr gut gefällt.

Ich persönlich denke da aber durchaus eher an einen finsteren, gefährlichen Märchenwald, durch den der tapfere Prinz sich zu seiner Liebsten durchkämpfen muss, als an einen Sport-Duft. Wobei "Sport" ja auch wieder Definitionssache ist ;)

Sillage und Haltbarkeit sind moderat. Der Preis liegt regulär bei 30 Euro für 30ml. Bei TK Maxx gibt es die Flacons aber auch häufiger mal für nur rund 10 Euro. Eine Investition, die sich durchaus lohnt, sofern man dunkle Cassis-Düfte mag.

Pivoine Fragonard von PhoenixNoctulus 2017-01-08

Tatsächlich ist sie wieder da: Die zitrusfruchtige Kopfnote, die auch die limitierte Edition 2016 (Iris) stark geprägt hatte. In diesem Fall würde ich sie als Mischung aus Zitrone, Bergamotte und Grapefruit einschätzen, aber auch ein Hauch Orange ist vorhanden. Und darüber hinaus ist dort auch noch etwas säuerliche Fruchtigkeit. Fragonard gibt offiziell rote Johannisbeeren und Rhabarber an, das könnte hinkommen (besonders die Johannisbeeren, Rhabarber nur minimal).

Auch im Kern besteht Pivoine (leider?) nicht nur aus Pfingstrosen. Neben dieser durchaus üppig-puderigen, frühsommerlichen Note rieche ich noch eine größere Menge wässrig-luftig-flüchtigen Jasmin(!), auch ein wenig Mimose spielt mit hinein, sommerlich, fröhlich, etwas puderig. Aber - eben nicht pure Pfingstrose.

Als Basis nennt Fragonard Moschus, Irispuder und Ambra. Das klingt ziemlich puderig, allerdings täuscht dieser Eindruck. Etwas Moschus ist schon vorhanden, ein Hautduft, aber kein fluffiger Puder, absolut nicht.

Den Gesamteindruck würde ich zusammenfassen als luftig-leichte, etwas wässerige Mischung aus Pfingstrose, Jasmin und Zitrusnoten oben drauf. Die etwas puderige Blumigkeit der Pfingstrosen ist schon zu bemerken, insgesamt ist der Duft aber doch eher frisch, durch die Zitrusnoten sogar fast schon ein wenig spritzig im Auftakt. Also definitiv kein gediegener trockener Duft von zartblumigem Puder, sondern ein luftig-leichtes, erfrischendes Blumenwässerchen für die warme Jahreszeit.

Sillage und Haltbarkeit sind moderat.

Zino Davidoff Davidoff von user_joerg 2017-01-08

ich weiss nicht wie lange ich diesen Duft schon trage, einmal gerochen und seither mein Favorit! Das muss um die 30 Jahre her sein ... also seit 1986!

Lipstick Rose Frederic Malle von aquaria 2017-01-07

Ein sehr interessanter Auftakt mit einer bereits sehr vollen, warmen, dicht-plüschigen Rose, die mit etwas dunkelgrün Minzigem unterlegt ist, das mich ohne Ende faszinierte, das ich aber zunächst nicht benennen konnte. Nach einem Blick auf die Duftpyramide sehe ich, es muss die Kombination aus Vetiver und Grapefruit sein, die dem Duft diese dunkle Frische mitgibt. Ein sehr vertrauter Eindruck, den ich dennoch nicht zu fassen kriege; irgend etwas in Richtung frische Pflegecreme mit echtem Rosenwasser oder Pastillen mit Rosen- und Kräutergeschmack (und einem Hauch Veilchen).
Das frische Element zieht sich in den Hintergrund zurück, sorgt aber während des ganzen Duftverlaufs für eine sehr ansprechende, verlockende Tiefe, steuert manchmal auch eine ganz zarte, dunkle Rauchigkeit bei, während an der Duftoberfläche Rosen und Veilchen zu einer warmen, rosigen Pudernote verschmelzen. Vanille und Moschus unterstützen den plüschigen Charakter des Duftes nur; ich riech sie aber in der homogenen Mischung kaum einzeln heraus.
Mich erinnert der Duft ebenfalls an roten, cremigen Lippenstift. Ich rieche aber auch ein bisschen Nostalgie heraus. Meine Großmutter verwendete echtes Rosenwasser zur Hautpflege; selbst hergestellt aus selbst gezüchteten Rosen, also völlig natürlich. Diesen Duft finde ich hier neben dem Veilchen auch deutlich wieder und er berührt mich aufs Schönste, transportiert mich ohne Umwege zurück in jene Momente vor dem Einschlafen, wenn mir meine Großmutter das Kreuzzeichen auf die Stirn zeichnete und mich dabei der Duft ihrer Rosencreme umschwebte. Dieses Gefühl von Wärme und Geborgensein ruft der Duft wieder wach. Also auch für mich ein Traumfänger für Erinnerungen, um es mit Comfys Worten zu sagen. „Lipstick Rose“ vermittelt mir also schon allein deswegen ein Gefühl von retro und vintage. Ich bin überzeugt, hier hochwertige Materialien zu riechen.
Ich finde den Duft beeindruckend, Kaufkandidat wird er für mich jedoch keiner. Die ersten paar Stunden dominiert an mir die warme Rose zu sehr, und ich bin nun mal nicht der größte Rosenliebhaber. Erst nach einiger Tragedauer macht sich das Veilchen an mir deutlicher bemerkbar. Nach dem Abwaschen bleibt übrigens noch sehr lange ein wunderschön heller, klarer Veilchenduft auf der Haut.
Vielen Dank für die Probe, Comfy!

Inflorescence Byredo von aquaria 2017-01-07

Der Frühling in einem Flakon. Ein Bukett frisch gepflückter Frühlingsblumen vor einem grünen Background.
Die ersten 15 Minuten sind für meinen Geschmack noch nicht so angenehm. Der Duft startet sehr grün und „pflanzlich“, so als würde ich neben den Blüten der Magnolie und Maiglöckchen auch noch an deren Blättern und Stängeln riechen. Auch ein Touch grüner Pflanzensaft ist dabei.
Der Start ist also nüchtern grün, etwas herb, aber nicht bitter. Das Maiglöckchen erscheint mir anfangs taufrisch und feucht, die Magnolie leuchtet sehr hell und kühl, und dann kommt die Freesie, die mit ihrem würzig/pfeffrig frischen und leicht zitrischen Duft die Mischung blumiger, freundlicher und trockener bzw. pudriger macht.
Was ich über längere Zeit rieche, ist in erster Linie ein klarer, sauberer Maiglöckchenduft, Blüten und Blätter, weiß und zart grün, umkränzt von eingeflochtenen Freesien, die eine würzige und etwas weichblumigere Frische beisteuern.
Kein Vergleich zu Guerlains Maiglöckchendüften, die für mich einen lebensechten Strauß Maiglöckchen abbilden. Dieses Maiglöckchen hier erscheint mir abstrakt und künstlich; wie man heute euphemistisch so schön sagt: ein modernes Maiglöckchen, also ein merkbar synthetisches, das aber gerade dank seiner Synthetik durchdringender strahlt.
Die hell leuchtende Magnolie und, wie ich stark vermute, kühler, sehr sauberer, weißer Moschus unterstreichen dieses helle Leuchten noch zusätzlich.
„Inflorescence“ hätte das Zeug dazu, ein harscher, greller, zu grüner und zu kalter Duft zu werden, er bleibt aber nicht auf diesem Level stehen. Nach einiger Tragedauer schleicht sich still und leise eine ungemein zärtliche Wärme von Jasmin und Rose ein, die den kühlen Duft weicher und runder macht, ihn nicht wässrig-dünn erscheinen lässt, sondern in eine hauchzarte, transparente Wärme hüllt.
„Inflorescence“ ist eine minimalistische Komposition, die mit wenigen Blumennoten, vor allem mit dem taufrisch wirkenden Maiglöckchen, das an mir definitiv die Hauptrolle spielt, den Eindruck von klarem, leuchtendem Weiß und Grün erzeugt und damit frühlingshafte Kühle und Frische ausstrahlt, abgefedert und abgerundet durch einen Hauch Frühlingssonnenwärme im Hintergrund.
Vielen Dank für die Probe, Comfy. Damit hast du mir, ohne es zu wissen, einen lang gehegten Testwunsch erfüllt. :-)

Iris, Aldehyde und Veilchen dominieren an mir den Duft, der mich in seiner Aussage an den „Noontide Petals“ von Andy Tauer erinnert. Es sind keine Duftzwillinge, aber sie teilen sich einige Charakteristika, wie die während des gesamten Duftverlaufs deutlich vernehmbar bleibenden Aldehyde und die dadurch "neblig" verschwommen wirkenden Blumen auf trocken-pudriger Basis, wobei „Noontide Petals“ im Vergleich zu diesem Duft eine noch wesentlich höhere Dosis Aldehyde aufweist.
„The Virgin Suicides“ ist an mir ebenfalls ein von Aldehyden geprägter und dadurch ein etwas verträumter, diffus wirkender Duft, aber er lässt an keine dampfende „Waschküche“ (wie ich beim „Noontide Petals“ schrieb) denken, sondern entwickelt sich pudriger und trockener.

Der Auftakt ist sehr hell und aromatisch-würzig, prickelnd. Eine klare, saubere Veilchennote und eine frisch-herbe Rosengeranie mit minzigen Anteilen, die durch Aldehyde zusätzlich aufgepeppt und zum Prickeln und Glitzern gebracht werden. Ich glaube auch, dass ich schon im Auftakt etwas würzige Myrrhe und einen Touch sauberer Rose rieche. In den ersten Minuten kitzelt der Duft jedenfalls gehörig in der Nase.
Rasch stellt sich ein ruhiger Akkord ins Zentrum, der sich für mich vorübergehend ganz angenehm nach leichter „brotiger“ Wärme anfühlt; eine von Aldehyden umspielte Iris.
Rasch wird der Duft süßer und trockener, Veilchen und Iris umspielen sich, ein bisschen „Möhrchen-Süße“, aber auch ein winziger Anklang einer metallischen, silbernen Irisfacette.
Ich kriege etwas sehr Schönes, Weiches in die Nase, das mandel-ähnlich, sehr pudrig und angenehm süß riecht, entfernt an Makeup oder eine pudrige Lippenstiftnote erinnert. Es muss wohl neben der Iris- und Veilchenpudrigkeit die Mischung aus nussiger Tonkabohne, ganz schwacher Vanille und den trocken-rauchigen Noten, Weihrauch und Benzoeharz sein, die mir diesen Eindruck verschafft. Allerdings nicht Vamp-mäßig nach knallrotem Lippenstift und ausgefahrenen Krallen, sondern durch den weichzeichnenden Effekt der Aldehyde leise, abgedämpft, unschuldig und leicht rosig anmutend.
Mein Dufteindruck liefert mir über lange Zeit das Bild eines warmen Dachbodens oder eines Erkerzimmers direkt unter dem Dach; die Sonne scheint durch eine Dachluke, malt helle Streifen auf den trockenen, alten Holzboden und lässt hauchzarte Staubpartikel glitzernd wie Silber durch die erwärmte Luft schweben. Und irgendwo steht eine Truhe offen, aus der die Lippenstifte, Puderdöschen, Makeup-Tuben, die sich in den letzten Jahren angesammelt haben, ihren leisen Restduft verströmen.
„The Virgin Suicides“ bietet mir Facetten einer silbernen, kühlen Iris, einer pudrig-weißen Iris, einer in Zusammenspiel mit dem Veilchen süßen Iris, umschwebt von süßlichen und sanften, trocken-rauchigen Schleiern, unterlegt mit zarter und warmer Süße, und das Ganze sachte aufgewirbelt und in Bewegung gehalten durch diese leicht verschwommen wirkenden, trockenen Aldehyde, die dem ganzen Duftverlauf einen nostalgischen Weichzeichnereffekt verleihen.
Die Rose merke ich im Verlauf nur ganz schwach, ab und zu erhasche ich einen Hauch der etwas herberen, frischeren Rosengeranie, im Wesentlichen ist das für mich aber kein blumiger, sondern ein ruhig balsamischer, angenehm süßer, staubig holziger Duft mit stiller Wärme und einer durch die Aldehyde wunderschön lebendigen Pudrigkeit.
Den Duft empfinde ich als behaglich, unaufgeregt und tiefenentspannt. Mir fällt leider nur ein passendes englisches Wort für die hier transportierte Stimmung ein: Serenity. Ein tief gehendes Gefühl von innerer und äußerer Stille.

Ich liebe das Buch von Jeffrey Eugenides und hatte beim Lesen oft die Weichzeichner-Fotos von David Hamilton vor meinem geistigen Auge. Diese nostalgische und melancholische (aber nicht deprimierende) Stimmung finde ich auch in diesem Duft wieder. Sehr schön!
Vielen Dank für dieses Dufterlebnis, Comfy!

Tumulte pour Homme Christian Lacroix von NebelGeîst 2017-01-06

Bei diesem leider eingestellten Duft ist der Name etwas irreführend. Wie auf einer anderen Plattform ein Rezensent anmerkte, hier wird eher eine zenhafte Ruhe ausgestrahlt, als ein Tumult.

Er stand schon seit geraumer Zeit auf meiner Testliste, durch einen Tausch in einer Facebookgruppe, durfte ich ihn endlich testen.
Und war überrascht, wieviel anders er nun riecht, verglichen mit dem Bild, dass ich mir anhand der Noten gemacht habe.

Der Start ist holzig, aromatisch, krautig, aber nicht aufdringlich. Sobald der ALkohol verflogen ist, stellt sich unterschwellig eine wässrige Note ein, und ich schreibe bewusst wässrig und nicht aquatisch, denn diese Note hat nichts mit den üblichen Dihydromyrcenol und Calon überladenen Düften dieses Genres gemein. Sie wirkt nicht mal übertrieben frisch, auch wenn das widersprüchlich erscheint. Um es bildlich zu verdeutlichen, es ist eher der stille Tümpel im Wald als der Gebirgsbach.
Dabei kann ich keine der angegebenen Kopfnoten herausriechen, auch wenn die von mir verwendeten Umschreibungen vielleicht teilweise auf diese zutreffen mögen.
Lediglich die Zeder schwingt schon mit, aber noch zarghaft. Und ohne gleich als solche zu erkennen zu sein, aber dazu später mehr.
Auch die Herznoten bleiben meiner Nase verborgen. Einzig eine ganz leichte Pudrigkeit lässt irgendwann vermuten, dass vielleicht Iris oder Veilchen enthalten ist. Aber tatsächlich riechen kann ich sie nicht.
Im Herzen tritt dafür immer stärker die Zeder in den Vordergrund, geradezu dominant, bei einem Duft, be dem man eigentlich an alles, nur nicht an Dominanz denken mag.
Es ist nur nicht wie erwartet eine neuweltliche Zeder (Virgina- oder Texaszeder, z. B.), sondern eine aus der alten Welt, also eine echte Zeder, vermutlich die Himalayazeder. Eher vage balsamisch als bleistiftartig hölzern.
Das war sehr überraschend für mich. Denn die echten Zedern (oder viel mehr deren Öle) riechen etwas gewöhnungsbedürftig, man nimmt sie höchstens mal hintergründig in Kompositionen wahr. Ich glaube, hier rieche ich sie zum ersten Mal als Hauptdarsteller. Was daran liegen mag, dass sie nicht so ganz einfach zu handhaben ist, wie zumindest ich finde.
Im Abgang gesellt sich eine leicht milchige, minimal pudrige Sandelholznote dazu.
Ansonsten kann ich nur etwas wahrnehmen, dass ich als eine Art olfaktorisches Leuchten, Strahlen beschreiben mag, ohne das ich sagen könnte, woher dieses stammt respektive welche Zutat dafür verantwortlich sein soll.

Wirklich ein besonderer, einzigartiger Duft, der nicht wie erwartet sehr synthetisch daherkommt, sondern sehr natürlich wirkt (was er aber wohl nicht ist). Vergleicht man ihn mit heutigen Nischendüften, könnte man ihn durchaus als unisextauglich einstufen, für Frauen, die gerne holzige und balsamische Noten abseits des Ambergenres mögen.

Auch wenn die Sillage unaufdringlich ist, man kann diesen Duft auch in einigem Abstand wahrnehmen, er erschlägt einen dabei nur nicht. Die Haltbarkeit ist moderat bist langanhaftend.
Auch wenn ich bisher noch keine Gelegenheit fand, ihn öffentlich zu tragen, er wird auf jeden Fall bei mir bleiben dürfen. Manche Düfte mag man, ohne sie ständig um sich haben zu müssen. Dieser zählt für mich dazu.

Ecstasy Tiziana Terenzi von NebelGeîst 2017-01-06

Ecstasy startet, wie es die Pyramide vermuten lässt. Nämlich voller grüner Koniferennoten. Dabei überwiegen für mich die Kiefernnadeln (auch wenn hier Kiefernrinde gelistet ist), gefolgt von Fichtennadeln und weiteren Nuancen, bei denen es sich um Tanne und Zypresse handeln könnte.
Gleich zu Beginn schwingt auch schon der Weihrauch deutlich mit und dieses Zusammenspiel lässt gewisse Parallelen zu Serge Lutens Fille en Aiguilles erkennen, doch wo dort durch die Früchte eine fast sirupartige Konsistenz erziehlt wird, geht Ecstasy eher ins Grüne, Frisch-Nadelige. Es wird dabei ein Kontrast zwischen balsamischem, holzigem Rauch und terpentinisch-waldiger Frische hergestellt, der sich nahe am Rand zu einer Dissonanz bewegt, doch noch wird die Waagschale gehalten und die Kopfnote wirkt auf ihre eigene Art und Weise schön und passend.

Im Herzen des Duftes schwächen sich die Koniferen ab, bleiben jedoch erhalten. Die Weihrauchnote erscheint mir dabei holziger und nicht mehr so balsamisch wie zu Beginn. Der Eindruck von Trockenheit entsteht und setzt abermals Kontraste zu den noch im Schatten lauernden Nadelwaldnoten, diesmal jedoch zu Gunsten des Weihrauchs gewichtet.

Wenn gegen Ende der Herznote und zu Beginn der Basis die Koniferen ganz verschwinden, zeigt sich Ecstasy wieder balsamischer und scheint sogar im Drydown nochmal ein Stückchen Intensität zu gewinnen.
Hier verblasst nun auch der Rauch mit der Zeit deutlich und zurück bleibt, was wohl als Amber bezeichnet wurde.
Ich hab diesem hier zunächst nur ein 'zu vernehmen' eingeräumt, da ich dabei an eine klassische Ambernote aus Harzen und Vanilla dachte. Was ich aber vernehme ist eine Mischung verschiedener Ambermoleküle, daher auch der nochmalige Kick bezüglich der Intensität. Weswegen ich bei der Notengewichtung auf 'intensiv' erhöht habe.
Zu diesen Molekülen kann ich wiederum nur sagen, dass ich mittlerweile einige kenne und diese in persönliche zwei Kategorien unterteile. Solche die ich kaum riechen kann und solche, die eine immense Intensität haben. Hier scheinen vor allem letztere enthalten zu sein.
Als kleine Anmerkung noch, keines der Ambermoleküle, die mir unter die Nase kamen, riecht für mich auch nur entfernt nach Amber und die wenigsten nach Ambra (in meinem Sprachgebrauch steht letzteres für das berühmte Walsekret), zumindest alleinstehend und ohne weitere Zutaten. Manche riechen eher trocken-holzig, andere mehr nach Gummi und ein großer Teil hat eine schwache bis intensive Haarspray-Chemienote.
Müsste ich raten, welche mir bekannten Moleküle enthalten sein könnten, würde ich auf Ambermax und Hydroxyambran tippen.
Letzteres wird gerne dafür beworben, dass es gerade die Basisnote nochmal anhebt und bei meinen Versuchen hat sich das auch tatsächlich gezeigt. Jedoch immer erst spürbar ab einer gewissen Konzentration und in dieser war es dann auch immer deutlich wahrnehmbar, als chemischer Dufteindruck, der zwar andere Nuancen mit anhebt, sich aber selbst in den Vordergrund drängt. Es scheint nicht einfach zu sein, das richtige Verhältnis zu finden, bei dem der gewünschte Effekt auf den Drydown erzielt wird, aber der Duft nicht negativ beeinflusst wird.
Es würde mich daher sehr wundern, wenn ich zumindest beim Hydroxyambran falsch läge und muss leider sagen, dass das richtige Verhältnis, zumindest für meine Nase, nicht getroffen wurde. Nichts desto trotz riecht das Ergebnis natürlich besser, als meine eigenen stümperhaften Versuche, versteht sich.
Um von dem all zu technischen Gerede weg zu kommen, sehr weit gegen Ende des Duftverlaufs erscheint eine vanillige Note. Diese, wenn sie auch selbst nicht nach natürlicher Vanille riecht, weicht diesen harten, chemischen Eindruck wieder etwas auf und lässt ihn natürlicher erscheinen. Das mag paradox erscheinen, aber genau so wirkt es auf mich. Synthetisch wirkende Riechstoffe + synthetisch wirkende Riechstoffe ergeben in Summe einen weniger synthetischen Gesamteindruck.
Beim Ausklingen des Parfums auf der Haut erscheint letztlich eine schwache, mineralisch-metallisch-erdige Note, die offenbar nicht auf das Patchouli zurück zu führen ist. Ich rieche diese nicht immer, daher dachte ich anfangs, die aufgeführten 'erdigen Noten' bezögen sich auf Aspekte des Patchoulis, aber dem scheint nicht so zu sein. Es handelt sich dabei auch für mich um eine neue Dufterfahrung, nicht vergleichbar mit Erdnuancen in anderen Düften, die ich habe kennenlernen dürfen.

Ich habe angegeben, dass ich den Duft mag, obwohl meine Rezension besonders auf die Basisnote bezogen, nicht all zu positiv wirkt. Dazu möchte ich anmerken, dass ich Kopf- und Herznote tatsächlich schön finde, und die Basisnote zumindest noch tragbarer finde, als vieles andere, dass am Markt erhältlich ist.
Allerdings ist dieses Extrait de Parfum für mich kein Kaufkandidat, denn ob des hohen Parfumölanteils ist der Preis auch bei Graumarkthändlern recht hoch.

Aber vielleicht auch wegen der hohen Konzentartion (und der verwendeten Ambermoleküle) ist die Performance sehr gut. Der Duft bleibt lange, auch auf meiner komplizierten Haut und die Sillage ist auch von kräftiger Natur. Man sollte vorsichtig beim Sprühen sein und den Flakon ggf auch etwas weiter vom Körper weghalten, damit sich der Sprühnebel besser verteilt, und auch kein all zu ölig wirkender Film auf der Haut bildet.

Classique Essence de Parfum Jean Paul Gaultier von Pineapplefriend 2017-01-06

Ich liebe diesen Duft, er riecht unglaublich edel, süß, kuschelig warm und feminin. Ich werde fast jedes mal wenn ich ihn trage darauf angesprochen. Die Haltbarkeit ist unschlagbar und der Duft kann einen ganzen Raum erfüllen, man kann ihn also sparsam verwenden. Ich habe mich unendlich verliebt und trage ihn jetzt im Winter fast täglich!

Clémentine & Épices Yves Rocher von PhoenixNoctulus 2017-01-06

Ich will ehrlich sein: Als "Clementine & Epices" angekündigt wurde, dachte ich mir nur: "Schade, schon wieder ein Orangen-Duft (weil bisher jedes Mal einer in der Weihnachts-Edition war und sie sich bisher auch kaum voneinander unterschieden)!" Ich hätte mich tatsächlich mal auf etwas Anderes gefreut. Nach dem Testen von Clementine & Epices durfte ich allerdings freudig feststellen: Tatsächlich ist der diesjährige Duft anders als die letzten Orangen-Düfte von YR.

Neben der natürlich vorhandenen, den Hauptaspekt des Duftes ausmachenden, Clementinen-Note rieche ich angenehmen, frischen Anis, der mich ein wenig an Anisplätzchen, aber auch an zart-erfrischende Anis-Pastillen erinnert. Dazu ein Hauch Zimt, den Duft ein wenig aufwärmend. Im Hintergrund tatsächlich auch eine minimale Menge einer Mischung aus Koriander, Gewürznelke und Ingwer, aber eher vernachlässigbar. Aber die Mischung aus Orangenfrucht mit Sternanis und einem Hauch Zimt ist alleine ja schon wunderbar genug!

So fällt der diesjährige Orangenduft nicht, wie die letzten, einfach irgendwie "Warm-süß-saftig-fruchtig-mit-Nelke" (so würde ich die Editionen der letzten Jahre in aller Kürze beschreiben) aus, sondern in seiner Fruchtigkeit sehr sanft, zart, fast schon ein wenig "luftig", mit einer absolut tollen Anisnote, die mit der Clementine perfekt harmoniert. Ein insgesamt eher leichter, das ganze Jahr über gut tragbarer, Orangenduft.

Haltbarkeit und Sillage stehen zwar leider am unteren Ende der Skala, beides ist also nicht sonderlich stark ausgeprägt, aber dennoch empfinde ich Clementine & Epices als sehr gelungen.

Poire & Cacao Yves Rocher von PhoenixNoctulus 2017-01-06

Poire & Cacao ist eine wirklich schöne Mischung aus saftiger, frischer Birne und dunkler, herber Schokolade. Die Birne ist dabei definitiv prägend für den Duft, die Kakaonote riecht man allerdings schon deutlich heraus - und sie bleibt auch im Duftverlauf dauerhaft bestehen. Was in der Duftpyramide nicht auftaucht, ich aber definitiv ebenfalls wahrzunehmen glaube, ist eine mandelige Note. Allerdings ganz zart, weich und cremig, eher schon Mandelblüte, also keineswegs süß oder zuckerig wie Marzipan. Insgesamt ist der Duft zwar fruchtig (saftige Birne eben), aber keineswegs übersüß. Die zarte Mandel und herbe Schokolade sorgen für einen angenehmen Ausgleich. Im Vergleich dazu war beispielsweise der letzte Birnen-Weihnachtsduft von Yves Rocher (Birne-Karamell) sehr viel süßer und zuckeriger.

Insgesamt wirkt Poire & Cacao sehr natürlich, keineswegs billig, trotz des günstigen Preises (für 100 ml original 20 Euro, jetzt 10 Euro). Das einzige Manko sind die eher geringe Haltbarkeit und Sillage. Dennoch: Ein wirklich schöner limitierter Duft aus der letzten Weihnachts-Edition. Wer Birnendüfte mag und gegen einen Hauch herber Schokolade nichts einzuwenden hat, kann hier meiner Meinung nach bedenkenlos zugreifen.

Canneberge & Amande Yves Rocher von PhoenixNoctulus 2017-01-06

Weihnachten 2016 ist zwar vorbei - aber da es die Düfte aus dieser Edition nun im Ausverkauf für unter 10 Euro pro Flasche (100 ml) gibt, und sie auch außerhalb der Weihnachtszeit sehr gut tragbar sind, denke ich, kann eine Review auch jetzt nach dem Jahreswechsel noch ganz nützlich sein.

Canneberge & Amande - Cranberry und Mandel. Ehrlich gesagt war ich doch ein wenig erstaunt, denn dieser Duft unterscheidet sich doch deutlich von anderen Cranberry-Düften, die ich bisher getestet habe. Es ist zwar definitiv etwas Rotfruchtiges und leicht Herbes vorhanden, allerdings auch etwas Zuckeriges, Geleeartiges. Neben Cranberry würde ich in der Mixtur auch Noten von Kirschen und Waldfrüchten vermuten. Ein wenig erinnerte der Duft mich auch an Wildkirsch-Hustenbonbons. Die Mandelnote ist durchaus wahrnehmbar, ziemlich süß, etwas marzipanig.

Insgesamt ist "Canneberge & Amande" ein süßlicher, nur ein wenig ins Herbe gehender, Duft von roten Früchten und diversen Beeren mit leicht marzipaniger Mandelnote. Die Sillage ist eher sanft, die Haltbarkeit liegt auch nur bei 1 bis 2,5 Stunden. Allerdings kann man bei dem Preis auch jederzeit großzügig nachsprühen.

Binturong Auphorie von PhoenixNoctulus 2017-01-06

Beim Binturong handelt es sich um eine Schleichkatzenart, die im Süden und Südosten Asiens beheimatet ist, unter Anderem auch in Malaysia, wo Auphorie, der Familienbetrieb von Eugene und Emrys Au, ansässig ist. Charakteristisch an Binturongs ist, neben dem zotteligen schwarz-braun-grauen Fell, ihr natürlicher Geruch, der an Karamell-Popcorn erinnern soll. Anscheinend wird das röstige Aroma durch einen chemischen Prozess während der Verdauung erzeugt. Der intensive Duftstoff befindet sich, genau genommen, im Binturong-Urin. Beim Markieren seines Revieres verteilt das Binturong also auch den typischen popcornartigen Geruch. In Gefangenschaft hingegen entwickelt sich der charakteristische Geruch nicht, da zu seiner Erzeugung bestimmte in Asien beheimatete Pfanzen notwendig sind, mit denen Binturongs beispielsweise in europäischen Tierparks in der Regel nicht gefüttert werden. Wie ein Binturong also tatsächlich riecht, kann ich daher aus eigener Erfahrung leider nicht sagen.

