Düfte und Kulturen Kaiserin Josephines Rosengarten

Kaiserin Josephines Rosengarten

02/19/16 09:19:15

von: Naheed Shoukat Ali


Als Napoleon Bonaparte 1804 seine Gemahlin Joséphine zur Kaiserin krönte, ließ sie auf ihrem Landsitz Chateau de Malmaison einen der prächtigsten Rosengärten Frankreichs anlegen. Auch heute noch ist dieser Rosengarten wegen seiner Architektur und Schönheit Gegenstand der Bewunderung. 1799 hatte sie bereits das Schlösschen bei Choisy erworben, um dort ihrer lebenslangen Passion für Blumen nachzugehen. Dieses Chateau de Malmaison wurde nach ihrer Scheidung von Napoleon bis zu ihrem Tod schließlich auch ihr permanenter Wohnsitz. Das Landschloss war von ausgedehnten Ländereien umgeben, in dem sie Sträucher, Blumen und Bäume aller Herren Länder pflanzen ließ und einen separaten Rosengarten anlegte. Als Joséphine 1814 starb, enthielt ihre Rosensammlung alle auf der Welt bekannten Rosensorten ihrer Zeit.
 



Heute scheint es uns schwer vorstellbar, wie sie das damals bewerkstelligte, alle auf der Welt bekannten Rosensorten zusammenzutragen, wenn man bedenkt, dass sich Frankreich ständig in Kriegen befand und es Spannungen zu anderen Ländern gab. Aber wenn man etwas unbedingt will, dann schafft man es auch. Joséphine versammelte alle namhaften Botaniker und Gartenarchitekten um sich: Thomas Blaikie, einen der berühmtesten Gärtner seiner Zeit, der die Gartenanlage plante, Mr. Kennedy, den Besitzer der Vineyard Nurseries (der Weinschule) in Hammersmith; und André Dupont, den Direktor des Jardins de Luxembourg in Paris, der die weltweite Suche nach Rosen ermöglichte und sie nach Malmaison brachte.

 

Es gab in Malmaison um die 250 unterschiedlichen Rosensorten, und ich denke, für Rosenliebhaber könnte es interessant sein, wenn ich ein paar der Sorten beschreibe. Die zahlenmäßig am größten vertretene Sorte waren die Rosa Gallica, die in über 150 Varianten im Garten wuchsen (Rosa Gallica sind eine Rosensorte, die entweder auf die Römer zurückging oder von den Kreuzzügen nach Europa gebracht wurde). Neben den Rosa Gallica blühten auch Rosa Alba (eine antike Rosensorte, die ebenfalls auf die Römer zurückgehen dürfte). Centifolia (eine stark duftende Rosenvariante, die heute als Ursprungspflanze für neue Züchtungen verwendet wird), die Damaskus Rose (ebenfalls eine intensiv duftende Sorte, die durch die Kreuzzüge nach Europa kam), und Rosa Sulfurea (eine gelbe Rose, die über Persien nach Wien gelangte). Es gab auch noch Rosa Rugosa, Brunnet Rosen, Blutrosen aus China und Virginia Rosen aus Amerika. Die Tatsache, dass sich Damaskus Rose und Centifolia im Garten befanden, muss ihn mit einem herrlich betörenden Duft umgeben haben, und stellen wir uns nur das Bild dieses Rosenmeers vor: Soweit das Auge reicht, nichts als Rosen – was für ein betörender Anblick!

 

Kaiserin Joséphine beauftragte Pierre-Joseph Redouté, Illustrationen ihrer Rosen herzustellen, um ein Verzeichnis aller Rosenarten und –sorten zu haben. Das Resultat war „Les Roses“, das bis heute als Redoutés größtes Werk gilt. Redouté war ein sehr talentierter Künstler und ein hervorragender Botaniker. Er arbeitete mit der Technik des Farbstichs, nach der er seine Skizzen in Aquarell-Technik ausmalte. „Les Roses“ besteht aus drei Bänden mit 169 Illustrationen der Malmaison Rosen und begleitenden Textbeschreibungen von Claude-Antoine Thory. Der erste Band erschien 1817, drei Jahre nach Josephinés Tod.

Was passierte mit dem Rosengarten nach Josephinés Tod? Zuerst wurde er sträflich vernachlässigt und war 1815 so gut wie tot. In manchen Quellen ist auch zu lesen, der Garten wäre während des Krieges Preußen-Frankreich 1870/71 von den Preußen zerstört worden. Das war leider das zu erwartende Schicksal des Gartens im damaligen, kriegsführenden Frankreich, aber nicht alles war verloren. Was von der Rosensammlung noch zu retten war, wurde von Jules Gravereaux in seinem berühmten Rosengarten „La Roseraie de L'Haÿ les­ Roses“ neu herangezüchtet, wie unten zu sehen. Das älteste, heute noch existierende Rosarium kann dort besichtigt werden.

Alle Illustrationen: Pierre-­Joseph Redouté



Author: Naheed Shoukat Ali (naheed)
Fragrantica Writer

 

 

 


 


 



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