Düfte und Kulturen Die frühere Parfümhauptstadt: Eine Reise nach Montpellier

Die frühere Parfümhauptstadt: Eine Reise nach Montpellier

07/25/16 13:30:13 (Ein Kommentar)

von: Valery Mihalitsyn

 
Es ist noch nicht lange her, dass ich nach Russland heim kehrte von meiner Reise in den Süden Frankreichs, die mich auch nach Montpellier, der Hauptstadt des Departments Hérault in der Region Languedoc-Roussillon führte. Das Mittelmeer ist nur an die 10 Kilometer entfernt, aber, um ehrlich zu sein, habe ich es nicht mal gesehen.
 
Anfang Mai berichtete Sergey unseren Lesern über die in Montpellier beheimatete Parfümmarke Chabaud Maison de Parfum und wies dabei auch darauf hin, dass seit dem 15. Jahrhundert nicht Grasse, sondern Montpellier als das Zentrum der französischen Parfümkunst galt. Diesen Status erhielt die Stadt durch ihre Lage am Mittelmeer. Später, im 18. Jahrhundert, verlagerte sich das Interesse des Königshofes nach Grasse und Montpellier geriet aufgrund hoher Einfuhrsteuern unter Druck.
Es interessierte mich, wie viele Parfümmarken mit dem früheren Zentrum der Parfümproduktion noch in Beziehung standen. Unter den bekanntesten können wir Chabaud, Esteban and Paul Emilien verbuchen. Und das sind auch schon alle! Wir werden auf Fragrantica versuchen, alle Neuigkeiten und Parfümbeschreibungen dieser Marken zu publizieren, aber heute möchte ich über die Stadt Montpellier und ihre Duftaura schreiben.
 
 
 
 
 
 
 
Montpellier ist die perfekte Kombination aus mediterranem Klima und schöner Architektur. Kommt man aus einer Region mit gemäßigtem Kontinentalklima, dann denkt man, es gibt keinen Winter in Montpellier. Die Luft ist rein und riecht ganz leicht nach Meer. Montpellier strotzt vor einer üppigen Vielfalt an Blumen und zahllosen Grünflächen. Dank dieser Tatsache trägt jeder Windstoß einen angenehmen Duft heran, den man allerdings nicht greifen oder an einzelnen Komponenten festmachen kann – es scheint vielmehr so, als würde die Stadt selbst ihr eigenes Parfüm an die Luft abgeben.
 
 

La Place de la Comedie ist das pulsierende Herz Montpelliers. Dort findet man eine Reihe von Restaurants, Süßwarengeschäfte und Bistros mit allen möglichen französischen Sandwiches. Im Frühling und Sommer stehen ihre Türen weit offen, und der Duft frisch gebackenen Brotes, von Früchten und Vanille hängt überall in der Luft.

 

Alle Gebäude im Stadtzentrum sind in verschiedenen Schattierungen von Beige gehalten. Sogar die Steinplatten auf dem Place de la Comedie passen farblich zu den Gebäuden. Und all das lässt Montpellier wie das Fantasiewerk eines Konditors wirken, der aus Crème, weichen Keksen und Kuchenglasur eine Stadt gebaut hat.

Spaziert man ein paar Meter vom La Place de la Comedie weiter zum Palais des Congrès erreicht man einen kleinen Park mit einem kleinen See, wo Ende Mai blühende Lindenbäume die Wege säumen. Unter einer Linde stehend machte ich Fotos der goldenen Blüten, was mir auch einige amüsierte Blicke einbrachte. Während dieser paar Minuten, als ich im Stadtzentrum stand und diesen honigartigen Blütenatem der Stadt einatmete, verliebte ich mich in Montpellier. Würde ich nicht in St. Petersburg leben, sondern hier, würde mich diese allgegenwärtige Schönheit sicher in den Wahnsinn treiben… ich wusste auch so, es würde mir schwer fallen, wieder heimfahren zu müssen.

 
 
Ich wusste bereits, dass mich überall, egal wohin ich ging, dieses weiche, sonnige Aroma der blühenden Stadt begleiten würde. Enge Gässchen rochen nach kaltem Stein, während aus den umliegenden Cafès der Duft nach Kaffee und süßen Leckereien drang. Sonnenstrahlen, die auf die cremefarbenen Mauern fallen, lassen sie wie von innen leuchten. Größere Straßen, an denen es viele Friseursalons gibt, riechen nach Zitrus und kräuterigen Eaux de Cologne, während die zahlreichen Blumengeschäfte den Duft nach süßlich holzigem, feuchtem Linalool beitragen. Und die Kathedrale Montpelliers riecht mit ihren Säulen aus Muschelkalk wie von der Sonne gewärmter Sand.
 