Was ich allerdings sagen kann, ist, dass Auphories Binturong meines Erachtens gut zur Thematik passt: Der Duft hat eine Popcorn- oder vielleicht sogar eher Röst-Reis(!)-Note, Noten von Karamell, etwas leicht Blumiges (leicht ins Indolische gehender Jasmin?) und eine sehr ausgeprägte, animalische Note, in die mit Sicherheit eine größere Menge indisches Oud (das typischerweise einen heuigen, stallartigen, animalischen Touch hat) mit hineinspielt. Alles zusammen riecht ziemlich ungewöhnlich, aber auch interessant und keineswegs unangenehm.

Es ist insgesamt eine sehr dichte, intensive Mischung, einzelne Noten lassen sich schwer erkennen. Neben den bereits genannten Karamell-Popcorn und undefinierbar animalischen Noten mit Oud nehme ich noch einen Hauch von frisch gemahlenen, etwas herben Kaffeebohnen wahr, ein wenig Pfeffer und Gewürznelke, außerdem etwas Weihrauch, Labdanum und diverse Hölzer im Hintergrund. Möglicherweise auch noch eine Nuance Grauamber und etwas Skin-Moschus. Aber alles verschwimmt insgesamt zu einer großen röstig-holzig-süßherben, animalischen Masse. Insgesamt erscheint mir der Duft durchaus auch gourmandig, es ist allerdings keineswegs der übliche süße Bonbon-, Pralinen- oder Karamell-Duft, der man meist in dieser Kategorie findet. Eher Röstreis, Kaffee, Karamell, vielleicht auch Malz? - auf einer sehr ungewöhnlichen Basis. Bemerkenswert.

Ich persönlich finde Binturong von Auphorie ziemlich interessant, von Duft-Individualisten definitiv auch tragbar, aber natürlich bleibt er Geschmackssache. Und was das betrifft, ist Binturong schon sehr außergewöhnlich; ich könnte mir nicht vorstellen, ihn an jeder Straßenecke zu riechen. Vielen Menschen, die sonst eher zu gefällig-unauffälligen Düften greifen, dürfte er wohl absolut nicht gefallen. Wer animalische Düfte nicht leiden kann - Finger weg, zur eigenen Sicherheit! ;)

Binturong ist nämlich nicht nur ein ungewöhnlicher, sondern auch ein ziemlich intensiver Duft mit einer enormen Sillage und einer nahezu endlosen Haltbarkeit.

Royal Muska M. Micallef von Comfycat 2017-01-05

Wenn das jetzt ein Technikprospekt wäre, würde die Anzeige etwa so lauten:

Das neuste Spielzeug aus dem Hause Micallef: Royal Muska I-2008, mit 4,50 GF (Giga Flausch) und dynamisch adaptiver 8 Kuschelkern Architektur.

Attraktive Leistung - dank extremer Flauschigkeit hält der neue Muska I2008 mit allen Wetteranforderungen mit und gewährleistet ein ständiges Flauschgefühl auch bei den härtesten Arbeitsbedingungen und Temperaturen bis < -15°C.

Attraktive Unterhaltung - erleben sie aufdringliche Mitmenschen in neuer Klarheit und Hartnäckigkeit dank der sauber feingespülten 4,50 GF Flauschigkeit.

Benutzerfreundlich - einmal gesprüht und schon ein unübertroffenes Gefühl von in Watte verpackter Sauberkeit. Nicht nur sauber, sondern rein in nur 0,5 Sekunden. Einmal sprüchen, alles drin. Für Stunden. Und noch mehr Stunden.

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Plüsch-Moschus, sauber, aber relativ dicht, wer mehr als einmal sprüht läuft Gefahr vor lauter Plüsch zu ersticken. Wer vorsichtig dosiert kann damit auf Watte-Wölkchen schweben.
Barbershop-Feeling macht sich bei mir nicht bemerkbar, auf mich wirkt Royal Muska recht süß.

Christian Lacroix Nuit Avon von noa69 2017-01-05

Ein Blindtausch, eigentlich erworben fuer den huebschen Flakon.
Der Flakon ist in der Wirklichkeit nicht sooo schoen, die Aufschrift und das Muster sehen nihcht allzu hochwertig aus, aber fuer den Preis...!
Mit dem Duft habe ich ein interesantes Abenteuer.
Am Anfang schien er mir unglaublich schampooartig, wie alte Schampoos aus meiner Kindheit vom Kommunismus, komischer blumig mochus seifig suesslicher Geruch.
Ich habe alle Kommentare auf fragrantica.com und fragrantica.pl dazu gelesen und niemand hatte aehnliche Empfidnungen, stattdessen waren die Meinungen zu diesem Duft ueberraschend gut! Es duefte nach Weihrauch in Verbindung mit weissen Blueten, nach Moschus, es aehnelte dem Pure Poison von Dior und im Allgemeinem ein guter Duft.
Also schnell wieder Nuit auf die Hand, global in die Haare und: jaaa, tatsaechlich: es riecht nach suesslichem Weihrauch mit meiner Lieblingsblume Tuberose, cremiger Moschus, weiche umhuellende leichte Hoelzer, geheimnisvoll, originell und so...so...violet!!!
Heute trage ich Nuit den ganzen Tag und fuehle mich super darin, die schampoonartige Seifigkeit stoert nicht mehr so, alles ist so anders und so leicht und riecht gar nicht nach einem Katalog Duft!
Fragt mich nicht, wie das passieren konnte, es ist einfach so!!! :)
Die Langlebigkeit ist sehr gut, dieSillage mittelmaessig.
Ich empfehle den Duft, aaaaber es kann manch einen/eine an alte Schampoos aus dem Kommunismus erinnern, muss aber nicht! ;)

Pure Extreme M. Micallef von Comfycat 2017-01-05

Heute getestet, dank Aquaria.

Erster Eindruck: Voluminöser Moschus mit holziger Aura mit leicht süßem Ambra-Röschen. Üppig, sehr haltbar mit beindruckender Strahlkraft. Ursprünglich auf einen Teststreifen gesprüht und in der Küche abgelegt, roch bald der gesamte Bereich Küche/Wohn/Essbereich danach. Der Dufteindruck ist sauber, cremig-rosig, frühlingshaft und gepflegt.
Aus unmittelbarer Nähe wirkt er ein wenig künstlich, ein wenig kratzig, mit etwas Abstand aber duftet er zart, rein und sehr angenehm.

Mich erinnert Pure sehr stark an eine etwas blumigere Mischung aus Chloe und Roses de Chloe und übertrifft sogar noch die Haltbarkeit und Intensität beider Düfte. Ein cremiger, sauberer Begleiter, der dank seines Volumens auch ein guter Winterduft ist.

Black M. Micallef von aquaria 2017-01-05

Ein cremiger, relativ schwerer, aber nicht drückender Weißblüherduft, in dem ich eine samtige Tuberose in der Hauptrolle rieche, begleitet von warmem, unaufdringlichem Jasmin und ab dem Mittelteil von deutlich vernehmbarem, sanft cremigem, leicht buttrigem Ylang-Ylang.
Die erste halbe Stunde nervt mich der Duft etwas. Da ist keine Bewegung drinnen, nur ein gleich bleibend mäßig süßer Eindruck nach Tuberose und ein bisschen Jasmin, nicht besonders cremig, eher etwas „dünn“ durch einen leicht verwässerten Touch Bitterorange mit ein paar leisen, Micallef-typischen, fruchtigen Anklängen. In dieser Phase wirkt der Duft weder cremig noch frisch-blumig, hat kaum Strahlkraft. Eine einzelne, zwar authentische, aber auch etwas müde und ausgelaugt wirkende Tuberose mit Blüten und leicht grünlichen, schwachen Blättern. Fad, dachte ich mir.
Aber dann kommt doch noch Bewegung in den Duft. Wahrscheinlich war die Pflaume von Anfang an vorhanden, aber erst nach der ersten halben Stunde kann ich sie als Pflaume identifizieren. Sie bringt „dunkle“ Fülle in den Duft, legt sich unter die Blumennoten und lässt sie „saftiger“ und lebendiger wirken. Kurz darauf polstert eine zart dosierte Cremevanille den Duft zusätzlich auf, was in Kombination mit dem nun ebenfalls deutlich mitmischenden Ylang-Ylang eine sehr angenehme, zart gelbe Cremebutter ergibt. Wie für Micallef üblich, ist hier aber alles sehr überlegt und dezent dosiert; da wird nichts aufdringlich, nur insgesamt „fülliger“, wärmer und weichcremiger.
Und schließlich entwickelt sich ab dem Mittelteil ein sanft rauchiger, süßer Schleier (Benzoeharz), der über die Cremeblumen streicht. Spätestens ab dann ergeben die einzelnen Duftkomponenten für mich ein harmonisches Ganzes, ein gelb-blumiger, gemächlich vor sich hin fließender, cremiger Blütenduft mit einer betörend sanften Tuberose.
„Black“ entwickelt sich in den nächsten Stunden sukzessive pudriger und luftiger an der Oberfläche. Die blütige Cremigkeit aus einer hellen Tuberose und angenehm buttrigem Ylang (beide halten sich an mir die Waage) prägt den Duftcharakter, während ein Hauch von feinem, süßlichem, trockenem Puder über allem schwebt.
„Black“ ist Teil der „Ananda“-Kollektion. Ähnlichkeiten sind auch durchaus vorhanden, aber wo „Ananda“ und „Ananda Dolce“ an mir leicht stechend respektive etwas zu säuerlich fruchtig wirken, schlägt dieser Duft mit seinem intensiven Weißblüher-Trio von Beginn an eine wärmere, cremigere, auch exotischere Richtung ein, wirkt wesentlich fülliger und anschmiegsamer.
Ein Duft für den Abend und für einen großen Auftritt. Er wirkt mit seiner Betonung auf die Melange aus Tuberose plus süßer Ylang-Butter ultra-weiblich. Für den Alltag wäre er mir allerdings zu schwer und zu üppig, und auch etwas zu auffällig.

Pure Extreme M. Micallef von Glückskind 2017-01-05

Auch ich nehme hier eine gewisse Ähnlichkeit zum Chloe EdP war.
Dieser Eindruck währt jedoch recht kurz.

An mir gerät die Duftpyramide komplett durcheinander.
Direkt im Auftakt rieche ich schon den weißen Moschus, Gardenie und Jasmin.

Die Noten mischen sich zu einer reichhaltigen, warmen Körperbutter.
Auch der Amber duftet jetzt schon kräftig mit, und läßt die "Creme" noch komplexer, tiefer und wärmer erscheinen.

Der Duft wird blumiger, üppiger und dichter.
Die Gardenie entwickelt sich so schwer und süß ,
da hätte ich die aufblühende Rose beinahe nicht bemerkt.
Nach einer halben Stunde erscheint ein schüchternes Röslein,
haucht ein wenig ihres Duftes über die dick aufgetragene Creme,
und schaut nur ganz zaghaft hinter den großen weißen Blüten hervor.

So bleibt der Duft leider auch.
Die Rose versucht wirklich ihre Schüchternheit zu überwinden.
Aber sie kommt einfach nicht gegen die weiße Blütenpracht an.

Am Schluß bleibt der Eindruck einer Körpercreme mit dem
satten Duft süßer, weißer Blüten, untermalt von weißem Moschus
und edlen Hölzern.

Eigentlich ein schöner Pflegeduft :)
Ich hätte mir hier mehr Leichtigkeit und Rose gewünscht.

Es passiert mir leider häufig, das die süßen Komponenten
eines Parfums auf meiner Haut in den Vordergrund treten.

Da kann man Nichts machen

Danke für die Möglichkeit zum testen aquaria :)

Les 4 Saisons: Printemps M. Micallef von Glückskind 2017-01-05

Bergamotte eröffnet für mich diesen Duft ganz wunderbar frisch.
Birnen? Himbeeren? Schwarze Johannisbeeren? Ich rieche keine!
Aber Birnenblüten, Himbeerblätter, schwarze Johannisbeerblüten, die rieche ich :) Und davon reichlich!

Ich sitze an einem warmen Tag, mitten im Frühling auf einer alten Obstplantage. Die Sonne hat die Blüten und Blätter erwärmt, die nun leicht aromatisch und frisch duften. Ich schlendere durch die Plantage, und bleibe am Rand stehen. Dort sauge ich genüßlich den fruchtig intensiven Geruch der Albertine Rose ein, welche den umlaufenden Holzzaun ganz prächtig überwuchert hat. Hier lasse ich mich auf einer Decke nieder und lese ein Buch, bis sich der Himmel zart orange färbt.

Es wird Zeit zu gehen. Wehmütig schnuppere ich noch einmal an den Blüten, deren Duft sich jetzt mit den Gerüchen des Abends vermischt. Rose, kühle Luft und die Rinde der Bäume läuten die kommende Nacht ein.

Auch für mich eigentlich ein Rosenduft, aber was für ein schöner!

Eine prachtvolle Frühlingsrose, eine ganze Rosenhecke, duftintensiv, lieblich und berauschend.

Ich bin verliebt :)

Fun Desigual von SCENTCILLA 2017-01-04

Pure Lebensfreude!! Ich Kriege von diesem Wässerchen stets gute Laune, es hat bis jetzt immer gut an trüben Tagen funktioniert. Riecht etwas nach Limonade aus Kindertagen oder Kaugummi. Hält leider nur etwa eine Stunde.

Champs Elysees Eau de Parfum Guerlain von SCENTCILLA 2017-01-04

Es ist ein sehr ungewöhnlicher Duft der nicht von heutiger Zeit kommt. Ich fühle mich sehr weiblich und werde sogar sanfter und weiblicher in der Gestik wenn ich diesen Duft trage. Klassik lebt und bleibt immer Zeitlos. Nun ist meine neunte Flasche zu Ende(

Habanita Eau de Parfum Molinard von NebelGeîst 2017-01-04

Bei Habanita handelt es sich um einen Duft, über den ein parfumbegeisterter Zeitgenosse fast zwangsläufig stolpern muss. Nicht weil er überall erhältlich ist, denn das ist nun leider nicht der Fall, sondern weil es sich um einen Klassiker handelt, der in modernisierter Form immer noch erhältlich ist und in den verschiedenen Foren regelmäßig thematisiert wird.
So kam es also auch, dass ich dieses Parfum nicht im Laden auf einem Regal entdeckte, sondern in einer Onlinecommunity und leider dauerte es auch etwas, bis ich eine Abfüllung davon bekam und ihn testen konnte.

Mastix kannte ich damals bereits als Räucherharz, konnte es mir einerseits schwer vorstellen, dass dieses in Rohform nur eher mild duftende Harz die dominanteste Note sein soll, aber spannend fand ich es schon, wo doch Mastix eher selten in Parfums zu finden ist und schon gar nicht als prominente Hauptnote.
Auch der Rest der Zusammensetzung und die Gewichtung, die die User den einzelnen Noten beigemessen hatten, fand ich ansprechend. Wenn man dann ganz zwangsläufig noch Hintergrundinformationen und Mythen liest, trägt das nicht gerade dazu bei, das Interesse zu dämpfen. Wird doch einerseits darüber geschrieben, dass mit der Komposition ursprünglich Zigaretten (für die Frau) aromatisiert werden sollten, und andererseits, dass Habanita für die selbstbewusste, rauchende Frau kreiert wurde. Der Name an sich beinhaltet ja bereits eine Anspielung zum Thema Tabak. Naja, eine Anspielung wäre untertrieben, denn es wird klar auf Havanna (spanisch La Habana, im Spanischen wird phonetisch ja nicht zwischen b und v unterschieden), die Hauptstadt Kubas, verwiesen, und neben Rum ist Kuba nun mal in erster Linie ein Zentrum für Zigarren und andere Tabakerzeugnisse.

Es kam nun also der Tag, an dem einer der wohlbekannten Stiftzerstäuber, befüllt mit diesem EdP, in meinem Briefkasten landete. Ich sprühte ihn sogleich auf ... und stellte efst, dass er doch ganz anders roch als ich mir vor meiner inneren Nase diesen Duft vorgestellt hatte.
Nur ist das ja meistens so.
Allerdings gefiehl er mir nichts desto trotz. Und als dann die Herz und später die Basisnote einsetzte, war klar, dass ich diesen neuinterpretierten Klassiker in meiner Sammlung haben möchte.

An den riechbaren Noten wirkt nun tatsächlich Mastix sehr vordergründig, oder vielmehr eine intensivierte, ausdrucksstärkere Form dessen, was ich als Räucherwerk kenne, zudem schwerer, denn es handelt sich um eines der eher leichten, frischen Harze.
Im Übrigen reicht diese Note bis in den Drydown und ist keineswegs nur eine Kopfnote, vielmehr ist sie bestimmend für den Gesamteindruck von Habanita.
Obwohl es sich um einen 2012 lancierten Duft handelt, erkenne ich viele olfaktorische Eindrücke von großen Klassikern wieder, darunter auch die gleiche Pfirsichnote, wie sie auch in klassischen Guerlain-Damendüften zu finden ist. Dieser Pfirsich ist dabei einer der Hauptakteure der Kopfnote, jedoch ohne modern fruchtig zu wirken, im Gegenteil, man kann ihn leicht übersehen/überriechen, denn er fungiert hier mehr als Kontrast, zudem sich der orientalische balsamisch-würzige Charakter abheben kann.
Wer selbst schon versucht hat, Parfum zu mischen, wird schnell merken, dass die Lieblingsnoten sich nicht so leicht zu einem Duft mischen lassen. Oft wirken sie auch überdosiert eher flach. Tiefe und Intensität erhalten sie oft nur, wenn man sie mit passenden 'Komplementär-Noten' versieht.
So ist auch der Pfirsich hier zu verstehen, als Komplementer-Note, die verhindert, dass die Harze all zu flach wirken, sich aber trotzdem in die Gesamtkomposition passend einschmiegt. Sie fehlt in der Pyramide des EdP, beim EdT ist sie jedoch noch aufgeführt. Vorhanden ist sie aber sicher.
Auch Benzoe rieche ich heraus, die ebenfalls nicht mehr gelistet wird. Daneben eine Ahnung von Zimt, wobei dies gegebenenfalls sogar der Benzoe und der darin enthaltenen Zimtsäure-Ester geschuldet sein könnte. Weitere Gewürze namentlich heraus zu picken fällt mir schwer, obwohl der Dufteindruck als solches durchaus würziger Natur ist.
Hintergründig kommt noch eine art pudrige Vanille hinzu, ich würde beim Charakter dieser Note vielleicht sogar davon ausgehen, dass hier eher Heliotrop denn Vanille/Vanillin verantwortlich ist, es kann aber auch dem Zusammenspiel mit der Iris geschuldet sein. Meine Nase ist nicht trainiert genug, um derartige Feinheiten bei einem doch sehr komplexen Duft zu erschnuppern.
Vetiver (welches in überraschend vielen Damendüften vergangener jahrzehnte zu finden ist) und Patchouli sorgen dafür, dass dieses Parfum nicht zu süß wird und sind entscheidend für den Unisexcharakter, der in Parfumista-Kreisen oft thematisiert wird.
Die blumigen Aspekte, die vor allem in Kopf- und früher Herznote durchschimmern, sollten vor allem auf Ylang-Ylang bzw Cananga zurück zu führen sein. Letzteres vermute ich, da auch eine gewisse Ledrigkeit anklingt und Cananga oft für Lederakkorde benutzt wurde, dabei aber durchaus noch eine gute Portion des großen Bruders Ylang-Ylang in sich trägt. Ich finde, es lässt sich auch leichter in einen balsamisch-orientalischen Duft einarbeiten, ohne diesen all zu schnell zu dominieren.

Es mag Suggestion sein, aber ich bilde mir ein, dass hier auch das Gefühl von Tabak mitschwingt, ohne dass ich wirklich mit dem Finger drauf tippen und sagen könnte, hier rieche ich eindeutig Tabak.

Wie viele Orientalen ein von beiden Geschlechtern tragbarer Duft, unabhängig von der geschlechterspezifischen Vermarktung. Sollte ein Mann von der Kopfnote erst mal verschreckt sein, bspw. weil er Pfirsich und oder Ylang-Ylang/Cananga deutlich wahrnimmt, lohnt es sich aber unbedingt, ein wenig zu warten.

Habanita zeigt zudem eine starke Ausdauer. Die wenigsten Düfte kann ich am Morgen/Vormattiag danach noch riechen, bei diesem EdP ist das jedoch der Fall (obwohl ich anfangs noch dachte, die Haltbarkeit wäre beim neuerworbenen Flakon geringer als bei meiner Abfüllung), selbst wenn ich es nicht erst kurz vorm Schlafen auftrage. Und das passiert mir bei meiner Haut höchst selten, auch wenn ich einen Duft auf eine behaartere Stelle auftrage.
Dass auch die Sillage nicht gelitten hat bei dem neuen Flakon, habe ich ebenso feststellen dürfen. In den eigenen vier Wänden kann man Duft und Performance ja oft weniger gut einschätzen. Die Nase braucht dazu ein ungewohnteres Setup. So musste ich etwas verschämt beim Einkaufen gestern feststellen, dass ich überdosiert hatte, denn im Freien (trotz der Kälte) und im Supermarkt stieg mir Habanita sehr deutlich selbst in die Nase und ich bemühte mich, nicht all zu nah an anderen Menschen vorbei zu gehen.
Auch das passiert mir mit meiner Haut eher selten, verwende ich doch selbst von meinem Amouage Interlude Man mindestend 5, 6 Spritzer, auch im Sommer.
Ein bisschen ärgere ich mich, dass ich nur den 30ml-Flakon gekauft habe, denn noch sind Batches mit Eichenmoos erhältlich, was sich noch ändern sollte, ob des Verbots von Atranol und Co, die Bestandteile des Eichenmooses sind. Und die wenigsten Reformulierungen der vergangenen Jahre haben einen Duft verbessert.

Leider hatte ich noch nicht die Möglichkeit, das eingestellte EdT zu testen, aber es sind immer mal wieder Flakons zu nicht all zu übertriebenen Preisen erhältlich, vielleicht kaufe ich doch mal einen blind.

Jedenfalls gilt Habanita, auch in der Neufassung von 2012, nicht umsonst als Klassiker und ich möchte eine klare Empfehlung aussprechen, auch an die männlichen (und aufgeschlossenen) Leser.
Zumindest was die Formulierung angeht, die noch echtes Eichenmoos gelistet hat.

Desnuda Emanuel Ungaro von kolibri 2017-01-04

Desnuda würde ich als die kleine Schwester von "Jungle Elephant" bezeichnen. Alerdings ist Desnuda sehr viel sanfter und zurückhaltender.
Den Pfirsich rieche ich nur wenig, die Gewürze sind gleich präsent, erst der Pfeffer, etwas Zimt und dann der Kardamom. Alles vermischt sich zu einem angenehmen pudrigen Gewürzduft, den man meiner Meinung nach auch im Büro tragen könnte. Der Duft macht an mir keine grosse Verwandlung durch, nach ca. 15 Minuten schwächen sich die Gewürze ab und er wird etwas süßer, ich nehme an, das jetzt die Tonkabohne dazukommt.
Obwohl ich ein EdP habe, ist die Haltbarkeit nicht besonders gut, nach ca. 1 Stunde muss ich nachsprühen.
Desnuda ist, wie ich finde, eher ein Duft für die kühlere Jahreszeit.

Notturno Essenzialmente Laura von aquaria 2017-01-04

Lauras Beschreibung:
In this mélange, you'll find the notes of the Nocturne Op. 9 No. 2 by Fryderyk Chopin. A melody free to wander, initially tender and intimate, then detached and dreamy.
Dominant notes: Opoponax and Musk

„Notturno“ ist ein Opoponax-Kracher. Der Duft ist fast durchgehend dicht balsamisch, hat fühlbares Gewicht mit schwerem, erdigem Opoponax, nur ab und zu durch eine saubere, warme Rosennote minimal aufgehellt.
Anfangs rieche ich etwas, das ich am ehesten mit ungesüßtem, ledrigem Karamell vergleichen könnte. Das Opopanax setzt von der ersten Sekunde an mit voller Kraft ein. Ist so hoch dosiert, dass ein „ledriger“, schwerer Eindruck entsteht. Nach einiger Zeit mischt sich eine deutliche Rosennote dazu. Sie wirkt sauber, strahlend und „parfümig“. Kurzfristig gelingt es ihr, den massigen, dicht-balsamischen Duft etwas aufzufrischen und ihn atmungsaktiver zu machen, im Endeffekt kann sich die zarte Rose aber gegen die alles überrollende Opopanax-Lawine nicht durchsetzen.
Spätestens, wenn sich ab dem Mittelteil noch zusätzlich warmer Moschus dazumengt, wird mir dann der Duft endgültig zu schwer.
„Notturno“ riecht nicht nach Leder, aber die Textur des Duftes ist für mich beinahe fühlbar, als schwere, dichte Lederdecke mit wind- und wasserdichter Goretex-Beschichtung. Sehr ledriges und sehr erdiges, trocken-süßliches Opoponax, ich bin mir ganz sicher, dass es echtes, unverfälschtes und hochwertiges Material ist, das ich hier rieche.
Ich liebe Opoponax, aber in dieser Kombination mit dem dichten Moschus (der nicht animalisch oder unsauber wirkt, aber auch nicht klar und sauber, irgendwo in der Mitte wie eine sehr warme, manchmal unangenehm warme, Moschuscreme) ist es mir aber zu heftig.
Ein Duft für Hardcore-Opoponax-Fans. Der Duft an sich würde mir ja gefallen, aber die Konsistenz ist mir zu wuchtig. Egal, wie vorsichtig ich den Duft auch dosiere, er scheint mich nach einer gewissen Tragedauer jedes Mal zu erdrücken.

Majorelle Essenzialmente Laura von aquaria 2017-01-04

Laura Tonatto ließ sich für diesen Duft von den Majorelle-Gärten in Marrakesch inspirieren, Gartenanlagen, an deren Gestaltung der französische Künstler Jacques Majorelle vierzig Jahre lang bis zu seinem Tod 1962 arbeitete. 1980 erwarben und restaurierten Yves Saint Laurent und sein Lebensgefährte Jacques Majorelles einstige Villa und belebten in Folge auch die dazugehörigen, in der Zwischenzeit verwilderten Gartenanlagen neu. Heute sind die Majorelle-Gärten als botanische Gärten für die Öffentlichkeit zugänglich.
Wenn ich nach den Gärten google, sehe ich Fotos von künstlerisch gestalteten Gartenanlagen mit Gebäuden, Pagoden, Pavillons und Springbrunnen, die zum größten Teil in stechendem Kobaltblau gehalten sind, auf den ersten Blick Fremdkörper in der natürlichen, grünen Gartenlandschaft. Was in der bildenden Kunst als Eyecatcher gut funktioniert und eine gewisse Ästhetik ausstrahlt, das funktioniert bei Düften nicht immer.
„Majorelle“ spiegelt diese Gartenanlagen inklusive all der grellen Elemente perfekt wider, was ja auch die Intention war, allerdings wirkt gerade dadurch der Dufteindruck auf mich stechend und disharmonisch. Da sind mehrere Komponenten im Duft, die mich zu sehr stören, die sich als „Fremdkörper“ nicht in die Komposition einfügen wollen, sondern für sich stehen bleiben.
Die Anfangsphase mit grünen, säuerlichen und frisch prickelnden Mandarinen plus Pomeranze empfinde ich noch als sehr angenehm. Ein zitrischer Frischekick vom Feinsten. Allerdings übernimmt dann die Pomeranze die Vorreiterrolle an meiner Haut. Sie wirkt herb, manchmal sogar bitter. Und sie vermischt sich mit einer gewaltigen Dosis Jasmin, eine Blume, die ich in Parfüms eigentlich gerne mag, die in dieser Umgebung aber viel zu schwülstig auftritt. Ich nehme an, es sind mehrere Jasminarten enthalten. Da ist eine opulente Weißblühercremigkeit neben grünem, leicht herbem Jasmin, und damit leider auch eine nicht zu geringe Dosis an Indolik.
Insgesamt ergibt der Duft nach ca. einer Stunde einen scharf-beißenden, zitrisch herben (fast bitteren) und phasenweise auch säuerlichen Eindruck, der sich mit indolischem und gleichzeitig übermäßig wächsernem, grell weißem Jasmin vermischt.
Insgesamt ist der Duft nach der ersten, noch relativ frischen Anfangsphase, für mich nur mehr eine Kombination aus herben und sauren Mandarinen mit schwülstigem und indolischem Jasmin, eine diabolische Kombination für meine Nase.

Ivoire Pierre Balmain von Glückskind 2017-01-03

Ivoire duftet für mich nach einer dreifach gemahlenen Seife. Ein edles Seifenstück, mit den besten Inhaltstoffen. Sie ist schneeweiß, und wird beim Händewaschen zu einem göttlich sahnigem Schaum.
Diese Seife ist sehr edel und teuer. Aber ohne jeden Zweifel auch jeden Cent wert.

Traditionelles Seifensiederhandwerk für die gehobenen Klasse.
Hier wurden wiklich nur die erlesensten Zutaten verwendet. Feine weiße Seife mit dem Duft zarter Blüten. Ein Duft, als würde man an einem lauen Sommertag, irgendwo im ländlichen Italien ein Fenster öffnen. Der Duft des Blumengartens strömt durch die bauschigen weißen Vorhänge... und der Schaum auf dem gerade eingelassenen Bad türmt sich zu Bergen auf.

Ich sollte Seifenwerbung machen ;)
Aber da sich mir hier die Duftnoten nicht im einzelnen offenbaren, kann ich nur den Gesamteindruck wiedergeben.

Seife, Schaum, Blumen, Frische, Wind

Boss The Scent For Her Hugo Boss von Glückskind 2017-01-03

Es gab vor vielen Jahren einmal eine Haarkur mit Pfirsichöl von Guhl. Sie machte die Haare ganz weich und super glänzend.
Das i Tüpfelchen aber war der Duft!

Die Kur roch wie ein Mix aus einer edlen Körpercreme und einem Korb voller frisch gepflückter Pfirsiche.

Süß, saftig und mit einem Spritzer natürlicher Säure, die einem das Wasser im Mund zusammen laufen läßt.

Genauso duftet The Scent for Her für mich.
Die Blüten ergeben den Pflegecreme Accord und
die Pfirsiche duften schön saftig und appetitlich.

Den gerösteten Kakao rieche ich hier überhaupt nicht.
Vielleicht verschluckt meine Haut den auch einfach ;)

Nach 1 Stunde wandelt sich der Duft von saftiger Pfirsichcreme
zu einer Pflegecreme Duftrichtung: "sommerlicher Pfirsicheistee".


Ein sonniger und etwas verspielter Sommerduft für "große Mädchen" jeden Alters :)

Oder für das ganze Jahr, wann immer man sich den Sommer auf die Haut holen möchte.

Sehr lecker!

Sillage: ca. 1m in jede Richtung
Haltbarkeit: ca. 6 Stunden

Original Beschreibung auf der Probe:

Hugo Boss The Scent for Her
Eau de Parfum

An irresistible fragrance,
unforgettable like a savored seduction.

Exquisite notes of honeyed Peach, delicate Freesia bloom,
captivating Osmanthus flower and intensely roasted Cocoa,
seduce the sense.

Aqua Allegoria Teazzurra Guerlain von Glückskind 2017-01-03

Ich war äußerst gespannt auf diesen Duft.
Bei so vielen Zitrusfrüchten stellte ich mir eine
saure Erfrischung vor! Aber weit gefehlt...

An mir bleiben die sauren Früchte gerade mal für gefühlte 5 Minuten in der Kopfnote erhalten.

Wobei Yuzu sich von allen noch am längsten hält.

Als erstes nehme ich also Zitrusfrüchte und ordentlich Kamille wahr. Nur etwas säuerlich und eher wenig frisch gleitet der Duft gleich in die Herznote.

Nun erahne ich gerade mal noch eine Yuzu Frucht im Hintergrund. Der grüne Tee, die Kamille und Jasmin ergeben einen Eindruck von frisch aufgebrühtem Tee. Nicht kräftig, sondern eher eine leichte Sommermischung.

Weitere 20 Minuten vergehen und ich bin bei Der Basisnote angelangt. Die Temischung mit Anklängen von Yuzu und etwas Süße in Form von Vanille ergeben nun eine Art Pflegeduft.
Calone ( soll nach frischer Seeluft und Meeresnuancen duften) und Moschus kann ich nicht als einzelne Duftnoten erschnuppern.
Sie tragen aber wohl zum Gesamteindruck des Pflegeduftes bei.

Ein unaufdringlicher Sommerbegleiter oder für alle,
die einen dezenten und gepflegten Alltagsduft suchen.
Äußerst angenehm, aber auch sehr ungewöhnlich für einen Aqua Allegoria. Ein Duft, der für mich nicht gerade ein typischer Guerlain ist.

Bleibt abzuwarten, wie sich die Jasminblüte im Sommer entwickelt. Wird sie doch an mir bei Hitze gerne mal zum Tier ;)

Haltbarkeit: an mir im Winter rund 5 Stunden
Sillage: körpernah

Chypre Rouge Serge Lutens von aquaria 2017-01-03

Vielen Dank an nebelgeist für die Bekanntschaft mit diesem speziellen Lutens.
Und speziell ist er! Eine Herausforderung, dieser “Chypre Rouge”, den ich nicht als Chypre, sondern als orientalisch würzig erlebe, dessen Duft mich ohne Ende fasziniert, den ich aber dennoch nicht als Parfüm tragen möchte. Für mich ein Ambience-Duft, der mich packt und in eine andere Welt, genauer gesagt, nach Mittelerde, beamt.
Laut Lutens stammt der Name “Chypre Rouge” aus einer Erinnerung an die Wälder seiner Kindheit in Südfrankreich, an einen ergreifenden Moment, in dem er von der Schönheit eines Fleckchens Moos fasziniert war, das aus einem Baumstumpf zu „bluten“ schien. Und dieses Moos steht für das Chypre rouge.
“I remember looking at the forest ground, covered with dead leaves, and finding it both macabre and beautiful. Something caught my attention: a strange patch of moss at the base of a tree, it looked as if it were bleeding, purple and red. (…)Softness and depth, secret in scents where, laying our cheeks we can only dream.”

Was Lutens hier beschreibt, nämlich Weichheit und Tiefe und die geheimnisvolle Aussage von Düften und Aromen, die zum Träumen ermuntern, nehme ich hier auch wahr. Ab dem ersten Sprüher transportierte mich „Chypre Rouge“ in den Fangorn Forest, den ältesten Wald Mittelerdes mit seiner zugleich unendlich ruhigen als auch unendlich beunruhigenden Atmosphäre.
Was rieche ich? Vor allem Kümmel. Kreuzkümmel in bester Verarbeitung, anfangs nur als begleitende Würzigkeit/Rauchigkeit und Wärme, später an mir als tonangebende Note, aber immer in eine wunderschön sanfte Umgebung eingebettet und daher nie aufdringlich oder zu intensiv.
Der Auftakt ist ein Kiefernwald im warmen Sonnenuntergang. Warmer, mit Kiefernnadeln übersäter Waldboden, trockene, alte, knorrige Rinde von Kiefern und ein warmes Leuchten, das durch mild dosiertes Bienenwachs mit einem Klacks Honig und etwas Rot-Fruchtigem besteht.
Erdiges Patchouli und eine feine Rauchigkeit machen sich bemerkbar. Und dann kommt der Kümmel, warm und würzig, echter Kreuzkümmel, soweit ich das beurteilen kann, mit seiner leicht zitrischen Tönung und seiner scharf-würzigen, dunklen Aussage, die hier durch die Umgebung aber aufs Feinste abgemildert wird. Es entsteht eine hauchzarte, würzige Rauchigkeit, die über erdigem Patchouli und weichem Moos schwebt, während der Kiefernwald fast unmerklich in einen Laubwald übergeht. Warmes, mild honigsüßes Sonnenlicht, das durch trockene Blätter auf einen weichen Waldboden leuchtet.
Ein perfektes Zusammenspiel aller Noten. Ein Duft, der die Stille und Ruhe und warme Geborgenheit ausdrückt, wie sie ein Spaziergang durch ein entlegenes Waldstück spüren lassen kann.
Ich habe sehr viele negative Reviews zu diesem Duft gelesen, die zum größten Teil in Richtung Hustensaft und ähnlichem gehen. Ja, es ist ein süßer Duft, aber für mich eine sehr milde, behagliche und von feiner Aromatik abgefangene Süße. Ich geh da mit ceb 9002 konform, eine für die Nase angenehme Mischung.
Ich rieche hier nichts Medizinisches und auch keine Trockenfrüchte, die sich an mir schon mal schnell übersüß entwickeln können, sondern etwas würzig-rot-Beeriges, das sich nahtlos und ganz natürlich in den Waldduft einfügt.

Fazit: Ein moosig weicher, honigsonnig süßer, sehr ruhiger, sehr erdiger, zart aromatischer und zart würziger Duft nach Laubwald, Waldboden und darüber eine frisch-würzige, rauchige, aber milde und unaufdringlich eingebettete, warme Kümmelbrise.
Als Raumduft wäre „Chypre Rouge“ ein Gedicht, der Duft eines mystischen Waldes direkt in der Wohnung. Als Parfüm an mir sehe ich den Duft aber nicht. Ich hätte dabei ständig das Gefühl, als Treebeard herumzulaufen.

Coronari 57 Essenzialmente Laura von aquaria 2017-01-02

Diesen Duft hat Laura Tonatto sich selbst gewidmet. Via dei Coronari 57 ist die Adresse ihres Hauptgeschäftssitzes in Rom.
Sie beschreibt den Duft als: an intense and unisex portrait, yet rare and elegant.
Dominant notes: Opoponax, Violette and Vanille

Im Auftakt begnet mir ein Beinahe-Doppelgänger zu „Ciara“, dem pudrigen Würztraum von Revlon, aber für meine Nase sogar noch schöner, da luftiger, ein bisschen heller und mit hochwertigeren Inhaltsstoffen.
Leuchtend orangefarbene, milde Würze in sehr luftiger Form begrüßt mich. Ich meine, einen Hauch von Orangenblüten zu vernehmen und eine sauber-seifige Rose (mild und süß seifig). Der Duft wirkt dadurch anfangs „parfümig“ und glockenhell, bevor Opoponax und eine sehr fluffige Vanille für eine mild fließende, nur mäßig süße, balsamische Unterlage sorgen.
Das Opoponax wirkt cremig und bringt auch einen leicht erdig-würzigen, frischen Touch in die Komposition. Das Veilchen, das Laura Tonatto als Duftnote angibt, erkenne ich nur an der Pudrigkeit, nicht am Duft. Ich vermute außerdem etwas trockenes, leicht rauchiges und minimal schokoladiges Benzoeharz und warmes, transparentes Ambra in der Basis.
Ich rieche einen unglaublich schönen, charmanten, luftig-frischen und dabei doch warm-balsamischen, würzigen und angenehm süßen, in hellem Orange-Gold leuchtenden Duft.

Ambra Antica Essenzialmente Laura von aquaria 2017-01-02

Als Hauptnoten gibt Laura Tonatto Ambra und Vanille an. Es sei „der Duft des Ursprungs, an dem alles begann.“

Für mich ist das ein sehr dichter und sehr süßer Ambraduft, die Vanille merke ich nur als aufhellenden Begleiter und Weichzeichner. An mir macht sich nach ca. einer Stunde bis zum Schluss eine beinahe traubenzuckrige Süße breit, die ich als Heliotrop interpretiere. „Ambra Antica“ wäre ein absoluter Kuschelduft, wenn er, erstens, nicht gar so süß wäre …. das Ambra ist sehr hell, sehr warm, sehr süß, hat keinen würzigen Gegenspieler. Das Heliotrop (falls es das ist, was ich rieche) ist sowieso sehr süß.
Und wenn er, zweitens, weniger animalisch wäre. Über allem liegt ein Hauch, eine Ahnung von etwas Animalischem. Viele wird das wahrscheinlich gar nicht stören, aber für mich schwingt diese Note ständig am Rande der Wahrnehmung mit. Ich vermute entweder Jasmin oder einen anderen, leicht indolischen Weißblüher in der Komposition. Ab dem Mittelteil glaube ich, ab und zu einen Hauch von milchigem Sandelholz zu erhaschen. In der süßen und überwarmen Umgebung ergibt das für mich einen Akkord, der nach lauwarmen Milchnoten riecht.
Der Duft insgesamt wäre eine an sich kuschlig warme Ambra-Vanille-Creme, allerdings schwingt ständig die beschriebene leicht unsaubere (Weißblüher-und Milch-) Note mit, zwar nur als winzigster Hauch bemerkbar, aber sie verleidet mir den Duft trotzdem, lässt ihn überwarm und für meine Nase „buttrig“ und leicht unsauber wirken.

Acqua Barocca Essenzialmente Laura von aquaria 2017-01-02

Lauras Beschreibung:
Beautiful, eccentric and imaginative, fountains express the art of the great sculptors and architects of Rome in its Baroque period.
A clever and exciting game.
Dominant notes: Narcissus and Lily of the Valley

Der Duft riecht nicht grün, wie ich bei Narzisse und Maiglöckchen erwartet hätte; er riecht leuchtend sonnig gelb.
Zuerst mal liefert „Aqua Barocca“ aber eine Anfangsphase, die mich an Frühling und eine hellgelbe, zitrische Sonne denken lässt. Der Auftakt begrüßt mit einem zitrischen (und nur leicht blumigen) Leuchten. Etwas später wird der Duft sogar säuerlich, wirkt beinahe wie frisch ausgepresster Zitronensaft.
Dauert so ca. eine halbe Stunde, bis sich die anfänglich vernehmbaren Blumen endgültig aus dem Zitronenbad hervorkämpfen.
In der nächsten Stunde riecht der Duft einfach nur nach Frühlingsblumen, einer luftigen Mischung aus Narzisse und Maiglöckchen, sonst nichts, ein Duft, der ausschließlich aus dem besteht, was sonst in Blumendüften die Herznote darstellt. Ich rieche frische und hellgelbe Blumen pur. Nichts drumherum.
Ab dem Mittelteil beginnt der Duft sich deutlich zu verändern. Zuerst merke ich etwas, das ich als helles Elemiharz und luftigen Moschus wahrnehme (beides nur Vermutungen). Elemiharz soll ja zitronig-waldig duften, und ich glaube, das hier auch zu riechen; ein sehr frischer, balsamisch weicher Eindruck, der sich unter die Blumen legt.
Außerdem kommt eine weiche, zunächst nach Orange riechende Note dazu und kurz später eine wunderschön milde Pfirsichnote. Vorübergehend riecht „Acaqua Barocco“ wie ein fruchtiges Maoam mit Orangen-Pfirsichgeschmack. Cremig weich, fluffig und hell fruchtig.
Die fruchtigen Noten in Moschuscreme verstärken sich bis zum Schluss, bis mich der Duft mit seiner Pfirsichnote ein bisschen an den „Alchimie“ von Rochas erinnert.
So läuft der Duft schließlich auch aus. Sauber und weich cremig, sehr hell fruchtig, mit satt gelben Blumennoten.
Was mich am Duft am meisten fasziniert, ist seine „Leuchtkraft“… so nehme ich ihn zumindest wahr. Er scheint wie eine voll erblühte Narzisse unter einer pfirsichfarbenen, frischen Sonne zu leuchten. Sehr schön.

Sheliane Detaille von aquaria 2017-01-02

Der Duft ist absolut nichts für mich. „Sheliane“ empfinde ich als viel zu animalisch für meinen Geschmack. Ein sehr dichter und indolischer Jasminduft von geradezu schwülstiger Üppigkeit, zur Basis hin noch mit zusätzlicher sehr süßer Begleitung.
Der Auftakt, eine Kombination aus säuerlicher Bergamotte und Zitrone, scharf-würziger Nelke und einer großen Dosis indolischen Jasmins, bietet mir eine unangenehm warme und leider auch sehr intensive „Urin-Note“.
Diese animalisch-warme Tönung kriege ich in den ersten Minuten auch im „Aromatics Elixir“, aber während sie sich dort schnell dank unterschiedlicher Duftumgebung in Wohlgefallen auflöst, verschwindet sie im „Sheliane“ nicht. Im Gegenteil, mir kommt vor, sie wird noch intensiver, bis sich der Duft im Mittelteil für mich nach bräunlich welken, beinahe vergorenen Jasminblüten anfühlt. Eine leicht alkoholische, tiefenwarme und unsaubere Note schwingt ständig mit. Die Kombination aus indolischem Jasmin und sehr warmer Rose wirkt dadurch auf mich erstickend warm und bietet mir das Duftbild eines Haufens welker, gerade verrottender und gärender Blüten.
Einen kleinen Ticken erträglicher wird der Duft nach so ca. 2-3 Stunden. Die Basis zeigt sich orientalisch warm und sehr süß. Benzoeharz und Vanille, Ambra und süße Muskatnuss geben sich alle Mühe, können den Duft für mich allerdings nicht mehr retten. Der Kontrast zwischen den säuerlich-warmen (fast dampfigen) Blumen und der übersüß wirkenden Umgebung bleibt bis zum Schluss bestehen, verbindet sich an mir zu keinem harmonischen Ganzen.
Leider nichts für mich, obwohl ich Detaille an sich schätze. Diesen Duft empfinde ich als, im wahrsten Sinne des Wortes, zu dick aufgetragen. Er erdrückt mich mit seiner animalischen Wucht.
Trotzdem danke für die Probe, liebe summertime. Ich nehme stark an, das zweite "Mag ich nicht" oben stammt von dir. ;-)

Ebano Essenzialmente Laura von aquaria 2017-01-02

Lauras Beschreibung:
A smooth and velvety touch, intense and memorable. The secrets of the ancient art of perfume to release the hidden femininity.
Dominant notes: Musk and Vanille

Velvety, also samtig, trifft den Duft sehr genau. Er ist einfach nur ein wunderschöner, weißer, cremig-pudriger Moschusduft.
Der Auftakt erscheint mir wie ein Zwilling zum süß-pudrigen „White Musk“ von Tesori d’Oriente. Es geht süßlich weiter, und der Duft wird cremiger (jetzt ähnlich dem „Claire de Musc“ oder auch der früheren Version vom Body Shop „White Musk“).
Also, ein sehr cremiger, süßlicher, dabei aber kristallklarer und sehr sauberer Moschus mit leicht pudriger Oberfläche. Und mit leichter Blümchenbegleitung, nehme ich stark an.
Sehr freundlich, sehr gepflegt wirkend und irgendwie „unschuldig mädchenhaft“ süß …. süß in doppelter Bedeutung, nämlich eine hauchzart cremige Süße, aber auch im übertragenen Sinne, süß, nett, freundlich lächelnd.
Ja, insgesamt sehr feminin, samtig, seidig, auch da trifft Lauras Beschreibung den Nagel auf den Kopf.

Direkter Vergleich zum „Avorio“:
Beide laufen auf einen mehr oder weniger puren, weißen Moschusduft hinaus, der erste ist aber nüchterner, minimal dunkler, etwas weniger süß und insgesamt „trockener“ oder staubig/holzig pudriger, während der „Ebano“ cremiger und süßer, einfach ein bisschen gefälliger wirkt, was der Kombination mit fluffiger Vanille zuzuschreiben ist.
Die Art des weißen Moschus ist in beiden Düften dieselbe, nur die Umgebung, in der man seinen Moschus riechen möchte, muss man sich hier aussuchen.

Avorio Essenzialmente Laura von aquaria 2017-01-02

Lauras Beschreibung:
Ladies and knights, dreamers and artists: nobody could resist the mysterious, sweet and powdery transparency of this Musk, that is deep and enveloping
Dominant notes: White Musk

Avorio zeigt sich mir als ein weiß-pudriger, trockener, sehr angenehm weicher Pflegeduft.
Weißer Moschus mit einer nicht gerade geringen Dosis pudrigen Holzes. Ich vermute anfangs außerdem etwas Blumiges (könnte Freesie sein; oder eine andere hellgelbe bis weiße, pudrige, fast mehlige Blüte) und einen miminal zitrisch aufhellenden Touch im Duft.
Im weiteren Verlauf ist das hell-Blumige nur mehr als Umrandung des Moschus bzw. als heller, freundlicher Hintergrund zu merken. Im Vordergrund steht dann ein sehr trocken-pudriger und gar nicht mal so süßer, aber behaglicher Duft, der an sauberen, weißen, sehr feinen Körperpuder denken lässt. Frisch-holziges, staub-pudriges Zedernmehl mit warmem Moschusmehl wäre hier mein Duftbild.
Eine weitschichtige Verwandtschaft zu Teint de Neige kann der Duft nicht abstreiten, aber "Avorio" wirkt im Vergleich zu TdN reduziert, ohne dickpudrige (Iris-)Süße und insgesamt einfacher, leichter und wesentlich luftiger. Hält aber dennoch (hautnah) an die 6 Stunden.

Mon Parfum Cristal M. Micallef von aquaria 2017-01-02

Im Sommer kriegte ich denselben überfruchtigen und leicht klebrigen Eindruck, den Comfy unten beschreibt.
Jetzt hatte ich aber dank einer Miniatur im Adventkalender Gelegenheit, den Duft ausgiebig im Winter zu testen und kriege bei dem derzeitigen kühlen und vor allem trockenen Wetter einen anderen, wesentlich angenehmeren Dufteindruck.
„Mon Parfum Cristal“ zeigt sich als moschuscremige Rose, zwar süß durch Karamell und Ambra, aber gleichzeitig luftig, nicht mehr so drückend. Da schwingt ein würzig-pfeffriger Unterton mit, und auch das Ambra wirkt nun wesentlich luftiger, eine transparente, warme Hülle.
Der Auftakt ist, ich würde sagen, typisch Micallef-fruchtig, abstrakt warm-süß-fruchtig und schwer zu bestimmen. Ich merke die Süße von weichem, reifem Pfirsich, glaube auch ein paar Himbeeren oder ähnlich süße, rote Beeren zu vernehmen. Diese Fruchtigkeit vermischt sich umgehend mit einer warmen, roten Rose und einer deutlichen Dosis an süßem Karamell. Könnte ein warmer, schwerer und übersüßer Rosenduft werden, so in der Art Rosenmarmelade mit Karamellpudding.
Aber schon nach wenigen Minuten merke ich, dass diese Rose in eine würzigere Umgebung gesetzt wurde. Trockener Zimt und etwas mild Pfeffriges „heben“ die Rose, unterlegen sie mit einer angenehm luftigen, leicht würzigen Brise. Diese Würzigkeit geht an meiner Haut an wärmeren Tagen komplett unter. Ich halte den rosa Pfeffer für den Übeltäter, der auf erhitzter Haut schwitzig und klebrig werden dürfte. Er wirkt auch jetzt sehr warm und eher beerig als pfeffrig, aber er hält sich zurück, gibt dem Duft nur eine samtige, leicht aufgeraute, würzige Struktur.
Was ich also rieche, sind: Würziges, luftiges, durch den Zimt leicht holzig-trockenes Ambra, süße Früchte und Beeren, die im Verlauf kontinuierlich an Süße verlieren, phasenweise sogar leicht herb wirken (Johannisbeere?), und im Vordergrund eine cremige Rose auf warmem Moschus.

Royal Muska M. Micallef von aquaria 2017-01-02

„Royal Muska“ entwickelt sich an meiner Haut von einem wunderschönen Ylang-Moschus-Cremetraum zu warmem Barbershop-Feeling.
Für ca. drei Stunden empfinde ich den Duft als cremigen Traum aus so richtig dicker, molliger Moschuscreme, die durch cremiges und süßes Ylang weich, hellgelb und wunderbar sämig wirkt, mit Benzoeharz eine gewisse Leichtigkeit und schwach rauchige Pudrigkeit aufweist und durch eine hauchzarte Fruchtigkeit und eine schwach gehaltene, saubere Rosennote hell, freundlich und frisch wirkt. Diese Mischung aus allen genannten Duftnoten erscheint so dicht cremig, dass sie mich, direkt an der Haut gerochen, an warme Niveacreme erinnert.
„Royal Muska“ wirkt in dieser Phase wie eine zart-frische, leicht süßliche, pudrig-cremige Bodycreme auf sauberer, frisch geduschter Haut.
Die Ähnlichkeit zu einer pflegenden Bodycreme stellt sich für mich nach ca. 3-4 Stunden Tragedauer aber auch als Manko heraus, denn der Duft erwärmt sich sukzessive auf der Haut, bietet mir nach einer gewissen Zeit den Eindruck von überwarm gewordener, nicht mehr ganz frischer Körpercreme. Nicht schwitzig, das wäre übertrieben, aber ich glaube, ihr kennt diesen überwarmen, etwas drückenden bzw. stechenden Touch, den eine Creme entwickeln kann, wenn man sie zu lange auf der Haut getragen hat.
Im Mittelteil mischt sich also eine kleine, stechende Note in die Cremesymphonie, und leider intensiviert sie sich dann relativ rasch. Spätestens, wenn die holzigen Noten deutlicher mitmischen, entsteht für mich ein eher maskuliner Dufteindruck, der mich in der Art der holzigen, leicht seifigen und warm-würzigen Aussage an Rasierschaum oder auch sehr warme, moschuslastige Rasierwässer erinnert.
Auch wenn die anfängliche Ylang-Cremigkeit nach wie vor vorhanden ist, wird sie an mir von dieser Mischung aus kräftigem Holz und animalischem, zu warmem Moschus überdeckt.

Der Duft ist eine Kopie von Byredo Bal d’Afrique. Ich habe beide Düfte auf beiden Handgelenke verglichen, dann zwei Tage nacheinander auf dem Hals getragen: Entspricht eins zu eins Bal d’Afrique mit einem Tick mehr Zitrus-Noten. Bal d’Afrique kommt mir sogar femininer, zarter und angenehmer vor (ich trage Bal gerne und viel).

Ich liege sehr großen Wert auf die Qualität der Rohstoffe, Ausbalancierung der Noten usw... In diesem Fall verstehe ich aber nicht, warum so eine Firma wie Boadicea ein „Me Too“ (Mimikry/Nachgemachtes) Produkt auf den Markt bringt (launch 2016), welches sieben Mal treurer ist als das Original, Bal d’Agrique (launch 2009), ist. Können sie nicht ein eigenes Produkt entwickeln/kreieren, das so umwerfend ist wie Bal d’Afrique, aber anders (für 980EUR für 100ml Flakon)?

Von HANUMAN bin ich genauso enttäuscht, wie ich von Boadicea’s VALIANT fasziniert bin.

Roses Musk Montale von Glückskind 2016-12-30

Eine Moschus Rose? Nicht wirklich!
Normalerweise habe ich mit der Wahrnehmung von Moschus
in all seinen wunderbaren Facetten kein Problem.

Da macht der Montale Moschus scheinbar eine Ausnahme.
Ich sprühe und rieche....

Eine dicke pinke Rose und eine medizinische Note
rollen förmlich auf mich zu! Der Duft ist keines Wegs
als harmlos einzustufen. Eine dichte Duftwolke macht sich breit.
Auch wenn es bei Montale nicht aufgelistet ist, meine ich doch etwas Oud zu erhaschen. Ich wüßte sonst absolut nicht, was hier so medizinisch riechen könnte. Der Jasmin bleibt schön artig,
und düftelt als weiche Untermalung der schönen Rose im Hintergrund.

Dann scheint sich der Duft etwas zu erwärmen, kommt etwas zur Ruhe. Und doch wirkt diese Rose weder weich noch frisch auf mich. Auf Fragrantica.com wird dieser Duft beschrieben, als wäre es ein zartes, frisches Lüftchen für den Alltag. Das finde ich überhaupt nicht.

Diese Rose ist eine erwachsene Rose mit Ecken und Kanten! Die Rose selbst erinnert jetzt an Rosenöl.
Die medizinische Note wird leiser aber bleibt hartnäckig bis zum Schluß. Der Amber macht sich ab der Herznote mit aller Härte bemerkbar. Dies ist nicht nur eine Spur (soupçon) Amber.
Dies ist eine ordentliche Portion für alle die Räucherharze und ebenso die Stäbchen lieben. Ein leicht rauchiges, herbes Raubein ;)

Im Hintergrund schwebt eine Note, die eventuell weißer Moschus sein könnte! Und ich hatte mich wie verrückt auf eine frische Moschus Rose gefreut.

Also zusammengefasst ist dies ein erwachsener, typisch orientalischer, herber Rosenduft, mit Ecken und Kanten.

Mag ich diesen Duft? Jein!

Irren sich nun alle anderen mit Ihren Beschreibungen?
Nein! Denn für einen Montale Duft, ist dieser hier wirklich erstaunlich "frisch". Montale hat nämlich reichlich Orientbomben im Sortiment. Also könnte dies die Traumrose für alle Liebhaber schwerer Düfte sein.

Aber wer eher saubere und frische Düfte liebt, und den richtig orientalischen Düften (Oud usw) nicht so zugetan ist, für den ist dies hier nicht die richtige Rose ;)


Duftbeschreibung Montale:

Sublimer les Roses les plus pures délicatement harmonisées par le Musc précieux, soulignées par un soupçon d’Ambre et de Jasmin, pour un sillage pétillant d’élégance.

Bei den Duftnoten fehlt Amber :-)

Al Oudh L`Artisan Parfumeur von ChiefGeronimo 2016-12-29

Dieses Parfüm, welches ich als Blinkkauf erworben habe, ist wie ein schwerer Süsswein, aber viel komplexer, passt also nicht zu jeder Gelegenheit. Wenn ich es auftragen, dann nicht, um andere zu beeindrucken, oder zu gefallen, sondern nur für mich selber, weil dieser fruchtig-süss-rauchige Duft ein Gefühl von Wärme und Wohligkeit vermittelt. Unbedingt empfehlenswert

Swiss Army Forest Victorinox Swiss Army von ChiefGeronimo 2016-12-29

Wer auf holzig-würzige Düfte steht, wird diesen mögen, auch wenn es ihm etwas an Ausdauer fehlt.
Für mich als Schweizer ist es erstaunlich, dass ich dieses Parfüm in den USA zu fast einem Viertel des Preises erhalte, als im Herstellungsland, aber ich muss ja auch nicht alles verstehen ;)

Amatys Parfum Fin Nabucco von sommertraum 2016-12-25

Das Amatys ist ein Parfumöl. Es duftet sehr vanillig, süß mit einem Hauch Mandel, Heliotrope, Ambra und Praline. In weiter Ferne nehme ich Jasmin wahr. Das alles abgerundet mit einem Hauch Moschus. Die Duftzutaten sind wunderbar miteinander verschmolzen, es stört nichts und auf warmer Haut entfaltet sich der Duft traumhaft schön. Genau der richtige Duft für ganz besondere Anlässe. Heute begleitet es mich duch das Weihnachtsfest. Leider ist der Duft sehr sehr teuer, aber jeder Tropfen ist es wert. Es ist ein Traumduft und mit nichts zu vergleichen. Nur die Haltbarkeit ist etwas gering, aber das ist bei einem Parfumöl sehr häufig der Fall.