 

Einer meiner Hauptprogrammpunkte war der Besuch des botanischen Gartens Montpelliers. Es ist der älteste botanische Garten Frankreichs, gegründet vom Botaniker Pierre Richer de Belleval Ende des 16. Jahrhunderts. Damals war er nicht als Schaugarten gedacht, sondern erfüllte einen praktischen Zweck – Studenten der rasch wachsenden medizinischen Fakultät der Universität Montpellier pflanzten dort medizinische Kräuter. Aber im Zuge der späteren Religionskriege wurde der Garten in nur 25 Jahren komplett zerstört.

Es ist interessant, dass medizinische Studien und Praktiken bereits im 13. Jahrhundert von Guillaume III in Montpellier initiiert wurden. Später folgten die Fakultäten Philosophie, Jura, Theologie und einige Kunstakademien. Dies legte die Basis zur Gründung der Universität Montpellier (eine der ältesten Frankreichs), an der Nostradamus, Heiler und Prophet, im 16. Jahrhundert studierte.
 
 
 
 
 

Es mag seltsam erscheinen, aber ausgerechnet der älteste botanische Garten Frankreichs ist relativ arm an Blumen und Düften. Er vermittelt mit seinen vielen Pavillons und schattigen Wegen eher die Atmosphäre eines alten Parks. Die dominierende Farbe ist Dunkelgrün. Einige der Bäume dort sind an die 300 Jahre alt. Der mittelalterliche Heilkräutergarten enthält eine Reihe lang gestreckter, mit Steinen eingefasster Gartenbeete mit Lavendel, Thymian und anderen Kräutern. Ein dunkelholziger Geruch, nur aufgefrischt von den Grünpflanzen und einigen Blumen, machte mich eher melancholisch; anders als meine Erfahrung im botanischen Garten zu Hause in St. Petersburg, der mich mit positiver Energie füllt.

 

Wie viele Städte des Südens ist auch Montpellier erfüllt von unterschiedlichsten Aromen, und alle von ihnen sind natürlich. Selbst an warmen Nachmittagen, die nach den Aromen von heißen Croissants, Kaffee und Vanille duften, erscheint die Luft nicht zu süß – sie ist sanft und freundlich, und spätestens wenn der Duft blühender Rosen dazu kommt, spürt man die Notwendigkeit, einen faulen, entspannten Nachmittag auf der Terrasse zu sitzen und die wunderschöne Landschaft ringsum zu bewundern. Montpellier ist wirklich ein hedonistisches Plätzchen.

 

Es ist höchste Zeit, über die wichtigsten Parfüm-Adressen, wo die Parfümjunkies ihre duftenden Schätze finden können, zu schreiben… aber es wird hier keinen Führer durch Montpelliers Parfümboutiquen geben, denn… es gibt dort keine! Der einzige dort zu findende Parfümladen ist die Chabaud Monobrand Boutique direkt im Stadtzentrum in der 17, rue de la Croix d'Or. Für andere Marken besucht man am besten einen der vielen Konzeptläden, wie zum Beispiel die Galeries Lafayette.

Sollte jemand eine Reise nach Südfrankreich planen, empfehle ich, Montpellier auf das Programm zu setzen. Die Stadt ist einen Besuch wirklich wert!
 
 
Fotos: Valery Mikhalitsyn
 

Valery Mikhalitsyn

A perfume columnist from St.Petersburg, Russia, Valery is a regular contributor to Fragrantica.ru. Perfumery has been his passion from a very early age and he likes to explore perfume creation and analyze its structures and development. He also writes about perfume at his blog L'Hedoniste.

Translation: Jane Wonder

MEH



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Da kommen Urlaubsgefühle auf! :-)
Ein schöner "Sommer-Artikel" mit appetitanregenden Fotos, die Lust aufs Reisen machen.
Für mich haben manche Städte auch ihren eigenen Geruch. Salzburg, zum Beispiel, riecht (abseits der üblichen Stadtgerüche) für mich immer wie eine Mischung aus würzig und süß (in der Altstadt gibt es unzählige Gewürzstände neben Kaffeehäusern und Konditoreien), auch grün durch die vielen Parks und Alleen und nach dem typischen Geruch der Salzach und den begrünten Uferpromenaden.
Dublin roch bei meinen Besuchen salzig und frisch, manche Straßen in der Fußgängerzone nach Kaffee (Bewley's Coffee) und an manchen Plätzen stark nach Meer und Fisch (nicht auf die unangenehme Art).

Jul
26
2016

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