Duft: ein Traum
Sillage: körperumschmeichelnd
Haltbarkeit: ca. 5 Stunden, wenn der Duft mit der Kleidung in Berührung kommt auch etwas länger. Deshalb Duftöl auf die Haut und sofort meinen Pullover angezogen, damit auch mein Pullover etwas von dem Duft abbekommt.

L`Air de Rien Miller Harris von kolibri 2016-12-23

Ein sehr schöner Kommentar liebe comfy.
Mit dem Begriff "menschlich" hat Du genau auch meinen Eindruck von diesem Duft getroffen.
Als ich ihn getestet habe, hatte ich vor meinem geistigen Auge das Bild einer schlaftrunkenen Jane Birkin, die sich in ihrer Seidenunterwäsche im warmen Bett räkelt. Für mich vermischte sich der Geruch von Parfum, Körpergeruch, Wärme und Wäscheduft zu einem Gemisch, das ich nicht unbedingt als frisch empfand.
Vielleicht ist auch nur meine Phantasie mit mir durchgegangen und ohne den Namen Jane Birkin hätte ich den Duft vielleicht anders empfunden. Als Kaufkandidat kam er jedenfalls nicht in Frage.

No8 Opoponax Prada von sommertraum 2016-12-23

Prada No8 duftet sehr edel. Das Opoponax steht im Vordergrund, anfänglich mit einer leichten Frische (Bergamotte) wird aber immer weicher und es entfaltet sich eine leichte Süße, wobei es nie zu süß wird. Harze spielen auch eine Rolle, aber eher zum Veredeln des Opoponax. Die Silage ist zurückhaltend was ich sehr angenehm finde. Es weht aber häufig dieser schöne Duft unter meiner Nase. Sehr eleganter Duft, aber ich finde doch eher für die Dame. Die Halbarkeit liegt bei ca. 5 Stunden eher im unteren Bereich, aber vielleicht war ich etwas zu sparsam beim Auftragen, weil ich meine Probe nicht zu schnell aufbrauchen möchte. Schade das dieser Duft nicht mehr hergestellt wird, wäre Kaufkandidat!!!

Lipstick Rose Frederic Malle von Comfycat 2016-12-22

Gerüche sind oft wie ein Traumfänger für Erinnerungen. Nicht nur für Parfümfans, sondern auch für Parfümeure. Die Inspiration zu Lipstick Rose, von Ralf Schwieger der den Duft für die EdP Malle kreiert hat, entstammt dem Geruch des Lippenstift süßen Gutenachtkuss der Mutter.

Wenn ich an Lipstick Rose rieche, sehe ich automatisch einen leuchtend roten, cremigen und teuren Lippenstift. Cremig, zartschmelzend, ein Dreigestirn aus (kandiertem) Veilchen, Rose, Iris. Der Rest ist Beiwerk: ein süßlich, pudrig duftendes Creme-Makeup, ein wenig Vanille und der Rest verschwimmt im gedämpften Licht eines gepflegten Boudoirs.

Kein Duft, den ich für mich ausgesucht oder getestet hätte. Ein Glück, dass er mir von einer lieben Parfumista geschenkt wurde, denn mir wäre der ultimative Kosmetikduft entgangen. Gewöhnlich bin ich kein Veilchen-Fan, aber hier wirkt es üppig, samtig, essbar aber ohne erstickende Süße. Ein ultrafemininer Duft, ein modernes Pin Up, aber ohne Allüren wenn man moderat dosiert.

Für meine Begriffe ein sehr hochwertiger Duft, nichts piekst, nichts kratzt, ein behagliches Gefühl von der ersten Sekunde an. Die Haltbarkeit und Sillage sind sehr gut.

L`Air de Rien Miller Harris von Comfycat 2016-12-22

Ein paar erste Kurze Notizen zu L'Air de Rien. Kreiert wurde er für Jane Birkin- die Dame die in Serge Gainsbourgs "Je t'aime... moi non plus" so nervig vor sich hin stöhnt.

-Das war der Grund, warum ich den Duft nicht schon vor 2 Jahren blindbestellt habe.

"Ich wollte im Parfum das Haar meines Bruders riechen, Vaters Pfeifenrauch, polierte Flure und eine Kommode voller leerer Schubladen in einem alten Haus" (J.Birkin)

-Das war der Grund, warum ich nach 2 Jahren den Duft dann doch blind bestellt habe.

Nicht nur Düfte werden reformuliert, Pressetexte auch und so liest man auf der Seite von Miller Harris inzwischen, dass Birkin einen Duft wollte, der an eine Bibliothek erinnert. Auch gut. Bibliothek nehme ich.

Die erste Beschreibung ist aber bedeutend akurater. Die Duftpyramide ist hier noch irreführend, denn zunächst sagt eine kräftige "In your Face" Portion Baummoos Hallo: kantig, fast stechend, herb, grün, modrig, etwas rauchig. Wenn man sich hier nicht abschrecken lässt, kann man eine zitronig-blumige Nerolinote ausmachen, der Dufteindruck ändert sich dadurch in Richtung Costus + Neroli, was einen ziemlich authentischen Haar/Kopfhaut Geruch widergibt. Nicht unebdingt frisch gewaschen, aber auch nicht richtig dreckig, sondern menschlich.
Ambrox und Moschus knüpfen schließlich an, darüber eine recht süße Vanille, was einen plüschigen Teppich unter den rauhbeinigen Auftakt legt. Die Vanille könnte man als Tabak interpretieren, oder als gealterten Buchleim. Was schließlich nach etwa zwei Stunden auf der Haut bleibt ist ein dezent warmer, relativ Ambra-süßer Moschus mit einem Resthauch Barbershop Feeling vom Moos.

Alles in allem, auf den ersten Test ein dramatischerer Auftakt der in Behaglichkeit mündet. Oder auch pubertäre Rebellion, die zwanzig Jahre später dann selbst im Establishment endet. Der Lauf der Welt.

Haltbarkeit & Sillage sind gut. Die Verpackung schlicht- auf die Deko in Form einer Zeichnung im Grundschulstil von Birkin hätte ich jetzt verzichten können, aber sie tut auch nicht weh.

Spirit of Golden Vanilla Spirit von PhoenixNoctulus 2016-12-21

Vollmundige, fast ein wenig puddingartige, mandelig-marzipanige, süß-gourmandige Vanille. Dazu noch eine warm-harzige, balsamische Mischung aus Myrrheharz und Oppoponax. In etwas geringerer Dosierung, darunter: sanft zitrisch-orangige Noten von Orangenblüte und Benzoe. Das macht den Kern von Spirit of Golden Vanilla aus.

Darüber liegt am Anfang noch ein kleiner Fruchtmix aus hauptsächlich Pfirsich und ein wenig Bergamotte und Cassis, außerdem eine üppig-puderige Pfingstrosennote. Diese Phase finde ich aber kaum prägend, der bleibende und sich einprägende Dufteindruck ist defitiv die warme, mandelige, köstliche Mischung aus Vanille, diversen Harzen und ein wenig zitrischer Fruchtigkeit darunter. Ein leckerer und warmer Duft für kältere Tage. Moderate Haltbarkeit und Sillage. Rund 4 Euro für 30ml EdP. Für Vanille-Fans sehr lohnenswert!

Spirit of Sensual Desire Spirit von PhoenixNoctulus 2016-12-21

Spirit of Sensual Desire ist ein ziemlich dicht verwobener Cassis-Weißblüher-Duft auf einer vanilligen, zart holzigen und leicht puderigen Basis. Leider alles ein wenig synthetisch, aber durchaus noch angenehm; für die vorliegende Preisklasse (wir reden von unter 4 Euro für 30ml Eau de Parfum) sogar gar nicht mal übel.

Das Erste, was man wahrnimmt, ist die intensive, prickelige Johannisbeer-Note, die interessanterweise auch die gesamte Zeit lang durchhält. Dazu gesellen sich blumig-frischer Jasmin, Freesie und Orangenblüte, ein frühsommerlicher Weißblüher-Akkord. Im Auftakt lässt sich auch noch, eine kurze Zeit lang, ein wenig würziges Kardamom erriechen. Nach einer Weile scheinen zwischen den Weißblühern und der Cassisnote immer mehr warme, vanillige, gourmandige Noten hindurch: Vanille und leicht mandeliger Heliotrop, ein wenig milchig-cremiges helles Holz, ein Hauch Ambra, darunter noch ein wenig puderiger Moschus. Prägend bleibt aber immer die Cassis-Note des Duftes. Insgesamt erinnert mich Spirit of Sensual Desire dabei ein wenig(!) an Forbidden Affair von Anna Sui, wobei letzterer fruchtiger und auch etwas herber ausfällt, während wir hier deutlich ausgeprägte Noten von weißen Blüten haben.

Sillage und Haltbarkeit sind moderat.

Spirit of Violet Kiss Spirit von PhoenixNoctulus 2016-12-21

Spirit of Violet Kiss ist zwar nur ein Drogerieduft und dementsprechend niedrigpreisig, allerdings durchaus angenehm zu riechen. Leider haben die Duftnoten einen leicht synthetischen Hauch, aber auch nicht in einem Ausmaß, in dem ich es als störend empfinden würde.

Hauptsächlich riecht man hier ein blumiges, wildes Veilchen. Mich persönlich erinnert die Note irgendwie an Veilchenlikör. Daneben riecht man noch ein wenig zarte Orangenblüte und eine süßliche Rosennote. Als Kopfnoten liegen, allerdings nicht allzu lange, darüber verschiedene Fruchtnoten: Relativ viel süß-fruchtiger Pfirsich, eine minimale Menge süße Ananas und etwas frischer, grüner Apfel. Grapefruit rieche ich nicht. Als Basis dienen cremig-milchiges Sandelholz und ein wenig süße, vollmundige Vanille.

Kürzer ausgedrückt: Veilchen (+ ein wenig Rose und Orangenblüte) mit Pfirsich darüber (+ ein wenig Apfel und Ananas) und Sandelholz (+ ein Hauch Vanille) darunter.

Solide gemacht. Etwas statisch (bis auf das Verblassen der Frucht-Kopfnote), aber sehr angenehm. Die Sillage und Haltbarkeit sind moderat. Wer einen kostengünstigen Veilchenduft sucht, kann hier eigentlich nichts verkehrt machen. Insgesamt ein wirklich gelungener Duft, zumal für den Mini-Preis von knapp 4 Euro für 30ml.

Noble Néroli Comptoir Cologne von PhoenixNoctulus 2016-12-21

Noble Neroli lässt sich von den bisherigen Comptoir-Cologne-Düften wohl am einfachsten beschreiben: Ganz viel Neroli (weißblüherartig blumig, und SEHR sauer!), noch immer recht viel Holz (dunkel, waldig, maskulin), dazu etwas Moschus (puderig). Die Neroli-Note mag authentisch wirken, aber mir persönlich ist sie zu extrem, ich vertrage sie leider absolut nicht in ihrer ausgeprägten Säuerlichkeit. Anerkennen muss ich aber, dass der Duft durchaus solide gemacht ist und die einzelnen Noten nicht billig duften, trotz des sehr geringen Preises von nur 5-10 Euro für 100ml. Die Sillage ist moderat, zur Haltbarkeit kann ich leider nichts sagen, da ich den Duft schon deutlich vor seinem Ausklingen wieder abgewaschen hatte.

Bois de Cèdre Comptoir Cologne von PhoenixNoctulus 2016-12-21

Bois de Cedre ist ein herb-krautiger, zitrischer, aber auch ziemlich puderiger Duft. Neben dem namensgebenden Zedernholz rieche ich deutlich krautigen, leicht medizinisch anmutenden, Lavendel. Dazu eine Mixtur aus süßen, sauren und auch ein wenig herben Zitrusnoten. Soweit empfinde ich den Duft schon als sehr stimmig, interessanterweise ist er dann allerdings noch deutlich mit Pudermoschus unterfüttert (und ein wenig Ambra für die Wärme). Ich persönlich empfinde die Puderigkeit für ein klassisches Cologne als relativ ausgeprägt, interessant - und nicht unangenehm!

Ein Kaufkandidat ist Bois de Cedre für mich persönlich zwar nicht (statisch holzig-krautig ist nicht so mein Fall, bzw schon angenehm, aber nicht in dem Ausmaß, dass ich den Duft haben "MUSS"), gelungen finde ich ihn an sich aber durchaus! Ein interessanter, preisgünstiger (ca. 5-10 Euro für 100ml) Herrenduft (den ich auch vom Dufteindruck her tatsächlich als maskulin einordnen würde). Die Haltbarkeit liegt bei ca. 3-4 Stunden, die Sillage ist moderat. Wer einen erfrischenden aber gleichzeitig auch puderigen Lavendel-Holz-Duft mögen könnte, sollte Bois de Cedre auf jeden Fall mal testen, solange er noch zu haben ist!

Mandarine Sanguine Comptoir Cologne von PhoenixNoctulus 2016-12-21

Schön, dass dieses Schätzchen aus dem Drogerie-Segment nun auch in der Datenbank zu finden ist :) Denn auch, wenn es sich bei Mandarine Sanguine um einen sehr niedrigpreisigen (rund 5-10 Euro für 100ml!) Drogerie-Duft handelt, die Qualität ist wirklich erstaunlich, im positiven Sinne.

Hauptsächlich nimmt man Mandarine wahr, einerseits sehr fruchtig und etwas spritzig, andererseits wunderschön herb, deutlich an Bitterorangen erinnernd. Eine Note, die mir sehr gut gefällt und die im Sommer auch angenehm erfrischt. Noch dazu kommen leichte kräuterartige, grüne Noten, außerdem eine angenehm kühle Holznote. Eine moschusartige sanfte Puderigkeit ist auch noch in der Basis vorhanden. Dadurch wirkt der Duft insgesamt nicht zu fruchtig-spritzig, sondern irgendwie klassischer, gediegener.

Zusammengefasst könnte man sagen: Es handelt sich um einen schönen bitter-kräutigerartigen und dennoch zartfruchtigen, leicht puderigen, sanft holzigen Mandarinenduft.

Dem Klischee nach wäre Mandarine Sanguine wohl eher nichts für ganz junge Männer, aber was sagt schon das Alter aus? Dafür finde ich den Duft, trotz seines gemäßigt maskulinen Anklangs, durchaus noch unisex-geeignet. Der Duft ist relativ statisch, aber das stört mich hier nicht weiter. Die Haltbarkeit ist mit etwa 3 Stunden für ein Cologne dieser Preisklasse für mich persönlich in Ordnung, die Sillage ist moderat. Wer ins Herbe gehende Mandarinen-Düfte mag: Testen lohnt sich!

L`Eau Ambree Prada von Lady Smellalot 2016-12-21

Die Werbung ist witzig und passt richtig zum Duft. Das ist so ein Hauch. Man schnuppert ihm immer hinter her, aber er ist sehr flüchtig. Riecht irgendwie dunkel, holzig und ein bisschen süß und auch pudrig. Pudrig aber nicht wie Babypuder, sondern richtig elegant. Wenn er nur besser halten würde.

Angel Thierry Mugler von aidennqueen 2016-12-21

Also, nachdem mir "Alien" so gut gefallen hatte, war ich bei "Angel" auch erwartungsvoll... aber ich muss sagen, leider ist es für meinen Geschmack bisher das ekligste Parfum, das ich je gerochen habe... ich weiß nicht was es ist, das mir zumindest in den Kopf- und Herznoten so extrem stinkt, aber im Endeffekt bleibt mir nur das Fazit... schrecklich, wobei die Grundnote dann erträglich wird. Aber kein Vergleich zu Alien.. das bleibt immer noch eines meiner Favoriten.

Noa Cacharel von Lady Smellalot 2016-12-21

Noa riecht nach Milchkaffee, also wie man ihn in Frankreich trinkt "Cafe au lait" viel Milch und wenig Kaffee. Ein bisschen Seife rieche ich auch. Ein total schöner Duft, so riecht Urlaub: Frisch geduscht im Straßencafe mit dem ersten Cafe au lait de Tages. Hält für einen leichten Duft richtig gut.

Burberry Brit Burberry von Lady Smellalot 2016-12-21

Mandel mit Vanille und ein bisschen Limette, richtig lecker und irgendwie auch leicht für einen süßen Duft. Dafür habe ich immer viele Komplimente bekommen. Hielt bei mir auch ziemlich gut, deutlich länger als 2 Stunden.

Joop! Le Bain Joop! von Lady Smellalot 2016-12-21

Ein Klassiker. Der Zahn der Zeit hat ihm aber doch etwas anhaben können, denn er wurde etwas verändert. Ich finde früher roch er noch üppiger, pudriger und dichter. Für den Winter super geeignet. Erinnert mich an die Füllung von Bratäpfeln, so süß und mandelig mit viel Vanille und Rum. Hält bombastisch und zieht eine ziemliche Duftspur hinter sich her. Viel Duft, für wenig Geld.

Clean Skin Demeter Fragrance von PhoenixNoctulus 2016-12-20

Ich weiß nicht, was meine Nase mir hier vormacht, aber Pfirsich kann ich nur in geringem Ausmaß wahrnehmen. Dafür rieche ich, neben einer großzügigen Dosierung von Zitrusnoten (hauptsächlich Zitrone, ein wenig Bergamotte) und sanfter, luftiger Vanille, deutlich eine frische, zarte Rose - und Jasmin. Ich könnte schwören, Jasmin wahrzunehmen, wie er durch die frühsommerliche Abendluft weht. Sehr deutlich sogar. Dazu kommt, wie gesagt, nur eine gering dosierte, zarte Fruchtigkeit von Pfirsich (und einem Hauch saftiger Orangen).

Aber auch so ist Clean Skin ein zarter, hautnaher, unaufdringlicher Duft. Für mich nicht unbedingt ein "typischer" Hautduft (wie gesagt, der Pfirsich "fehlt" für meine Nase), eher ein zartes Blüten-Zitrus-Vanille-Wässerchen. Unauffällig, aber doch einen angenehm zartblumigen Schleier hinterlassend.

Die Sillage ist wirklich sanft, die Haltbarkeit liegt aber durchaus bei bis zu 5 Stunden.

Baby Powder Demeter Fragrance von PhoenixNoctulus 2016-12-20

Sehr(!) süßer Babypuder. "Sehr amerikanisch", kommt auch mir da in den Sinn. Neben dem typischen Puderaroma (Moschus und Veilchenblatt oder Iriswurzel?) rieche ich Unmengen vanilligen Heliotrop, Tonkabohne (mein Freund assoziiert einen Hauch Waldmeister - ich denke, das ist das Coumarin, das man hier sehr deutlich riecht), süße Mandeln, richtig marzipanig. Vielleicht auch ein wenig Honig. Aber nicht cremig oder klebrig, sondern ziemlich trocken. Außerdem rieche ich noch etwas Blumigkeit, ich würde auf Jasmin tippen. Vielleicht auch noch einen winzigen fruchtigen Hauch von Pfirsich. Ein wenig muss ich auch an rosa Zuckerwatte denken.

Die Sillage finde ich anfangs ziemlich intensiv, mit der Zeit wird sie etwa moderat. Dann wandelt auch der Duft sich etwas, er wird irgendwie wachsartig. Ich muss an Bienenwachskerzen denken. Das ist nicht zum Nachteil des Duftes, die Süße nimmt damit letztendlich auch ein wenig ab. Die Haltbarkeit insgesamt liegt bei etwa 5-6 Stunden.

Ich denke, manche Menschen werden diesen Duft lieben, manche werden ihn verabscheuen. Die Süße ist schon für einen Puderduft sehr ausgeprägt, außerdem ist die Duftintensität schon ziemlich heftig, was ich beim Namen "Baby Powder" eigentlich eher nicht erwartet hätte (da hätte ich eher an einen leichten, frischeren, auch zarteren Puderduft gedacht). Ich persönlich finde Baby Powder aber durchaus tragbar (und dann auch angenehm), wenn man ihn sparsam dosiert. Eine Abneigung gegen Heliotrop und Marzipan sollte man allerdings nicht haben.

Giardini Toscani - Prato Dei Baci Bottega Verde von PhoenixNoctulus 2016-12-20

Prato dei Baci wird, so habe ich es gelesen, durchaus auch mal mit Guerlains Herba Fresca verglichen. Das gleich zum Anfang: Nein, ich sehe da wenig Ähnlichkeit. Zwar hat auch Prato dei Baci einen "Wiesenkräuter"-Touch und ist relativ frisch und grün, aber insgesamt weicht er doch deutlich vom (auch sehr teelastigen) Guerlain-Duft ab.

Ich rieche bei Prato dei Baci saure, aber auch fruchtige Zitrone mit gleich stark dosiertem Nadelgehölz-Grün, hauptsächlich Kiefer und Zypresse. Dazu kommt auch waldiges, dunkles Holz, das aus den Baumnadeln olfaktorisch einen richtigen Nadelbaumhain macht. Darunter scheint sich eine Wiese zu befinden, auf der diverse Wildräuter wachsen. Minze? Nehme ich nur einen Hauch weit wahr. Genauso leichte Puderigkeit von Veilchenblatt und Moschus; ein Hauch Ambra zum Aufwärmen und - das allerdings doch wieder etwas markanter - eine süßlich-würzige Ledernote, die mich ein wenig an einen sonnenbeschienenen sandig-erdigen Waldweg denken lässt.

Insgesamt hat Prato dei Baci eine Wald-Atmosphäre, auch wenn es nicht der erdig-dunkle, typische nordeuropäische Wald ist, sondern auf jeden Fall ein wärmeres, mediterranes Wäldchen. Und Zitronenbäume scheinen auch in der Umgebung zu wachsen. Insgesamt ist der Eindruck eher sommerlich-sonnig und sanft-luftig. Der Duft erscheint mir sehr authentisch, alle Noten wirken ziemlich natürlich.

Die Sillage von Prato dei Baci ist moderat, ebenso die Haltbarkeit. Sie liegt bei etwa 5-6 Stunden.

Taif Al-Rehab von PhoenixNoctulus 2016-12-20

Laut Al-Rehab: Pure Taif-Rose. Ob nicht noch cremiges, helles Sandelholz im Hintergrund zu riechen ist, oder ob es sich dabei um eine der vielen Facetten dieser Rosenart handelt, weiß ich nicht so genau. Ich nehme allerdings auf einem sandelholzartigen Fundament eine immer wieder changierende Rose wahr: Mal puderig, mal süßlich, mal enorm säuerlich, mal sogar leicht essigartig (ich hatte vorher schon Düfte, die Taif-Rose beinhalten, aber nie war einer so klar und unverschnörkelt wie dieser hier - möglicherweise rieche ich die essigartige Note daher jetzt zum 1. Mal, nun erklärt sich auch, wieso die Taif-Rose mit den Essigrosen verwandt ist, und dass diese ihren Namen wohl nicht zu Unrecht tragen). Manchmal kommt eine cremig-milchige, fast schon sahnige, Note hervor. Sandel oder Taif-Rose? Auf jeden Fall riecht man diese Note deutlich und sie fügt sich so harmonisch mit dem "Rosigen" zusammen, dass ich immer wieder an meinem Handgelenk schnuppern muss. Wirklich außergewöhnlich! Und der Duft wirkt dabei auf jeden Fall auch sehr natürlich, ob es sich nun wirklich um natürliche Inhaltsstoffe handelt oder nicht.

Unglaublich ist auch die Strahlkraft dieses Duftes. Obwohl nur sehr gering dosiert (ein Tupfer), scheint der Duft den gesamten Raum zu füllen und auch Stunden später immerhin noch um mich herum zu sillagieren, wie ein feiner Nebel. Auch die Haltbarkeit ist überdurchschnittlich und erreicht bis zu 11 Stunden.

Ob der Duft gefällt? Ich gebe es zu, manchmal zog er mir zu heftig in die Nase, nahezu Kopfschmerz induzierend. Mal kam mir etwas zu viel Essig hindurch, mal schien der Duft zu sauer. Aber er changiert immer hin und her, und die puderigen und milchigen Facetten (die mit der Zeit noch deutlicher werden, während das Säuerliche abnimmt) sind unglaublich schön. Ich denke, noch etwas vorsichtiger dosiert könnte zumindest die Kopfschmerzgefahr vermieden werden, vielleicht sollte ich den Duft auch an einer Stelle auftragen, an der ich nicht immer in Verführung gerate (und die Gefahr besteht sehr deutlich!), kräftig zu inhalieren ;)

Insgesamt dürfte es ein interessanter Test nicht nur für eingeschworene Rosenfans sein, sich diesen Duft mal vorzunehmen. Ziemlich kostengünstig ist er auch; 3ml Parfüm-Öl erhält man für unter 5 Euro, es gibt auch eine verdünnte Variante auf Alkoholbasis für unter 10 Euro je 35ml-Flacon.

Übrigens glaube ich, dass man (Frevel, Frevel! ;) ) diesen Duft sehr gut mit tieferen vanilligen oder mit harzigen Noten layern könnte, vielleicht sogar mit dunklen, holzigen. Zumindest stelle ich es mir passend vor, mit diesem Taifrosen-Duft einen an sich angenehmen, aber etwas monotonen Duft um eine Facette zu ergänzen.

Madeleine Essenzialmente Laura von aquaria 2016-12-20

Sommersonnelindenblütenluft.
„Madeleine“ empfinde ich als verträumt weichen, freundlichen, hellen und luftig-süßen Duft. Ich sehe die einzelnen Duftnoten ineinander verlaufen wie in einem Aquarell in pastelligen Sommerfarben.
Der Duft startet mit milden, runden Zitrusnoten von reifen Orangen und Mandarinen, in die sich rasch die Weichheit und Süße von Lindenblüten mischen. Hier finde ich eine der weichsten und luftigsten Lindenblüteninterpretation, die ich bisher gerochen habe. Da ist nichts Übersüßes und nichts Klebriges. Keine herben oder pelzigen, grün-„kratzigen“ Anteile der Lindenblüten und auch nichts Überwarmes, das mich sonst schnell an lauwarmen Lindenblütentee denken lässt.
Dieser Duft erzeugt den naturalistischen Eindruck eines Spaziergangs unter blühenden Lindenbäumen. Unterstützt wird dieser zunächst frühlingshafte Eindruck durch frische, zarte Frühlingsblumen. Laura Tonatto beschreibt die Duftmelange als Spaziergang unter blühenden Linden zwischen Glockenblumen, Anemonen und Veilchen. Ich glaube, dieses Bild hier auch tatsächlich zu riechen.
"Madeleine" entwickelt sich gemächlich zu einer sanften, weichen Sommerbrise, die den frisch-süßen Duft von Lindenblüten heranweht. Und das alles auf einer fluffig-cremigen, hellen, süßen Moschuscreme, die, je näher zur Basis, desto deutlicher den Duft trägt. Ein hauchfeiner Klecks Honig versüßt den cremigen, molligen Moschus.
Der Duft leuchtet mild sonnig und luftig warm, bleibt aber bis zum Schluss auf der unbeschwerten, zart-frischen Seite.
"Madeleine" weckt in mir Erinnerungen an Sommertage in meiner Kindheit, an offene Fenster und naturbelassene Blumenwiesen, wie es sie heute kaum mehr zu finden gibt, und an den Duft der zwei riesigen Lindenbäume in unmittelbarer Nähe, die ein kleines Marterl schützten.
Habe ihn mir, nachdem ich eine ganze 8ml-Probe förmlich inhaliert habe, in großer Größe bestellt.

Kismet Essenzialmente Laura von aquaria 2016-12-20

Ein ähnlicher Charakter, dieselbe Melange aus Ambra und Opoponax wie im „Oppoponax“ von Les Nereides, der im Vergleich dazu allerdings dunkel-harziger wirkt. Den „Kismet“ empfinde ich durch die vernehmbare Vanille um einige Grade heller und süßer.
„Kismet“ ist ein Zusammenspiel leicht seifiger und würziger Myrrhe mit balsamisch süßer Myrrhe, also Opoponax – das ich auch als Hauptnote in diesem Duft rieche. Zusätzlich eingehüllt ist es in goldbraunes, süßes, aber luftiges Ambra und begleitet wird es von fluffig pudriger Vanille, die hier nicht gourmandig auftritt, sondern als zusätzlicher Weichzeichner und durch ihre Pudrigkeit auch als Auffrischer fungieren dürfte.
Im Auftakt regiert eine seifig-saubere und würzige Myrrhe, kombiniert mit ein paar blumigen Facetten, die für mich nur schwach vernehmlich sind, aber behagliche Wärme und Würze mitbringen. Ich denke an eine würzige Gartennelke oder eine würzige Rose, die sich in den ständig wärmer werdenden Opoponax-Duft einfügen.
Ab dem Mittelteil bietet „Kismet“ balsamische, behaglich einhüllendeTiefenwärme. Ich rieche etwa 10% würzige, saubere Myrrhe, die restlichen 90% sind süße Myrrhe und süßes Ambra. Der Duft wirkt goldbraun, erzeugt für mich den Eindruck von golden glänzendem, schmelzendem, hochwertigem Myrrhebalsam.
Wie beim Les Nereides empfinde ich auch diesen Duft als leuchtendes, warmes Licht, denke an warme Herbstsonne.

Grand Soir Maison Francis Kurkdjian von aquaria 2016-12-19

„Grand Soir“ empfinde ich als sehr homogenen Duft, aufgebaut um vornehmlich Ambra, Benzoeharz und orientalische Gewürze, charakterisiert von der für Kurkdjian typischen transparenten Art der Komposition. Die ist zwar luftig-transparent, aber mit ihrer alles einhüllenden Tiefenwärme auch sehr präsent und ausdrucksstark, und lang anhaltend.
Der Duft eröffnet an mir mit einer ungewöhnlichen Kombination aus leicht ledrigem, etwas „schmutzigem“ Labdanum und einer subtil wahrnehmbaren, süß-fruchtigen Note, die sich wie eine Mischung getrockneter, kandierter Orangenscheiben mit leicht herber Bitterorange anfühlt. Dazu glaube ich in der Anfangsphase noch einen Touch trockener, heuartiger Kräuter zu erschnuppern. Fast zeitgleich gesellt sich Benzoeharz dazu, luftig, rauchig, sehr kräftig.
In der ersten halben Stunde tendiert der Duft für meinen Geschmack eher in die maskuline Richtung, hat etwas Fougere-Artiges und gleichzeitig sehr schweres, orientalisch Warmes, das für mich einen ähnlichen Dufteindruck wie die tiefgehende, würzige Wärme von Kumarin erzeugt. Genau zum Zeitpunkt, wenn mir der Duft zu warm bis beinahe schwitzig zu werden droht, holen eine trockene Vanille, eine trocken-erdige Tonkabohne und das immer deutlicher in den Vordergrund tretende Benzoeharz den Duft zurück auf die Erde.
„Grand Soir“ entwickelt sich im weiteren Drydown zu einem sehr süßen, kräftigen Ambra- und Harzduft, dessen Süße auf mich allerdings nicht gourmandig wirkt, sondern würzig-warm und dunkel.
In vielen Reviews habe ich den Duft als gefälligen, glatten Ambra-Vanille-Schmeichler ohne Ecken und Kanten beschrieben gefunden. Für mich zeigt er sich allerdings doch mit Ecken und Kanten. Da ist etwas Dunkles und leicht Herbes, das sich beharrlich aus dem Dufthintergrund bemerkbar macht. Warm-holzig und relativ schwer. Für mich riecht diese Begleitnote sowohl herb-krautig als auch nach warmem und zedrigem Ambroxan.
Es ist Kurkdjians Handschrift, die Düfte mit einer lebendigen, leuchtenden Transparenz zu versehen. Die vermittelt mir der Duft auch in der Duftprojektion. Aber hinter dieser schwebenden Leichtigkeit verbirgt sich diese auf mich maskulin wirkende „Schwere“. Während des Tragens nur als Fülle gebendes Trägermaterial zu merken, nach dem Abwaschen allerdings merke ich deutlich eine kräftige Zedernholznote.
„Grand Soir“ gehört für mich in eine Kategorie mit Düften wie dem „Coromandel“, ist für meine Nase aber eine leichtere und beschwingtere Variante.
Der Duft ist unisex, geht für meinen Geschmack sogar mehr in die maskuline Richtung. Süß, aber nicht kuschlig, sondern mit einer gewissen holzigen „Ernsthaftigkeit“ und herb-würzigen/krautigen Schwere.

Patchouli M. Micallef von aquaria 2016-12-19

Dies ist die sanfteste, mildeste Patchouli-Interpretation, die ich bisher kennen lernte. Nach etwas muffig-alkoholischem Auftakt entwickelt sich der Duft rasch zu einer sehr warmen, sehr runden und relativ leisen Mischung aus Patchouli mit viel süßem Ambra und je einem Hauch Benzoeharz und Vanille.
Mir persönlich ist der Duft zu harmlos. Andererseits enthält er genug Patchouli, um als Patchouli-Duft durchzugehen, es ist nur dicht eingepackt in fluffige und süße Weichheit. Während des Tragens ging mir ein paar mal der Gedanke durch den Kopf, dies wäre der richtige Patchouli-Duft für Menschen, die auf political correctness großen Wert legen, die nicht auffallen und niemanden belästigen wollen.
Der Duft hat Klasse und erzeugt mit seiner Zurückhaltung einen Eindruck nach elegantem Understatement. Im Vergeleich zu anderen, würzigeren, kräftigeren Patchouli-Düften, die ich kenne, (etwas dem „Psychedelique“, dem „Patchouli Noir“ und ähnlichen Düften, die das Patchouli in den Vordergrund stellen) wirkt dieser Duft zu schüchtern, zu leise und irgendwie zu unbestimmt, als wäre es Absicht des Parfümeurs gewesen, das Patchouli möglichst unauffällig einzuarbeiten.
Was ich trage, ist die erste Stunde ein weicher Ambra-Vanille-Benzoeharz-Schmeichler mit Patchouli, zu dem sich ab dem Mittelteil noch eine große Portion plüschig-samtiger, dichter, cremiger Moschus gesellt, bis der Duft auf mich so fein und weich wie zartes Wildleder wirkt, das mit erdigem, samtigem Patchouli imprägniert wurde. Dicht und untrennbar eingebettet ist dieses Patchouli aber in einer ebenso großen Dosis süßen Ambras, einem Klecks heller, süßer Creme-Vanille und überzogen mit einem Hauch balsamischen Benzoeharzes.
Ruhig, getragen, fließend, sanft balsamisch, süß, aber nicht unangenehm süß, elegant und hochwertig, aber mir auch zu zurückhaltend, ständig bemüht, nicht anzuecken oder nur ja keine Nase mit zu kräftigen Duftnoten zu belästigen, das beschreibt diesen Duft am besten für mich.

Reveal Calvin Klein von PhoenixNoctulus 2016-12-18

Offiziell wird der Duft sinngemäß als (ich übersetze es mal aus dem mir vorliegenden, englischsprachigen Umschlag-Textchen der Probe, die ich hier habe) "moderner Orientale mit solaren Noten, luxuriös floral und holzig-gourmandig" beschrieben.

In der Praxis rieche ich nur eine starke Dosierung von Cashmeran (auch leicht ins Vanillige gehend), dazu noch eine moderate Menge warmen und leicht würzigen Grauamber, helles cremiges Sandelholz und süßlich-grasigen Vetiver, und erstaunlich viel (Meer)Salz, jedenfalls ist auch eine gewisse maritime Note dabei. Oben drauf noch ein wenig würzigen Pfeffer-Mix, im Hintergrund möglicherweise noch ein wenig Pudermoschus, auch ein wenig Iris (puderig-floral) ist noch vorhanden. Ich glaube, im Herzen auch noch etwas süßen und leicht indolischen Jasmin wahrzunehmen, auch, wenn dieser offiziell nicht aufgeführt wird.

Den Gesamteindruck könnte man wohl in Kürze als "Cashmeran mit Blumigkeit, Pfeffer und Salz" beschreiben. Die "solaren Noten" aus der Beschreibung sind wohl der Cashmeran, die "Moderne" finde ich in der ungewöhnlichen Salzigkeit wieder. Und in dem synthetischen Einschlag, den die Noten leider alle haben, der für mich aber bei einem CK-Duft auch nicht unerwartet kam.

Sillage und Haltbarkeit sind moderat.

Insgesamt macht der Duft keinen besonders schlechten Eindruck, er riecht durchaus angenehm; der starke Fokus auf Cashmeran (mit wenigen supporting notes, die selbst aber kaum auffallen; das Cashmeran kommt mir sogar etwas überdosiert vor, alles versinkt darin so ziemlich) und die Tatsache, dass dieser Duft sich mit der Zeit auch nicht verändert, macht ihn mir allerdings persönlich doch ein wenig zu monoton.

CK IN2U for Her Calvin Klein von Jupitaria 2016-12-18

Seit Jahren mein absoluter Lieblingsduft. Perfekt für den Alltag und alle Jahreszeiten. Dieser Duft vermittelt eine verspielte Unkompliziertheit ohne dabei zu girlyhaft zu sein. Er ist süß ohne dabei schwer zu sein, frisch ohne dabei kühl zu sein.

Les Naturelles: Patchouli Fragonard von PhoenixNoctulus 2016-12-17

Hier rieche ich neben dem, als Namensgeber sehr intensiv dosierten, Patchouli (waldig, holzig, erdig, aber gleichzeitig auch etwas warm-balsamisch), sehr viel würzigen Kümmel und auch eine sehr deutliche Tonkabohnen-Note, die allerdings leider nicht allzu sehr ins Marzipanig-Mandelige geht, sondern eher eine leichte, etwas vanillige Wärme und Süße beisteuert. Puderiger Moschus ist auch noch ziemlich viel dabei, als Basis zudem kühles, aber auch nicht zu maskulines, Zedernholz. Mit hinein spielen, als kleine Nuancen, etwas säuerliche Rose, ein wenig Ingwer und ein paar Zitrusnoten, die frisch und leicht herb wirken. Der Gesamteindruck des Duftes ergibt sich allerdings aus Patschuli, Kümmel und Tonka (und mit ein wenig Abstand Moschus).

Der Duft ist relativ statisch. Die Haltbarkeit ist erfreulich gut, mit etwa 9 bis 10 Stunden, die Sillage moderat.

Fragonards Patchouli würde ich als eher maskulin, aber durchaus noch unisex-tauglich bezeichnen. Insgesamt gefällt er mir wirklich gut, da habe ich schon deutlich weniger gelungene (und auch weniger interessante) Patschuli-Düfte zu einem höheren Preis getestet. Apropos Preis: Was diesen betrifft, ist Fragonards Patschuli-Duft auch sehr günstig, mit 25 Euro für 100ml.

Nude Rihanna von PhoenixNoctulus 2016-12-17

Nude von Rihanna gewinnt, zugegeben, nicht unbedingt einen Originalitätspreis. Außerdem, das vorweg, wirken die Fruchtnoten etwas synthetisch. Für einen sehr kostengünstigen Promi-Duft hat mich Nude allerdings dennoch positiv überrascht.

Am deutlichsten rieche ich Guave. Saftig, süß, gleichzeitig aber auch leicht säuerlich, authentisches Guavenaroma eben. Vermengt wird die Guavennote mit angenehm cremiger Orchidee und leicht aquatischer, aber dennoch fruchtig-süßer Birne. Dabei sind Guave und Orchidee am stärksten gewichtet, die Birne folgt ihnen mit geringem (aber wahrnehmbarem) Abstand nach. Als Kopfnote ist eine Weile auch noch fruchtig-sommerliche Orange wahrzunehmen, diese Note verfliegt aber recht schnell.

Mit der Zeit tauchen auch noch ein paar weitere blumige Noten auf: Etwas Gardenie, Jasmin, ein winziger Hauch Orangenblüte. Ein nicht sehr auffälliger Frühsommerblumen-Akkord, den es im Mainstream-Bereich sehr oft gibt. Und die Basis ist ebenso ein Klassiker: Helles Sandelholz und leicht puderiger Moschus. Keine tiefen, dunklen oder balsamischen Noten, dadurch bleibt Nude durchgehend eher frisch, luftig und leicht. Aber das ist für einen Frühlings- und Sommerduft auch nicht verkehrt. An wärmeren Herbsttagen mag er auch noch gut funktionieren, für den Winter ist er hingegen vermutlich deutlich zu leicht.

Die Haltbarkeit und Sillage sind moderat.

Wer sich vorstellt, dass er/sie einen kostengünstigen (30ml kosten unter 20 Euro), unauffälligen Obst-mit-Blumen-Damenduft auf leichter, heller Basis, allerdings mit deutlicher Gewichtung auf Guave und Orchidee, mögen könnte, kann bei diesem Duft eigentlich nichts falsch machen.

La Petite Robe Noire Intense Guerlain von PhoenixNoctulus 2016-12-17

...und noch ein LPRN-Flanker ;) Wobei dieser bis auf das "Grundkonzept" Patchouli + Frucht nicht sonderlich viel mit den anderen La-Petite-Robe-Noire-Versionen zu tun hat. Eine Ähnlichkeit im Charakter mag durchaus noch vorhanden sein, aber abgesehen davon unterscheidet sich LRPN Intense schon sehr von den Vorgängern.

Die typische Kirschnote auf Rauchteebasis, die beim Original den Großteil des Eindrucks ausmacht, fehlt hier komplett. Stattdessen besteht der Duft hauptsächlich aus süßen, saftigen, fruchtigen Blaubeeren (dazu ein wenig süßlich-säuerliche Johannisbeere und Himbeere, zu Beginn auch noch ein wenig herbe Bergamotte on top - alles sehr natürlich duftend), vermengt mit einer Note, die ich persönlich als stark gezuckerte süße Schlagsahne beschrieben hätte (offiziell ist "Zuckerwatte" angegeben, aber die Note hat auf jeden Fall auch einen sahnigen Aspekt). Dazu noch weitere süße Vanille.

Mit der Zeit kommt noch eine deutliche wässerige Jasmin-Note hinzu, noch ein bisschen säuerliche Rose (minimal), ein wenig Orangenblüte (ebenfalls nur schwach, aber schon noch zweifelsfrei wahrnehmbar), als Basis neben balsamisch-warmem Patschuli auch noch eine moderate Menge puderiger Moschus und eine ganz sanfte, helle und cremige Sandelholznote.

Glückskind hatte es deutlich kürzer gefasst: Blaubeere, Patchouli und Zuckerwatte auf Shalimar Souffle. Das kommt für meine Nase in Kurzform auch so ziemlich hin. Wieso der Duft nun "La Petite Robe Noire Intense" heißt, weiß nur Guerlains Marketing-Abteilung... Ich persönlich hätte bei der Benennung das Fehlen der Kirsch-, Tee- und Rauchnoten des Originals deutlicher ausgedrückt ("La Petite Robe Myrtille" oder sowas ;) ) - oder erst gar keinen Flanker, sondern einen eigenständigen Duft daraus gemacht. Aber Flanker verkaufen sich offenbar besser? Dasselbe Thema hatten wir ja auch schon bei Shalimar Parfum Initial einmal durch.

Übrigens trägt LPRN Intense auch noch den Beinamen "Ma Robe Sous Le Vent", also in etwa "Mein Kleid im Wind", was mich eher einen luftig-leichten, frühlingshaften, vielleicht blumigen, Duft erwarten ließe. Eine "Intense"-Version eines ohnehin etwas schwereren Duftes wäre so ziemlich das Letzte, was ich bei dem Namen erwarte. Wobei "Intense", interessanterweise bei diesem Duft durchaus stimmt: Die Sillage ist intensiv, die Haltbarkeit liegt bei nahezu 11 bis 12 Stunden, ist also wirklich enorm. Was mich durchaus faszinierte, da ich - leider - beim originalen LPRN immer das Problem hatte, dass der Duft innerhalb kürzester Zeit (zumindest für meine Nase) entschwunden war.

Bei La Petite Robe Noire Intense handelt es sich also nicht um eine einfach nur intensivere Version des originalen Duftes, sondern um einen süßen Blaubeer-Schlagsahne-Vanille-Patschuli-Duft. Wer etwas facettenreichere Blaubeerdüfte mag, könnte diesen Duft mal testen.

Joop! Le Bain Joop! von Chaja 2016-12-17

Kopfnote: Chinesische Lychee, Bergamotte, Pflaume, Orangenblüte, Magnolien
Herznote: Maiglöckchen, Rose, Jasmin
Basisnote: Amber, Vanille, Sandelholz, Heliotrop, Tonka

kann das mal jemand korrigieren

Akowa M. Micallef von aquaria 2016-12-17

Ein merkwürdiger Auftakt, aber ein wunderschöner. Eine Raureiflandschaft, grünes Vetivergras, überzogen mit eiskalten, trockenen Bergamott-„Tröpfchen“, alles erstarrt unter einer dünnen Schicht Raureif. Der Duft wirkt brüchig und fragil, als könnte das Vetivergras bei jeder Berührung abbrechen.
Knackig, kristallklar, ein kalter und extra frischer zitrischer und grasgrüner Auftakt, aber, wie gesagt, gedämpft und wie durch eine kühle Eisschicht betrachtet. Ich sehe eine endlos weite, zu Raureif erstarrte Steppenlandschaft am frühen Morgen vor mir, über die ein eiskalter Windhauch weht. Der Duft hat anfangs etwas Ozonisches, Frisches, einen Unterton von kühlem, reinem Sauerstoff.
Und dennoch entwickelt sich „Akowa“ zu keinem kalten Duft. Rasch schleicht sich ein unbestimmter, aromatisch süßer Unterton ein, der einen Hauch von Wärme und Leben in den Duft bringt. Das müssen wohl die Orangenblüten sein, die den Duft zum Leuchten bringen, auch wenn ich sie nicht sehr deutlich heraus rieche. Die Sonne ist am Horizont aufgegangen. Die Eiskristalle beginnen langsam dahinzuschmelzen und geben nun die Aromen der Gräser und Erde, die über Nacht im Eis gefangen waren, frei.
Nach ca. einer halben Stunde und bis zum Schluss gestaltet sich der Drydown des „Akowa“ zitrisch frisch durch grünes Vetiver und Bergamotte, gleichzeitig vernehme ich leicht krautiges und erdiges, sehr trockenes und rauchiges Vetiver. Wenn ich im Mittelteil direkt an der Haut schnuppere, riecht „Akowa“ wie kalte Weihrauchtropfen, das erhärtete Harz, wie es vor dem Räuchern duftet. Leicht zitrischer, frischer, kristallisierter, trockener Weihrauch. Es ist allerdings kein Weihrauch im Duft enthalten (oder vielleicht doch?). Es muss die Kombination aus herber, beinahe „beißender“, aber trockener Bergamotte, eigentlich eine Art getrocknetes Bergamott-„Mark“, aus frisch grünem und holzig-krautigem, sehr rauchigem Vetiver und aus einer kleinen Prise extra-dunklem, herbem Kakao sein, die mich an diese Ahnung von Weihrauch denken lässt. Die Kakaonote in diesem Duft erinnert mich zu keinem Zeitpunkt an Schokolade. Ich nehme sie nur vage als dunkles, sehr trockenes, phasenweise sogar staubiges, und leicht herbes Aroma wahr.
„Akowa“ entwickelt sich immer deutlicher (für meine Nase zumindest) zu einem maskulinen Vetiver-Duft. Die anfängliche, atemberaubende Frische schwächt sich im Verlauf merklich ab, bleibt aber im Hintergrund doch bis zum Schluss enthalten. Warmer Moschus kommt dazu und mischt sich kräftig unter das Vetiver, was für mich den Dufteindruck etwas „dumpf“ und zu weich macht.
Der Duft endet an mir als mild-grüner, dunkelwarmer und angenehm schwerer Mantel aus erdigem, wurzeligem Vetiver und sehr warmem, leicht animalischem Moschus.

This is Her Zadig & Voltaire von aquaria 2016-12-17

Thierry Gillier nennt Voltaire, den französischen Schriftsteller und Wegbereiter der französischen Revolution, als seine persönliche Inspirationsquelle. Seine Bewunderung bringt er mit dem gewählten Markennamen zum Ausdruck, der nicht nur auf Voltaire, sondern auch auf den Protagonisten eines seiner Werke, „Zadig oder das Schicksal“, verweist. Zadig, ein charismatischer, tapferer und modern denkender Abenteurer, soll sinnbildlich auch für die zwei lancierten Düfte stehen.
„This is Her“ ist für meine Nase auch tatsächlich ein moderner, ein zeitgeistiger Duft, in der ungewöhnlichen Kombination aus sich kontrastierenden Duftnoten auch ein mutiger, verwegener Duft.
Das ist aber auch genau der Grund, warum ich mit diesem Duft nicht kann. An meiner Haut bekämpfen sich die unterschiedlichen Duftrichtungen. Da ist eine opulente, dichte, für mich drückende Süße im Auftakt. Ein Akkord, der mich an karamellisierte, rote Früchte erinnert, begleitet bzw. eingebettet in eine warm-milchige Umgebung, die zwar an milchiges Sandelholz erinnert, an mir aber zu Kautschuk oder Milch in Plastikschläuchen wird. Ich nehme an, dieser Ton nach leicht verbranntem „Milch-Gummi“ ist der Kombination von Sandelholz mit überwarmem Kaschmir, leicht „schwitzigem“ rosa Pfeffer, sehr warmem Jasmin und unbestimmten, synthetischen, ziemlich dunklen Holznoten zuzuschreiben.
Die Mischung aus sehr süß und kratzig-synthetisch holzig zieht sich an mir bis zum Schluss durch und wird zu keiner Einheit, sondern bietet mir eine „dumpf“ drückende, sehr holzige Duftprojektion, während der Duft an der Haut opulent süß, bei uns in Österreich sagt man dazu pampig süß, und künstlich vanillig wirkt. Jasmin merke ich in dieser Mischung nur sehr wenig; ich merke eher eine leicht klebrige und sehr warme Süße (Kastanie? Vielleicht. Ich rieche sie nicht extra heraus).
Ich empfinde den Duft fast durchgehend als mehr maskulin als feminin. Kaschmir ist sowieso eine Duftnote, die ich wegen ihrer für mich meist drückenden, überwarmen, holzigen Dichte zu meiden versuche. Hier verstärkt sich der warm-holzige Eindruck noch zusätzlich durch andere starke und kratzige Holztöne.
Ich denke, die Modernität des Duftes liegt in der hier vorherrschenden Synthetik, die -so mein Eindruck- ganz bewusst so deutlich merkbar eingesetzt wurde. Sandelholz, Vanille, rosa Pfeffer, Kaschmir sowieso, das alles empfinde ich in diesem Duft als sehr künstlich und chemisch und, ja, mir fällt kein besseres Wort ein, als kratzig.
Dennoch: Wer mit Kaschmir und Holz gut kann, der könnte hier einen völlig anderen Eindruck kriegen, wenn diese Noten mit den sahnig-warmen und vanilligen zu einer Einheit verschmelzen. Bei mir passiert’s halt leider nicht.

Les 4 Saisons: Automne M. Micallef von aquaria 2016-12-17

„Automne“ riecht wirklich wie Herbst. Kurz beschrieben, liefert mir der Duft über weite Strecken ein Bild von dunkelgrünen, aromatischen, trockenen Farnblättern, locker zu einem kleinen Schüsselchen geflochten, aus der leicht rauchige Duftfäden aus zerstampften, dunkelroten Beeren steigen, hauptsächlich herbe und leicht dunkelfruchtig-aromatische Beeren, aber auch ein paar süßere Vertreter.
Eine anfänglich noch helle, ich würde fast sagen „Micallef-typische“ Fruchtigkeit verwandelt sich innerhalb der ersten 15 Minuten in diesen schattigen Waldbeerenduft. Zuerst nehme ich waldigen Farnduft und aromatischen Koniferenduft wahr, der sich unter die Fruchtigkeit legt, nur kurz später erhält „Automne“ auch noch ein erdiges und moosiges Element, und schließlich eine leise mitschwingende, milde und luftig-würzige Aura, die mich an den schwachen Duft von trockenem Laub erinnert. Nicht das modrige Aroma von nassem, auf dem Boden liegenden Laub, sondern der Geruch von gelben Blättern, die im frischen Herbstwind vom Baum fallen.
„Automne“ ist in den ersten paar Stunden ein dunkler Duft, aber kein unfreundlicher. Die Herbstbeeren lassen mich an herbe Cranberries und ein paar dunkle Johannisbeeren denken, aber auch eine gewisse Süße, die von Himbeeren stammen könnte, schwingt als Unterton ständig mit. Würzige Herbstluft mit dem Duft nach buntem Laub, in Form von Safran und Muskat, eine milde Herbstsonne, die Wärme in Form von Kümmel und einer sehr schwach dosierten Vanille abgibt, und über allem diese Mischung aus dunkelgrüner Aromatik nach Farnen und schattigem Waldboden (Patchouli) mit den dunkelroten, herb-süßen Beeren.
Erst nach 4-5 Stunden verändert sich der Duft merklich, wird milder und wärmer. Es ist, als wäre ich vom Ausflug in den Wald in meine warme Wohnung zurückgekehrt und eine Vanilleduftkerze neben einer mit rotem Beerenaroma angezündet. Gleichzeitig läuft Badewasser in die Wanne und verbreitet den warmen Duft nach Farnen und Kiefernnadeln in der Wohnung. Der Duft ist im letzten Drittel also hauptsächlich warm-würzig und deutlicher warm-vanillig als zuvor. Der aromatische Wald-, Farn- und Nadelcharakter ist aber nach wie vor deutlich zu riechen, während die Beeren leiser geworden sind und nur noch schwach fruchtig aus dem Hintergrund leuchten.
Mir gefällt diese Interpretation von Herbst in Duftform ungemein gut. Als Parfüm tragen möchte ich den Duft aber dennoch nicht; dafür ist er mir im Mittelteil über einige Stunden etwas zu beerig-fruchtig und phasenweise auch etwas zu schattig dunkelgrün.

Violet Bottega Verde von PhoenixNoctulus 2016-12-16

Violetta ist, ganz kurz gefasst, eine wunderschöne Verbindung aus Veilchenpuder, cremiger Iris und süßlich-üppiger Puderrose. Veilchen und Iris sind dabei ungefähr gleich stark, wobei das Veilchen eine winzige Nuance kräftiger wirkt. Die Rose liegt ein wenig zurück in der Dosierung, ist aber durchaus auch wahrnehmbar, geht neben ihrer starken Puderigkeit auch ein wenig in eine marmeladige Richtung. Auf jeden Fall harmonieren alle drei blumigen, puderig-cremigen Noten perfekt miteinander.

Mit hinein spielt noch ein wenig süße Fruchtigkeit durch saftige Orange und einen Hauch Zitrone. Als Basis ist ein puderiges Moschusbett vorhanden, außerdem süß-marzipanige Tonkabohne und Ambra, was dem Duft noch einmal eine moderate Menge balsamischer Wärme gibt. Dabei wirkt der Duft zwar süßlich, aber auch nicht übersüßt. Ich finde die Mischung sehr harmonisch.

Auch, was Haltbarkeit und Sillage betrifft, kann Violetta punkten: Die Sillage ist relativ intensiv, deswegen reicht es aus, den Duft vorsichtig zu dosieren. Die Haltbarkeit ist äußerst überdurchschnittlich und beträgt bis zu 11 Stunden.

Ylang in Gold M. Micallef von aquaria 2016-12-16

Es ist für mich jedesmal ein Genuss, diesen Duft aufzusprühen und dann das gemächliche Aufblühen einer Ylang-Blüte schnuppernd miterleben zu dürfen.
Schon der Auftakt bietet mir hauptsächlich Ylang. Hier noch begleitet und relativ luftig gehalten durch zitrische und leicht grüne Obertöne und eine extrazarte, beinah transparente, fruchtige Aura. Eine saftige, aber leise auftretende Orange, ein Touch fruchtiger, nicht wirklich süßer, aber sehr aromatischer Pfirsich und eine sehr helle Magnolie lassen den Ylang-Duft leuchten und verleihen ihm eine Aura von Frische und gerade aufgehender Sonne. Für mich weniger ein olfaktorischer als ein taktiler Eindruck, als würde mich eine freundliche Morgensonne in der Nase kitzeln und mir das Versprechen eines warmen, entspannten Sommertages geben.
Der kommt dann auch. Je länger „Ylang“ auf der Haut ist, desto wärmer und süßer entwickelt sich der Duft. Die Ylang-Blüte blüht voll auf, wird satt gelb, cremig, sonnig leuchtend und wunderschön sämig warm.
Eine feine Vanillenote und ein Hauch von Kokos balancieren die Ylang-Note aus, unterstützen die Cremigkeit. Dass der Duft nicht zu warm oder zu süß und die Ylang-Blüte nicht buttrig wird, dafür sorgen schwach vernehmliche krautige Eindrücke, aber wirklich nur als leises Gegengewicht zur süßen Blüte zu merken, und etwas trocken-Holziges, das ebenfalls nur am Rande zu merken ist und das für mich wie die trockene, fasrig-holzige, braune Schale einer Kokosnuss riecht.
„Ylang“ ist ein verträumter, behaglich süßer Cremeduft, eine Symphonie in gelbem Ylang, die auf einer sehr ruhigen Unterlage spielt. Testpflicht für alle Ylang-Ylang-Liebhaberinnen.
Meine Miniatur heißt schlicht "Ylang", der Duft ist aber identisch zum "Ylang in Gold". Das "... in Gold" bezieht sich laut Micallefs Homepage ausschließlich auf die Flakongestaltung mit den goldenen Glitzersteinchen.

Pure Extreme M. Micallef von aquaria 2016-12-16

Ein moschusplüschiger, zarter Rosenduft.
Im Auftakt rieche ich eine klare, beinahe durchscheinend wirkende, noch relativ unsüß wirkende weiße Rose, die durch die begleitende Gardenie hauchzarte frisch-grüne Anklänge erhält und durch kristallklaren, weißen Moschus in einer kühlen, hellen und freundlichen Umgebung blüht.
Rasch färbt sich die Rose dunkler, geht über ein zart-rosa Teeröschen hin zu einer sauberen, strahlend roten, samtigen Rose. Der Moschus scheint sich in mehreren Schichten um die Rose zu legen. Da ist einerseits eine hauchfeine Cremigkeit, eher kühl und „glatt“, aus der die Rose wächst, gleichzeitig merke ich in der Duftprojektion warmen, pudrigen Moschus.
Transparentes Ambra erzeugt eine Ahnung von leuchtender Wärme, holzige Noten merke ich nicht, es sei denn, ein Teil der Pudrigkeit, die mit zunehmender Tragedauer deutlicher hervortritt, stammt davon.
Je länger ich „Pure“ trage, desto plüschiger, weicher und wärmer wird die Rose, alles aber auf äußerst dezentem Niveau. Ein Eindruck nach warmer, weicher Flanellbettwäsche, in die man sich am Sonntagmorgen kuschelt, die man gerade einen Tag davor mit einem nach Rosenblüten duftenden Waschmittel gewaschen hat.
Kurz gesagt, empfinde ich „Pure“ als Rosen-Soliflore mit dem Duft einer rosafarbenen bis roten Rose in warm-sauberer Umgebung. Cremiges (Moschus-)Zentrum, pudrige Duftprojektion. Vom Duftcharakter ähnelt dieser Duft "Chloe", wirkt aber weicher und authentischer nach frisch gepflückten Rosen.
Meine Miniatur heißt übrigens nur "Pure", es dürfte sich aber um den gleichen Duft handeln.

Iris Bianco Bottega Verde von PhoenixNoctulus 2016-12-15

Iris Bianco ist ein wunderschöner cremig-puderiger Duft mit einer sanften gourmandigen Basis.

Die Kopfnote nimmt man nur kurz wahr: Ein wenig fruchtige Orange, ein minimalster Hauch von Zitrone. Der Hauptaspekt des Duftes ist ein harmonischer blumiger Dreiklang aus Iris, Veilchen und Orchidee - mit der typischen zarten Cremigkeit und Puderigkeit, die diese Noten an sich haben. Dazu gesellen sich eine leckere, süß-gourmandige (aber nicht übersüße) Mixtur aus Vanille, Heliotrop und Karamell (Benzoe und Frangipani spielen auch noch ein wenig mit hinein), und schöner, dunkler, herber Kakao. Ein wenig Pudermoschus ist als Basisnote auch noch vorhanden.

Der Duft als solcher gefällt mir sehr gut, leider ist die Sillage nur sehr sanft und auch die Haltbarkeit liegt bei nur 2-3 Stunden.

Abschließend möchte ich noch anmerken: Ich habe einige andere Rezensionen gelesen, laut denen Iris Bianco als sehr süßer Karamellduft a la Prada Candy wahrgenommen wurde, und die erwähnten, Iris sei kaum wahrnehmbar, die blumigen Noten insgesamt zu vernachlässigen. Je nach Körperchemie scheint der Duft sich sehr unterschiedlich zu entwickeln.

Guess Seductive Homme Guess von Acnite 2016-12-14

Ein eher süßer, blumiger wohltuend angenehm riechender Duft.
Wirkt jugendlich aber nicht kindlich (also Altersgruppe so 15-30) und hat bis jetzt auch nur durchweg positive reaktionen hervorgerufen.
Eher geeignet für leichte Freizeitbekleidung, Tagsüber im Alltag. Kann meiner Meinung nach das ganze Jahr getragen werden. Ich persönlich bevorzuge allerdings die warmen Tage für diesen Duft.
Preis/Leistungs-verhältnis ist mehr als top.

Armani Eau de Nuit Giorgio Armani von Acnite 2016-12-14

Aufgrund der Tatsache wie gut dieses Parfüm tatsächlich ist, wundert es mich immer wieder wie wenig doch darüber gesprochen wird, bzw. wie wenig Leute diesen Duft zu kennen scheinen.
Ich bin beim Kauf eines anderen Parfüms auf diesen durch eine Parfümprobe aufmerksam geworden und dachte mir nach einigem mal tragen: "den muss ich unbedingt haben".

Es ist ein sehr warmer, leicht pudriger, zurückhaltender und angenehmer Duft. Nicht aufdringlich, dennoch sinnlich und männlich. Meiner meinung nach eher für die kalten Tage bei Kaminfeuer und Glühwein geeignet.
Vom Duft her errinert er mich leicht an Armani Code Profumo, jedoch hat er eine etwas "schärfere/feurigere" Note und wirkt alles in allem etwas dezenter.

Auch beim weiblichen Geschlecht gab es bis jetzt durchweg positive reaktionen.
Aufgrund der offenscheinlich niedrigen Popularität würde ich Eau de Nuit locker als "Geheimtipp" unter den Männlichen Parfümträgern weiterempfehlen können.

Magnolia Nera Bottega Verde von PhoenixNoctulus 2016-12-14

Magnolia Nera ist ein, für meine Nase, ungewöhnlicher "Magnolien"-Duft. Ich setze es bewusst in Anführungszeichen, denn - obwohl man später schon eine deutliche Magnolien-Note durchriechen kann - dieser Duft ist eher fruchtig-spritzig denn zart blumig und puderig, wie ich es eigentlich von den meisten magnolienzentrierten Düften kenne. Magnolia Nera ist also kein typischer Magnolien-Duft, und schon gar kein Monoduft.

Schon beim Auftakt nehme ich eine Mischung aus spritzigem, fruchtig-süßem Pfirsich war, garniert mit rosa Pfeffer und Orange. Ein ganz und gar nicht stiller oder zurückhaltender Dufteindruck, sondern einer mit einer Frucht-Kopfnote, die einen nahezu "anspringt". Oder wirkt sie auf mich nur so heftig, weil ich sie nicht erwartet hatte? Jedenfalls hat sie etwas von einem sommerlich-tropischen Frucht-Cocktail; gute Laune dürfte sie sicher machen, wenn man solche spritzigen Obstdüfte mag. Zugeben muss ich, dass die Frucht-Noten auf mich doch irgendwie einen Hauch synthetisch wirken (inwiefern BV trotz Natur-Image auch synthetische Zutaten verwendet, weiß ich nicht - vielleicht täuscht sich meine Nase auch einfach), aber noch immer um Längen besser, als es bei einigen Mainstream-Sommer-Fruchtdüften der Fall ist.

Die Fruchtigkeit mindert sich nach einigen Momenten ein wenig, aber bleibt immernoch sehr deutlich vorhanden. Allerdings dringen nun langsam auch noch einige andere Duftnoten durch: Eine cremig-sanfte Irisnote, die namensgebende Magnolie (deutlich blumig, aber auch leicht puderig und säuerlich), Jasmin (leicht ins Animalische gehend, aber wirklich nur sehr leicht), dazu ein winziger Hauch einer üppigen roten Rose.

Blumen und Früchte bilden hier eine wirklich interessante Duftmischung. Und diese ruht letztendlich auf einem solide ausbalancierten Bett aus hellem Sandel- und dunklem Zedernholz, etwas warm-balsamischem Patschuli, bisschen "wattigem" Moschus und einer luftig-zarten Vanillenote. Keine dieser Basisnoten tritt wirklich deutlich hervor, sie scheinen eher als eine etwas tiefere, stabile Basis für die Kopf- und Herznoten zu dienen, ein unauffälliges Fundament gewissermaßen.

Der Gesamteindruck? Für mich ist Magnolia Nera ein spritziger Fruchtduft mit starker Pfirsichnote, untermalt durch eine Mischung aus Magnolie und Iris. Der Begriff "HERZnote" trifft es hier wirklich sehr gut, ganz wörtlich: Magnolie und Iris scheinen in den Duft eingebettet, wie ein Kern, wie ein Herz, rundherum umschlossen, schon deutlich wahrnehmbar, aber auch nicht so richtig herausragend, da die Frucht-Kopfnote in der Gesamtbalance ziemlich intensiv gewichtet ist. Dadurch ist Magnolia Nera für mich nicht einfach ein Magnolien-Duft, sondern hat eher den Charakter eines Sommer-Frucht-Duftes, allerdings mit deutlich blumiger Basis; er wirkt dadurch etwas "erwachsener" als beispielsweise die Escada-Sommerdüfte - die zudem auch noch einmal deutlich synthetischer riechen.

Die Sillage ist moderat, die Haltbarkeit ebenso (ca. 4 Stunden).

Eine Testempfehlung für Leute, die spritzige Fruchtnoten mögen, denen ein reiner Frucht-Duft allerdings nicht facettenreich genug ist, und die diesen daher gerne mit blumigen Noten untermalt sähen.

Iris Bottega Verde von PhoenixNoctulus 2016-12-14

Iris ist ein sehr cleaner Duft, mit einem Hauch Cremigkeit und Puderigkeit - die allerdings in den ersten paar Stunden noch gar nicht so ausgeprägt ist, sondern unter frischen, luftigen Noten fast untergeht.

Ich rieche Zitrus, Bergamotte und Zitrone, von fruchtiger Orange nur ein winziger Hauch, stattdessen hauptsächlich säuerlich-frisch, dazu etwas nahezu Grünes, durch die Bergamotte spielt auch ein leicht bitterer Aspekt mit hinein. Wohlgemerkt über einer deutlichen blumig-sauberen Irisnote, vermengt mit Wildveilchen und Leinenblüte und einem winzigen Hauch von zarter Rose. Wo ich jetzt so darüber nachdenke: Der Duft erinnert an frische Wäsche. Iris + Leinenblüte + Zitrisches. Als Basis dazu noch etwas Holz, keineswegs cremig oder milchig, sondern wirklich ein wenig wie Sägespäne oder irgendwo frisch abgeraspelt. Und dazu noch eine leichte Basis aus ein wenig puderigem Moschus.

Nach einigen Stunden nehmen die zitrisch-frischen Noten ab, man riecht dann Iris und Veilchen nun besser durch, der Duft wird deutlich cremiger und puderiger, weicher, sanfter. So gefällt er mir, ehrlich gesagt, doch deutlich besser, als in der 1. Phase, die mir insgesamt (im Moment - aber dieser Duft ist wohl auch eher etwas für wärmere Tage!) doch ein wenig zu luftig-frisch ist (wir werden sehen, wie sich der Eindruck im nächsten Frühling oder Sommer ändert).

Was mir in diesem Duft momentan fehlt, sind Süße und Wärme. Tonkabohne soll beispielsweise vorhanden sein - davon habe ich nichts gerochen. Dabei könnte gerade ein mandeliger, süßlicher Aspekt den Duft sehr gut abrunden und ihm auch noch etwas mehr Tiefe geben. Ich hoffe, dass diese Note sich bei anderen Temperaturen besser entwickelt, das könnte den Gesamteindruck für mich persönlich noch einmal deutlich verbessern.

Eines muss man dem Duft aber auf jeden Fall noch positiv anrechnen: Die Haltbarkeit liegt, bei moderater Sillage, bei ausgeprägten gut 10-11 Stunden.

Fans von "Sauberdüften" könnten Bottega Verdes Iris auf ihre Testliste setzen. Der Preis für 30ml Eau de Toilette liegt regulär bei etwa 22 Euro.

White Puredistance von Comfycat 2016-12-13

White ist eine Limetten frische, recht üppige Rose mit Moschushintergrund und Puderhäubchen.

"White" wie ein weißes Baumwollshirt, luftgetrocknet zwischen dem Rosen- und dem Johannisbeerbeet. Ich bin ambivalent. Einerseits hat "White" eine frische, saubere Ausstrahlung- und ich mag frische, saubere Düfte, aber da ist auch etwas Stechendes. Der Übeltäter ist der wohl der Moschus. Mit jedem vorsichtigen Schnuppern kratzt es im meinem Hals, meine Augen brennen und ich halte die mit White besprühte Hand schnell wieder weg. Immer wieder. Bis ich kapituliere und ihn abwasche.

Ein vielversprechender Auftakt, der aber von der heiteren Rose in die Waschmittelabteilung eines beliebigen Supermarktes führt.

La Vie Est Belle Edition Limitee Lancome von lisamarianiedermeier 2016-12-12

Hallo kommt der duft auch nach deutschland

Simply Jil Sander Touch of Mandarin Jil Sander von PhoenixNoctulus 2016-12-11

Touch of Mandarin ist aus der limitierten "Touch of..."-Sonderedition von Jil Sander noch der Duft, der dem Original, Simply, am meisten ähnelt. Genau genommen stellt er für mich einen Flanker dar, bei dem die Mandarinorangen-Note des Originals ein kleines Bisschen intensiver ausfällt als beim Original. Dadurch fällt Simply etwas mehr in die "Orangenduft-Kategorie", wenngleich auch alle anderen Noten noch deutlich wahrzunehmen sind, also der Duftcharakter von Jil Sanders Simply an sich ist kaum verändert.

Insgesamt haben wir hier eine schöne fruchtig-süße Orangen-Note, mit einem winzig kleinen Hauch Bergamotte (diese Note fällt im Original stärker aus, wir haben hier also eine Verschiebung vom leicht Bitteren zum Süßfruchtigen hin), darunter ist etwas blumiges Veilchen und leicht puderige Veilchenwurzel vorhanden, und als Basis letztendlich ein zu allen Seiten hin ausbalancierter Mix aus Patschuli (balsamisch-warm), Leder (etwas würzig), Zeder (leicht dunkel, leicht kühl, holzig), Vanille (für einen Hauch cremige Gourmandigkeit), und Moschus (die puderige Basis, die alles verbindet). Mal abgesehen von etwas mehr fruchtiger Orange (wodurch bitter-herbe Noten des Originals abgeschwächt werden) bemerke ich persönlich kaum einen Unterschied zum originalen Jil-Sander-Simply-Duft. Auch die Sillage und Haltbarkeit sind so geblieben: moderat.

Wer Simply mag und zudem fruchtige Orangennoten (oder wem Jil Sanders Simply nicht süß oder orangig genug war), könnte sich Touch of Mandarin mal ansehen. Wer Simply an sich nicht mochte oder wem der Duft zu aussagelos war, wird aber wohl auch an Touch of Mandarin leider keine Freude haben.

Simply Jil Sander Touch of Violet Jil Sander von PhoenixNoctulus 2016-12-11

Die limitierte Sonderedition von Jil Sander Simply, Touch of Violet, ist kein reiner Veilchen-Monoduft, sondern entspricht in Sachen Duftnoten weitestgehends dem Original Jil Sander Simply, nur eben mit deutlicher Gewichtung auf die (auch im Original vorhandenen) Noten Veilchen und Veilchenblatt.

Als "Basis" des Duftes haben wir also wieder den relativ dichten und statischen Simply-Duft: In der Kopfnote etwas bittersüße Bergamotte und eine moderate Menge fruchtige Orange, in der Basisnote eine leicht würzige Mischung aus Muskatnuss und Leder, dazu Pudermoschus, ambratisches Patschuli und kühles, dunkles Zedernholz, und cremig-süße Vanille.

Was sich vom Original unterscheidet, ist die Herzote: Im Original eine moderate Menge Veilchen und Veilchenblatt, die an sich durchaus herauszuriechen ist, aber eben doch etwas zwischen Orange und Moschus/Holz/Patschuli/Leder verschwimmt. In Touch of Violet wird das Veilchen hingegen sehr deutlich, ja, fast schon extrem, in Szene gesetzt: Es übertönt deutlich alle anderen Noten (die man schon noch wahrnimmt, aber sie sind eben eindeutig in den Hintergrund gerückt). Es duftet leicht medizinisch, erinnert mich an Veilchenpastillen, hat etwas sehr Eigenwilliges, eben Veilchentypisches. Puderig fällt die Veilchenwurzel zwar auch ein wenig aus, aber der Fokus liegt hier wirklich auf der blumig-eigentümlichen, strahlenden Facette der Veilchenblüte.

Als Veilchen-MONOduft würde ich Touch of Violet nun zwar nicht bezeichnen, da der Hintergrund von Jil Sander Simply auf jeden Fall noch eindeutig zu erriechen ist. Nicht leugnen kann ich aber, dass das Veilchen hier deutlich der Fokus des Duftes ist. In der Intensität finde ich das für einen Mainstream-Duft schon bemerkenswert. Für Fans von Veilchendüften ist Touch of Violet definitiv einen Test wert.

Die Sillage ist moderat bis intensiv, die Haltbarkeit liegt bei etwa 7 Stunden.

Simply Jil Sander Touch of Leather Jil Sander von PhoenixNoctulus 2016-12-11

Jil Sander Simply Touch of Leather besteht NICHT nur aus Leder. Genau genommen scheint er all die Noten zu beinhalten, die Jil Sander Simply an sich schon beinhaltet, nur, dass hier eben die Ledernote etwas stärker gewichtet wurde. In der zeitlich limitiert erhältlichen "Touch of..."-Reihe gibt es auch noch "Touch of Violet" und "Touch of Mandarin", da ist es exakt dasselbe Prinzip: Alle "Jil Sander Simply"-Noten sind vorhanden, nur eben mit stärkerem Fokus auf Veilchen bzw. Mandarine. Daher würde ich die "Touch of..."-Düfte auch nicht einmal unbedingt als Düfte zum Layern bezeichnen, sondern mehr oder minder als Flanker mit unterschiedlicher Gewichtung auf eine Einzelnote (die dann aber auch unterschiedlich stark ausfällt, im Falle vom Lederduft eher moderat, beim Veilchenduft empfinde ich die Veilchennote hingegen schon als sehr stark ausgeprägt - aber dazu an passender Stelle mehr), die sich problemlos einzeln tragen lassen.

Wie riecht Touch of Leather nun? Als Basis haben wir, wie bei Simply an sich auch, einen Akkord aus puderigem Moschus, warm ambratischem Patschuli, dunkel-holzigem Zedernholz und leicht cremig-süßer Vanille. Sehr gut ausbalanciert zwischen warm und kühl, hell und dunkel, insgesamt sehr "rund". Darauf findet sich eine moderate Menge wildes Veilchen und etwas Veilchenblatt. Oben drauf: Zitrusnoten, einerseits süßfruchtige Orange, andererseits, etwas weniger stark, leicht bittersüße Bergamotte. Soweit deckt sich der Eindruck mit Jil Sander Simply - nur kommt bei "Touch of Leather" eben noch eine moderate bis größere Menge würziges, mit Muskatnuss verwobenes, Leder obendrauf. Der Gesamteindruck ist blumig-puderig-zitrisch/orangig mit würzigem Leder. Alles ist dicht miteinander verbunden, einen wirklichen Duftverlauf gibt es auch nicht, es bleibt so von Anfang bis Ende.

Sillage und Haltbarkeit sind moderat.

Wie ich schon schrieb, ob man Touch of Leather tatsächlich zum Layern nutzen sollte, also, ob sich das wirklich lohnt - dessen bin ich mir unsicher. Wer allerdings Jil Sander Simply an sich mochte, sich dabei aber eine stärkere Ledernote gewünscht hätte, sollte sich Touch of Leather mal ansehen, es sollte die bestmögliche Alternative sein; eben weitestgehends dem Original entsprechend, nur mit stärkerer würziger Ledernote.

Fruits Rouges Le Blanc von PhoenixNoctulus 2016-12-11

Fruits Rouges ist ein Gourmand-Duft - er riecht wie Rote Grütze! ;)

Verschiedene Beeren, hauptsächlich rote Johannisbeeren allerdings, spritzig-fruchtig, süß-säuerlich, sehr realistisch wirkend, untermalt von cremig-süßer, fast schon etwas puddingartiger Vanille. Ein zarter blumiger Hauch dazwischen, es könnten Magnolien und Veilchen sein, jedenfalls fällt er leicht puderig aus, "parfümisiert" die Süßspeise ein wenig.

Ich finde den Duft sehr gut gelungen; zugegeben, ich selbst möchte nicht unbedingt (und dann auch noch bis zu 5 Stunden, bei moderater Sillage) nach Roter Grütze duften, aber wer sich das schon immer mal gewünscht hat ;) , kann hier bedenkenlos zugreifen! Qualitativ ist auf jeden Fall nichts gegen Fruits Rouges einzuwenden, im Gegenteil, für den günstigen Preis (ca. 25 Euro für 50ml, ca. 9 Euro für 15ml) ist der Duft bemerkenswert gut!

Ambre Le Blanc von PhoenixNoctulus 2016-12-11

Von Le Blancs Ambre habe ich einen 15ml-Taschenzerstäuber hier, erworben für rund 9 Euro in einem kleinen Berliner Naturkosmetik-Laden. Eigentlich war ich dorthin gefahren, um ein paar L'Erbolario-Düfte zu testen, aber ein Display mit Taschenzerstäubern von Le Blanc fiel mir sofort ins Auge und musste dann natürlich auch gleich in Augenschein genommen werden, einerseits wegen der Vielfalt an unterschiedlichen Düften, andererseits - zugegeben - auch wegen des günstigen Preises ("da könnte man ja mal spontan einen mitnehmen, wenn er gefällt" ;) ). Ebenfalls positiv: Es waren von allen Düften Tester vorhanden. Das konnte ich mir nun wirklich nicht entgehen lassen...

Ambre hat mich sofort begeistert. Tatsächlich ist es in den ersten Stunden ein intensiver, warmer, würziger orientalischer Duft mit Ambra in der Hauptrolle. Er fällt würzig, aber nicht scharf aus, außerdem ist da eine angenehm-wohlige Puderigkeit aus Moschus (und vielleicht einem kleinen blumigen Hauch von Magnolie), zudem noch ein wenig gourmandige Vanille-Süße. Ein wunderbarer wärmender ambratischer Winterduft. Genauer: Ambratisch-würzig-warm, süßlich, zart puderig.

Nach ein paar Stunden wandelt sich Ambre allerdings - nicht zum Schlechten (genau genommen gefällt mir die 2. Phase genauso gut wie die 1.), aber er wirkt dann eben doch grundlegend anders: Nun rieche ich hauptsächlich Räucherwerk. Ein dunkles, balsamisches Gemisch aus Sandelholz und Myrrhe. Leicht rauchig, harzig, ein wenig holzig, ein authentischer Räucherstäbchen-Duft. Er bleibt einhüllend, allerdings hat die Wärme abgenommen, dafür verbreitet er nun eine meditative Atmosphäre. Mir persönlich gefällt das wirklich sehr gut, auch die Zutaten an sich duften wirklich hochwertig.

Zur positiven Bewertung trägt weiter dazu bei, dass die Haltbarkeit von Ambre außerordentlich gut ausfällt. Bis der letzte Hauch von Räucherwerk verschwunden ist, vergehen gut 11 Stunden. Mir kommt es auch so vor, als habe der Duft eine erhöhte Duftöl-Konzentration. Die Sillage ist moderat bis intensiv.

Orchidée Le Blanc von PhoenixNoctulus 2016-12-11

Die Düfte von Le Blanc sind mir bisher nur in Naturkosmetik-Läden begegnet. Sie sind mir bislang als qualitativ sehr gelungene und dennoch kostengünstige Düfte, deren Komplexität zugegeben nicht so hoch ist, die aber dennoch sehr angenehm und hochwertig duften, aufgefallen.

Genau das gilt auch für Orchidee. Ich bemerke wenig Komplexität oder Wandel, aber der Dufteindruck ist einfach wunderbar, angenehm und wohlig. Ich rieche cremige Orchidee, untermalt von süß-gourmandiger Vanille (wobei der Duft an sich noch nicht unbedingt in die Gourmand-Schublade fallen würde; ich würde ihn eher als blumig-cremig-süßlich mit deutlichem Fokus auf Orchideen beschreiben), dazu kommt eine kleine warm-balsamische Patschuli-Basis, die gar nicht als "patschulitypisch" auffällt, sondern dem Orchideen-Vanille-Gemisch einfach nur etwas mehr Wärme und Tiefe gibt. Aber es passt perfekt!

Nicht nur der Duft als solcher wirkt gelungen und hochwertig, die Sillage fällt moderat aus, also durchaus auch angemessen, die Haltbarkeit liegt bei 5-6 Stunden und kann demnach ebenso sehr gut mit höherpreisigen Markendüften mithalten.

Und das bei einem Preis von nur rund 25 Euro für 50ml. Es gibt außerdem Taschenzerstäuber mit 15ml etwa ab 9 Euro. Ich kann sehr empfehlen, die Düfte von Le Blanc zumindest mal zu testen.

Oolang Infini Atelier Cologne von PhoenixNoctulus 2016-12-11

Oolang Infini stellt, der Name sagt es schon, einen Tee-Duft dar, in diesem Fall einen, der mit Zitrusnoten, Hölzern, ein wenig Blumigkeit und in den Basisnoten mit Leder und Vetiver garniert ist. Insgesamt würde ich ihn als erfrischenden Sommerduft einordnen, wobei er nicht einfach nur frisch ist (vor Allen Dingen ist er auch nicht "überfrisch"), sondern aufgrund seiner Basis durchaus einen "tiefergehenden" Charakter hat.

Ob er wirklich nach Oolong-Tee duftet? Einen Hauch möglicherweise. Die Teenote in diesem Duft würde ich als typisch frisch und grünteeartig beschreiben, sehr natürlich, aber das auffällige Aroma von Oolong finde ich, wenn, dann nur ansatzweise darin wieder. Aber angenehm ist auch diese Grünteenote, vermengt mit leicht bitter-fruchtiger Bergamotte und etwas Neroli, dazu ein wenig kühle Holzigkeit. Nach einigen Momenten kommt eine zartflüchtige Weißblüher-Brise hinzu, ein wenig frühsommerlicher Jasmin. Bald vernimmt man auch noch einen Hauch Vetiver, ein wenig Tabakblüte scheint auch hineingewoben zu sein. Und zuletzt: Leder. Kein feines Wildleder, schon etwas kräftiger, aber in der Dosierung dennoch sehr gut mit Tee und Zitrus harmonierend. Insgesamt wirken alle Noten miteinander verbunden, der Gesamteindruck ist harmonisch und rund.

Der Duft an sich ist, zugegeben, nicht so sonderlich originell oder auffällig, für die warme Jahreszeit dürfte er aber sehr gut geeignet sein. Insgesamt empfinde ich den Dufteindruck als sehr harmonisch, kontemplativ, dennoch ein wenig erfrischend, weder die Zitrus- noch die Teenoten erscheinen allerdings unschön "laut". Oolang Infini gehört für mich zu den angenehmeren unter den frische(re)n Zitrus-Tee-Düften, mit denen ich, zugegeben, zumindest im Mainstream-Bereich öfters mal "Probleme" habe.

So sehr mir Oolang Infini aber auch gefällt, einen Haken hat er leider: Die nicht gerade ausgeprägte Haltbarkeit. Die Sillage an sich ist schon sehr hautnah, der Duft hält dann leider aber auch kaum länger als 2-3 Stunden an. Vielleicht liegt es auch an meiner Hautchemie, möglicherweise ist Oolang Infini auch ein "Ausrutscher" im Sortiment (andere Düfte der Marke habe ich bisher noch nicht genauer testen können). Schade finde ich die kurze Haltbarkeit, gerade auch deshalb, da Atelier Cologne gerade damit wirbt, dass seine Düfte den Charakter eines Colognes hätten, aufgrund der hohen Duftkonzentration allerdings mit der Haltbarkeit eines Eau de Parfums. Sicher gibt es auch Eau de Parfums, die nur 2-3 Stunden halten, aber ich glaube nicht, dass die Kreateure darauf hinaus wollten ;) Schade!

Eau des Merveilles Hermes von Zauberfee 2016-12-11

"Salz auf unserer Haut"... an diesen Bestseller aus den späten Achtziger muss man sofort denken, wenn dieser Duft erschnuppert wird. Natürlich, warm, sprudelnd.

Die typische Duftpyramide wurde bei diesem Meisterwerk auf den Kopf gestellt, so daß die "typischen Basisnoten" wie etwa Vetiver zuerst wahrgenommen werden. Später machen sie den Weg frei für die Herznote "grauer Amber" und schließlich einem ganz feinen Hauch der Basisnoten freizumachen, aus denen besonders die Orange heraussticht.

Die holzigen, waldigen Noten in der Kopfnote lassen an Wälder in Mittel- oder Nordeuropa denken. Sobald die Herznote mit dem grauen Amber (einer Substanz aus dem Verdauuungstrakt von Pottwalen) erscheint, weiß Frau, daß der Wald sich am Meer befindet - vermutlich an der Ostsee. Und die Orangen und Zitronen in der Basisnote weisn hin auf die "goldenen Früchte aus dem Garten der Hesperiden". - Kurz: Sobald ich diesen traumhaften Duft erschnuppere, fühle ich mich in die Welt der europäischen Mythologie hineinversetzt. Der Name "Eau de Merveilles" ("Wasser der Wunder" oder "Wunderwasser") könnte nicht treffender gewählt sein.

"Apollon, bitte nimm mich in Deinem goldenen Wagen mit in ferne Gefilde!"

L`Eau de Chloe Chloe von Zauberfee 2016-12-11

Nein. Geht es noch schlimmer als "Chloè"? Ja, mit diesem grünen Flanker.

Das Aufsprühen auf der Haut läßt sofort Kindheitserinnerungen aufkommen: An eine Reise nach Italien, eine Autobahnraststätte, und die Reinemachefrau die dort ihren Putzeiner vergessen hatte - genau so riecht "Chloè L'Eau" für mich.

Wunderschön aber ist der Flakon. Und die Aktionen von Chloé mit den Miniflakons "My Little Chloé" verdienen ein besonderes Lob.

In Schulnoten:
Duft: 6
Haltbarkeit: 1
Flakon: 1
Werbung: 1

Chloe Eau de Parfum Chloe von Zauberfee 2016-12-11

Rose? Nein. Weichspüler? Ja.

Ein extrem künstlicher (nicht: kunstvoller) Duft, der nach Chemiebrühe riecht wie ein Weichspülmittel (und nicht einmal ein besonders Gutes). Penetrat und aufdringlich läßt er einen großen Bogen schlagen um die Regale in der Parfümerie, um Damen, die diesen gerade probieren auszuweichen.

Wunderschön ist allerdings der Flakon, dessen obererer Teil tatsächlich versilbert ist.

In Schulnoten:
Duft: 5 (billiger Weichspüler, der allerdings zielgenau getroffen)
Haltbarkeit: 1 (leider!)
Preis: 2
Flakon: 1

Palo Santo ist ein wirklich gelungener Räucherwerk-Duft. Die namensgebende Hauptnote, die ich persönlich als Räucherholz kenne, kommt wirklich sehr schön zur Geltung. Eingerahmt wird sie durch kühlen, klaren, leicht harzigen Weihrauch und erdiges Patschuli. Mit der Zeit kommt auch süßlich-würziges Nagarmotha-Gras deutlich zur Geltung, außerdem nimmt man eine moderate Menge Kardamom wahr. Eine säuerliche Rosennote ist nur sehr zart und hintergründig zu erkennen.

Insgesamt ist der Duft relativ statisch, lediglich die Kühle und Erdigkeit nimmt mit der Zeit ein wenig ab, der Duft wird etwas wärmer und würziger (wobei ich ihn insgesamt dennoch als relativ kühl bezeichnen würde, kühl, holzig und erdig; traditionell würde er wohl als eher maskuliner Duft eingeordnet werden).

Die Haltbarkeit liegt bei annähernd 11 Stunden, wobei die vormals moderate Sillage ab etwa der 7. Stunde hautnah wird.

Insgesamt gefällt mir Palo Santo sehr gut, ich denke, er könnte Liebhabern (und Liebhaberinnen) von Räucherwerk-Düften gefallen. Insbesondere finde ich es schön, dass SP Parfums sich hier wirklich mal Palo Santo als Hauptnote ausgesucht hat - was ja nicht so oft vorkommt - und dass der Duft sehr atmosphärisch und angenehm meditativ ausgefallen ist, also durchweg gelungen ist, was die Thematik anbelangt.

Nardus ist der 2. Duft, den ich von SP Parfums getestet habe, und ich würde ihn, wie auch Cassis, ebenfalls als Waldduft klassifizieren. Während Cassis für mich allerdings einen waldbeerig-fruchtigen idealisierten "Märchenwald" darstellte, ist Nardus für mich eine erstaunlich realitätsnahe Darstellung eines echten Waldes im Herbst.

Patschuli, Hölzer und Beifuß lassen mich an regenfeuchten, moosigen Erdboden denken, an morsches Holz und uralte Bäume. Das Zusammenspiel von Nagarmotha, Weihrauch und Narde (die riecht man hier erstaunlich deutlich) mischt sich stimmig dort hinein, ich meine, etwas entfernt Animalisches zu riechen, außerdem Pilze, Kräuter, Gestrüpp. Es ist ein sehr authentisch und "lebendig" wirkender Herbstwald. Als Kategorie passt "erdig-pflanzlich-holzig" perfekt.

Mir persönlich ist die pilzartige Note etwas zu deutlich, aber das ist ja auch immer Geschmackssache. Insgesamt muss ich auf jeden Fall sagen: Nardus hat ein sehr interessantes Konzept, das definitiv auch sehr gut umsetzt wurde!

Der Duft ist relativ statisch, aber das stört nicht unbedingt. Die Haltbarkeit liegt bei etwa 6-7 Stunden, die Sillage ist moderat.

Zino Davidoff Davidoff von Knusper79 2016-12-10

Ich weiss noch, wie ich auf Zino aufmerksam wurde. Wir waren beim Chinesen essen und plötzlich hatte ich diesen Duft in der Nase. Genau hinter mir saß ein Mann und ich konnte nicht anders, als ihn zu fragen was das für ein umwerfendes Parfum ist, was er da trägt ...
Warm, würzig, holzig, eine leichte herbe Frische durch das Patchouli.
Sehr männlich und sinnlich dieser Duft. Sozusagen mein Liebling der Herrendüfte ( neben Drakkar Noir, Irish Moos und Obsession for Men ).
Ich habe ihn dann meinem Freund geschenkt und seitdem ist es auch einer seiner Lieblingsdüfte. Hoffentlich bleibt er noch lange auf dem Markt.

Mein erster Duft von SP Parfums (bzw. habe ich ja nun gleich 3, in der Miniatur-Variante ;) aber dieser hier ist der 1., den ich angetestet habe) - ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal für den tollen Gewinn bedanken!

Cassis empfinde ich als ungewöhnlich, aber wirklich wunderschön. In den 1. Sekunden nach Auftrag wirkten die Duftnoten auf mich, zugegeben, irgendwie durcheinander, ungeordnet. Aber schon bald ergab sich ein, wie ich finde, bemerkenswerter Effekt: Die Noten schienen die ganze Zeit zu changieren, mal kam eine mehr hervor, mal die anderen. Mal war es fruchtige Johannisbeere, mal kamen eher andere Waldbeerennoten (Brombeere, Walderdbeere, Blaubeere?) hervor. Dazu roch ich verschiedene Hölzer, mal Baumnadeln, mal Erdboden, außerdem taufrische Kräuter, die dem Duft einen etwas luftigen, frischen Eindruck geben. Insgesamt schafft es Cassis, nicht einfach nur nach einem Fruchtduft zu riechen, sondern eine ganz authentische (idealisierte) Waldatmosphäre zu erschaffen. Erde, Früchte, Bäume, Unterholz, frische Luft. Was für ein Bild! Ich liebe ja generell bildhafte Düfte, aber dieser gehört wirklich zu den schönsten, die mir bisher begegnet sind.

Bemerkenswert außerdem: Auch, wenn die Sillage, die ich anfangs noch als moderat beschreiben würde, leider relativ schnell zusammenschrumpft (für mich persönlich hätte sie gern noch ein wenig stärker ausfallen können) - die Haltbarkeit an sich lag bei gut 9 Stunden.

Insgesamt ein wirklich beeindruckendes Testerlebnis :)

Fuoco Infernale Linari von PhoenixNoctulus 2016-12-08

Manche behaupten, die Hölle sei glühend heiß. Andere hingegen meinen, sie bestünde aus frostigem, undurchdringlichen Eis. Wieso das Unternehmen Linari sich entschieden hat, einen seiner Düfte Fuoco Infernale, übersetzt "Höllenfeuer", zu nennen - wer weiß. Interessanterweise ergibt sich für mich aber auch bei diesem Duft ein sehr wechselhafter Eindruck, was die Frage anbelangt, ob er nun warm oder kalt ist.

Im Sommer erscheint mir Fuoco Infernale erstaunlich kühl. Der Gesamteindruck ist dunkel, holzig, kalt. Viel Zeder. Dazu kalter Rauch, der mich an ein verloschenes Lagerfeuer erinnert - Birke, kühles, luftiges Olibanum, auch ein wenig Grünes, Kräuterartiges. Marjoram meine ich, wiederzuerkennen.

Im Winter wirkt Fuoco Infernale auf mich erstaunlich anders: Nicht kühl, sondern im Gegenteil eher warm (aber auch nicht überhitzt). Die rauchige Birke macht zwar noch immer einen der Haupteindrücke aus, das kalte, dunkle Zedernholz tritt allerdings deutlich zurück. Auch die Kräuternoten sind kaum mehr wahrnehmbar. Dafür rieche ich, neben Olibanum-Weihrauch, nun auch warmen Zimt, süßlich-mandelige Tonkabohne, Labdanum und, gerade in der Endphase, sehr viel Gurjanbalsam und Grauamber. Erstaunlicherweise kommt bei geringeren Temperaturen auch die puderige Moschusnote sehr viel deutlicher durch. Statt kalt und rauchig-holzig-kräuterartig wirkt der Duft nun relativ warm und rauchig-harzig-puderig-süßlich.

Während ich im Sommer Fuoco Infernale durch den massiven Eindruck von kaltem Zedernholz als Herrenduft eingeordnet hätte, hat dieses Parfüm im Winter durch die höhere "Wärme" des Duftes, und vor allen Dingen durch die deutlich wahrnehmbare Pudernote, sogar etwas eher Feminines. Eine interessante Verwandlung, die mir aber so ähnlich beispielsweise auch schon bei Etros Messe de Minuit aufgefallen ist; auch der Duft ist im Sommer eher kühl und luftig, im Winter hingegen warm und leicht ambriert. Richtig vergleichbar sind die Düfte dennoch nicht miteinander, auch, wenn Weihrauch bei beiden prominente Noten sind: Fuoco Infernale unterscheidet sich deutlich durch die rauchige Birkennote.

Mir persönlich gefällt der Duft sehr gut. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass die ungewöhnlich ausgeprägte Rauchigkeit vielen Nasen eher nicht schmeicheln dürfte. Fans von rauchigen Birkendüften mit Weihrauch kann ich das Testen von Fuoco Infernale aber auf jeden Fall empfehlen.

Die Sillage ist moderat bis stark, die Haltbarkeit mit 10-11 Stunden sehr ausgeprägt.

Deus ex Machina Alkemia Perfumes von PhoenixNoctulus 2016-12-08

Wie hier einige Leute wissen dürften, bin ich bei Alkemia schon mehr oder weniger Stammkunde. Ich beobachte immer wieder ihre Neuerscheinungen, besitze mittlerweile auch so einige ihrer Düfte in Originalgröße. Als Deus Ex Machina neu im Katalog auftauchte, war mein erster Gedanke, um ehrlich zu sein: "Oh Gott." Einerseits war ich fasziniert von dem Mut, einen Duft mit solchen Duftnoten zu kreieren, ich fand auch das dahinterstehende künstlerische Konzept wunderbar, aber würde dieser Duft tatsächlich tragbar sein?!

Die hier auf Fragrantica angegebenen Duftnoten wirken ja fast noch "harmlos" im Vergleich zu denen, die in der Originalbeschreibung bei Alkemia angegeben sind. Dort liest man: "feuergehärteter Stahl, verrostetes Eisen, Motoröl, nasser Zement, verbrannte Kupferdrähte, Grauamber". Treffenderweise soll der Duft an industriellen Zerfall erinnern.

Ich wusste nicht so recht, ob ich mich an Deus Ex Machina heranwagen sollte. Da ich allerdings bei einer Originalgrößen-Bestellung noch eine Probe frei hatte, habe ich es einfach mal gewagt. Ich dachte mir, ich könnte es ja einfach mal mit einem Teststreifen versuchen, den könnte ich ja einfach entsorgen, falls es zu schlimm würde. Besonders abgeschreckt hat mich der Gedanke an die Motoröl-Note. Aber neugierig war ich ja schon...

Also, gesagt - getan! Einen Tropfen auf den Pappstreifen. Kurz geschnuppert. Einen Moment innegehalten. Noch einmal. Tief eingeatmet. Die Phiole wieder entkorkt und dann einen Schuss auf's Handgelenk.

Ich habe immer wieder dran gerochen. Deus Ex Machina ist nicht untragbar, im Gegenteil! Er ist sogar erstaunlich gut, auch wenn er, zugegeben, etwas sehr Ungewöhnliches an sich hat.

Mein 1. Eindruck waren Schornsteine im Winter. Eine Mischung aus Rauch, Heizöl und etwas kühlerer Morgenluft. Ein Duft, den ich an sich sehr mag. Sehr tragbar wurde er dadurch, dass die Noten zart durch eine leicht puderige Moschusnote abgefedert wurden, insgesamt erinnerte er etwas an einen fein mit Moschus eingerahmten rauchigen Herrenduft. Mit einem Hauch Ofen, der aber absolut nicht dysharmonisch wirkte.

Danach wandelte Deus Ex Machina sich. Er erreichte, so würde ich es nennen, seine Kupfer-Phase. Vor meinem inneren Auge erschienen Bilder eines altmodischen Teekessels, der auf einer offenen Flamme köchelt. Ich roch eine Mischung aus rötlichem Kupfer und typisch metallisch duftendem Gusseisen, dazu tatsächlich auch eine leicht kräuterartige Note von Grüntee und Fenchel. Insgesamt erzeugten die Noten einen ruhigen, harmonischen, wohligen Eindruck.

Danach klang die dritte und letzte Phase des Duftes an. Zement. Eine ganz sanfte, leichte Zementnote, die sich in puderigem Moschus fast komplett versteckte. Aber ein Hauch war schon da, ein kleiner Windzug über sonnenbeschienene, leicht aufgeheizte, alte, zerbröselnde Zementteile, als wenn man im Sommer durch eine neuzeitlichere Ruine spazierte, in der sich die Natur langsam wieder ausbreitet. Ein angenehmes Bild, erstaunlich, dass auch der Geruch von Zement so positiv wirken kann. Das hätte ich nicht erwartet.

Insgesamt sehr faszinierend, was für bildhafte Eindrücke dieser Duft in mir weckt! DAS ist für mich ParfümeursKUNST im wahrsten Sinne des Wortes. Alkemias Düfte haben ein deutliches künstlerisches Konzept, sie basieren auf Orten, Erinnerungen, Gefühlen, manchmal scheinen sie sogar kleine Geschichten zu erzählen. Und es gelingt wirklich, das ist für mich persönlich das gleichzeitig Wunderlichste und Wunderbarste.

Die Sillage ist eher sanft bis moderat, die Haltbarkeit liegt bei etwa 3-4 Stunden.

Pois de Senteur Fragonard von PhoenixNoctulus 2016-12-07

Pois de Senteur, die duftende Gartenplatterbse (oder vielleicht auch besser bekannt als Duftwicke) ist der Namensgeber dieses Duftes von Fragonard. Ihr Aroma habe ich (denke ich) direkt an der Pflanze leider noch nicht riechen dürfen, ich kenne aber durchaus einige Düfte, die diese Duftnote deutlich wahrnehmbar beinhalten (z.B. Lolita Lempicka - Si Lolita und Issey Miyake - Pleats Please), auch einige Monodüfte.

Bei Pois de Senteur erlebe ich erneut, was ich auch bei anderen limitierten Jahresdüften von Fragonard erlebt habe (dieser ist von 2014): Die namensgebende Zutat ist zwar durchaus wahrnehmbar, ich würde sie allerdings wirklich nicht als deutliche Hauptduftnote bezeichnen (auch beispielsweise der Jahresduft 2016, Iris, war sehr zitruslastig; es ging sogar soweit, dass die zitrische Kopfnote anfangs die Iris völlig zu überdecken schien).

Dieses Eau de Toilette, das übrigens kaum einen Duftverlauf hat, also über die gesamte Zeit der Wahrnehmbarkeit ziemlich gleichbleibend duftet, wird für mich hauptsächlich durch 4 Duftnoten geprägt: Eine in etwa gleichmäßige Mischung aus bitter-zitrischer Bergamotte (was diesen Duft für mich irgendwie auch in die "Zitrusduft-Schublade" rutschen lässt), süßem, fruchtigem Pfirsich, grünem, grasigem Maiglöckchen, und, ja, auch der namensgebenden Duftwicke. Insgesamt ist der Duft frühlingshaft, blumig-fruchtig-frisch (die Frische empfinde ich durch Maiglöckchen und Bergamotte sogar als sehr deutlich ausgeprägt).

Dazu nimmt man noch eine leicht säuerliche Rose wahr, einen Hauch wildes Veilchen, eine gewisse leichte Puderigkeit kann ich in der Basis auch vernehmen, vermutlich Moschus (und in geringer Menge könnten noch cremiges, helles Sandelholz und süßliche, eher "luftige" Vanille mit hinein spielen, ein Basis-Akkord, den man bei Fragonard immer wieder mal findet). Orange rieche ich bei diesem Duft nur in geringer Menge, sie scheint sich ein wenig mit dem Pfirsich zu verbinden und den Frucht-Eindruck ein wenig komplexer zu machen. Alle diese Noten liegen allerdings deutlich unter den Hauptnoten Bergamotte - Maiglöckchen - Pfirsich - Wicke.

Dass die Duftwicke hier nicht für sich steht, empfand ich persönlich schon als ein wenig schade, es wäre allerdings kein wirkliches "Problem" für mich gewesen, wenn mir der Duft an sich sehr zusagen würde. Leider bin ich aber auch, was das betrifft, noch nicht ganz so überzeugt (vielleicht muss ich den Duft mal bei hohen Temperaturen nachtesten, von den Duftnoten her würde ich ihn eher Frühling oder Sommer zuordnen). Weshalb? Ich empfinde die dominanten Noten nicht als wirklich zueinander passend. Irgendwie erscheint diese Mischung aus süßer Frucht in einer Ecke, bitterer Bergamotte in der nächsten, absolut grünem, taufrischem Maiglöckchen in der folgenden, und der blumigen, aber auch leicht würzigen Wicke in der letzten Ecke, ein wenig chaotisch. Ich glaube, es ist besonders die Grasigkeit des Maiglöckchens, die da irgendwie in die restliche Mischung nicht hinein passt - und leider kann man gerade dieses sehr deutlich wahrnehmen. Aber vielleicht ist das auch nur eine Frage des individuellen Geschmacks.

Was Sillage und Haltbarkeit betrifft, kann man sich über Pois de Senteur jedenfalls nicht beklagen. Die Sillage ist moderat, die Haltbarkeit ebenso, ich würde sie auf etwa 6 Stunden einschätzen.

This is Him Zadig & Voltaire von PhoenixNoctulus 2016-12-07

Dieser Duft ist, zugegeben, nicht sonderlich komplex oder originell, ich würde ihn sogar minimalistisch nennen. Der Haupteindruck besteht aus einer sehr angenehmen, leicht warmen, leicht süßlich-gourmandigen, cremigen, milchigen Mischung aus Weihrauch mit Vanille und Sandelholz. Außerdem spielt ein wenig Grapefruit mit hinein. Angenehm, zart, ganz leicht zitrisch, trotz süßlicher Vanille durchaus noch unisex, wohltemperiert, weder warm, noch kalt.

Aber dann ist da noch PFEFFER. Es mag an meiner empfindlichen Nase liegen, aber schwarzer Pfeffer knallt hier dermaßen in diese weich-cremig-harzige Mischung mit hinein, piekst in meine Nase, bringt mich fast zum Niesen. Für mich scheint der Pfeffer überdosiert, aber die meisten hier wissen ja, dass ich mit schwarzem Pfeffer so meine Probleme habe... Aber auch ohne meine Empfindlichkeit dürfte die Pfeffernote ziemlich in diese wohlig-süße Weihrauch-Vanille-Sandel-Masse einschlagen. Ein interessanter Kontrast, an sich gar nicht unpassend, macht den Duft auch deutlich maskuliner. Von der Komposition her nicht übel. Nur eben nicht mein persönlicher Geschmack. Simpel gesagt: Zu viel Pfeffer für meine Nase. Schade eigentlich, abgesehen davon gefällt mir das Mischverhältnis aus Sandel, Vanille und Weihrauch mit einem Hauch Zitrus nämlich sehr gut.

Die Sillage ist moderat, die Haltbarkeit sehr ausgeprägt, 8-10 Stunden hält der Duft definitiv durch, unter Umständen sogar noch länger. Und leider ist es auch gerade die Pfeffernote, die bis ganz zuletzt übrig bleibt, und die die letzten Stunden ganz alleine ihr Unwesen auf meinem Handgelenk treibt ;)

Accord Chic Yves Rocher von PhoenixNoctulus 2016-12-06

Accord Chic duftet für mich grau. Das mag langweilig klingen - aber so meine ich es gar nicht. Der Duft, den ich wahrnehme, ich weder warm, noch kalt, weder hell, noch dunkel. Er ist gleichzeitig wattig und puderig wie auch scharf und pieksig. Auch in meiner Fantasie formt sich die Farbe Grau, wenn ich mir eine Mischung der Noten, die ich hauptsächlich wahrnehme, vorstelle: Zartviolette Iris, helles, ganz leicht gelbliches Harz, rötlicher Pfeffer. Würde man diese Farbtöne fein zerstoben zusammenmischen, käme nicht ein helles Grau dabei heraus?

Einerseits sind da die drei Harze, Weihrauch, Elemi, Benzoe. Auch, wenn eines zart-ambratisch ist, eines würziger, eines leicht zitrisch, sie haben die typische harzige Charakteristik von Resinoiden, etwas, was ich als luftig, ätherisch, klar wahrnehme, aber gleichzeitig als sehr sanft.

Andererseits ist da die Iris: Puderig, federnd, einhüllend.

Und dann der Pfeffer: Würzig, leicht pieksig, vielleicht sogar ein wenig scharf.

Schärfe und Wattigkeit stehen sich gegenüber, Wärme und leicht "kühle" Luftigkeit, ich sehe sogar einen Kontrast zwischen Stärke (Pfeffer) und Sanftheit (puderige Iris, aber auch das Harz "fängt ein wenig auf"). Die einzelnen Aspekte erscheinen mir gleich stark, interessanterweise stehen die Noten nicht komplett nebeneinander, aber sie vermischen sich auch nicht komplett. Sie scheinen aufeinander einzuwirken, gegenseitig. Ich finde diesen Effekt sehr interessant, obwohl ich auch annehme, dass man sich beim Entwurf dieses Duftes nicht in diesem Ausmaß Gedanken darüber gemacht hat (auch, wenn ich Olivier Cresp und Marie Salamagne durchaus schätze).

Insgesamt empfinde ich Accord Chic als ungewöhnlichen Duft, insbesondere für die Marke Yves Rocher. Ob er chic ist? Wer weiß. Eine gewisse nicht alltägliche Eleganz hat er, und die gefällt mir gut.

Was nun Sillage und Haltbarkeit betrifft: Der Duft bleibt relativ körpernah, so richtig wahrnehmbar bleibt er für mich leider auch nur 2-3 Stunden. Insgesamt ist der Dufteindruck doch eher zart. Ob einem dieser ungewöhnliche Duft das häufige Nachsprühen nun wert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Preislich ist Accord Chic oft für rund 32 Euro zu haben, manchmal aber durchaus auch günstiger.

Grain de Soleil Fragonard von PhoenixNoctulus 2016-12-06

Erster Eindruck: Sonnencreme. Vanillig-harzig mit viel Sandelholz, dazu noch sonnig-cremiger Heliotrop, bisschen Puderigkeit durch Rose und Iris, dann noch ein paar sommerliche Weißblüher dazu... Irgendeine Note war da auch, die auf mich leicht kokosartig wirkte. Allerdings entwickelt der Duft sich SEHR warm, Zimt kommt noch dazu, heizt noch weiter ein, Patchouli entwickelt auch etwas Wärme, also doch eher ein Duft für die kühlen Monate des Jahres. Noch dazu ist Grain de Soleil sehr süß, was aber bei kühleren Temperaturen auch etwas weniger extrem wirkt. Also trotz Sonnencreme-Feeling (für meine Nase) ein Winterduft, definitiv.

Wo wir das geklärt hätten, kommen wir mal zu den Einzelheiten ;) Grain de Soleil besteht hauptsächlich aus einer dichten, cremigen Masse, fast schon honigsüß und ausgeprägt warm durch eine stake Ambra-Note, dazu noch gourmandige Vanille, leicht prickeliger Zimt, cremig-milchiges helles Sandelholz und marzipaniges Heliotrop. Alles ist so dicht verwoben, erinnert mich irgendwie an den zuckerigen Teig einer Süßspeise. Dazu kommt eine gewisse moschusartige "Wattigkeit" durch Iris, Rose und Patchouli, das nichts Kaltes, Erdiges oder Grünes besitzt, sondern sehr puderig (und ein wenig warm-harzig) wirkt. Weihrauch nehme ich auch ein wenig wahr, es spielt mit in die Harzigkeit hinein, fällt als Einzelnote aber nicht prominent auf. Zwischen diesem Wust aus warm-süßen Noten finde ich noch etwas Sommerlich-Blümeliges, sanft Zitrisches: Ein wenig Orangenblüte und Jasmin. Auch die Rose finde ich hier ein wenig wieder, zwischen all den süßen Gourmandnoten wirkt sie fast ein wenig wie das Rosenwasser in einer Marzipanmasse.

Zu süß? Zu warm? Für manche sicherlich. Dazu kommt noch eine ausgeprägte Haltbarkeit und Sillage. Ich glaube, bei wärmeren Temperaturen könnte ich den Duft, obwohl die Noten an sich schön sind, selber nicht tragen. Aber bei winterlichen Temperaturen macht er sich sehr schön, ist ein richtiger "Tröster-Duft" bei der Kälte draußen. Ich benutze ihn aktuell häufiger, besitze von Grain de Soleil eine Miniatur. Ich glaube ehrlich gesagt, bei der Intensität des Duftes, wird mich diese Miniatur noch ein paar Jährchen begleiten.

50ml kosten 35 Euro, 100ml 47 Euro, die Miniatur mit 7ml ist regulär für 9 Euro zu haben.

VRAI Fragonard von PhoenixNoctulus 2016-12-06

Vrai überrascht mich positiv. Auf mich wirkte die Vermarktung seitens Fragonard immer so, als gäbe es die Vrai-Körperpflegeserie, und halt nebenher auch noch dieses Eau de Toilette mit identischem Duft, quasi als Abrundung der Linie, nicht als eigenständiges, um des Duftes selbst Willen entworfenes Parfüm. Ich habe also, aber das sind vermutlich nur meine Vorurteile, kein sonderlich komplexes Erzeugnis erwartet, nichts Intensives, nichts Bemerkenswertes. Auch nichts Schlechtes (ich finde Fragonard qualitativ generell gelungen), aber eben auch nichts, was über "nett" und "angenehm" hinaus geht. Halt einfach nur einen dezenten "Creme-Beduftungs-Duft" ;) Ich habe mich geirrt.

Vrai ist ein wunderbarer, energievoller, nicht zu simpel wirkender Zitrusduft, der durchaus mit deutlich höherpreisigen Luxusdüften mithalten kann. Der Duft formt sich hauptsächlich aus spritziger Zitrone und bitter-zartfruchtiger Bergamotte (und etwas Verbene). In der Kopfnote erkenne ich auch noch ein wenig erfrischende Minze und einen winzigen würzigen Hauch vom Kardamom, später kommt noch eine ganz sanfte, wässrig-flüchtige Blumigkeit von Jasmin hinzu. Keineswegs süß, indolisch oder aufdringlich, mehr wie ein feiner Lufthauch an einem Sommerabend. Noch dazu hat Vrai einen elegant und klassisch wirkenden Hintergrund aus herb-krautigen Noten. Er zeichnet sich hauptsächlich durch Eichenmoos aus, ein wenig Thymian ist aber auch dabei.

Vrai stelle ich mich im Sommer unglaublich erfrischend vor (jetzt im Winter war er mir sogar etwas zu frisch), und dieser erfrischend-zitrische Eindruck gelingt, ohne in die 08/15-Zitrus-Aqua-Mainstream-Sportduft-Kerbe zu schlagen (und das trotz des sehr freundlichen Preises von nur 27 Euro für 100ml). Im Gegenteil, ich sehe hier eher Reminiszenzen an ein klassisches Cologne, ich würde sogar behaupten, ein wenig erinnert der Duft mich an Eau de Guerlain (mal abgesehen von der fehlenden Kümmelnote, die beim Eau de Guerlain sehr markant ist). Im Vergleich zum relativ ähnlichen Fragonard-Herrenduft Cologne Grand Luxe fällt Vrai etwas weniger bitter/herb aus, definitiv unisex, die sanfte Jasmin-Note könnte sogar ein wenig femininer wirken, fällt aber an sich insgesamt nicht so sehr bei diesem Duft ins Gewicht.

Positiv erwähnen möchte ich auch die Natürlichkeit der Zutaten, zumindest duftet alles sehr natürlich und hochwertig, die Nase reizende Chemie-Aromen, wie sie mir leider öfters in "Mainstream"-Sommerdüften begegnet sind (egal, ob als Sommerduft, Sportduft, Cologne, oder was auch immer deklariert), nehme ich hier trotz des überaus günstigen Preises dankenswerterweise keine wahr. Ich muss zugeben, da bin ich sehr empfindlich, von vielen zitrisch-aquatischen Düften bekomme ich Niesattacken und tränende Augen. Von diesem hier nicht, was ich ihm sehr hoch anrechne.

Die Sillage ist moderat, die Haltbarkeit liegt bei bis zu 6 Stunden, was ich für zitrische Eau de Toilettes persönlich sehr ordentlich finde.

Insgesamt kann ich das Testen dieses Duftes allen empfehlen, die auf der Suche nach einem schönen natürlichen, spritzig-zitrischen Cologne mit herben Untertönen sind, der kostengünstig ist, ohne billig zu riechen, und der im Sommer ein herrliches Erfrischungspotential hat.

Spicy for Him M. Micallef von aquaria 2016-12-05

Oh mei, der startet als Würztraum. Eine kristallklare, glockenhelle, tief aromatische, freundliche Würzmischung aus Zitrus mit Lavendel und hellen Harzen, in denen ich Galbanharz und Styrax vermute, und einer wunderschönen Muskatnuss, die den Duft mit zurückhaltender Süße rund und weich-würzig abrundet.
In der ersten halben Stunde wäre das ein Kaufkandidat für mich. Ein sonniger, sehr freundlicher Gewürzduft, der nicht an schwere orientalische Kracher wie „Opium“ oder ähnliches erinnert, sondern luftig und hell aromatisch daher kommt. Sauber … nicht seifig, aber sehr sauber (bisschen an würziges Rasierwasser erinnernd), sehr frisch, mit viel Energie und einer lebendigen, fast prickelnden, dunkel-zitrusartigen Leuchtkraft.
Rasch entwickelt sich „Spicy“ etwas dunkler und geht in Richtung Fougere. Ich rieche aromatische Anklänge an Tanne, ohne dass der Duft waldig wird, also nur die hellgrünen Spitzen der Tannenzweige, außerdem gesellen sich jetzt süßlichere Töne in Form einer größeren Portion Ambra dazu, während nach wie vor die Lavendel-Harz-Mischung für einen sehr lebendigen Hintergrund sorgt.
Ab dem Mittelteil wird mir der Duft zu maskulin. Er wirkt dunkelwürzig, nach wie vor sauber, mit einer gewissen „schweren“ Süße und einem dunkleren Fougere-Charakter.
Sah ich anfangs noch einen dunkelorange leuchtenden, sehr lebendigen, würzigen, „jung“ und ausgelassen wirkenden Duft, seh ich jetzt dunkelgrünen Samt und dunkelgrünes Moos im Dämmerlicht unter Tannen, einen getragenen, eleganten und ruhigen Duft.
„Spicy“ wird nach ca. einer Stunde zu diesem dunkelgrünen und warmen Duft, der noch immer in Richtung Barbershop geht, der bis zum Schluss aber kontinuierlich (warm-) holziger wird, mit langsam dunkler werdendem Tannenbalsam, der mich an das Tannengrün im „Insense“ erinnert, in „Spicy“ aber noch zusätzlich mit einer dunklen, schweren Würzigkeit, durchzogen von frisch-sauberen, parfümigen, grenzwertig seifigen Untertönen.
Süßlich durch die Muskatnuss und das Ambra, tannig, grün-patchoulig, krautig-lavendelig, hell- und warmholzig und luftig harzig, und dabei leicht barbershopmäßig.
Tja, ein maskuliner Duft aus meiner persönlichen Sicht beschrieben (ohne Erfahrungswerte mit maskulinen Düften). Falls es jemandem hilft: Auf der .com-Seite wird der Charakter ein paar mal mit Ted Lapidus pour Homme verglichen.

Avant-Garde M. Micallef von aquaria 2016-12-05

Sehr weiches und feines Leder, das mit kühlen Zitrusnoten, aus denen eine herbe Grapefruit hervorsticht, imprägniert wurde, eröffnet an mir den Duft. Die ersten Minuten wirkt er auf mich beinahe aquatisch, und ich hätte geschworen, dass hier ein Touch Melone zu riechen ist. Kühles, feuchtes, in den ersten Minuten beinahe klammes Leder, bis sich eine Pfeifentabaknote dazugesellt, die zugleich ganz leicht süßlich als auch leicht herb wirkt. Ein Eindruck, als wäre der süßliche Pfeifentabak mit einer kleinen Prise herben, dunklen Kakaos gestreckt.
Die Grapefruitnote bleibt sehr lange frisch-säuerlich und kühl vorhanden, während der Duft rundherum langsam „abtrocknet“. Es entsteht eine rauchig-pudrige Umgebung mit Weihrauch, den ich vor allem trocken-rauchig und ohne Süße wahrnehme, und einem Touch Ambergris, das eine transparente, teils salzig frische, teils süßlich warme, teils leicht animalische Aura erzeugt.
Ab dem Mittelteil rieche ich hauptsächlich nur mehr den luftigen, trockenen, aromatischen Tabak vor einem süßlichen und warmen Hintergrund aus ruhiger Tonkabohne und leicht salzigem Ambergris.
Das Zusammenspiel aus frischen, leicht salzigen (der anfänglich aquatische Eindruck hat sich zu einer Ahnung von salziger Frische gewandelt) mit süßlich-aromatisch warmen Noten, vornehmlich Tabak und ein Hauch trockenes, „bröseliges“ Leder, macht für mich den Reiz dieses Duftes aus.
„Avant-Garde“ bildet für mich ziemlich genau den Duft ab, der mich beim Betreten einer Trafik begrüßt: Der Duft nach trockenem, aromatischem Tabak, der leise in der Luft liegt, vermischt mit dem Geruch nach warmen, hellen Holzmöbeln und der Wärme im Raum, während ich beim Eintreten noch einen Schwall frischer Luft von draußen mit hereinnehme.
Oder ein ebenso passendes Bild: Ein Schiffskapitän, der in seiner alten, abgetragenen Lederjacke auf Deck seine Pfeife raucht. Frische, leicht salzige Meerluft (Ambergris) vermischt mit den warm und süßlich vorbeiziehenden Tabakwölkchen.
Ein zurückgenommener, leiser Duft mit enger Sillage, der nach elegantem Understatement riecht, der leicht und unbeschwert, manchmal fast transparent, wirkt, der aber dennoch lange anhält.

Ananda Dolce M. Micallef von aquaria 2016-12-05

„Ananda Dolce“ startet an mir wie Mandellikör, und hier rieche ich die ersten Minuten wirklich einen relativ „scharfen“ Alkohol, vermischt mir einer noch leicht grünen Mandel und etwas, das mich kurz an gemahlene Haselnüsse denken. Rasch gesellt sich eine süß-säuerliche Fruchtigkeit dazu, die anfangs wie Pfirsich anmutet, nach ca. einer halben Stunde an mir aber eher nach einer Mischung aus Birne und Apfel riecht.
Diese Fruchtmischung wird sukzessive kräftiger und übernimmt ab dem Mittelteil an mir die tragende Rolle. Leider ist sie mir aber zu säuerlich und zu laut/aufdringlich, vor allem, da ich aus den begleitenden weißen Blüten eine laute, ziemlich helle, beinahe grelle, Magnolie herauszuriechen glaube.
Ich kriege also viel säuerliches Apfel-/Birnenaroma mit sehr hellen weißen Blüten, und das alles eingebettet in eine süße Umgebung aus Tonkabohne, die hier mehr nussig als vanillig wirkt, viel warmen Moschus und ein klein bisschen Ambra-Süße. Die Mischung aus süß und sauer-fruchtig ist nicht mein Ding.
Am ehesten kann ich meinen Dufteindruck mit Yoghurt-Gums vergleichen; zwar süß, sogar ziemlich süß, aber auch mit dieser sauren und synthetischen Fruchtnote, aus der man den Chemiebaukasten herausriechen kann.
Ich glaube Micallef, dass sie hochwertige Zutaten verwenden, wird auch hier der Fall sein, aber in dieser Zusammensetzung riechen sie für mich nicht so; empfinde sie als synthetisch und künstlich… und laut.

Rhodium Yardley von Andree 2016-12-05

SEXY!!

Royal English Daisy Yardley von anessa 2016-12-04

Schöner, leiser Rosenduft mit grünen Tönen, die klein wenig frischem Gras oder Heu ähneln, dazu eine natürliche, unsüße Apfelnote, die nicht künstlich wie Apfel-Shampoos wirken. Solch eine Apfelnote hatte ich vergebens in Yves Rochers Moment de Bonheur EDT gesucht. Royal Daisy teilt mit dem letzteren zwar die kühle Rosennnote, aber wirkt viel natürlicher und weniger "parfümiert" als MdB, die mich eher an eine Kosmetikabteilung erinnert.
Royal Daisy hat etwas Unschuldiges an sich, nicht unreif oder kindisch, eher wie eine ferne Erinnerung an unschuldige, komplett unbefangene Momente einer kindlichen Jugend.
Bei aller vermeintlichen und tatsächlichen Schlichtheit hat Royal Daisy dennoch genug "Substanz", um sich durchaus als ein vollwertiges "Parfüm" nicht hinter anderen Mainstream-Markendüften verstecken zu müssen. Man wird damit nicht "stark besprüht" duften und seine Mitmenschen mit einer hohen Komplexität und Duftentwicklung beeindrucken können, aber auch niemanden stören und vielleicht solche erfreuen, die das Schöne im Einfachen zu schätzen wissen. Ein Mauerblümchen, das bei näherem Hinschauen keines ist, und für diejenigen, die einfach angenehm, sauber, frisch und dezent auf eine natürliche Weise duften möchten.

Satine Lalique von Langhaarkatze 2016-12-03

Bei mir ist der Duft gleich von Anfang an sehr Tonkabone - lastig, was ich sehr schön finde und was mich auch dazu veranlasst hat ihn mir zu kaufen, eine sehr intensive Heliotropnote nehme ich war, aber sie bleibt nicht lange,dann ist da etwas weich holziges, was ich in Düften immet sehr mag.Ja, vanillig ist der Duft, danach habe ich auch gesucht.
Sanft vanillig, holzig ist der Duft, warm, weich und weiblich, dabei unaufdringlich, aber sicher gut wahrnehmbar, für andere. Er hält auch sehr gut, über viele Stunden nehme ich ihn wahr.

Chloe Fleur de Parfum Chloe von Comfycat 2016-12-03

Ich hatte wirklich gehofft Chloe Fleur de Parfum würde vielleicht wieder ein wenig in die Richtung des (alten) Signatur Eau de Toilettes gehen, leider nein.
Die Chloe Rose ist da, sie schwimmt in einem Wasserglas zusammen mit ein paar würzigen Gurkenscheibchen um die Wette. Künstlich befremdliche kühle Frische, aber erdrückend und unangenehm. Eine herbe Enttäuschung.

This is Her Zadig & Voltaire von Comfycat 2016-12-03

Blindtest: Holz, ziemlich viel davon. Kratze-Synthetikholz mit milchigem Sandel und darüber viel Süßkram. Klingt gar nicht so schlecht, sorgt bei mir leider für unangenehmes Halskratzen. Die Strahlkraft ist beeindruckend und die Haltbarkeit lässt auch nichts zu wünschen übrig. Für mein Empfinden ist das Verhältnis der trocken "kratzigen" Holznoten gegenüber der Sahnevanille nicht ausgewogen.

1 Million Prive Paco Rabanne von ChiefGeronimo 2016-12-03

Dieses Parfüm hat einen Wohlfühl-Effekt und macht süchtig

Mon Parfum Gold M. Micallef von aquaria 2016-12-03

So, bei diesem Duft ist die Verwirrung perfekt. Ich finde drei völlig unterschiedliche Duftpyramiden, sei’s hier bei uns auf Fragrantica als auch bei parfumo und anderen Foren, und die Duftpyramide auf der Micallef Homepage gibt wieder völlig andere Duftnoten an.

Ich hab den Duft blind getestet und kann meine Eindrücke keiner der drei Duftpyramide zuordnen. Was ich rieche, ist eine Mischung aus allen drei, am wenigsten übrigens kann ich der Duftpyramide der Herstellerseite zuordnen.

Micallef geben an:
K: Pflaume, rosa Beeren, Mandarinorange
H: Orangenblüten, Tuberose, Jasmin
B: Moschus, Vanille

Also hier meine persönlichen Eindrücke.
An mir startet „Mon Parfum Gold“ wie aufgesprühter Sonnenschein. Ein gelbes, warmes Leuchten, das für mich nur Ylang-Ylang mit frischer, sanft prickelnder, sehr lebendiger und heller Zitrusunterstützung und einem Hauch zarter Fruchtigkeit sein kann.
Das Ylang-Ylang bleibt an mir tonangebend, wird im Verlauf cremiger, buttriger, eine wunderschön gelb und warm leuchtende, sämige Creme, in die sich ab dem Mittelteil ein pudriger Hauch Vanille und ein leicht krautiger Patchouli-Ton mischen. Falls Tuberose in dieser sanft fließenden Cremigkeit eingebaut sein sollte, erkenne ich sie nicht extra, wie ich auch die Orangenblüten nicht heraus rieche.
Eingerahmt wird die warme Blumencreme von etwas zart mitschwingendem Fruchtigem, das für mich exakt so riecht, als würde ich gleichzeitig an der Schale einer reifen Williamsbirne mit ihrem zart vernehmlichen süß-sauren Birnenduft, an der hauchzarten Schale eines Pfirsichs und an einer gerade aufgeschnittenen, saftigen, reifen Mandarinorange schnuppern. Diese Fruchtigkeit ist ein beständiger Begleiter während des Drydowns, tritt aber nie in den Vordergrund. Dort tummeln sich warme, gelbe, buttrig-cremige Blüten und ein Touch krautig-würziges Patchouli, eingehüllt in warmen, luftigen Moschus und eine zart-gelbe, zart-süße, pudrige Vanille.
Für 2-3 Stunden eine wunderschön hell-cremige Blütensymphonie mit luftiger Wärme, diesem Hauch an unaufdringlicher Fruchtigkeit, die zugleich Süße als auch etwas Frische mitbringt, und einem leisen Anklang von Patchouli-Würze.
Aber ab dann flacht der Duft sehr schnell ab, verliert sein Strahlen und seine Lebendigkeit. Was an meiner Haut verbleibt ist eine eher leblose Mischung aus Moschus und Patchouli, eine „mausgraue“, unscheinbare Basis, die nach und nach die Blüten völlig verdrängt und etwas diffus nach krautigem Patchouli, das irgendwie auch Anklänge von kaltem Tabakrauch hat, und nach warmem, etwas fadem Moschus riecht.

Ich kann zu den unterschiedlichen Duftpyramiden nur mutmaßen und sie mir nur so erklären, dass der Duft mindestens zweimal überarbeitet und verändert neu aufgelegt wurde. Falls diese Vermutung zutrifft, muss die letzte Überarbeitung im Laufe dieses Jahres passiert sein. Ein User auf der .com-Seite zitiert Anfang 2016 eine Duftpyramide, die er direkt von der Herstellerseite entnommen hat, die erheblich von der jetzigen abweicht:

Top Notes: Pear, Bergamot, Citrus, Grapefruit
Heart Notes: Rose, Peach, Patchouli
Base Notes: Musk, Vanilla, Tobacco, Raspberry

Aus diesen Duftnoten kann ich viele erkennen und zuordnen, allerdings fehlt hier das Ylang-Ylang, das für mich den Charakter des Duftes prägt.
Ich kann nur raten, diesen Duft vor einem Kauf auf jeden Fall zu testen und sich nicht auf die Duftpyramiden zu verlassen.

Air di Gioia Giorgio Armani von freckle80 2016-12-02

Ich kann den Vergleich mit Davidoffs "Cool Water" absolut nicht nachvollziehen. Dieser Duft ist nicht wirklich frisch und fruchtig, sondern sehr kühl und durch die deutliche Patchouli-Note eher erdig-holzig und wirkt durch die pudrige Note der Pfingstrose auch leider etwas altmodisch, bzw. "Oma-mäßig". Im Gegensatz zu den anderen Düften der Reihe finde ich diesen am schwächsten. Luftig und frisch finde ich den Duft nicht. Leicht ja, aber unterkühlt, holzig-erdig und etwas pudrig-feminin. Der Name Air passt daher nicht. "Earth" hätte es besser getroffen.

Jacquard Etro von aquaria 2016-12-01

Der erste Sprüher von „Jacquard“ fühlt sich an, als hätte ich mir kühle, glatte Seide aufgesprüht. Der Duft bleibt „glatt“ und seidig, erwärmt sich aber rasch auf der Haut. Es entwickelt sich eine wunderschön zarte Cremigkeit Süße von Ylang und Moschus, eine lebendige Frische und Würze durch Bergamotte, Engelswurz und trockenen (milden) Pfeffer und eine sanfte Pudrigkeit durch das Veilchen … und über allem thront eine strahlende Iris, die anfangs für mich ein bisschen Möhrchen-Süße mitbringt, etwas später ihre pudrigen Facetten zeigt und schließlich in der sie umgebenden Cremigkeit als sauberer, weißer Leuchtturm durch die Komposition strahlt.
Ein leuchtender Iris-Moschusduft, der durch sanft aromatische und frische Töne von Engelswurz und Bergamotte, die sich wie glänzende Duftfäden durch den Jaquardstoff ziehen, das gewisse Etwas erhält, das ihn lebendig und atmungsaktiv hält.
„Jacquard“ ist für meine Nase ein wunderschöner Pflege- und Sauberduft, an mir eher cremig als pudrig, dabei aber nie schwer, da er durch aromatische und hell-zitrische Facetten aufgelockert und aufgefrischt wird.
Je näher zur Basis, desto süßlicher wirkt der Duft. Er entwickelt sich an mir mehr und mehr zu einem süß-blumigen (Ylang, ein Hauch Jasmin und eventuell ein Touch Rose), luftig zitrusharzigen, cremigen und warmen Moschusduft mit Iris-pudriger Oberfläche und mit einem beständigen Unterton an aromatischer, „sauber“ wirkender Frische.

Sweet Parmesan Violet Hilde Soliani von Glückskind 2016-11-25

*lach* das soll doch bestimmt "Sweet Parma Violet" heißen, oder?

Eternity Summer 2006 Calvin Klein von noa69 2016-11-22

Kein Wunder, dass mir der Duft so zusagt, beinhaltet naemlich alle Komponente, die ich mag und die zusammen gemischt eine harmonische subtile erfrischende cremig saubere Komposition bilden.
Die Werbung, die Farben und der Flakon geben den Inhalt wieder, ein ruhiger, natuerlicher doch weiblicher und anschmiegsamer Duft, der positiv einstellt und einen Hauch Sommer in den Herbst bringt.
Langlebigkeit und Sillage koennten besser sein, aber vielleicht im Sommer verhalten sich diese auch besser ;)
Empfehlenswert, vor allem fuer Freunde oben genannter Duftpyramide.

Oasis La Via del Profumo von aquaria 2016-11-22

Ein cremig fließender, sanfter Tuberosenduft mit etwas warmer Rose und einem leise vernehmlichen, aber beständig sich durch die Komposition ziehenden grünen und frischen Begleitton vom Jasmin. Die Orangenblüte ist anfangs deutlich zu vernehmen, im Duftverlauf rieche ich sie nur mehr als schwache Begleitung. Der Duft kommt ohne Vanille aus, schafft es, nur mit der natürlichen Süße und Cremigkeit der Blüten vollmundig und schmeichelnd cremig zu wirken.
Die ersten 10 Minuten sind für mich anstrengend. Da machen sich relativ deutliche animalische Töne bemerkbar. „Oasis“ riecht da ein bisschen wie feucht gewordenes Tuberosen-„Heu“, das etwas modrig und muffig vor sich hin trocknet. Ja, sogar eine schwache Dung-Note glaube ich direkt an der Haut zu vernehmen. Also, wirklich animalisch und merkwürdig „unsauber“. Um es an Duftnoten festzumachen: Ich bin mir ziemlich sicher, in diesen erste Minuten eine Mischung aus indolischen Orangenblüten und grünem, etwas feucht wirkendem Jasmin zu riechen.
Dieser Eindruck verfliegt Gott sei Dank rasch, löst sich in der nun folgenden blütigen Cremigkeit vollständig auf. Zuerst rieche ich eine weiß-samtige Tuberose, ungesüßt, nur die natürliche Süße der Blütenblätter, etwas später gesellt sich eine saubere, warme Rosennote dazu, beides begleitet von nach wie vor grünem Jasmin, der sich in Folge durch die ganze Komposition zieht, wenn ab dem Mittelteil auch nur mehr leise im Hintergrund vernehmbar. Der Jasmin riecht authentisch und bringt, neben einer zarten Süße auch die für ihn typischen grünen, vegetalen Akzente in den Duft.
„Oasis“ bietet einen unverschnörkelten und realistischen Eindruck nach exotischen, weißen Blüten. Zuerst ist da über längere Zeit eine stolze, weiße, nüchterne Tuberose, gebremst in ihrer Süße und Intensität durch den grünen, leicht herben Jasmin. Erst ab dem Mittelteil entwickelt sich der Duft kontinuierlich tief-cremiger und geschmeidiger.
Es scheint, als würde das Duftzentrum zu schmelzen beginnen, während die Duftoberfläche hell und sauber blumig und dank der inzwischen leicht orangig-zitrisch duftenden, nur schwach vernehmlichen Orangenblüten auch luftig und relativ frisch bleibt. Aus dem Inneren heraus entwickelt sich warmer, angenehm milder, zart fließender Schmelz, eine Cremigkeit, die ich bei einem Blindtest wohl Irisbutter zugeordnet hätte. Aber es scheint nur die Tuberose zu sein, die hier vor sich hinschmilzt, unterstützt von der Wärme und Süße einer unaufdringlichen Rose. Jedenfalls eine wunderschöne, warme und mäßig (also natürlich) süße Blütencreme.
Schwer, die Aussage dieses Duftes in passende Worte zu kleiden: Es handelt sich um keine laute, strahlende Tuberose und schon gar nicht um einen kitschig süßen Blütenduft. Diese Blumencreme hier ist das realistische Abbild eines Blumenstraußes aus exotischen Weißblühern. Es ist eine getragene, sehr ruhige und zurückhaltende Cremigkeit, was den Duft elegant und damenhaft wirken lässt. Er ist dabei aber gleichzeitig auch warm einhüllend, gehaltvoll cremig, manchmal beinahe kuschelig, ohne jemals zu dick aufzutragen oder drückend zu werden.

Bazaar La Via del Profumo von aquaria 2016-11-21

Parfümeur Dominique Dubrana bezeichnet „Bazaar“ als Duft mit „maskulin kräftiger Würzigkeit und Holzigkeit“ und als einen „extrovertierten Duft“.
Ich selber finde nichts speziell Maskulines in diesem Duft.
Was ich hier rieche, ist ein Beinahe-Klon zu „Patchouli Noir“ von Il Profumo. Das heißt, ich rieche hier hauptsächlich einen würzigen, samtig aufgerauten und ruhigen Patchouliduft, der wie der „Patchouli Noir“ mit feinen Harzen und einer warmen, sehr milden Holzigkeit kombiniert wurde.
Was den „Bazaar“ darüber hinaus auszeichnet, ist eine extra zarte Rauchigkeit von mild dosierten Nelken und wunderschön ätherischen, warmen Weihrauchfäden.
Was diesen „Bazaar“ für mich aber vor allem von „Patchouli Noir“ unterscheidet, ist eine quälend schöne, zarte, parfümige Galbanharznote.
Ich wiederhole mich hier, habe es schon bei einem anderen Duft von Dominique Dubrana so bezeichnet: Dieses parfümige Galbanharz (vermutlich im Zusammenspiel mit trockenem, aromatischem Zimt, anderen aromatischen Gewürzen und einer leichten, zitrisch frischen Säuerlichkeit) wirkt wie ein Geschmacksverstärker, ist so verlockend wie Umami. Und damit meine ich nicht den typischen Maggigeschmack oder etwas Schweres, Malziges, sondern diese quälend flüchtige, süß-saure, aromatische Note, die ich von Chips oder ähnlich süchtig Machendem kenne; dieser erste Moment, wenn man in einen Chip beißt und diese Geschmacksexplosion auf der Zunge spürt, die dafür sorgt, dass man bei manchen Lebensmitteln nur schwer aufhören kann. Und genau so geht es mir mit diesem Duft. Die Note schwingt subtil ständig mit, lässt sich kaum greifen, und ich habe ständig das Gefühl, ich will mehr davon.
Also, zusammengefasst, ein wunderschöner Patchouli-Gewürz-Weihrauchduft mit dieser durch den Duft schwebenden, extra parfümigen, süß-sauren, aromatisch frischen, verlockenden Galbanharznote. Für mich ein Gedicht.

Sharif La Via del Profumo von aquaria 2016-11-20

„Sharif“ eröffnet mit einer feinen Ledernote, begleitet von süßer Mandel. Das Leder wirkt zunächst so zart, weich und pudrig wie die Ledernote im „Cuir Beluga“, wird aber innerhalb der nächsten halben Stunde kräftiger, dunkler und rauchiger. Ich vermute, dass rauchige Holznoten und einige rauchige Harze für diesen eher maskulinen Ledereindruck sorgen.
Etwas Wunderbares geschieht in der Zwischenzeit mit der Mandelnote. Die wird durch die rauchige Umgebung so richtig hervorgehoben, intensiviert sich kontinuierlich und wird zu einer schönen, kräftigen Bittermandelnote, die aber gleichzeitig noch einige Töne der süßen Mandel aufblitzen lässt.
Nach einer Stunde trage ich einen intensiven Bittermandelduft, der vor einem mäßig orientalisch harzig süßen und leicht ambrierten Hintergrund düftelt, betont durch eine scharf-aromatische, beinahe kampferartige Note, die einiges an grüner Frische durch den Duft ziehen lässt und die Mandelnote so richtig intensiv strahlen lässt.
Über weite Strecken erinnert mich der Duft an den Anfangsakkord des „Louve“ von Serge Lutens. Während der an mir aber kontinuierlich süßer wird, hält „Sharif“ diese aromatische Bittermandelnote bis zum Schluss. Grün-rauchige Holznoten, luftige Harze, transparentes Ambra und sehr weiches Leder hüllen die Mandel ein.
Das einzige, das mich in diesem Duft etwas stört, ist eine leicht animalische Note, die sich ab dem Mittelteil im Hintergrund bemerkbar macht. Ich nehme an, es handelt sich hier um das Zibet, das mir hier keinen sinnlich warmen Hautton bietet, sondern sich mit dem Leder verbindet und es damit für meinen Geschmack überwarm und etwas „unsauber“ wirken lässt. Zunächst nur ein vager Eindruck, aber je näher sich der Duft der Basis nähert, desto „schmutziger“ wird dieser Begleitton, auch wenn nach wie vor die orientalisch umrahmte Mandel die Hauptrolle spielt.
Dennoch Testempfehlung für alle, die einen etwas anderen Lederduft suchen. Mandelleder habe ich so noch nicht gerochen. Der Duft ist faszinierend: Warm, intensiv ledrig, dabei doch sanft durch die ausgleichenden orientalischen Noten, allen voran das Ambra, und zart cremig durch den weichen Bittermandelcharakter.
Die Duftprojektion wird durch leicht rauchige, harzige und orientalisch würzige Noten lebendig gehalten. Die warmen Rauchfäden stammen von grünem, frischem Holz und von Harzen, die, wie ich vermute, Styrax und eventuell Benzoeharz sein könnten. Nur direkt an der Haut gerochen, ist die animalische Note für mich dann doch etwas zu „drückend“. Die Zibetkatze springt mich beim Tragen zwar nicht an, aber sie faucht beständig aus dem Hintergrund.

Sex and the Sea Francesca Bianchi von Comfycat 2016-11-15

Die Francesca Bianchi Düfte haben eine Signatur aus üppigem Puder mit Blumengarnitur aus Rose, Iris und Mimose, zumindest habe ich den Eindruck.
Diese Signatur macht mit Sex and the Sea einen Ausflug zum Tag am (FKK-)Strand. Es ist warm, die Haut trieft vor Kokosöl und süßer Sonnencreme, trocknendes Salzwasser auf der Haut.
Das Tier Mensch unter sengender Sonne mit einer Pina Colada in der einen und der Sonnencreme in der anderen Hand.
Durchaus tragbar, auch wenn eine animalische Note definitv da ist und auch ein Hauch Salz an verschwitzte Haut erinnert, überwiegen die cremigen Kokosnuss und Sonnenmilchaspekte. Haltbarkeit und Sillage sind wie bei den anderen FB-Düften sehr gut.

Angel's Dust Francesca Bianchi von Comfycat 2016-11-14

Angel's Dust ist eher Angel's Boudoir: Töpfchen und Tiegelchen voller Cremes und Puder, die Diva vor dem Schminktisch, lasziv die nackten, mit Nagelrot betupften Zehen im Tigerfell vergraben. Der kritische Blick in den Spiegel, von links, von rechts, noch einmal die dicke Puderquaste aufs Gesicht gedrückt, noch einmal den Kirschroten Lippenstift gezückt und die Wasserwelle in Form gedrückt.

Angel's Dust ist süßer Puder, statt Veilchen leuchtet im im Kosmetik-Dreigestirn diesmal Mimose etwas als Iris und Rose. Vanille und Harze riechen für mich eher nach Honig. Vom Pfeffer keine Spur. Nur dichter, süßer Puder mit Moschus. Wattig. Weich. Warm.
Fans von Kosmetik-, Lippenstift- und Puderdüften dürften hier voll auf ihre Kosten kommen.

Haltbarkeit und Sillage sind sehr gut.

The Dark Side Francesca Bianchi von Comfycat 2016-11-14

Gothic-Charme auf Kuschelkurs. Räucherwerk, Honig, Rose, dicker Kosmetikpuder mit Veilchen-süßer Iris, leichter Creme-Vanille und eine Überdosis Iso-Zeder- alles im Zeitraffer und mit Retro-Boudoir Einschlag. Dicht und voluminös wie Samtplüsch. Homöopathisch dosiert nicht schlecht. Die Haltbarkeit ist sehr gut, die Duftaura raumgreifend. Ein Duft für den dunklen, kalten Winter.

Angel Étoile des Rêves Eau de Nuit
Angel Stern der Träume Wasser der Nacht?


Also im Auftakt auf der Haut hat dieses Eau de Nuit
mindestens genauso viel Wumms wie das normale Angel EdP.

Patschuli-Vanille-Schoko als einheitlich
starke Wolke! So wie man es gewohnt ist :)

Doch dann wird der Duft leiser, gefälliger und so richtig smooth!
Obwohl dies eine "Intimate Intense" Version sein soll.
Weicher und intimer ist der Duft schon.

So weich und kuschelig ist das EdP nicht.
Patschuli wird gewaltig heruntergefahren,
Praline und Vanille vermischen sich zu
einer körpernahen Creme.

Im Drydown nehme ich sogar einen Hauch Moschus wahr.
Intense muß also nicht unbedingt laut und kräftig bedeuten.

Absolut passend als Bettduft,
oder eben für den Abend allgemein.

Da hat Frau auch noch die Chance hinter
dem Duft wahrgenommen zu werden ;)

Auf der Kleidung bleibt der Duft noch eine
Weile etwas kräftiger.

Und der Flakon ist einfach nur wunderschön!

Das sagt Mugler über diesen Duft:

Angel Etoile des Reves
Eau de Parfum for the Night

Wrap yourself with a delicate negligee of scent as you unveil a new night ritual with the sensual ANGEL Etoile des Rêves. This new Star is an intimate, intense version of ANGEL with an intoxicating fragrance that lasts... all night long. Even the stars won't resist you!
Fragrance notes: bergamot, praline, vanilla, patchouli, musk

Bekannte Marken und Parfums: